Harte Zeiten

Vor drei Wochen besuchte mich mein Sohn. K. wohnt jetzt in anderswo und will nächstes Jahr heiraten.

Und wir saßen so da und er erklärte mir, wie scheiße unsere Familie ist und wie dumm all seine Geschwister sind, was für Versager halt….

Ich weiß nicht, ob nach drei Jahren Beziehung bei Männern die Festplatte so gelöscht ist, daß sie ihre eigene Jugend mit Drogen und Knast und was weiß ich vergessen.  Bisher dachte ich immer, es sei so eine Männer-Sache, mal jemandem das Hirn rauszuv……

Egal. Jedenfalls hat er sich nun verlobt und will nächstes Jahr heiraten und er hatte schon erklärt, daß er nur Leute, die er mag und die was taugen zu seiner Hochzeit einlädt und mir erzählt, welche seiner Geschwister alle nicht in Frage kommen….

Aber zurück zu seinem Besuch.

Während er mit den kleinen Kindern Memory spielte, da sagte er plötzlich, das er und sein großer Bruder, ja genau der mit dem Kind, daß also die beiden für mich würden zahlen müssen, wenn ich ein Pflegefall werde, weil sie ja die einzigen seien, die aus dieser Famlie arbeiten würden und er wolle sich mit seiner Frau etwas aufbauen wollen und auf keinen Fall für mich oder aber seine Schwiegermutter zahlen wollen, auch nicht indirekt. Deshalb solle ich eine Pflegeversicherung abschließen, die den Fall der Pflege so abdeckt, daß er nicht zahlen müsse.

Ich wußte erstmal gar nicht, was ich sagen sollte. Und versprach ihm dann, sollte ich zu Geld kommen eine solche Versicherung abzuschließen.

Hernach holte ich mir den Korb mit der Kinderwäsche aus dem Keller.Und legte sie durch. Mein Sohn besuchte dann noch meine Mutter und nahm meine Tochter mit, weil er nicht mal wußte, wo seine Oma denn seit zwei Jahren wohnt.

Später ging ich zu meiner Mutter, ich hatte ihr versprochen, noch den Abwasch zu machen.

Mein Sohn war noch da und fragte, ob er mir helfen könne.

„Nein. Die drei Teile kann ich allein.“

Er verabschiedete sich von meiner Mutter und wollte mich zum Abschied in den Arm nehmen.

Das wollte ich nicht und sagte ihm:

„Sag Deinem Bruder, ihr werdet nicht für mich aufkommen müssen.“

„Mein  Bruder hat gar nichts gesagt, ich hab gedacht…“

*Verarschen kann sich seine Mutter allein! Ich kenne die länger als sie sich selbst!*

„LAß MICH IN RUHRE!“

Er ging.

Meine Schwiegertochter veröffentlichte einen Status, in dem stand, das wer nicht über Probleme rede, sich auch die Augen zuhalte, um sich zu verstecken.

Letzteres finde ich total lustig und mache solche Spiele gern mit kleinen Kindern.

Mein Sohn hat mir mit seinen Worten gesagt:

„Vielen Dank für gar nichts und versau‘ mir nicht den Rest meines Lebens.“

Da ich wußte, daß seine Zukünftige nun auch ihre Mutter ansprechen wollte wegen so einer Versicherung, war ich lange versucht, ihr diese Nachricht zu schreiben:

„Vergiß mal nicht, wer Dir die Windeln gewechselt hat. Und denke dran, es ist immer noch Deine Mutter.“

Aber: Das habe ich nicht gemacht.

Meine beiden ältesten Söhne sind ein bischen eigen. Der eine Ist Fahrkartenkontrolleur, der andere Straßenbauer, ABER: Das isses.

Sie sind mit Hartz4 groß geworden, weil ihr Vater keinen Unterhalt gezahlt hat, aber sie lästern über Menschen im Hart4 -Bezug, wettern gegen Menschen von anderswo und die AFD. Sie sind halt was besseres.

Ich habe beiden schon ein paar Mal gesagt, sie mögen nicht vergessen wo sie herkommen und das möchte ich auch jedem sagen, der auf die Idee kommt, seiner Mutter oder seinem Vater eine solche Forderung anzutragen.

Das Leben ist ganz einfach. Man lernt im Leben alles mal kennen und immer dran denken: Sieben gute, sieben schlechte Jahre.

 

 

 

 

 

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Omma

Omma ist in so einer Endphase. Vielleicht oder auch nicht.

Einmal im Monat hat sie Chemo, also Immuntherapie, was wohl auch irgendwie Chemo ist und beim letzten Mal hat sie tags drauf erstmal einen Autounfall gebaut.

Sie habe sich vor dem Gegenverkehr erschreckt, mal war der schreckliche Transporter braun, dann weiß und sie hat mal eben beim nach rechts Ausweichen fünf Autos von acht in einer Parkreihe kaputt gefahren.

Beim Kegeln wäre das wohl ein gutes Ergebnis, denke ich. Nunja. Die Polizei kam, sie mußte Pusten. Null Promille.

Und dann kam der Brief von der Versicherung und auch in ihm war die Frage an sie, ob sie unter Alkoholeinfluß  gefahren sei.

Sie hustete und konnte nicht mehr essen. Also war ich schon morgens bei ihr und überzeugte sie schon am Morgen nach dem Unfall, sie möge sich in der Onko-Praxis melden. Donnerstag nachmittag konnte sie hinkommen. Sie hatte eine Lungenentzündung. Mal wieder. Also bekam sie Antibiotikum und C. war sauer, als ich abends noch mal zu ihr fuhr.

Freitag vormittag ging ich für sie einkaufen, durfte aber die Einkäufe nicht nach Hause bringen, weil das der junge Mann vom Bringdienst machen soll.

Na wegen mir.

Und nachmittags sollte ich in die Apotheke und ein Medikament abholen.

 

Das Wochenende war nicht einfacher, aber am Montag drauf ging es ihr schon besser.

Und sie fragte mich, wie lange sie wohl diese Therapie machen müsse. „Naja, Mama, so lange wie du es willst. Aber heute war doch ein guter Tag. Freu dich doch an denen. Die gäbe es ohne die Medikamente ja gar nicht mehr.“

Ja, ich weiß, ich bin unsensibel. Es geht nicht anders. Ich sollte was für mich tun, hatte die Ärztin gesagt und habe mein Konstitutionsmittel geholt, weil ich mich abgrenzen sollte.

So auch das.

Nun gab es drei gute Tage und es geht wieder rückwärts.

Sie will fragen, welchen Sinn die monatliche Chemo macht und ob sie die noch weiter machen soll…..

Ich hab sie lieb, aber das muß sie entscheiden. Ist ihr Leben, da kann auch der Arzt nix zu sagen.

 

Uns doch egal

Hier ist Stille. Ich bin um Beschäftigung bemüht, damit die Tage nicht so endlos lang werden.

Es reicht, wenn ich mich in meiner Brühe aus Selbstmitleid sule.

Ich hab auch über Brücken nachgedacht, weil nix mehr geht ohne Tabletten. Nuvominsulfon macht noch blöder im Kopp als ich eh schon bin und Ibuprofen hat mich nach zwei Stunden Nasenbluten mit einer Klammer auf der Nase in der Notaufnahme landen lassen. Es hat mich zwei Großpackungen Taschentücher gekostet und ich sah aus, als hätte ich in irgendwas  mit Blut gewühlt, aber naja.

DAS war das Signal und der Ekel vor mir selbst, wenn ich in den Tiefen meiner Taschen nach noch einem Ibuprofen wühlte, auch wenn die Verpackung schon kaputt gegangen war. DAS war irgendwie….irgendwie…ich weiß nicht wie.

„Du mußt es akzeptieren wie es ist.“ Ja. Mein tägliches Mantra.

Ich wurde wütend, wenn mich jemand fragte: „Na? Wie geht es Dir denn?“. Und weil die anderen nichts dafür können, daß es mir so ist, wie es ist, bin ich mit Doro zum Kaffee gegangen. Einmal in der Woche.

Doro hat Fersensporn und Arthrose in den großen und kleinen Gelenken. Wir wünschen uns nicht gute Besserung, nur einfach einen schönen Tag.

Wir lachen gemeinsam, wenn die Osteochondrose wieder zuschlägt und ich statt den Kase hochzuheben mit den Fingern im Frischkäse lande, weil grade mal meine Nerven meinen, meine Finger aus ihren Gelenken in eine skurile Position zu bringen. Ich mach die dann einfach mit der anderen Hand grade und den Käse ab. Fertig.

Nun immerhin, Besserung im Muskelaufbau ist langsam in Sicht, auch wenn ich noch keine Kilometer laufen kann, aber das ist mein nächstes Ziel.

Es ist ermüdend, mit Dauerschmerzen zu leben, aber auch eine neue Erfahrung. Man muß sich selbst Wege suchen, damit zu leben. In den Griff kriegen? Weiß ich nicht, da muß man andere fragen. Ich bin noch nicht lange genug dabei. Aber es ist das längste Jahr meines Lebens.

Aber: Für Doro und mich gilt: Uns doch egal. Wir machen das schon. Hammwa imma und werden wir auch weita!