Erleichterung

Omma bleibt dank eines Tischlers und der Frau vom Mieterverein in ihrer Wohnung. Der Tischler hatte sichden Schaden angeschaut und hat die Erben kontaktiert. Es wird jetzt alles in Ordnung gebracht und das schon nächste Woche.
Und die Frau vom Mieterverein hat Omma erklärt, warum sie selbst nicht zu ihrer Tochter nach Hannover zieht. Sie kennt da ja keinen und dann ist Omma aufgefallen, das sie in G. ja auch keinen kennt.
Warum hört sie mir eigentlich nie zu, wenn ich sowas sage?

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Dear Momma,

nun gut, nun ja…..es war schon eine tatsächliche Überraschung, als Du mir vorgestern erklärtest, Du wollest umziehen. Das Dach an Deinem Haus ist undicht, der Tischler war schon da, die Situation schwierig, weil Deine Vermieterin letzte Woche gestorben ist und Du willst nach G. ziehen, also in meine Stadt. Und das alles bis Weihnachten.
ÄHÄMM!?! …..NEIN!
Erstens: Mietwohnungen haben eine Kündigungfrist. Und Vermieter oder auch deren Vertreter haben ein Recht auf Nachbesserung bzw. Mängelbeseitigung. Und weil eine Wand feucht ist und ein Messerblock einen Schimmelpelz angesetzt hat, deswegen kann man noch lange nicht innerhalb von acht Tagen aus der Wohnung raus, auch wenn Inge das geschafft haben soll….Was ich nicht glaube.
Du willst in meine Stadt ziehen, weil dir die, in der Du seit ewig wohnst, kein Glück gebracht hat. Ähm, ja….diese hier wird Dir auch kein Glück bringen. Weil: Du ziehst doch mit Dir um.
Als Du in Deine Wohnung gezogen bist vor etwas mehr als zwei Jahren, da habe ich vorher noch vorsichtig gefragt, ob Du das wirklich willst. Wolltest Du. Meinen Söhnen habe ich gesagt, das ich dem Ganzen ein Jahr gebe, dann hast Du Dich mit Deiner Freundin, die unter die wohnt ,und der Bekannten, die unten im Erdgeschoß wohnt, zerstritten.Muss ich immer recht haben?
Du bist 72. Du kennst niemanden in G Wenn ich Dir das sage, weiß ich, was Du mir wieder antworten wirst: „Doch, ich kenne ja Euch!“
Vor mehr als zehn Jahren bist Du bei Reinhold nach zwanzig Jahren ausgezogen. Und was hast Du mir damals gesagt: “ Ich habe ja Euch als meine Familie.“ und seit dem werden hier die Kindergeburtstage gefeiert, wie es Dir beliebt. Deine Enkel bekommen nur Geschenke, wenn Du bei ihnen sitzt. Sonst gibt es nix. Weihnachten sitzt Du jeden Heilig Abend bei mir und im Kloster bist Du fragenlos auch über Nacht geblieben. Wir hatten gar nicht so viele Betten und ich habe bei den Mädels auf dem Teppich vor dem Bett geschlafen.
Als ich noch in derselben Stadt mit Dir wohnte, warst Du sauer, das ich sagte, ich will vorher angerufen werden, wenn Du rum kommst. „Deine Freundin braucht Dich auch nicht anrufen.“ Jo, is auch meine Freundin. Du bist meine Mutter.
Du hast vor der Tür gestanden, irgendwas Gekochtes, Eingekauftes oder was auch immer mitgebracht und den Leuten erzählt, meine Kinder würden verhungern, wenn Du das nicht machen würdest.
Und ich habe immer nur da gestanden und auch vor meinen Kindern gesagt: „Ist halt Omma. Die ist eben so.“
Diese halbe Stunden Autofahrt, die hat uns ganz gut getan. Die tut uns ganz gut. Da kann man nicht mal eben rumkommen.
Da muss man anrufen.
Als wir über Wohnungen reden, sage ich, das ich denke, das Wohnung schon geht, Garten ist halt schlecht.
Du: „Ja, Du hast doch einen Garten…“
Genau! ICH habe einen Garten, in dem ich keine Lupinen haben  will, keine Quitte anpflanzen werde und nicht jeden Tag, wenn ich von der Arbeit komme, Omma sitzen haben will.  Auch nicht jeden zweiten.
Du lässt meinen Hund grüßen, von dem du glaubst, er liebe Dich, weil er an dir rumhopst und sich streicheln lässt….Wer beobachten kann, ist auch hier klar im Vorteil. Erstens: Der Hund versteht den Gruß nicht. Zweitens: Er freut sich über JEDEN, am meisten über die, die Wurst in der Tasche haben.
Man, Momma, in der vorletzten Wohnung hast Du Dich mit allen zerstritten und musstest raus. In dieser hier auch wieder und die Abstände werden kürzer. Natürlich habe ich mit Deinen Enkel gesprochen. Der Große arbeitet bis Mitte Dezember im Strassenbau. Frühestens im Januar, wenn da Eis und Schnee liegen und der nicht arbeiten kann, geht irgendwas mit Umzug. K. und ich sitzen immer noch in Wochenend- und Wechselschicht….Mein Urlaubsantrag für Weihnachten ist gerade erst abgelehnt worden. M. arbeitet in ´ner Tischlerei und der gewordene Vater ….Und den Scheiss-LKW kann ich diesmal nicht bezahlen. Dafür habe ich im Moment echt kein Geld. Beim letzten Umzug habe ich im Akkord noch Dein Zeugs aus den Wohnzimmerschränken eingepackt, weil´s nicht fertig war.
Ja, wir wissen, das Du Dich allein fühlst. Ja, wir wissen, das Du an meinen Tisch willst, aber so läuft das einfach nicht.  Wir hatten gerade mal ein nettes Verhältnis.
Denk mal an die Geburtstagsgeschichte. Wir reden über die Geburtstage. Und du erzählst mir, wen Du so einlädst. Meinen großen Sohn und meine Schwiegertochter. Wir, du und ich, wir feiern dann später im November….okay. Wegen mir. Man, ich hab Dir die blöde Katze geschenkt, damit mir nicht wieder passiert, das Du Silvester vorbei kommst und bis morgens um vier bleibst.
Es reicht, ehrlich. Es sind auch meine verschissenen Feiertage! Ich habe meine eigenen Silvester-Rithen. Wenn die Kinder im Bett sind, zocken C und ich auf seinem Rechner über die Fritzbox Minecraft. Und weiß Du was, Momma, das finde ich völlig geil. Bis morgens um vier. Und wir sitzen unangezogen in Schlafzeug am ersten am Tisch, ich mit Kaffee, die Kinder mit Stulle und latschern und labern, erzählen dummes Zeugs und es ist einfach nur schön.
Wir haben unser eigenes Weihnachten vor. Dieses Jahr kann der Besuch zum Kaffee kommen und dann macht er sich wieder fort. Ich werde nicht mehr für zvierzehn Personen ohne Enkelkinder kochen. Ich will nicht! Ich will dicke Socken anhaben, meine Schlabberklamottenund mit klein E., groß E. und Mini unter Decken auffem Bett sitzen, Fernseher gucken, und mit Keksen das Bett vollkrümeln und mit die Geschichten der Kinder anhören….Ich will mich bei D auf´s Bett schmeissen können und sagen können: Zeig ma, was Du da zockst. Wie geht das? Wie heißt das? Und ich will mit A. blödeln, den ganzen Tag. Doofe pubertäre Witze, die du so schrecklich findest. Und was ich nachst will, geht dich nichts an. Aber sowas geht nich mit Omma im Haus.
So. Ich geh jetzt ins Bett. Frühschicht. Und morgen verpenn ich bestimmt.

Jaaahaaaaa?

Ich stehe mit einem Kollegen mit einer Zigarette draußen. Kurz, bevor ich in die Raucherecke kam, stand er mit der dicken Pueppie und der dicken Mutti, wobei beide eigentich Mutti sind, zusammen und latscherte.  Dann kam ich und er wollte mir im Vertrauen von seiner Wohnungsbesichtigung erzählen, also gingen wir ein Stueck. Und hielten unser Blabla ab. Nichts großes, nichts geheimnisvolles, aber eben doch nicht fuer die ganze Abteilung.
Wir wollen zurueck zur Arbeit. Pueppie und Mutti stehen noch da. Erst als wir vorbei sind und zum Fahrstuhl wollen, ruft Mutti und wedelt mit einer rosanen Klemm-Mappe. Ich verstehe nicht, also uebersetzt Pueppie einfach durch mehr Lautstärke. Eine Gehaltserhöhung von sechs Cent brutto pro Stunde habe Mutti bekommen.
Und schon wieder bin ich ueberfordert. Ja. Und?  Was soll ich jetzt tun? Neidisch sein? Loben? Was??? Ich gratuliere ihr, während mein Kollege ihr sagt, sie könne ja jetzt richtig groß wohnen mit sechs Cent brutto mehr. Er ist genervt und bis man den nervt, da muss schon einiges passieren.
Ich verstehe es immer noch nicht und weiß nicht, wie man sich da richtig verhält.

Seit Wochen werde ich immer fuer ein Projekt eingetragen, das ich gar nicht telefonieren darf, weil mir die Schulung fehlt. Seit Wochen spreche ich das bei den verschiedenen Chefs an und habe die neue Chefin zum Lachen gebracht, als ich ihr sagte:“ Sind halt „Wuensch -Dir-Was -Schichten: Telefoniere ich von dem ,was ich darf, das, was ich will.“.
Heute kommt mein direkter Vorgesetzter, mit dem ich auch schon ueber genau dieses Thema gesprochen habe und das nicht nur einmal, und sagt, ich sei doch fuer eben jenes Projekt eingetragen.
Ich:“Ja.“
Er :“ Warum telefonierst Du das dann nicht?“
Und ich erkläre es ihm noch einmal, weil mir die Schulung fehlt.
„Du hast doch den Skill.“
„Ja, aber ohne Schulung darf ich nicht. Und eine Schulung krieg ich nicht. Als meine war, war ich in Lissabon. Da hatte ich Urlaub. Und dann kriegt man keine mehr. Weißte doch, Strafe muss ein.“
Ich wuerde ihm gerne sagen, das ich mich echt verarscht fuehle.

Neues von Olaf

Wir waren also zum ersten Mal in einer Welpengruppe. War gar nicht so schlimm. Doof tun kann ich ja, auch ganz einfältig. Olaf hat eine wirklich angenehm hohe Reizschwelle und das Ganze fuer ihn nur eine Riesenspielaktion war und ist, gehen wir einfach weiter dort hin.
Er hat meine guten Schuhe gefressen. Ich habe die Reste im Schrank versteckt; C. wäre da wohl nicht so begeistert. Ich hatte die Dinger noch nicht mal zu Ende eingelaufen.
Olaf ist gewachsen. Aus seinen Geschirr ist er ja schon länger raus, aber das Halsband ist ein Kinderding, auch wenn Queen drauf steht.
Hier nun Bilder:
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Das Weiße auf dem Teppich sind Reste. Olaf produziert sie mit allem, was sich nicht wehrt.  Das Bild rechts ist nicht verwackelt, sondern durch die Scheibe des Kuechenfensters mit Blick auf die Terasse aufgenommen. Normalerweise sitzt der Brocken auf dem Stuhl. Sobald die Tuer zur Kueche geöffnet wird, springt er runter…C. meint, man kann einfach besser reingucken, wenn man auf so einem Stuhl sitzt und da hat er schon recht.DSC_0336Abends benutzt er allerdings immer noch seine blöde Bananen-Kiste.
Was auch immer er ist, ob Labbie oder Schäferhund oder Jagdhund oder alles in einem, DER paßt schon hier her.

Die fiesen Monate

Im letzten Jahr sind wir ueber eingekommen, das diese Monate bis Weihnachten, die letzten also, das sind irgendwie die Schlimmsten. Was man in den Monaten davor ausbaut, geht an anderer Stelle einfach kaputt.
Dieser Oktober begann mit einer SMS von einer ehemaligen Kollegin. P. hatte aufhören können bei uns, weil sie endlich, endlich, endlich einen Ausbildungsstelle gefunden hatte.
Ihre SMS lautete: “ Hat Dir H. schon erzählt?“. Ich war genervt, ich musste zur Arbeit und H. hatte gekuendigt, ohne eine neue Arbeitsstelle zu haben, und er war wieder einer, der ging….Es machte mir zu schaffen und ich schrieb ihr zurueck, das ich schon wisse, das H. gekuendigt habe. Sie wiederum schrieb mir: „Nein. Ich bin im Krankenhaus, ich habe Krebs.“
BAMM! Ja. Richtig Bamm! Auf der Arbeit ging es hoch her. Wir sammelten Geld, aber viel wurde es einfach nicht. Die Diskussionen, ob P. die Haare schon ausgegangen seien….Meine Guete, was scheissegal. Haare, die kommen wieder. Da ist anderes wichtig….
Ich rede viel mit ihr, aber eigentlich immer nur in meinem Kopf. Besuchen ging nicht, ich wurde spontan krank, genau wie mein Kollege C. auch.  Und nun schicke ich dieser Frau ein Päckchen, erzähle vom Leben hier. Wovon auch sonst? Von Olaf,  von Minimi….und warte darauf von ihr zu hören, das es heute besser ist als gestern und nicht mehr ueber die Kollegin, das es schlechter ist als gestern.
Die fiesen Monate….da stehe ich und kriege endlich mein Pansen-Paket und komme zum Auto zurueck. Hinter dem Auto stehen die netten Freunde und Helfer. Die weibliche Ausfuehrung der beiden fragt mich, ob ich wisse, was ich falsch gemacht habe. Klar weiß ich das, da gibt es kein deuteln. Ich habe im Halteverbot gehalten. Und das sage ich auch.
„Ich parke falsch.“
Als die beiden verneinen, bin ich erstaunt. Sie weisen mich darauf hin, das mein TUEV seit Mai abgelaufen ist. „Ach Du Scheisse!“ Mehr kommt bei mir nicht mehr raus. Ich soll den Fahrzeugschein rausholen. Da stehe das auch. Mit dem Fahrzeugschein kommt alles aus dem Scheinefach und da steht es auch auf dem Ding.
Ich kriege ein muendliches Dudu! und die Ankuendigung, man werde bei meiner Adresse herumfahren, weil das auffällige Auto…Ich habe den Mund gehalten; wir sind zwar umgemeldet, aber das Auto noch nicht.
Das Auto hat gleich Tuev bekommen, allerdings hat es die Haushaltskasse doch arg eingeschnitten.
Sollte irgendwo ein „ue“ fehlen, liegt es einfach daran, das Olaf arbeitet. Er liebt immer noch „Kabels“ und hat auch meine Lieblingstastatur erwischt. Nun funktioniert das „ue“ nicht mehr und die dicke Um-Die-Ecke-Taste, mit der man umschaltet.

Herr Szwenn und ich

stehen auf der Arbeit am Ascher vor der Tür.
Und ich sag ihm, das ich mich mit der Aufzucht von Olaf völlig daneben fühle.
Er kann das verstehen, weil er kennt die blöden Gesichter, die kommen, wenn man gefragt wird, was man dem füttert und antwortet: „Große Dose Penny.!
Aber, so sage ich zu Herrn Szwenn, ich werde mir eine Welpengruppe suchen und ich habe echt Angst davor.
Das erste Mal, seit ich ihn kenne, wird er richtig ernst und fragt: „Willst Du Dir das wirklich antun?“
Ja, will ich.
Und dann erzählt er mir von der Gruppe, in der er war. Alles Hundeliebhaber und auch im Internet verbandelt. Und dann schrieb ein Gruppenmitglied: „Hilfe, mein Hund hat gekotzt! Was soll ich tun?“ und was wohl schon so ein Faden im Gange der Marke“ Ein Hund kotzt ja nicht eben mal so….“ . Herr Szwenn schrieb dann drunter: „Lappen nehmen und aufwischen.“ und dann war er raus.
Vielleicht muss ich mich ja gar nicht so viel unterhalten da, bei so einer Welpengruppe.
Und ich habe jetzt eine gefunden, die von einem Verein gemacht wird, vier Euronen pro Stunde kostet und witziger weise mit „findet bei Wind und Wetter statt “  angekündigt worden ist. Gibt es auch welche, die bei Regen ausfallen?
Ich habe mich jedenfalls im Internet informiert über die ganzen Fütterformen und werde adäquat antworten können auf Futterfragen.
Geimpft und gechipt isser, also bin ich nicht so ganz außen vor.
Wobei heute K. da war und fragte, ob Olaf denn wirklich dieses Halsband tragen müsse.
„JA! Das hat Minimi ausgesucht.“
„Aber da steht >>Queen“Und? Ist eben seine weibliche Seite! DAS  hat DEINE kleine Schwester ausgesucht!“
„Mini, wem gehört Olaf?“
„Das ist mein Hund!“
„Siehst du?“

Nicht gut

Wahrscheinlich fehlt wieder Eisen im Kreislauf…..ich weiß es auch nicht.
Wenn ich jetzt irgendeine Donnermail von einer der Schulen bekomme, dann schlafe ich vor dem Schreiben der Antwort immer eine Nacht drüber. Ich mag nicht antworten. In der Spätpubertät derart emotional….Neee. Das gibt keine Basis.
Das Blöde daran ist bloß, das ich am nächsten Tag in ruhiger Form denke: Was ein Schwachsinn! und immer noch nicht antworte.
Und in einer Woche ist es mir so egal, weil ich es absolut albern finde, die Forderung, das ich als Elter eines 14jährigen permanent telefonisch erreichbar sein muss.
Ich denk mal, ich werde mal wieder gar nicht anworten….Aber das wiederum ist auch nicht gut.

Ich wohne auch hier.

Ich finde es schön, in andere Kulturen zu gucken, wie man das so vorsichtig nennt. Der Vorteil daran ist, die haben alle selbst schon gute und schlechte Erfahrungen gemacht, daraus Konsequenzen gezogen und das Coole daran ist, ich kann mir aus allem für mein Leben das Beste daraus aussuchen. Und es ihm Rahmen unserer Gesellschaft leben.
DAS empfinde ich als wirkliche Freiheit, auch wenn Janis Joplin gesungen hat: „Freedom ist just another word for nothing left to loose.“.
Mir ist auch klar, das in unserer Gesellschaft viel krankt, wie in anderen Gesellschaften auch, und ich bin auch der festen Überzeugung, das Bestechung nicht nur in Russland ein Thema ist und andere Dinge, die anderswo passieren, passieren hier garantiert auch. Kommt nur drauf an, wer bei der Entdeckung welche Glocke läutet. Die Große, dann wissen wir es alle, die ganz kleine, dann ist es beim Haufen unter dem Teppich.
Nun sitze ich also gestern im Zug und finde eine zerfledderte aktuelle Frankfurter Allgemeine auf dem Sitz und klar lese ich die. Und was steht drin? Da prügeln sich diverse Volksgruppen in  Hamburg ( wußte ich ja schon) und auch in Celle. ÄH,hallo? Wir sind tiefste Provinz.
Sind die bescheuert?  Hallo?? Am liebsten würde ich diese Leute schütteln. ICH lebe auch hier. Das in großen Städten so welche wohnen, die sich  mal eben gegenseitig anstechen, verkloppen und so, das weiß ich ja, aber hier?
Und dann vor allem wegen so einem Glaubenskrieg! Sind jetzt hier alle bescheuert?? In meinem Land kann ich bei Vollmond um ´ne Kerze tanzen, wenn ich das will und es Religion nennen und keiner erschießt mich, schlägt mir den Kopf ab. Gut, wenn ich dabei laut jöhle und jeden Vollmond die Nachbarn störe, könnte man mich durchaus auf meinen Geisteszustand überprüfen lassen….
Was soll also dieser Scheiss?
Ich mag im Übrigen den Propheten. Ich mag den, seit ich eine Reportage über den gesehen habe. Der hat eine viel ältere Frau geheiratet, die Witwe war und angsehene Händlerin. Die hat ihm auch Türen geöffnet. Und Unglücklich war er mit der wohl auch nicht, immerhin hatte er sieben Kinder mit ihr.
Ich finde, das schon allein diese Tatsache zeigt, welche von denen, die seine Religion preisen, predigen , welche von denen nix kapiert haben und echte Spinner sind.
Die Frau von dem, die kann nämlich nicht ungebildet gewesen sein, sonst wäre nämlich nix mit Händlerin gewesen. Und komisch, das sie als Witwe arbeiten durfte( Schöne Grüße nach Afghanistan!).
Auf der Arbeit sind wir jedenfalls zu dem Schluß gekommen, Gleichberechtigung für alle. Wir bedauerten gemeinschaftlich, Evangelen zu sein und philosophierten darüber, das wir ja nun auch endlich mal dran wären mit brennenden Holzhaufen und jöhlend ,in Ermangelung von Mistforken, Grabegabeln für 9,95 Euro aussem Obi schwingend, marodierend durch die Strassen zu ziehen, kamen jedoch überein, das man auch sehr schön grillen kann, ohne ´ne halbe Völkerwanderung mit lautstarker Untermalung zu machen und beschlossen, es zu lassen, wie es ist. Wir grillen weiter ohne Mord und Totoschlag.
Aber eins will ich den marodierenden Volksgruppen mal sagen: ICH wohne auch hier! HIER wird sich nicht geprügelt, angestochen, maltretiert, schikaniert und was auch immer!
Bei meinen Kindern habe ich das letztendlich so gehandhabt:
Wer sich prügelt, soll das tun, wenn er meint, auf rudimentäre Verhaltensweisen zurück greifen zu müssen. Aber dann geht der RAUS! In meiner Hütte nicht.

Auf der Arbeit

frage ich nach Kollegen, von denen ich nichts weiß, die aber gar nie wieder auftauchen. Unter anderem nach Ben. Irgendwas war in den Wochen dort mit Ben passiert.
Ja, er wäre nicht mehr da, nachdem er während der Telefonate derart lautstark versucht habe, die Kunden zu seinem Gott zu bekehren, das die übrigen Mitarbeiter gar nicht mehr arbeiten konnten.
Als ich Ben das erste Mal sah, war er mir als Fundamentalist(War er das wirklich? Ich hatte mich nicht getraut zu fragen.) ein bischen unheimlich, aber er stellte sich als freundlich, hilfsbereit und lieb heraus, gar nicht angsteinflössend. In den Wochen, die ich in diesem Sommer krank zuhause verbrachte und es waren einige am Stück soll sich Ben verändert haben.  Hatte man schon vorher mitbekommen, das er philosophische Diskussionen mit den Kunden begann, soll dies wohl immer schlimmer geworden sein.
Jedenfalls hatte er wohl noch, bevor er er aus der Abteilung hinaus komplementiert worden ist, erklärt, wir alle sollten auf den 6. September warten, denn da beginne der dritte Weltkrieg.
Meine Kollegin Katja war der Meinung, in seinem Kopf wäre irgendwas nicht Gutes passiert. Und meine schwangere Kollegin erzählte, das er plötzlich freitags nach einer Schicht, als sie in ihrem Auto saß und losfahren wollte, die Tür der Beifahrerseite aufriß, sich auf den Sitz fallen ließ und erklärte, sie habe ihn jetzt zur Moschee zu fahren.
Das wiederum ist nun doch wieder angsteinflößend.

Jedenfalls: Heute gucke ich Nachrichten und denke immer nur „Oh Gottogott!“. Und während eines Berichtes über die Kampfhandlungen an der Grenze zur Türkei kommt mir Ben in den Kopf mit seinem 6. September und denke: „Der dritte Weltkrieg ist doch schon da! Und weit weg ist er auch nicht!“, was wiederum bestätigt  wird, als ich den Bericht über Hamburg sehe.

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich komme mir oft durch die Schichten und die Wochenendarbeit und die Arbeit hier, als ob ich hinter dem Mond lebe!

Bahnstreik

Ja, ich war dabei. Mein Zug nach der Spätschicht nach Hause fiel aus und ein Kollege hat mich mitgenommen bis zur Mitte der Strecke und C. hat mich nicht gefunden, aber der Kollege ihn dann schon und so bin ich doch heimgekommen.
Find ich es gut?
Ja. Finde ich. Ich glaube nicht das Lokomotiv-Führer und Schaffner und Fahrkartenkontrolleure und Bedienungen in Boardrestaurants sich eine goldene Nase verdienen und glorreiche Arbeitszeiten haben.
Es muss irgendwie alles anders gehen, finde ich.