Mein Kollege

aus der Zeitarbeit, aus einer anderen Firma, weil wir werden immer an andere Leiharbeitsfirmen ausgeliehen, also mein Kollege aus der anderen Firma hat jetzt gekündigt, weil er wieder in seinem alten Beruf als Verwaltungsmensch anfangen kann, der hat erzählt, das er in der Gemeinde für die Flüchtlinge einkaufen wird und zusätzlich bekämen die noch 600 Euro pro Kopf und Monat zu  Unterbringung und Essen ausgezahlt.

Darüber sind wir alle nicht fertig geworden. ABER: Auch wenn ich das noch nicht geguhgelt habe, weil solche Verwaltungsrichtlinien in der Tiefe des Netztes veröffentlich sind, die Suche dauert halt, kann ich schon folgendes sagen:

In der Pause habe ich vor Wochen einen Zeitungsartikel gefunden, da veröffentlichte, ich glaube es war die Süddeutsche, Zahlen, nämlich wieviele Milliarden für wieviele Millionen Flüchtlinge ausgegeben werden.

Ich habe mich dann mit dem Taschenrechner hingesetzt und bin auf eine montaliche Ausgabe von über 900 Euro pro Kopf und Monat nur für Essen und Wohnen gekommen. Wirklich pro Kopf, weil ich einfach nur die Ausgaben durch die Anzahl der Menschen geteilt habe. Und dort stand wirklich für Essen und Unterkunft. Und ich habe die Nullen bei der Eingabe ganz genau durchgezählt, damit ich nichts falsch mache.

Das wirft Fragen auf: Wer verdient sich da eine goldene Nase? Und wer hat was davon, den einfachen Hartz4-Empfänger auf die Flüchtlinge los zu hetzen?

Weiterhin, um der Debatte ein Ende zu setzten, gucken Leute in Salzgiter und anderwo zu, wie ganze Siedlungen saniert und vollständig eingerichtet werden, während sie im Akkord ind Früh- und Spätschicht mit 900Euro nach Hause gehen, und nicht wissen, wie sie die durchgelegene Matraze ersetzen.

Wer. zur Hölle, hat was davon, hier Streit zu säen? Und wo kommt das Geld so plötzlich her?

 

Jetzt

mag ich echt nicht mehr.

Die Polizei hat mich angerufen. Festgestellt habe ichd as in einer Rauchpause.

Boah, da hat man ja gar keinen Bock drauf. Aber…wer weiß, wer im Krankenhaus liegt, der  Ordnung halber zurück gerufen.

Ich solle doch M. aus der Psychiatrie holen. Aha. Man war jetzt nich so erfreut, das ich nicht los bin, sondern in der Spätschicht blieben. Wie soll denn auch der Kollege mit nach Hause kommen.

Egal, durchgezogen. M. wurde von meinem großen Sohn abgeholt und bei mir abgesetzt. Ich bin eine halbe Stunde früher weg.

 

Sodele. was war passiert. Gesoffen mit den falschen Leuten, als Linkshänder sich an der linken Hand versucht, die Pulsadern aufzuschneiden…typischer Scheiss.

Ich kündige dann mal, würde ich so sagen.

„Was machste denn ohne uns?“

Das bin ich heute gefragt worden. Der Einsatz neigt sich dem Ende entgegen und damit auch meine Firmenzugehörigkeit zu meiner Leihfirma.

„Och….Gatten. Erstma Gatten! Und dann Arbeitsamt. Ich lass mich ma dummschulen….das wär ja was.“

„Garten? Wo haste denn Dein Garten?“

„Hinterm Haus. So ein schöner Garten, das schon Arbeit…“

Ich spekulier ja drauf, das meine Arbeit bald endet, ich mag nicht mehr, nachdem ich Freitagmorgen Herzrythmus-Störungen hatte und das Wochenende platt lag.

Der, der mich die ganze Zeit in meiner Frühschicht genervt hat, der hat jetzt meinen Posten als Vorarbeiter. Wollte er wohl haben, sonst hätte es keinen Grund gegeben….immerhin hat ein Kollege, der fröhlich mitmachte, ihm irgendwann gesagt, er solle mich endlich in Ruhe lassen. Und später wollte er mich im Raucherraum nötigen, eine seiner Marlboros zu rauchen. Sowas rauch ich aber nicht.

Jedenfalls bin ich jetzt in der Spätschicht und stelle Flaschen in Kartons. Und ich möchte die letzte Zeit auch nichts anderes machen und auf keinen Fall wieder an die Linie, wo der neue Vorarbeiter ist. Arsch, der.

Was mache ich also hinterher? Leben, klar, oder? Ohne Typen, die mir sagen, wie toll ich bin, das mein Leben ja so wie es ist, scheisse ist und ich bei ihnen nicht arbeiten müsste….

Gespräch mit Omma

„Im Fernseher haben sie gesagt, das, wenn noch mehr Flüchtlinge kommen, also sie viele wie bisher, dass dann am Ende des Jahres unser System zusammen bricht. War ZDF.“

Omma:“ Und wie soll das aussehen?“

Ich: „Das weiß ich doch nicht.“

Omma:“Und was machen wir dann?“

Ich:“Weiter wie bisher.“

Aschersleben Teil 2

Ich habe beschlossen, C. und ich werden den Osten für uns  erschließen.  Was ich schon weiß:

Der Mindestlohn liegt bei 8,20 Euro, die Butter kostet im ganzen Land gleich. Damit hatte Billy aus Leipzig gemeint, das alles gleich kostet wie auf dieser Seite des Harzes.

Der geringere Mindestlohn und die Förderungen reizen Firmen, sich dort anzusiedeln. Ich möchte hier nur an Müller-Milch erinnern, der auf dieser Seite des Harzes einige tausend Arbeitnehmer freigestellt hat, wie das neudeutsch heißt, und sich auf der anderen Seite des Harzes angesiedelt hat.

Ich werde Fotos mitbringen. Bei unserem letzten Ausflug hätte ich gern die Birke fotografiert, vor der wir gehalten haben, um Esmeralda, das Navigationsgerät in meinem Handy, unsere Postition bestimmen zu lassen. C.’s Nordpolarstern war ausgefallen. Ich denke mal, ich habe mich nicht getraut, diese Birke, die so zurück geschnitten war, das sie DAS  Kreuz ergab,zu fotografieren, weil ich es gewohnt bin., auf der anderen Seite des Harzes AUF GAR keinen Fall zu fotografieren. Aber diese Regel gilt schon lange nicht mehr.

Die andere Seite des Harzes ist dauernd im Fernsehen. Wegen des braunen Mobs.Und ich konnte bisher nicht verstehen, warum der sich da so ansiedeln kann.

Aber als ich gestern einen Bericht sah auf Phoenix, der Flüchtlingskindern interviewte und am Ende eine Frau, die darauf hingewiesen hatte, das ihre Nase keine Säufernase sei, sondern seit der Erfrierung auf der Flucht so aussah, also, als diese am Ende, nach den neuen Flüchtlingsströmen befragt, ganz leise und überlegt sagte: „Na, vielleicht wird alles gut.“, da war genau das die Aufforderung, den eigenen Horizont zu erweitern.

Denn der „braune Mob“ sitzt auch in der Firma im Raucherraum zwischen Ali und Ahmed und pöbelt da rum.

 

Olhof

Olhof ist ein Stadtteil von Goslar. Man hat den Eindruck, einheitlich am Reißbrett geplant und später auch so gebaut. Sozialer Wohnungsbau in Backsteinoptik, lauter Strassen mit Ring und Weg am Ende und Ein-Familienhäuser, mit ein und zwei Familien drin, manchmal laut Klingel auch vier.

Wir sind dort seit Dezember unterwegs und tragen dort Zeitungen. Wenn ich bei Familie L. zum Briefkasten will, hören sie mich, denn jedesmal stolpere ich auf ihrem Weg zum Haus, weil ein Baum mit seinen Wurzeln die Platten des Weges hochdrückt, denn jedesmal fluche ich, weil es mich nervt, fast zu fallen. Vielleicht können die sich ja irgendwann hinreißen lassen, ihre Büsche doch wieder so zurück zu schneiden, das die überwachsenen Gehwegplatten wieder frei sind und man nicht mehr über die Wurzelholperstrecke muss.

In Olhof leben u. a. Lehrer, Direktoren, Professoren, Doktoren und C. sagt, seid wir in diesem Monat jede Woche eine Beschwerde bekommen, dass er froh ist, nicht dort zu leben.

Vor zwei Wochen hatten wir eine Beschwerde, wir würden immer nur nachmittags ausliefern oder aber montags. Ich bin dann mit meinen Stundenzetteln zur Zeitung und habe gefragt, wer das macht, das montägliche Ausliefern und habe erklärt, das ich keinesfalls noch einmal bei Dunkelheit dort austrage, weil ganz viele Häuser kein Licht am Haus haben.

Diese Woche ließ uns jemand ausrichten, er habe zwei(!) Zeitungen bekommen, wolle jedoch nur eine und wir hätten die 24 weißen Plastikbänder von den Zeitungsbündeln auf seinem Eckgrundstück entsorgt. Sind hier eigentlich langsam alle bescheuert? Was sind denn das dann für Plastikbänder, Plastikbandarolen und Zettel mit Großbuchstaben, die ich im Müllbeutel in meinem Kofferraum sammele? Und warum sollte ich nur die Bänder wegschmeissen?

Aber egal. Krönend ist wirklich folgendes: Wir sollen die Zeitung in den Zaun stecken, weil sich ein Hund auf dem Grundstück befindet. Der vorherige Auträger habe das auch gemacht.

C. meinte nur: „Wenn ich nicht will, das jemand mein Grundstück betritt, dann mache ich den Briefkasten vorn an den Zaun.“ Sehe ich leider genauso. Der nächste möchte, das ich sie im Kellerfenster hinten links deponiere oder was?

Schlängeln wir uns seit Wochen über Grundstücke, an zwei oder sogar drei Terassen vorbei auf die Tückseite des Hauses zu einem riesigen Eingang, sind wir gleichzeitung froh, das es bei den Besitzern dieses Hauses nicht zu mehr Grundstück gereicht hat, weil wir dann wahrscheinlich noch durch den halben Garten laufen müssten, um an den Briefkasten zu kommen. Und ich bin zu er festen Überzeugung gelangt, das das Masche ist, der Besucher sich den ganzen Reichtum angucken muss.

Es gibt eine Regel: Klebt auf dem Briefkasten ein Schild, auf dem nicht explizit „keine kostenlosen Zeitungen “ steht, sondern nur „Keine Reklame“, bekommt der Haushalt eine Zeitung. Und es gibt Menschen, die flippen einfach aus, wenn sie nur „Keine Reklame“ am Briefkasten haben und dennoch eine Zeitung bekommen. Klebt doch einfach den richtigen Aufkleber dran und gut.

Ein besonderer Trend ist auch der „Ein Briefkasten“ für vier Haushalte und kein Name drauf. Die Klingel ist dann am Seiteneingang am hinteren Ende der Treppe.

Dann hatten wir eine Beschwerde, man habe seit mehr als vier Wochen keine Zeitung bekommen. Wir hin, das Haus ist mit verteilt worden. Sollen wir jetzt sonntags klingeln?

Besonders schön ist auch folgendes: Grundstück. Vorne rechts Hauseingang, hinten links ein Rundbogen in Hausfarbe, der offensichtlich in den Garten führt. Pustekuchen, noch ein Haus.  Da muss man erstmal drauf kommen! Und sowas gibt es öfter. Ich kann doch nicht einfach über fremder Leute Gartengrundstück krauchen, zumal letzte Woche die Polizei im Schritt an uns entlang gefahren ist.

Was ist mit Euch los, Leute?

 

Aschersleben

C. und ich hatten ein bischen Zeit für uns selbst und sind einfach mal nach Osten gefahren. Nach Drüben, wie man hier sagt.

Doppelspurige Landstrassen – sehr gut, sehr schick.

Jeden Städtenamen googelte ich und las vor, was Wikipedia zu bieten hatte und zack, sind wir in Aschersleben hängen geblieben.

Und bei uns die Frage: „Wo ist denn der Soli-Zuschlag hingeflossen??“

Hauptstrassen sind okay, aber verlaß die mal. Da sind Häuser zu verkaufen, die beschlagene Scheiben haben, leere Ladengeschäfte, Bauruinen. Ich glaube nicht, das die Menschen, die dort leben, so ihren Spaß dran haben.

Aber ich würde jetzt doch gern mal eine Offenlegung der Verwendung des Solidaritätszuschlages haben. Wo kann man da hinschreiben?

Reden

ist gar nicht so einfach und es hat auch schon eine Menge Verzweiflung gebraucht, bis ich heute mit meinem Chef geredet habe.

Aus der Wechselschicht bin ich in die Frühschicht gekommen, nur Frühschicht. ich bin befördert worden zur Vorarbeiterin mit gleichem Lohn. Meine Schulung bestand in „Hier bestellst Du Material, hier holst Du die Sticker…und naja, ich bin auch ins kalte Wasser geschubst worden“ und an die Linie versetzt worden. Eine Linie, die man normalerweise mit acht Mann macht, wir waren nur vier.

Warum ich aus dem „Team“ geflogen bin? Ich bin nicht auf die Einladung zum Essen eingegangen, bin nicht zum Geburtstag meines Vorabeiters gefahren und habe auf die Frage nach meiner Adresse nur mit der Strasse reagiert, weil ich absolut kein Interesse habe, mit diesem Mann irgendwas außerhalb der Arbeit zu machen.

Und anfangs war ich noch froh darüber, das er ein neues Opfer in Form einer Frau gefunden hat, aber mir schmeisst diese Geschichte alles durcheinander. Und ich habe schon heute morgen beschlossen, einfach zu versagen. Wir haben genau eine Palette weniger geschafft als wir gemußt hätten. Als „Vorarbeiter“ hatte ich weder Messer noch neue Handschuhe, keine Ahnung, wo die fertigen Paletten hingestellt werden und was man tun muss, wenn man im Scanner falsch im Menue ist. Pflaster gab es auch keins und die Kartons sind scharfkantig. Arme wie ein Borderliner….

Ich habe die Smsen ausgehoben und die Schachtel mit den Sternen und habe beschlossen, mir von einem Trinker, auch wenn er mein Vorarbeiter ist, nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen und mich aus der Gruppe, die, wenn sie gut ist, weiter in der Firma bleibt, auf ein auslaufendes Projekt jagen zu lassen, nur weil er bei mir keine Stich landen kann.

Und deshalb habe ich mit meiner Chefin aus der Leihfirma gesprochen und seit dem Moment bin ich unendlich erleichter und werde ab heute Buch führen….SO nicht mehr mit mir.Damit das mal GANZ klar ist!

Update Schule

Zur Erinnerung: D. hatte Wodka mit in die Schule gebacht und an ein 14jähriges Mädel weiter gereicht.

  1. Klassenkonferrenz mit dem Ergebnis, D. solle einen Beratungstermin bei der Drogenberatung machen und statt Schule drei Wochen Praktikum. Hält er sich nicht  an die Vorgaben, wird er derSchule verwiesen.

Klar, hat er nicht. Nicht im Praktikum gewesen.

2. Klassenkonferenz mit dem Ergebnis, D. wird der Schule verwiesen.

 

Das Schulaufsichtsamt hebt diese Entscheidung auf.

Ich sag jetzt ma nix. Einfach ma ga‘ nix und schlage meinen Kopf wie seit einer Woche einfach weiter auf die Tischplatte.

 

 

Mitwirkende Trennungsväter für Buchprojekt gesucht// „verwerfliches Verhalten der Mutter“

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Quelle: Mitwirkende Trennungsväter für Buchprojekt gesucht

Ich finde solche Dinge immer ein zweischneidiges Schwert. Deshalb schreibe ich einfach mal von meinem „verwerflichen Verhalten als Mutter“.

Ehe Nummer eins. Ich habe jung geheiratet. Als ich meiner Mutter sagte, das ich Ehemann Nummer Eins heiraten werde, fragte sie mich, ob ich nicht einfach noch ein bischen warten wolle. Wollte ich nicht.

Hochzeit kam und auf dem Standesamt dachte ich immer: „Sag NEIN! Sag NEIN!“ Ich habe ja gesagt.

Kind eins kam, Drogen waren im Spiel, Kind zwei war unterwegs. Die Ehe ging in die Brüche. Er erklärte mir, er werde mir seinen Sohn wegnehmen und bedrohte mein Leben. Wenn er das Kind nicht bekomme, ich dann aber auch nicht.  In dieser Ehe war ich sehr erstaunt darüber, das man als Ehefrau geschlagen und geschubst wurde…

Meine Mutter holte mich nach Hause, 400 km weit weg. Ich bekam im Trennungsjahr Mahnungen, weil ich Versicherungen nicht bezahlt hätte und den Strom für die Ehewohnung nicht. Ich hängte meinen Mädchen-Namen vor den Ehenamen und auch das Gericht erfuhr nichts von dieser Namensänderung. Genauso wenig meine richtige Adresse; die Post vom Gericht kam immer zu meiner Mutter.

Die Zeit lief ins Land. Ich hatte Kontakt zum Jugendamt. Die Dame dort erklärte mir, das der Vater auf jeden Fall seine Kinder sehen und abholen dürfe.

Ich hatte Angst. Richtig Angst. Es dauerte ein gutes Jahr, dann fasste ich Mut und dachte mir: „Wenn ich einen Schritt auf den Mann zu mache, der eh die Kinder holen kann, wenn er will, dann habe ich eine bessere Verhandlungsbasis.“ . Also machte ich vorsichtige Schritte nach vorne, telefonierte mit ihm und wir vereinbarten einen Besuchstermin, allerdings bei einer Freundin.

Zwei Tage vorher erhielt ich einen Anruf von „seinem Kumpel“, das Ehemann Nummer eins in Haft sei.

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Bei Polizei angerufen und erfahren: „Ja, ist so.“

Er ist in Haft gekommen. Verurteilt wurde er zunächst nur für den Raub bei der alten Frau im Rollstuhl. Er war über den Balkon ihrer Wohnung eingedrungen, hatte sie in ihrem Rollstuhl geschlagen, so dass sie rausgefallen war und hatte 20 DM erbeutet. Dafür bekam er sieben Jahre.

Der Überfall an der Tankstelle in Bruchsal, bei der der Tankwart erschossen worden war, konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Von meiner Schwiegermutter erfuhr ich, das der Tankwart Frau und zwei Kinder im Alter der meiner Söhne hatte. Und das lief mir nach.

Ehemann Nummer Eins kam auf Bewährung nach viereinhalb Jahren raus, zeugte ein weiteres Kind und steckte seine damalige Frau mit Feigwarzen an.

Er arbeitete.

Dann fand ich einen Zettel im Briefkasten. Meine Nachbarin erzählte mir, das die Polizei da war und auf dem Zettel stand, das ich meinen alten Schulkollegen aus Karlsruhe anrufen sollte. Ich freute mich. Der war cool.

War nicht sein Schulkollege, war sein Vater. Sie hatten nach sieben Jahren die Ermittlungen im Raubmord von Bruchsal wieder aufgenommen. Durch meine Schwiegermutter hatte ich Wissen, von dem ich nicht sicher war, ob ich es so einfach verschweigen durfte, aber ich hatte mir gesagt, dass wenn mich keiner fragt, dann muss ich auch nichts sagen. Und warum sollte man mich fragen? Als das alles passierte, lebte ich schon mehr als ein Jahr von diesem Mann getrennt, 400 km weiter weg.

Ich habe das Schicksal gehasst und habe ausgesagt. Diese Kinder und die Frau, die haben mich nie losgelassen. Wie soll man je wieder richtig vertrauen können, wenn so etwas passiert ist? Woher soll man wissen, das man nicht vor dem Mörder des eigenen Mannes steht, wenn man jemandem begegnet? Mit meinem Wissen konfrontiert, sagte eine Mittäterin aus.

Meine Frauenärztin half mir, so dass ich nicht zur Verhandlung fahren musste. Und ich erfuhr, das der Tankwart, nicht, wie ich dachte, mit einem ganzen Magazin erschossen worden war, sondern ihm zunächst ins Bein geschossen worden war und dann wurde er ins Hinterzimmer geschleift und dort mit einem Kopfschuss getötet.

Ehemann Nummer Eins wollte sich nicht scheiden lassen. Wir wurden während seiner ersten Haftstrafe in seiner Abwesenheit geschieden.

Die zweite Haftstrafe betrug 14 Jahre; wäre die Tat beim ersten Mal mit verhandelt worden, wäre er in Sicherheitsverwahrung kommen.

Ehemann Nummer Eins wollte immer wieder Kontakt zu seinen Kindern und Sozialarbeiter wollten irgendwelche Kinderbesuche einrichten. Habe ich nie mitgemacht. Meinen beiden Söhnen habe ich gesagt, dass sie nicht in den Knast fahren bräuchten, um ihn zu besuchen. Das wäre wie ein Besuch im Zoo. Sie könnten das machen, wenn sie volljährig sind.

Haben sie auch genau einmal gemacht. Ich bin also eine Mutter, die diese Besuchsregelungen verhindert hat. Und ich finde mein Verhalten nicht verwerflich. Und deswegen noch mal: Es ist alles ein zweischneidiges Schwert.