"Wir lernen uns immer nur auf Beerdigungen kennen!"

Das ärgert Omma.

Am Sonntag bin ich mit der Verwaisten Mutter spazieren gegangen. Und wir haben uns unterhalten. Und haben festgestellt, das der Kleine Mensch, ihr Sohn, Berge verrückt hat.  Und ich sagte ihr, das ich mir wünsche, das es weiter in diese Richtung geht, die er angestossen hat.

Sie sagte so kuhl, das sie schon gern mehr mit der anderen Schwiegertochter machen wollen würde und ich finde es klasse, wenn wir ein Schwiegertöchtersubnetzfamilienneztwerk aufbauen können.
Ja, Schwiegersöhne kriegen auch eins.
Weil ich so alt bin. Und Omma hatte unabhängig davon erklärt, das sie es leid sei, die ganze große Familie nur auf Beerdigungen kennen zu lernen.

Und jetzt machen wir im Juli ein Sommerevent. Meine älteste Enkeltochter hat Geburtstag und damit es mit ihrer Familie keinen Ärger gibt, feiern wir den nach. Mit allen. Mit der Mama der verwaisten Mutter, mit meinen Schwiegereltern und Omma. Also ein Rentnertisch.
Mit einem Schwiegertöchtertisch.  Und einem Kindertisch für die Ableger von mir.
Und voll viel Dekoration  und einer Geburtagstorte und Grillen, nicht die Viecher, sondern die dreibeinige Opferschale mit Holzkohlenglut für Fleischstückchen. Wie nennt Mini Kühe auf der Wiese? Rindfleisch.
Und dann werden alle genötigt, Telefonnummern zu tauschen. Jawoll. Und jeder kriegt nen Namensschild mit an die Brust. Mit Titel drunter.
Mein ältester Sohn kriegt eins mit „1, Sohn von Safa, Enkel von Omma“,  Omma kriegt eins mit „Mutter von Safa, Omma von 1,2,3,4,5,6,7,8, Mini“ usw….Ich nehm nen T-Shirt und schreibe meine Titel auf meinen Rücken. K. hat schon gefragt, ob es Bier gibt. Ich habe ihm gesagt, das gibt es nur, wenn gegrillt wird. Fürs Fleisch. Er wollte dann wissen, für welches, da habe ich ihm gesagt, er kann ruhig welches trinken, aber nicht völlig besoffen sein. Das mag ich nicht. Es soll schön werden und kein Polizei -Einsatz.

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8ter Mai

Am achten Mai haben wir das Enkelkind beerdigt. Schöne Beerdigung. Das hört sich an, wie wenn man jedes Wochenende so ein Event würde haben wollen.  Mini war auch mit. Irgendwann setzte sie sich, während der Pastor sprach, zwischen C. und mich. Und ich ärgerte mich, das der Pastor, den unser Omma namentlich begrüßt hatte, einfach nur ein Standardprogramm runter betete. Die typischen Bibelstellen, aber vielleicht ist das so, wenn man viele Jahre im Amt ist.

Die Urne fand ihren Platz unter dem Sternenkinderbaum. Das Besondere am Friedwald ist, das so frühe Kinder dort einen kostenlosen Ort bekommen. Omma hat mir erzählt, das die Frau, die das Ganze in Schwung gebracht hat,  einen ähnlichen Fall in ihrem nahen Freundeskreis hatte und weil eben junge Familien nicht über große finanzielle Mittel verfügen, deshalb bekommen Kinder bis drei Jahre dort einen kostenlosen Platz.

Wir standen also um ein Loch mit Thuja drum rum, die kleine Urne war darin verschwunden, der Pastor sprach wieder Serienworte. Die Mutter der verwaisten Mutter weinte bitterlich wie die Mutter selbst und C. wurde von der Schwester der verwaisten Mutter schräg angeguckt, als er seinen Arm um mich legte. Mini spielte mit einem Stock und nach dem die verwaisten Eltern an die Seite getreten waren und einige andere vor der Urne hockten, wollte Mini auch hin und deckte Johann mit Rosenblättern zu, die in einem Eimerchen vor dem kleinen Loch standen.

Und wir standen da und ich dachte, das er jetzt eins ist. Das dieser Wald vor uns da war und nach uns da sein wird, und das er jetzt zum großen Ganzen gehört, darin aufgehen wird….Der Gedanke erschreckte so sehr, das ich ihn beiseite schob. Für solche Erkenntnisse nehmen andere Menschen Drogen, machen esoterische Kurse und Reisen und ich stehe auf einer Beerdigung und denke über die Zersetzung der Kinderurne nach.

Mini musste noch mal hin, kniete sich neben das Loch, guckte rein und wischte dann die Rosenblätter, die noch auf dem Rand lagen, auch hinein. Ich holte sie fort und erklärte ihr, das Johann jetzt dort schläft, bis in alle Ewigkeit und bis zum Anbeginn der Zeit.

Im Auto wollte Mini wissen, wann er denn wieder aufwacht der Johann und ich sagte ihr, sie solle auf das nächste Jahr warten. Dann sei er wieder da. Ich habe ihr nicht gesagt, das ich  hoffe, das die verwaisten Eltern dann den ersehnten Nachwuchs in Händen halten können.

Und ich weiß nicht warum, aber auf einmal ist alles anders. Das ganze Leben ist anders, fühlt sich anders an. Ich habe die Arbeit im Wirtschaftsausschuß der Firma aufgegeben.  Vielleicht sind einfach auch nur wir anders. Ich weiß es nich.
Zuhause ist auch anders.

Am Tag nach der Beerdigung war unser Omma bei uns. A. hatte einen Tag  vor der Beerdigung  Geburtstag. Wir saßen da, ich war nach der Beerdigung noch in die Firma zum Arbeiten gefahren, hatte nachts noch die Torte angefangen…wir saßen da , sprachen über den Rabharber, der dieses Jahr nix wird, über Strickmuster und Rezepte und saßen fünf Stunden zusammen im Esszimmer. Sie erzählte vom Chor, von ihren Nachbarn, die ihr das Leben zur Hölle machen. Ja, weiß ich, war schon vorher klar, das das wieder so enden würde, aber auch das ist egal.

Ich erzählte ihr von meinen Nachbarn, die der Meinung waren, unser Draußenkater würde nicht gefüttert und fütterten ihn.  Als sie mich ansprachen, sagte ich ihnen, das ich mir schon gedacht habe, das er ne Mitfreßgelegenheit hat. Aber ich nicht gedacht hätte, das man glauben würde, er würde nicht versorgt. Er ist uralt und sprakelig dünn. 
Und nun frißte er wieder sein Lidl-Futter namens  Suffle mit Rebhuhn und noch irgendwas Teurem, nur nicht in Rind, seine fünf Kartons voller kleiner Schachteln in voll Edel-Design pro Woche….
Vor Idioten ist man nie gefeit.

Das Leben geht weiter….einfach immer nur weiter. Ich weiß, das die Mutter erwartete, das die Welt stehen bleibt. Das erwarten wir bei solchen Katastrophen immer. Immer wieder und wieder geht unbarmherzig die Sonne auf und einer neuer Tag beginnt.
Ich habe den beiden verwaisten Eltern gesagt, das das Einzige, was hilft, das Zurück ins Leben ist. Ab in die Normalität, ab in die Arbeit, zwischen die Wäsche und das Essen kochen.
Wie sagte meine Uroma immer: “ Es muss doch weiter gehen!“ Die hat zwei Kriege überlebt und den Kaiser in Berlin gesehen, als der durch die Stadt geritten ist.
Ja, es muss weiter gehen.
Und sie sagte meiner Mutter nach dem Suizid meines Vater, sie solle die blöden Tabletten weglassen, statt dessen lieber arbeiten, wenn sie nicht schlafen kann. „Nu, was soll es denn werden?“ Das wollte sie von meiner Mutter wissen, die ihr erst gar nicht hatte erzählen wollen, wie es zum Tod meines Vaters kam.
In jungen Jahren war ich ihnen böse, weil es schwer ist, ins Leben zurück zu finden. Heute weiß ich, das sie mir damit mein Leben gerettet haben.
Ich habe viel böse Worte geerntet, als ich meinem Sohn sagte, sie sollten wieder los. Ganz viele böse Worte. Aber letztendlich sind sie wieder los.  Es ist doch das Einzige, was wirklich hilft.

Es platzt bald!

Nachdem nun der Vater aufgetan ward und über keinerlei Ausweispapiere verfügt, hat nun die Stadt doch noch einen Paragraphen gefunden, wonach ich alleine für die Reisepässe der Jungs unterschreiben kann.
Supi. Ich in der Schule die Lehrerin gefragt, ob die Jungs in dieser Woche einen Vormittag mit zur Behörde können…nee, kanner nicht.
Danke auch. Und zwar, weil er derzeit nicht ordentlich in der Schule mitarbeitet und hormongesteuert doofe Anworte gibt und nur noch Bock hat, aus der Bahn zu laufen.
Die Stadt hätte ja auch sicherlich Nachmittagstermine. Klar, Donnerstag bis halb vier. Der Junge hat bloß da acht Stunden Schule und ich meinen nächsten freien Donnerstag in vier Wochen.
Ich könnte ja auch vorläufige Ausweise bekommen. Morgen fahre ich in die Schule. Und werde denen sagen, das ich das auch mache, wenn mir jemand sagt, wer die 50 Euros übernimmt, die das kostet. Und ob am Freitag die Beerdigung des Enkels auch für den betreffenden Jungen ausfällt, weil er sich ja grad nicht benimmt.
Lehrer gehen mir sowas von auf den Puffer. Ich habe mit dem Jungen noch nicht mal drüber gesprochen und sie hat es ihm gleich gesagt, das das ausfällt und das es ja vorläufige Ausweise gibt. Habe ich ihm gesagt, das wenn er morgen keine Fotos macht, er den vorläufigen selbst zahlt.

Warum hier im Moment nicht so viel passiert…

.Tja, warum passiert hier im Moment nicht so viel und dafür ganz viel im Leben? Ist vllt doch ein bischen zuviel im Leben, was da passiert.
Groß E. hat eine Beziehung mit einem Mädel. Gemeinsam haben sie sich die Arme aufgeritzt.

Ich bin seit Wochen bemüht, den Erzeuger von Groß E., Klein E., A. und D. zu finden, weil A. und D. mit dem Jugendrotkreuz  3 Wochen Kroatien geschenkt bekommen haben und ich Ausweise brauche. Mein großer Sohn ist auch fündig geworden, gestern endlich. Ich konnte auch mit dem Erzeuger telefonieren, allerdings war der nicht nur so besoffen, das ich nicht mal sagen kann, ob der sich an unseren Termin erinnert, sondern er hat auch keinen Ausweis, was das ganze noch komplizierter macht. Für ihn nicht ungewöhnlich, aber bei mir ist da so eine Sperre, ihm die Ausweisdokumente zu bezahlen. Ich muss schon zwei für die beiden Jungs zahlen.
Bei Jugendamt klar wieder niemanden erreicht.

Seit letzter Woche ist die rechte Hand kaputt. Mit den zwei Texten hier wieder zu viel geschrieben. Maus wird auf links geschult.
Heute geht es wieder in die Spätschicht.
Schließung steht bei uns an.

Ansonsten lege ich Bohnen in die Erde, die Radieschen wachsen schon, verscheuche Vögel ( baut euch selber was an, blöde Viecher!), nähe aus abgelegter Wäsche neue Klamotten, backe unser täglich Brot….Und das Leben läuft und läuft und wir laufen mit.

die bunten Gruppen auf FB

Ich bin ja nun auch in solchen kreativen Gruppen. Oft ist da ein besonders schönes Ding und man erhofft sich mehr. Und dann ist man drin. In Klöppeln leicht gemacht. Brotbacken und andere Leckereien und und und.
So. Und nun habe ich die ganze Woche zuhause gesessen, weil die Hand dick ist und stöbere so über FB und stolpere über einen Beitrag.
„Kein Brot mehr im Haus“ stand in der Überschrift. Etwas, was mir eher selten passiert, es wird ja hier gebacken.
„Und dann schnell das gebacken, zum aller ersten Mal“ und darunter ist eine Brötchensonne aus Hefeteig auf einem Bild zu sehen, mit Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen, Sesam und Mohn reich verziert und ich denke so:
„Boah, was die alles so zuhause haben im Vorrat!“
Die können kunstvolle Gebilde backen und ich? Ich kann nur mit 20 Kilo Roggenmehl dienen und Sauerteig, selbst gemacht und Hefe und diversen Mehlsorten, aber richtige Leute, die haben alles im Vorrat. Die machen nen Schrank auf und zack ist da alles drin, was grade fehlt.
Fondant, Schokoladenglasur, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam und Mohn, zwei Ersatzreifen, Waschpulver….
Ich bin ausgetreten.