Unterstützung

Angus ist in der Klinik in Kassel. Es geht alles drunter und drüber. Nun ist er letztendlich einfach mal abgehauen, hat bei Schnee und Frost eine Nacht in einer Unterführung verbracht und ist dann wieder in die Klinik zurück gekehrt.

Nun hatte ich ein Gespräch mit der behandelnden Ärztin und hörte, Angus brauche die Unterstützung der Familie und man müsse ihm anrechnen, daß er zurück gekehrt sei, und er das Ganze fortsetzen wolle und ja schließlich auch in die Anschlußtherapie wolle und bla blabla….

Ladies, in diesem Jahr sind sieben Dinger auf einmal vor Gericht verhandelt worden und in seiner neuen Einrichtung hat er gleich erstmal neun, in Zahlen: 9, neue Anklagen gesammelt…

Und Weihnachten….Weihnachten, er würde ja so gerne Familie und so….Und ich sollte mal Kontakt mit ihm aufnehmen und ihn loben und blablabla…

Letztes Jahr gab’s auch Weihnachten, da war nur wichtig, was im Umschlag war….

Aber dieses Jahr, nach drei Wochen Entgiftung, da ist alles anders.

Genau: Und deshalb habe ich uns ein Dutzend Chearleader-Pompons bestellt und die kleinen Mädchen dürfen jetzt nach drei Stunden Pyramide üben auch endlich mal ins Bett und C. druckt aus dem Netz Bilder von Geldscheinen aus, die ich dann in meinem Portemonnaie verstecke, damit Angus sie rausnehmen kann.



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Du vielleicht – ich NICHT.

Am Samstag stellte ich fest, dass mich die Einrichtung in Nordhausen angerufen hatte und Angus mich sogar angeschrieben hatte.

Die ganze Woche hatte ich nichts von ihm gehört und ich war ihm auch nicht hinterher..

Seine Ärztin hatte gesagt, ich würde ihn am Erprobungswochenende besuchen…

Klar. Mache ich. Wenn ich vorher Bescheid weiß. Aber nicht Samstagmorgen für Samstagnachmittag. Knopf für Knopfdruck kaputt.

Ich werde heute mal in der Einrichtung zurück rufen.

Am Freitag letzter Woche rief mich E., die in einer neuen Einrichtung lebt an. Sie war zum Porbewohnen in einer Mädchenwohngruppe und war erstmal durch ihren Alkoholkonsum im Krankenhaus gelandet.

Sie erklärte mir ihre Verwunderung darüber, dass ich nicht am Wochenende einfach mal vorbei komme.

Ich war letztes Wochenende samstags in Kassel und sonntags bei ihr. Dieses Wochenende ist mal meins gewesen.

Mein Telefon ist bereinigt, alle Nummern, die ich gar nicht wirklich benutze und die mich auch nicht anrufen, sind raus. Ehemalige Arbeitskollegen, Nummern von Beratungsstellen, die ich nicht mehr nutze, Nummern meiner erwachsenen Kinder.

Ich will keine Vorträge mehr und wer sich das ganze Jahr nicht meldet,  braucht zu Weihnachten auch keine Karte schreiben. Um unser Omma kümmern sie sich nicht, dass ist ausschließlich mein Job….Das bereinigte Telefon fühlt sich gut an. Es ist, als ob man die Erwartungen gleich mit gelöscht hat.

Heute schrieb mich die Mutter von Patty und Selma an. Huhu, ich bin grade… und wollte mal fragen….

Selber huhu, ich bin grade zuhause und kann grade nicht. Der Lack ist noch naß.

So. Ich räume jetzt meinen Geschirrspüler aus und mache Wäsche und dann sammle ich alle Kinder ein…..und wenn ich dann Zeit habe, dann beantworte ich alle what’s-apps von der Mutter,die gerade …ist und wissen will…, und von Angus, der wissen will, ob er das nächste Erprobungswochenende bei uns verbringen kann….



Ernsthaft?

Mein Sohn Angus befindet sich endlich in der Entgiftung. Weg von den Drogen und dem Alkohol.

Jaja, ein Schritt. Weiß ich.

Aber darum geht es jetzt nicht.

Zum Konzept der Arbeit der Klinik in Kassel gehört das Erprobungswochende. Ein Streßtest für den Süchtigen. Der sieht dann nämlich, wie weit er tatsächlich ist. Erleidet er einen Rückfall, beginnt seine Entgiftung von vorn. Gutes Konzept.

Nun bin ich wiederholt angesprochen worden und tat mich doch sehr schwer. Die Einrichtung in Nordhausen, in der Angus seit Sommer lebte, tat sich ebenfalls schwer. Ein Erprobungswochenende schon nach eineinhalb Wochen? Uns allen schwahnte Böses.

Allerdings wollte ich nun Angus auch auf seinem Weg unterstützen.

Und so sprachen wir hier in der Familie über die Möglichkeiten. Können wir das? Was ist im Falle eines Rückfalles?

Und ich sprach mit der Klinik,. Dort wurde alles so leicht und einfach, gar nicht so schwer, wie sich das hier anfühlte.

Einen Nachmittag, den könnte ich mir durchaus vorstellen. Einen Nachmittag ausschließlich familienintern.

Aber ein Erprobungswochenende, DAS war uns dann doch zu viel.

Man könne ja jederzeit das Wochenende abbrechen.

Tolles Ei, bei gut zweieinhalb Stunden Fahrt, vielleicht auch noch völlig besoffen und hochaggressiv?

Wir kapitulierten. Und ich schrieb genau das dem Jugendamt.

Das WIR uns Gedanken gemacht haben und UNSERE Möglichkeiten überprüft haben, wir sehr wohl bereit sind, Angus auf seinem Weg zu unterstüzen, aber keine Möglichkeit sehen. derzeit das Erprobungswochenende zu ermöglichen. Und weiterhin auch keine Verbleibensperspektive zwischen Entgiftung und Therapie in unserem Haushalt sehen.

 

Die Antwort vom Jugendamt kam prompt:

Die zuständige Mitarbeiterin bedankte sich für die Information und erklärte, daß sich ihr die Frage stelle, wer denn „Wir“ sei.

Wer ist denn wir?

Na, wer ist wohl Entscheidungsträger in der Familie und ein Wir?

Ich bin versucht, ihr diese  Frage zu schreiben.

Antwortmöglichkeiten würde ich auch gleich vorgeben, aber nur drei, sonst wird das wohl zu viel.

a) die Eltern

b) der Papst und die heilige Hildedgard und ich

c) der Hund und Patty

 

 

 

it’s cold and frigthened….

Leben ist anders und die Gewöhnung daran nicht einfach. Gar nicht einfach.

Ich war mal wer.

Nun bin ich wer anders.

Die Mädels gehen reiten und ich bin stolz: Immerhin habe ich jetzt schon einmal ein Pferd sauber gemacht. Die Füße nicht, aber so Rücken und Hals und Beine….und Bauch.

In etwa einer Woche werde ich wieder den 14tägigen Anruf von der Krankenkasse bekommen.

„Wie es mir geht…“

Auch beim letzten Mal war ich noch brav und habe Rede und Antwort gestanden.

Und dann war ich sehr wütend. Jeder dieser Anrufe, dieses indirekte „Geh bloß endlich wieder arbeiten!“, hat mich an meine Unfähigkeiten erinnert.

Aber nun habe ich mich daran erinnert, daß ich meine Erziehung vergessen habe.

Normalerweise antworte ich auch die Frage immer:

„Gut. Aber reden wir von was Schonem, reden wir von Dir….Wie geht es denn Dir?“

Und zunächst habe ich mir vorgenommen, daß bei der Krankenkassenfrau auch so zu machen.

Weil ich aber morgen meinen Termin beim Integrationsamt habe und das ist gleich um die Ecke der Krankenkasse, da kann ich gleich die weitergehende Krankmeldung abgeben, also weil ich da gleich den Termin habe, werde ich noch am selben Tag die Krankenkassenfrau anrufen.

„Hallo , Frau AOK, ich wollte mich mal erkundigen, wie es Ihnen geht….“ Höflichkeit muß sein.

Und wenn ich das mit dem Pferdeputzen hinkriege, dann gehe ich meine Höhenangst an. Ich hab ja Zeit.,…ich bin ja wer anders… Reiten kann man mit dem Knie nicht mehr. Ebenso Radfahren, Schwimmen, Wandern…

Brave new world…oder was?!?

Gestern sah ich so nebenbei einen Restbericht über Gesichtserkennung.

Gesichter öffneten Handys, Türen und was weiß ich.

Und dann wurde über das hier berichtet:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/KI-erkennt-am-Gesicht-ob-Menschen-schwul-oder-lesbisch-sind-3825449.html

Dieser Versuch sollte zeigen, wie gefährlich das mit der Gesichterkennung ist.

Na vielen Dank auch. Jetzt, da jeder weiß, daß man die sexuelle Ausrichtung eines Menschen mit Hilfe eines Algorithmusses der Gesichterkennung rausfinden kann….boah. Ruckizucki wird das wieder irgendwer nutzen…und das nicht zum Guten.

Punkte sammeln

Punkte sammeln. Früher waren das Rabattmarken, die man in Heftchen klebte. Viele für kleines Geld, bei Ihr Platz und Wasmund, einem Drogeriemarkt und einem kleinen Supermarkt. Vorher war Wasmund der Spar Markt  und später Elektro-Kallert. Letzterer hat Fernseher und keine Rabattmarken-Heftchen.

Das Punkte -Sammeln ist nie aus der Mode gekommen. Flensburg. Da sammeln wir seit eh und je und ich stelle mir immer noch vor, daß dort ein rundlicher Beamter sitzt, der die Punkte, die damals wie ganz kleine Briefmarken waren, anleckt und in das Rabattmarken-Heftchen klebt. Wenn voll, wird es eingelöst, zack Führerschein weg. Bei Ihr-Platz und Wasmund waren die Preise für ein volles Rabattmarken-Heftchen irgendwie schöner…..

Nun lecken wir keine kleinen Marken mehr an, wir haben die Karten, auf denen wir Punkte sammeln für irgendwelche besonderen Billig-Handtücher, Geschirr und was weiß ich, daß kleine Danke-Schön dafür, daß wir unsere Einkaufsgewohnheiten preis geben und die Werbung besser personalisiert werden kann.

Punkte sammeln –  im Zuge der Gleichstellung sollen jetzt auch Flüchtlinge ihr persönliches Rabattmarkenpunkte-Sammelneftchen bekommen und Punkte sammeln. Wenn das Heftchen voll ist, gibt es eine Flugreise.

Tante Hildegard krank. Mord. 70 Punkte, zack, Flug zurück nach Hause.

10 Punkte für leichten Diebstahl.  Sechs mal darf man also ein Päckchen Backpulver und eine Tüte Mehl klauen und zack – Flugreise.

Bei Wasmund und Ihr-Platz war dann eingelöst und weg.

Dann konnte man neu sammeln.

In Flensburg verfallen die Punkte nach einer gewissen Zeit. Soll das bei dem Sammelsystem auch so sein?

Gehen wir mal sachlich dran:

Fadime reicht das Geld nicht und sie begeht einen leichten Diebstahl und klaut Mehl und Hefe und Salz.

Sie wird erwischt. Beim ersten Mal wird es wegen Geringfügigkeit noch eingestellt.  Wir reden hier von Cent-Beträgen.

Wenn sie das aber wieder macht, rollt die Maschinerie an. Und sie kommt vor Gericht. Wird verurteilt.

Damit hat sie ihre Strafe bekommen und ab nun soll sie eine zweite Strafe bekommen? Nämlich Punkte?

Spinnen wir das mal weiter. Fadime erreicht mit ihren leichten Diebstählen die 60 Punkte. Und bekommt ihre Flugreise.

Es ist jetzt nicht soooooooo ungewöhnlich, daß Frauen im gebärfähigen Alter ein oder mehr Kinder haben. Öfter auch minderjährig.

Was ist denn dann mit denen, wenn Mama die Flugreise hat? Werden die gleich mitgeschickt? Bestrafung der ganzen Familie, weil einer straffällig wird. Sippenhaft. Das hatten wir schon mal und war damals schon scheiße.

Okay. Also die minderjährigen Kinder bleiben hier. Zack, Jugendamt. Wenn die Betreuung und Erziehung in der Familie nicht sicher gestellt ist, dann Jugendhilfe.

Und wenn die Kinder 14 werden? Gibt es dann ein Punktesystem light? Quasi in Anlehnung an das Jugendstrafrecht?

Manchmal habe ich den Eindruck, solche Vorschläge werden in lustiger Runde am Stammtisch ausgeklügelt.

„Herta, machse noch ma ne Runde für hier?!“

 

Is‘ nich ‚ waaaaah‘!

Im August hatte sich  mein Sohn K., genau der, der in anderswo wohnt, verlobt.

Ende Oktober erfuhr ich dann, daß sich die Verlobten getrennt hatten und mit dieser Entscheidung sehr zu frieden waren.

„Wir haben uns getrennt!“

„What?!“

„Ja, getrennt. Meine Freundin möchte nicht in einer mittelmässigen Beziehung leben…“

*Ich überlege immer noch, was, zur Hölle, eine mittelmässige Beziehung ist!*

„Aber ihr habt euch doch grad erst verlobt…….“

Sie lösen die Wohnung auf, sie nimmt die Katzen.

Mitte November hat sich mein Sohn C, mit seiner Lebengefährtin C. verlobt. Ja, die wohnen auch in anderswo und haben das gemeinsame Kind C.

*Warum wollt Ihr Euch trennen?* Das hätte ich gern gefragt. Und ob der  Verlobungsring der von den anderen ist, weil er dem so täuschend ähnlich sieht…..

Man feiert ja keine Verlobung mehr, sondern veröffentlicht Fotos  von dem beringten Ringfinger der Frau.

Ich habe ordnungsgemäß gratuliert. Nicht das das wieder nur eine mittelmäßige Beziehung ist…

PS: Mädels, frau darf so einen Antrag auch mit „Es ist doch so schön, wie es ist. Ich liebe Dich!“ beantworten, es muß nicht das „Nee, lieber nicht sein.“.