„Eigentlich will ich nicht bei Euch wohnen…“

Selma ist vier Jahre alt und sitzt auf dem Rücksitz meines Autos. Wir sind auf dem Rückweg des Sommerfestes für Pflege-Eltern.

*Pflege-Eltern nehmen solche Leute wie C. und micht nicht ernst. „DAS ist ja  nur Verwandtenpflege!“ ist ein oft fallender Satz. Abwertend, geringschätzig, ohne zu erahnen, wieviel Arbeit an sich selbst nötig ist, um zu differenzieren. Und das macht man nebenbei den ganzen Tag.*

Selma hatte nach einer Unterbrechung von sechs Wochen Umgang mit Mama.

Nein, Selma will nicht bei uns wohnen. Und es hilft auch nicht, dass ich ihr sage, dass das völlig normal ist, weil jeder lieber bei Mama und Papa wohnt.

Sie hat eine sog. regressive Phase, schwer, laut und auch handgreiflich den anderen gegenüber. Provokant, wie auch immer.

Patty hat ihre Fortschritte nicht völlig verloren, gibt aber wieder die Kopie von Selma und jeder Informatiker wäre verwundert, wie schnell ein Mensch Gesten und Worte kopieren kann, wenn er Patty neben irgendwem anders sieht.

Pflege-Eltern sein ist, so finde ich, keine einfache Hausnummer. Man weiß sehr genau, dass es richtiger ist, wenn Kinder bei ihren Eltern aufwachsen. Es fühlt sich einfach richtiger an. Ich kann uns schon als Pflege-Eltern bezeichnen, denn von zwei-dreimal sehen in den ersten Lebensjahren der Mädels kann man nicht von einer Oma-Opa-Enkel-Beziehung sprechen.

So. Und dann kommt also so ein Kind in die eigene Familie. Bei uns sind es zwei, also ist eine Familie in unsere Familie gezogen.

Und sie sind ganz anders als das eigene Kind. Nein, sie können mit Museumsbesuchen nichts anfangen, wollen lieber essen oder auf den Spielplatz, wo durchaus die Große mal die Kleine vom Gerüst schubst.

Und du arbeitest. An Dir selbst, mit Deiner Familie, mit der kleinen Familie, denn die einzige Chance ist, dass beide Familien sich aufeinander zu bewegen. Auch meine Familie, die mir da schwerfällig wie ein Ozeandampfer vorkommt, auf die kleine Familie, die bei uns einzgezogen ist.

„Eigentlich will ich gar nicht bei Euch wohnen.“ Ganz freundlich, wohlwollend kommt das Stimmchen vom Rücksitz.

Und die Mädchen haben sich entwickelt. Selma kann sehr sanft sein. Sie steht nicht mehr morgens auf und durch das Haus schallt ihr „Oooooooomaaaaaaa.“ wie die Dauerschleife einer Lautsprecher-Ansage. Sie muss nicht mehr alle schlagen, anspucken, kneifen, treten, bestehlen.

Patty, das im silbentakt lautierende Kind, spricht ganze Sätze. Noch nicht ganz sauber, aber von dem Verdacht einer geistigen Behinderung ist sie erstmal meilenweit entfernt und kann im Regelkindergarten bleiben.

Es muss Platz sein für Entwicklung. Es muss einfach Platz sein. Weniger nicht.

Am Anfang der Pflegerei war ich der festen Überzeugung, ich könnte Rituale und Verhaltensweisen anlegen, die es der Mutter einfacher machen würden. Aber ich habe das Fachbuch an die Seite geschmissen, als ich gelesen habe, das Verhalten Beziehungsbezogen ist, was im Umkehrschluß bedeutet, die Mama muss, wenn die Kinder wieder bei ihr sind, daran arbeiten, dass sich deren Verhalten im Umgang mit ihr ändert.

Eine herbe Enttäuschung, diese Erkenntnis. Und weiter gemacht.

Und nun siehst Du, wie sich diese Kindern entwickeln. Selma malt, Patty spricht. Sie singen, sie tanzen und sind im Kindergarten. Ich gehe abends putzen, die Müllwerkerduschen und Toiletten, weil C. dann von der Arbeit zuhause ist und immer einer von uns da.

C.s Mutter sagte, dass diese Kinder ungeliebte Kinder sind, weil ihnen die elterliche Liebe fehlt. Ungeliebt würde ich nicht sagen, aber die Liebe von Mama und Papa kann gar keiner ersetzen.

Du lernst, dass die Krisen, die diese Kinder durchmachen, denen der Erwachsenen überhaupt nicht unähnlich sind und tröstest die Untröstlichen.

Und dann plant die Mama, dann und dann die Kinder wieder zu sich zu nehmen. Und obwohl in diesem einen Jahr ganz viel bei den Kindern passiert ist, ganz viel entwickelt ist, ist bei den Eltern nicht viel passiert. Also viel schon, aber nicht in die Richtung, in die es sollte, damit die Kinder wieder zu ihnen können.

Als das bei uns kam, hatte ich Bauchschmerzen. Ich konnte nicht essen, konnte nichts formulieren. Ich bin in das Gespräch gegangen und war so verzückt von der Entwicklung der beiden Mädchen und dann –  Bämm!

Aber sie ist die Mutter. Und ich fühlte mich schlecht, weil ich mich schlecht fühlte, die Mädels wieder zur Mutter zu geben. Ja. Sie plante das in einem Jahr, aber in einem Jahr, was da wohl sein würde? Aus der jetzigen Situation heraus – Übelkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen.  Und dann juckten mir die Augen und schwollen zu. Bindhautentzüngung, sagte Omma.

„Ich kann den ganzen Mist nicht mehr sehen!“ war meine Antwort.

Und weil ich mich als schlechte Pflegemutter fühlte, weil es mir so Bauchweh machte, aus der jetzigen Situation die Kinder zur Mama zurück zu geben, obwohl sich das auch irgendwie richtiger anfühlte, als das jetzt hier, machte ich einen Wochplan für die Mama.

Sie wollte die Kinder im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zu sich nehmen und ich nahm den Best-Case mit Schulschluß so an, dass sie um zwei die Kinder von der Kita abholen konnte.

Es musste doch irgendwie eine Möglichkeit geben, das schlechte Gefühl los zu werden. Und ich plante den Morgen der Kinder und der Mama mit ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen und den Tag und den Nachmittag und kam ohne Lernen für die Schule schon auf einen 14-Stunden Tag, nachdem das Lernen für die Schule einsetzen musste.Es blieb keine Zeit für den neuen Freund und die anderen Freunde, sondern nur Zeit, um Aufgaben gerecht zu werden. Lediglich am Wochenende war Freiraum, der aber, so meine eigene Erfahrung, zur Aufarbeitung des Liegengebliebenen genutzt werden muss.

Das Gefühl wurde noch schlechter und die Augen noch dicker. Also rief ich die Familienhilfe an, sagte ihr, was ich so dachte, nur um die Augen wieder auf normal zu kriegen, was ich ihr auch sagte. Es war lästig, mir selbst beim Gucken im Weg zu sein.

„Ich möchte einfach nur ein gutes Gefühl bei der Rückführung haben. Nur einfach ein gutes Gefühl.“ Ein gutes Gefühl, dass es klappen kann. Mehr nicht.

Und dann kam der Umgang und Selma kriste.

Sie plante ganz genau. Sie wolle zur Mama zurück und Patty solle bei uns bleiben. Es ist, als ob das kleine Mädchen genau weiß, was bei der Mama los ist, weil es sich mit den Aussagen der Mama deckt.

Und sie will wissen, was jetzt los ist, wo die Mama wohnt, wo der Papa wohnt und, vor allem, wo ihre Katze ist.

Und wir haben, nachdem sie tagelang schimpfen und meckern musste, darüber gesprochen. Wie das war, als sie herkam. Warum sie nicht bei Papa bleiben konnte.

Und als ich ihr sagt, weil Papa trinkt, da arbeitete das Köpfchen und sie fing leise und unaufhörlich an zu weinen, wie wenn sie genau weiß, was das bedeutet.

Am Ende sagte sie jedoch eines ganz klar:

„Mama ist weggegangen, weil sie nicht mehr mit Papa zusammen sein wollte.“ Und auch das stimmt. Wir haben nicht darüber gesprochen, warum sie sie nicht mitgenommen hat, die Selma und die Patty. Es werden wohl noch viele dieser Gespräche dieser Art geführt werden müssen.

 

 

 

 

 

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Ernährung

Zehn Kinder habe ich und wie man auf dem Familienfoto sehen kann, so verschieden, wie sie auch sind, sie leiden keineswegs an Adipositas außer Klein E., die ich derzeit liebevoll Sucuk nenne. Und Groß E., die, einem Trend ihrer Klasse folgend wie fast alle Mädchen dort an sich rumritzt und deshalb von mir „Ritzi“ genannt wird.

Die Spitznamen meiner noch bei mir lebenden großen Kinder, nämlich Knasti, Checki, Ritzi und Sucuk, führten zu einem Tadel seitens der Familienhelferin von Patty und Selma.

Ihr Argument war, dass die Kinder diese Spitznamen, resultierend aus ihrem Verhalten, das also meine Kinder diese Namen nicht toll finden.

„Ja, denken Sie ernsthaft, ich finde deren Verhalten toll? Einer, der so lange Schule geschwänzt hat und die dadurch verhängten pädagogischen Bla-Bla-Auflagen, also die Gespräche bei Ihren Kollegen mit sozialpädogisch anstudierten Hintergrund, nicht gmeacht hat und letztendlich vier Wochen, in Zahlen 4, Wochen Dauerarrest abgesessen hat??? Der ist nunmal ein Knasti, wenn er nicht schlagartig sein Verhalten ändert!

Und Checki. Schule Mist, große Fresse, in kriminellen Kreisen unterwegs. Ich muss nur noch ’ne Hand voll hässlicher Pseudo-Goldketten finden, am besten mit glitzerndem Dollar-Zeichen oder dem Schriftzug „Dumm“, dann ist das Bild perfekt.

Oder Ritzi. In der einen Woche erzählt sie mir noch, wer alles an sich rumschneidetund findet das einfach nur dumm, und in der nächsten macht sie es selbst, um dazu zu gehören, weil ihre beste Freundin…Jaja, wir sind im Gespräch. Und waren es nicht Sie, Frau Familienhilfe, die mich darauf hingewiesen haben, dass es sich bei dieser Ritzerei u.a., und dabei ohne tatsächlich von Borderline Betroffenen die Glaubwürdigkeit nehmen zu wollen, ein Modetrend ist und in der Kinder- und Jugenpsychiatrie Kinder mit diesen Symptomen schon gar nicht mehr aufgenommen werden?

Und Sucuk? Sucuk habe ich erklärt, das sie bedauerlicherweise aus einer Familie stammt, die auf bestimmte Zusatzstoffe in Lebensmitteln reagiert und zwar mit Dauerfraß und horizontaler Expansion. Ich habe sie bebettelt, diese Lebensmittel, zu denen u.a. Fertigessen und Softdrinks gehören, mit äußerster Vorsicht zu nutzen. Und? Ich finde im Guten kein Gehör. Und muss, wenn sie auf dem Bett liegt, tatsächlich an Greenpeace und das Meer denken…. Also, wer das Gute nicht will, muss das Schlechte nehmen und natürlich werde ich meinen Mund nicht halten, wenn meine Mädchen wie Bordsteinschwalben rumlaufen, in diesen durchsichtigen Muskelshirts mit bunten Pseudo-Kunst-Aufdrucken, dieser Halskette, dem sogenannten schwarzen Gürtel im Blasen.

Natürlich konnte die Ältere der beiden sich austesten und ihre Augebrauen wegrasieren und sich morgens welche anmalen. Aber muss ich meinen Mund halten, wenn es sich bei den aufgemalten um zwei wagerechte, einen Zentimeter breite Striche handelt? Pädagogisch wertvoll wie eine Seerobbe in die Hände klatschen und rufen: „Das hattu aba fein gemacht!“. Nein.“

Ich erlaube mir, konstruktive Kritik zu äußern.

„Eheee? Was ist denn unter Deinen beiden Zensur-Strichen im Gesicht?“

„Hm?“

„Na, die beiden Dinger über Deinen Augen! Ist das Edding oder geht das beim Waschen wieder ab?“

Aber ich bin in die „Pubertiere“ abgeschweift, als zurück zu Adipositas.

Nun arbeite ich ja abends. Und wir wollen gute Eltern sein. Also machen wir Frühstück. Mit Brötchen aufbacken, Milch, Cappuccino und pünktlichem Wecken und hinterher zur Schule und in den Kindergarten fahren bzw. A. zum Zug, weil er in der Erwachsenenbildung seinen Schulabschluuß endlich nachholen will.

Und dann wirft C. immer eine runde Süsses auf den Tisch, so daß sich jeder ein Schokolädle oder eine süße Backware zum „richtigen Essen“ mitnehmen kann. Es gibt auch frische Gurke und Paprika im Angebot. Und so kann jeder sein Mitnahme-Essen nach seinem Geschmack gestalten. Nur Trinken….das ist Wasser in kleinen Flaschen.

Und nun komme alle zu Tisch und auch Patty und Selma suchen sich zielsicher ein Süßchen raus. Eins. Ein Miniriegel oder ein Kinderriegel. Eins. Und damit bin ich die Frage von Selma nach Schoki für den ganzen Tag los.

Dann frühstücken die beiden Mädels. Ein halbes Brötchen mit irgendwas. Die andere Hälfte landet in der Brotbox mit ausgesuchtem Belag und sie können aussuchen aus dem Frisch-Gelumpe, heute haben sie Brombeeren aus dem Garten mitgenommen.

Und heute bekomme ich den Vortrag in der Kita. Die Mädels hätten immer so viel Süsses dabei,.

„Also bei mir packen sie nur eins ein.“ Eins pro Tag.

Nein, das wolle man nicht, weil sie immer erst das essen wollen.

„Nunja, die frühstücken ab sieben.  Mit allem Kram von Milch über Wasser über Tee und Brötchen, die sich durchaus auch Fitness oder Vollkorn nennen.“

Für  micht ist klar, sie sollten nun nicht um halb neun wieder am Verhungern sein, weil dann wäre das was falsch.

Ich könnte ja sowas wie Fruchtzwerge mitgeben, aber die bekämen ja immer was richtiges Süßes.

Mir als Laie verschließt sich der Unterschied zwischen richtigen und unrichtigem Süßen, aber naja.

Und Fruchtzwerge…boah, das ist für mich Müll. Das kein Essen.

Nunja. Ich weise freundlich darauf hin, das Selma heute die Brombeeren mitgenommen hat.

Aber auch das ist falsch. Man habe ja Obst stehen und das sei ausreichen.

Pass ma achte, ehrlich: WENN Selma Brombeeren aus dem Garten mitnehmen will, dann  nimmt sie Brombeeren aus dem Garten mit! Irgendwie ist auch mal gut.

Damit hier Entwicklung stattfinden konnte, musste sich die Familie auch ernährungstechnisch auf die beiden  Pflegekinder zu bewegen, nicht nur rituell, intellektuell und emotional! Was sollte das denn werden, wenn sich der Umzug zum Kulturschock entwickelt? Da zweifeln doch doch völlig an sich selbst!

 

 

Dies Wochenende war nicht meins!

Samstag bin ich auf die Idee gekommen, eine wirklich dumme, aber notwendige Idee, mich endlich wieder an den Garten zu  machen. Der Monsun hatte sein Werk getan und  die Pflanzen, die durchaus wassertauglich sind, wuchern wie die Weltmeister.

Nun stellte ich zunächst fest, das jemand meine Brombeere, die keine Stacheln hat, abgeschnitten und mir die abgeschnittenen Ranken in den Garten geschmissen hatte, jedoch die, die von meinen Nachbarn auf mein Grundstück wächst und die Dornen hat, die überwucherte weiter meinen Garten.

„Mach sie doch weg“, sagte C..

Aber ich bin zu folgendem Schluß gekommen:

Wenn da eine Brombeere genau in dem Jahr meines Einzugs genau so am Zaun des Gartens meiner Nachbarn wächst, dass sie meinen Garten über rankt, dann  ist das eine Fügung zum Schutz vor meinen Nachbarn . Immerhin waren die ersten Siedlungen ja auch zum Schutz von solchen Wällen aus Wildrosen und Brommbeeren um geben. Denkt mal an Dornröschen.

Dann stellte ich fest, daß der Garten ja mein Garten ist und ich Gesträuche, die ich nicht mag, nicht dort haben auch, auch wenn sie mir von meiner Mutter geschenkt worden sind. Also kürzte ich den Cola-Strauch, wie ihn meine Mutter nennt. Und während ich da schnitt und ruckte wurde mein Fuß nass und ich wunderte mich. Stellte dann fest, dass dort unter dem wuchernden Strauch die Abdeckung ein mit Wasser vollgelaufenes Plastikdach eines Mini-Gewächshauses lag, dass nun leer lief, weil ein Stein der kleinen Mauer heruntergefallen war und meinen Fuß und eben jenes Dach getroffen hatte.

Zeh auf.

Sonntag. Zeitungen gemacht,  Mini hat Magenschmerzen und liegt auf dem Sofa, Selma hustet und liegt in Groß E.’s Bett. Patty setzt sich zu mir auf das Sofa und Olaf kaut auf seinem Knochen. Also alles sonntäglich….dann quietscht Olaf. Ich denke noch nicht so schnell, bis er zum zweiten mal quietscht und denke, dass er vielleicht einen Knochensplitter ….

Der Knochen ist der teuerste Mark-Knochen auf dieser Welt. Er kostet 259,15 Euro zzgl. Anschaffungskosten von 3,97 Euro, weil

Ein Zahn ist abgebrochen und muss doch noch mal gemacht werden.

Die Tierärztin war jetzt nicht so der Burner. Als wir das letzte Mal beim Notdienst waren, hat die ihm was ohne Zugang gespritzt, dieser Hier wollte unbedingt einen Zugang legen.

Er musste dazu auf den Tisch und wir haben ihn mit drei Leuten festgehalten. A. war mit und wurde von Olaf in die Hand gebissen, als dieser seine Vorderbeine hielt. Die Tierarzthelferin und ich lagen auf dem Hund. Die Tierärztin traf erst beim zweiten Versuch, den sie nach dem mißglückten Versuch am Hinterbein, und der Olaf wollte dann einfch nicht einschlafen….

Die Wohnung war vollgesabbert, das Auto, der Untersuchungstisch, meine Jacke durchgesabbert. Maaaaaan….Mal sehen, was die nächste Woche bringt.

Oral b

Omma. Als die ersten elektrischen Zahnbürsten aufkamen, da meinte unser Omma, als meine Mutter:

„Das ist überflüssig, das kann man von Hand!“

Also blieb ich manueller Bürster.

Bis vor zwei Wochen. Da musste ich zum Zahnarzt und erhielt einen Vortrag über das fehlerhafte Putzen und den daraus resultierenden Karies.

„Ich kann das Geräusch nicht ab.“

„Welches?“ wollte die wohlwollende, Vortrag haltende Zahnarzthelferin.

„Das Geräusch, das beim Bürsten von Zähnen, Schuhe, Teppichen oder was auch immer entsteht…“ Ich kann es wirklich nicht ab. Es gibt nichts, was mir schneller eine Gänsehaut macht und mich noch schneller auf die Palme bringt.

Wir also weiter über elektrische  Zahnbürste und ich nach der Reparatur meines Eckzahnes mit wehenden Fahnen in den Hygienebastelmarkt um die Ecke und diesmal nicht mit Windeln, Feuchttüchern, glitzernder Prinzessinnenhandseife  und nach Erbeere duftendem, feuchtem Toilettenpapier für kleine Prinzessinnen da raus, sondern mit elektrischen Zahnbürsten und Bürstenköpfen.

Zuhause ausgepackt, aufgestellt, Packung und Bedienungsanleitung ab in den Müll. Ist ’ne Zahnbürste, was soll da schon sein. Bürstenköppe an die größeren Kinder zur persönlichen Verwahrung verteilt und weiter im Tagesprogramm gemacht.

Dann kam sie. Die Abendtoilette mit meiner ersten Benutzung des neuen elektrischen Gerätes in meinem Haushalt zum krönenden Abschluß.

Bürstenkopf aufgesteckt, Ding angeschmissen. Brrrrrt. Funktioniert.

Okay. Bürstenkopf in Wasser getaucht, Zahnpasta drauf, Bürste angeschaltet…

Zack, Zahnpasta weg!

Aha. So geht das also nicht.

Nächster Versuch:

Zahnbürste aus, Zahnpasta drauf, Zahnbürste in den Mund, wie immer erst die Backenzähne, und anschalten.

Erstaunt lausche ich dem Brummen in meinem Mund, während ich den rotierenden Bürstenkopf über die mir verbliebenen Backenzähne und Kronen ziehe, und stelle fest, das sich, wenn ich den Mund zu einem O forme, das Geräusch in meinem Mund verändert. Es hört sich fast an, so sagt mir mein inneres Ohr, wie ein Digeridoo. Und so mache ich Grimassen, um das Geräusch zu verändern, was auch wirklich klappt.

Mwaaaaoooowaaaaooooowaaaaoooowööööoooo-

wöööoooommmmeeeeeeeeeooooooooo-

meeeeeeeeooooooouuuuuuuuuuuuu…

Backenzähne fertig, Front ist dran. Zahnbürste aus und raus, Zähne aufeinander wie seit Jahrzehnten, Zähne dem Spiegel zeigen, Bürste drauf und an….

Zack! Zahnpasta und Spucke fliegen an den Badezimmerspiegel und Spiegelputzen ist angesagt.

Das mit dem Anschalten im Mund kriege ich schon hin, aber den Badezimmerspiegel putze ich dank eingefleischter Angewohnheiten nun zweimal täglich. Mal gucken, wie lange noch…

Glückwunsch zum Jahrestag mit WordPress.com!

WordPress gratuliert.
Danke.
Und nun? Mache ich einen Kuchen? Kommt die Feuerwehrkapelle und spielt mir ein Ständchen? Jubelt meine Waschmaschine durch rythmisches Blinken des Display und stimmt der Herd durch hysterische Fehlerpiepen mit ein?
Nein.
Was also mache ich an diesem Jahrentag?
Das, was ich an anderen Tagen auch mache.
Wäsche für elf Personen, drei Katzen und einen Hund.
Zwei meiner erwachsenen Kinder lassen derzeit hier mit waschen. Ist nicht immer unbedingt einfach.
Den Fahrdienst für Schul- und Kindergartenkinder.
Morgens fahre ich A. zum Bahnhof, weil der in Braunschweig seinen Hauptschulabschluß nach macht. C. startet fünf Minuten später und fährt die Mädels zur Realschule und die Schulänfängerin in die Grundschule.
D., der erst zum 1.9. mit seiner Maßnahme beginnt, hütet derweil die Kindergartenkinder, die ich nach meiner Rückkehr vom Bahnhof in die Kita fahre.
Dann kann ich bis 11.30 Uhr Haushalt machen und hole dann das Grundschulkind. C. holt um ein die Realschülerinnen, ich um zwei die Kindergartenkinder. Zwischendrin mache ich Haushalt und er arbeitet.
Nachmittags kommt M., einer der erwachsenen Söhne und hütet mit ein, weil ich um vier auf die Arbeit fahre.
Und dann ist der Tag rum, ich warte noch auf eine der vielen Waschmaschinen und gehe dann zu Bett.
„The same procedure as last day?“-„Yes, the same procedure as every day, James!“

Wir haben eingeschult

Einschulung:

Die Große ist zwar noch immer zu klein für diesen Stift und die Kleine für beides, die Schule und den Stift zu klein, aber immerhin ist die Große bald mit der Schule fertig.

Der Kindergarten hatte für die werdenden Schulkinder so einen Katalog für Selbstbastel-Schultüten und ich hatte die A-Karte, diese Jahrhunderwerk umzusetzen. Die Tüte sollte glitzern, aber es fand sich nichts glitzerbares in diesem Pack, also…noch mal los, Steinchen und Glitzerkleber kaufen und größeren Filz für oben , weil bei dem orginalen, da geht ja nix in die Tüte rein….

Drei Tage habe ich ausgeschnitte, geklebt, beglitzert…..und C. gefragt, ob wir nicht doch noch mal bei Amazon…

„Ach, das ist doch nur für einen Tag!“ Na, danke auch!

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C. zwang mich, in die Tüte pädagogisch wertvollen Kram zu packen….Aber die Zwischenräume, die waren voll mit Süßem. Meine Kinder erinnern sich an ihre Schultüten….weil sie schwer waren und von ihnen nicht getragen werden konnten. Meine Güte, meine Grundschüler haben Geschwister, da musste das für viele reichen…Als Alternative zu dem vielen Süßkram habe ich ihm angeboten, die Tüte mit Beton auszugießen, aber das wollte er dann auch nicht.

Und dann ab aus den guten Schuhen in die Schlappen und raus nach Groß Döhren in Erikas Eiscafe. Da ist es echt schön. Und ich hatte die Arbeit nicht  und Selma hatte gefühlte 25 Kugeln Eis und ihr Darm machte sich tags drauf bemerkbar, aber sie durfte einfach mal so, wie sie wollte.

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So. Und weil fast alle da waren, haben wir uns dran gemacht, ein Drei-Generationen-Bild zu machen…

 

Goslar und die Flut

Persönlicher Eindruck.

Nachts weckte mich nicht nur das kaputte Knie, sondern auch die Sirenen. Um vier war es eine lahmende Sirene, die mich weckte und dazu brachte, „Jetzt holen sie aber die letzten dazu…“.

Morgens, als dass Kaffee-Wasser aufgesetzt war, gleich mal Internet an und  Facebook auf und zack, Überschwemmung in Goslar.

Omma angerufen, morgens kurz nach halb acht, damit die bloß nicht in die Stadt läuft.

Dann rief mich C.. Er konnte von unserem Schlafzimmerfenster aus das Wasser sehen auf dem Odermark-Platz.

Woll. Ich bin hin. Klar neugierig. Menschen von außerhalb wieder nach Haus geschickt, denn das Wasser wurde immer schneller.

Das Video bricht ab, weil ich es wichtiger  fand, die Leute aus den Autos zu bewegen. Merkt Euch: Wenn das Auto im Wasser absäuft und so tief drin steckt, dann scheiß auf die Karre und raus da, wenn Du  nicht weißt, ob da noch mehr Wasser kommt. Wenn das Ding erst schwimmt, dann ist das lebengefährlich!

Video gemacht: