Tag fünf mit einem neuen Knie

Es ist ein bischen wie Zahnarzt, nur irgendwie größer und die Stelle ist auch blöder, weil es da nicht reicht, den Mund zu halten.

Montag war ich fällig. Zwei Titan-Kronen zieren Ober-und Unterschenkel, wenn die Narbe gut wird, lasse ich mir einen Reisverschluß drauf und rum tatowieren, denn ich habe jetzt ein gerades Bein . Länger zwar als das andere, aaaaaber gerade.

Freunde, das ist nicht mal eben einfach so und toll und los. Mittwoch durfte ich aufstehen und versuche laufen zu lernen, weil das Scheißding gar nicht so funktioniert wie ich denke.

Das ist nicht einfach…..Nächste Woche geht es in die Reha und dann sehen wir weiter, das lange Bein und ich.

In diesem Sinne…

Frei!

Ich bin gekündigt worden. Ein schwerer Mantel ist mir von den Schultern gefallen. Ich kann wieder atmen.

Aber von vorn:

An meinem Geburtstag , zehn vor zwei, rief die Chefetage an und erklärte mir, das ich nicht mehr in meinem Objekt arbeiten dürfe, am nächsten Tag nicht mehr auf die Schulung dürfe und sofort den Schlüssel für das Objekt abzugeben habe.

Auf meine Frage, was denn passiert sei, antwortete mir die Dame aus der Chefetage, man sei nicht berechtigt mir auf  diese Frage antworten…Ich solle am nächsten Tag um neun im Büro sein.

Ich habe den Schlüssel abgegeben und  bin an meinem Geburtstag um acht ins Bett.

Am nächsten Morgen hatte ich Fieber und Mandeln. DAS hat mich geärgert. Scheiß-Körper. Und weil man in der Regel immer nur so gekündigt wird, wenn wirklich wirklich was Schlimmes passiert ist, naja.

 

Am nächsten Morgen war ich um neun im Büro. Eine Minute vor neun, weil ich keinen Spießrutenlauf durch die anderen Vorarbeiter machen wollte. Ich war ja in meiner Putzfirma nur noch Aufsichtskraft in der Reinigung, so in meinem Vertrag, und was auch immer das ist. Anfangs bekam ich den Vorarbeiterzettel, aber im Laufe der wenigen Wochen wurden mir mehr und mehr Rechte abgesprochen.

Nunja.

Aber noch mal einen Sprung zurück. Durch meine lange Krankheitszeit habe ich jede Menge Urlaub angesammelt, den ich eigentlich nicht wollte. Ich war froh, wieder arbeiten zu dürfen.

Dann gab es ein Gespräch im Büro und die Chefin wies mich an, diesen Urlaub zu nehmen, immerhin habe man ihn schon um 17 Tage gekürzt, weil ich ja in 2018 drei Montage gearbeitet habe und da hätte Urlaub nehmen können. Was ein Witz, aber egal.

Also bin ich nach Hause, habe 50 Tage im Kalender abgezählt und in den Urlaubsantrag eingetragen.

Dann hatte ich einen Termin beim Orthopäden. Und worunter ich wirklich leide ist nicht nur diese  blöde Orthese, sondern auch die Tatsache, das ich den Kindern das Radfahren nicht beibringen kann.

Und wir haben abgesprochen, meinen Urlaub dazu zu nutzen, mir ein neues Gelenk einzusetzen. Dafür würden sich 50 Tage Urlaub gut eignen. Eine Krankmeldung wollte ich nicht abgeben. Weil dann wieder so eine dumme Diskussion kommen würde.

Aber nun wurde es wichtig, ob ich den Urlaub bekommen würde.

Auch das wurde mir im Gespräch vorgeworfen, das ich den doch auf einmal haben wollte.

In dem um neun Uhr. Und eigentlich bin ich nur unfähig, unreflektiert, tanze da durch mein Objekt, alle Nachfragen wurden mir vorgeworfen, eigentlich ich selbst. Ich sollte zu den genannten Einzelfällen Stellung beziehen, aber keinen Einzelfall beantworten, nur allgemein.  Wurde immer wieder unterbrochen…

Dann war Ruhe.

Wie es nun weiter gehen solle, fragte der oberste Chef.

„Ich weiß nicht, ich denke, Sie werden da schon was vorbereitet haben.“

Er nannte mich frech.

Ich wurde gefragt, was mein Objekt denn für einen Vorarbeiter brauche. Und da hatten wir es wieder. Ich war ja nur Aufsichtskraft, was auch immer das ist.

Ich antwortet, das dort auf jeden Fall jemand hin müsse, dem die Kollegen vertrauen könnten.

Dann wurde ich gefragt,  wo ich meine Position in der Firma sehe.

Nach kurzem Nachdenken, denn Reinigen kann ich körperlich nicht mehr, und die Aufsichtskraft kann ich aus mir heraus nicht, wie man mir kurz vorher erklärt hatte,antwortete ich:

„Nun, das eine kann ich nicht mehr und das andere kann ich auch nicht. Ich habe keinen Nutzen für die Firma mehr.“

Ich solle sofort rausgehen und fünf Minuten über das gesagte nachdenken. Wieder waren sie sauer. Und ich verstehe das immer noch nicht. Sie hatte mir das doch eben gerade gesagt, daß ich nicht als Aufsichtkraft in der Reinigung tauge.

Als ich zurück kam, wurde ich erneut gefragt, ob ich über meine Aussage nachgedacht hätte.

Auch das habe ich nicht verstanden. Da brauchte ich nicht drüber nachdenken. Wenn das eine nicht geht und das andere nicht, hat man einfach keinen Nutzen für eine Putzfirma.

„Ich möchte endlich wieder mal genügen und das wollen Sie doch sicher auch.“  Das war meine Antwort.

Und um ehrlich zu sein, mir war am Vortag aufgefallen, das wenn ich die Orthese los werde, ich einfach wieder beruflich Chancen habe.

Also bin ich gekündigt worden. Meine Kündigungsfrist ist nur für mich verlängert worden um drei Monate mit sofortiger Freistellung.Das ist eigentlich was, das will ich gar nicht. Da ist immer noch ein Rest Mantel. Der Antwalt hat mir gesagt, ich soll ihn anrufen, fallls sie mich noch mal in der Zeit ins Büro bestellen.

So. Ich bin froh, das ich da raus bin. Einfach nur froh.

 

 

Hello …hello

Hier ist es lange still gewesen. War ja auch nix.

Ordnungsgemäß Reha gemacht, gesund geschrieben worden, weil zu alt.

„In Ihrem Alter finden Sie nie wieder einen Job.“

In der Wiedereingliederung kläglich gescheitert und einen neuen Arbeitsvertrag in derselben Firma unterschrieben,.

Warum kläglich gescheiter?

Naja, wenn man so aussieht?

ohneortho

Das nur mal zum Krankschreiben.

Die Orthese ist auch gleich erstmal kaputt gegangen. Materialfehler, aber ich brauchte eine zweite, damit ich weiter -Wiedereingliedern konnte.

Nun bin ich Aufsichtskraft.

Egal.

Was ich eigentlich erzählen wollte….

C. . C hat ja diesen Test im Internet gemacht und hatte 32 Punkte.  Er habe Autismus.  Also Internet-Autismus.  Tja, ich wollte gerne wissen, was denn nun Autismus genau ist und landete bei dem Test….

Ich habe gewonnen mit 41 Punkten.

Er fand das schon irgendwie ungerecht, immerhin soll ich ja ADHS haben. Weil vier Kinder das haben….woher soll ich auch wissen, was so in meinem Genpool rumschwirrt…

Heute morgen jedenfalls habe ich festgestellt, daß er erblindet ist.

C. brachte ein rosafarbenes Badehandtuch mit in die Küche, als er zur Arbeit wollte.

„Was willst Du denn damit?“ wollte ich wissen.

Er habe das für mich aufgehoben, weil es keine sauberen Handtücher mehr gebe.

Habe ich ein schlechtes Gewissen?

Nein. Immerhin habe ich meiner Familie mitgeteilt, daß ich es EXTRA gegoogelt habe. EXTRA. Und feststellen mußte, das die Knöpfe an Geschirrspülern auch von Männerhänden und sogar mit Kunstnägeln zu bedienen sind. Sie sind doch tatsächlich dafür ausgelegt.

Habe ich ein schlechtes Gewissen wegen der Handtücher?

Nein. Die Maschine steht unten im Keller, neben dem Trockner und in der Bedienungsanleitung der Miele  steht nichts davon, dass sie ausschließlich von mir bedienbar ist und die Nutzung durch C. oder meine beiden noch hier lebenden großen Kinder zu einem Garatie-Auschluß oder sogar Motorschaden führt.

Nun bin ich also in meinen Keller und gucke …und gucke noch mal.

Im Gang zwischen Bettwäscheregal und Trockner, direkt hinter der Tür steht ein Wäschekorb mit trockenen, sauberen, allerdings ungelegten Handtüchern. Kleines gelbes Körbchen…..direkt im Weg. Man muß fast drüber steigen.

Entweder ist C. erblindet oder aber es liegt an seiner Körpergröße von fast zwei Metern. Das man so auf die Ferne nicht so gucken kann. Sowas kann ja mit dem Alter kommen und er ist ja schon Mitte 30.

Nun habe ich die Handtücher gelegt und wieder in seiner Sichthöhe auf dem Regal untergebracht. Damit er nicht so verzweifelt ist.

Oder einen Blindenhund braucht…..denn der Geschirrspüler war zwar voll mit dreckigem Geschirr, aber nicht angestellt. Wahrscheinlich kann er die Knöpfe nicht sehen…..

Allerdings weiß er jetzt auch seit seiner Googelei im Internet, das sein mäkelndes Essen eine neu entdeckte Ess-Störung ist. War Englisch, sollte ich abends um zehn nach der Arbeit lesen…Zuviel Text, aber in Ordnung.

Was man im Internet so alles finden kann…

 

 

Hello…….is it me you looking for…..

Schreibblockade, denke ich oder einfach zu viele Krisenherde…..

Schönes zu erzählen gibt es nicht.

Gestern nun hätte man mich durchaus in einer psychiatrischen Klinik unterbringen können, denn, nachdem ich die Post bekam, konnte ich nicht aufhören  zu weinen.

Hatte ich Monate, also seit Ende März, damit verbracht, wieder und wieder nach dem Fortgang der Bearbeitung meines Widerspruches gegen den Reha-Bescheid der deutschen Rentenversicherung zu fragen, zumal mir die Klinik zugesagt hatte, den Aufnahmetermin vom 26.6. zu halten, weil da ja auch die ambulanten aufgenommen werden können. Ich hatte ambulant beantragt und stationär bewilligt bekommen in einer Klinik, die keine Kinder mit aufnimmt….

Montag nun bekam ich die mündliche Zusage,  das ich ambulant einrücken darf, nachdem ich Mitte Mai noch eimal einen Antrag geschickt bekommen, bearbeitet und zurück geschickt hatte, teilte dies der Tagesmutter mit, cancelte die Reittermine und ….

Samstag kam Post von der Klinik mit neuer Fallnummer ist meine Reha verschoben auf den 19.09. diesen Jahres, gut vier Wochen vorher läuft mein Krankengeld aus….wovon ich bis dahin lebe, weiß ich nicht. Ich dachte an freiberufliches Betteln vormittags in der Fußgängerzone von Hannover.

Der zweite Brief war noch schlimmer, in ihm steht, das ich lediglich einen Knorpelschaden im Knie und keinerlei körperliche Einschränkungen habe.

Nachdem Donnerstag bei Orthopäden, der doch bitte mal die Osteochondrose im  Rücken röntgen sollte, weil knapp unterhalb der Rippen ein Wirbel durchrutsch, keine Sorge, ich kenne das schon…..

Gesprächsverlauf:

„Und? Hat die Bandage geholfen?“

„Ja, anfangs schon, aber dann wurde das Bein furchtbar dünn und ich mußte nachversorgt werden und es wurde weiter dünner und weil so blöd zu hinken anfing, habe ich Tina angerufen, die ist Orthopädiemeisterin und die hat mir…“

Ich denke, da hat er schon abgeschaltet.

„Mit Hilfe dieser Orthese konnte ich meinen Schmerzmittelverbrauch gegen Null senken und baue sogar Muskeln auf.“

„Wenn Sie die Schmerzen nicht mehr aushalten, dann kommen Sie und wir setzen ein Knie ein. Ein gerades Bein, das ist auch für den Rücken besser….“

DAS war seine Antwort. Und wenn man dann noch an den Brief von der Rentenversicherung denkt, die mir attestiert, völlig gesund zu sein…

Ja, die Orthese sei zu klein. Da stimmte er zu. Ein Rezept für eine Neue gab es nicht.

Und dann die beiden Briefe….Ernsthaft. Nach den Rentenversicherung könnte ich wieder arbeiten gehen, aber ich weiß gar nicht wie.

Aber immerhin soll ich in einem halben Jahr wieder kommen…..wegen dem Kunstknie und dem graden Bein.

Also… Leben ist annerste…

Wurstebrot

„Tante Mathiesen?“

„Was haste denn, Irenchen?“

„Tante Mathiesen, ich habe Hunger.“

„Und was willste essen?“

„Ein Wurstebrot, Tante Mathiesen, ein Wurstebrot…“

Omma erzählt von ihrer Schwester nach dem Krieg, als sie bei Mathiesens untergebracht worden waren….Irene, ihre Schwester ist 1988 von der Autobahnbrücke bei Bockenem gesprungen.

Ich mache ja Familiengeschichte. Und bin nun durch viele Bücher durch.

Diese hier:

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und bin nun bei Sirgrid Chamberlains „Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“.

Ja, stimmt schon, irgendwie auch verzettelt. Aber das kam, als ich, und eigentlich ist das eigentlich ja klar,  dieses Buch war dran, als ich las, das Erziehung ja nicht mit 1945 aufhört und das das Erziehungsbuch der Johanna Haarer noch bis 1962 verlegt und verkauft wurde….

Es ist im Moment eine sprachlose Zeit,  sprachlos, wie sie früher schon war. Und erschreckend. Einfach erschreckend.

Aber immerhin kann Omma erzählen, von Irenchen, der Uroma und dem Wurstebrot.

„Irene, was haste denn da?“ Omma macht ihre Uroma nach.

„Ein Wurstebrot..“ Omma macht Irene nach.

„Gibbe mal ha…“ Und dann erzählt Omma, das ihre Oma der Irene das Wurstebrot erstmal abgenommen hat und eine Scheibe vom Brot der Familie abgeschnitten hat, die Zentimeter-Dicke Wurst von dem einem Brot auch auf dem anderen verteilt hat, so das beide Kinder ein Wurstebrot hatten.

„Ich war halt so still und hätte mich nie getraut zu fragen“, sagt Omma. Und Irene, die wär‘  halt so ein hellblondes Kind mit lauter Locken gewesen, da wären alle drauf abgefahren.

 

 

Ostern – späte Karte

ich wünsche, frohe Ostern gehabt zu haben. Dies ist quasi die Karte, die nach den Feiertagen ankommt.

Während der Feiertage hatten wir zu tun. Es kam Besuch, die Mädels hier hatten so genervt, das sie ins Schwimmbad mußten, so daß das am Samstag- Morgen stattfinden mußte….und ich mußte lesen. Fast zwanghaft.

Ich bitte also, diesen Faux pas zu entschuldigen, aber ich muß zurück in die Bücher.

Spurensuche – Was haben wir?

Was haben wir bis jetzt?

Wir haben einen Onkel mit zwei Geburts- und Sterbedaten oder aber zwei mit gleichem Namen und den Onkel noch nicht gefunden.

Wir haben einen Großvater mit zwei Geburtsorten oder zwei Großväter mit einer gleichnamigen Frau.

Warum heiratet die Stütze, und das ist offensichtlich nicht die Haushaltshilfe, die wir kennen, mit 32 Jahren den Landarbeiter und das 1935? Warum offensichtlich? Weil es für Hilfen im Haushalt ganz andere Titel gab. Küchenhilfe, Dienstmädchen, Mamsel.

Wenn das also stimmt, was die längst verstorbene Nachbarin, Frau Schift, gesagt hat,  und eine Stütze eine Tochter aus gutem Haus war, die in den Haushalt einer Freundin der Mutter gegeben wurde, um dort nicht nur die Haushahltsführung zu lernen, sondern auch einen geeigneten Heiratskandidaten zu finden, dann frage ich mich, warum sie einen Landarbeiter-Sohn geheiratet hat, der längst schon Halbwaise war, wie mir eine ganz entfernte Verwandte vor zehn Jahren erzählt hat.

Und warum beginnt der Geburtsname ihrer Mutter, die eine der beiden Trauzeugen ist, einmal in Sütterlin mit X und bei ihrer Unterschrift in Sütterlin mit M?

Wie man sieht, sammle ich Fragen.

Fragen, mit denen ich an die diversen Stellen heran treten kann und werde.

Post Nummer irgendwas

Wir paßt das bloß alles zusammen?

Ich bin nicht immer dran, an der Suche.

Aber ich habe schon eines ganz klar gefunden, eines was bis in unsere Zeit fortwirkt:

Die Brüder Himmler von Katrin Himmler.

Das Buch ist mit einem anderen gestern gekommen und ja, ich gestehe, ich kaufe sie aus einem Antiquariat.

Mehr als die Hälfte habe ich schon gelesen, nach jedem Kapitel höre ich auf, gehe einmal durch die Wohnung, räume den Geschirrspüler ein, um dann doch wieder zum Buch zurück zu kehren. Es ist genau das richtige Buch für mich, es beschreibt die Umstände, die dazu führten, das alles so kam, wie es kam und welche Verwicklungen es gab und, zu dem Schluss war ich schon vor dem Buch gekommen, jede einzelne Geschichte ist nur im Zusammenhang mit den vorher gehenden Ereignissen zu verstehen, auch jede persönliche..

Und eins, was auch noch in unsere heutige Zeit schwappt, das fasst 1910 der Vater von den Himmler-Söhnen in einem  Brief an seine Frau zusammen:

„Die gute und vielseitige Erziehung der Kinder ist jedes Opfer wert.“  aus Katrin Himmler, Die Brüder Himmler, Eine Deutsche Familiengeschichte, Seite 48.

Ich hoffe, ich habe es richtig zitiert. Es gibt noch mehr Stellen, bei denen ich Schnappatmung bekomme. Aber ich denke, ich werde es ein zweite Mal lesen müssen.

 

 

 

Spurensuche

Wie lernt man über andere, wenn man nicht fragen kann, wenn man mit ihnen nicht leben kann?

Ich habe Kochbücher bestellt. Dieses und jenes, mit Bildern und Familiengeschichten, und allen möglichen Rezepten und, obwohl es doch 5 Bücher waren, ist nur eine hand voll standardisierter Rezepte drinnen.

Wie wenn sie nur Klöße gegessen haben oder nur dütt und datt oder aber vielleicht haben sich einfach nur immer dieselben Leute mit Rezepten an der Entstehung dieser Kochbücher mit Rezepten aus Schlesien beteiligt.

Dann lag das Projekt wieder auf Eis.

Man denke an die Post. Und dann hatte ich hier geschrieben und suchte wieder nach den Erfahrungsberichten der Menschen, die vielleicht ein wenig sehr illusioniert über ihre Kindheit in in den Anfängen des letzten Jahrhunderts erzählten und fand nicht wirklich was, stolperte von Klötzchen auf Hölzchen durch das Internet, die unbekannte Landschaft, wie unser Frau Merkel ja mal sagte, und landet erneut auf Vermißten-Listen und landete, wie und warum auch immer, wieder beim Volksbund. Und nun weiß ich ja, wo mein Großvater liegt und kam, völlig aus dem Nichts, auf die blöde Idee, seinen Bruder, der auch in diesem Krieg verloren gegangen ist, zu suchen.

„Vielleicht liegen sie ja zusammen auf dem selben Friedhof. Na hoffentlich konnten die sich gut leiden….“ Auf was man auch immer so kommt.

Also: Online-Suche auf. Name , Geburts- und Sterbedatum rein. Nix.

Aha.

Und dann gibt es neben dem Negativ-Ergebnis eine Rubrik, was der Laie, also ich tun soll, wenn das Ergebnis negativ ist. Okay.

Nehmen Sie das Sterbedatum raus.

Okay.

Nix.

Aha.

Nehmen Sie das Geburtsdatum raus.

Okay.

Bämm. Ein Erich. Vermißt seit dem 1.1.1945. Na, der hatte ja echt keinen guten Start ins Neue Jahr.

Also ein ganz anderes Datum des Todes.

Aha.

Und ein anderes Geburtsdatum.

Aha.

Ich drucke das aus.

Omma kommt rum.

„Hier! Guck mal!“

Sie guckt. Und es dauert eine Weile, bis sie die Unterlagen verglichen hat.

„Naja, die haben ja damals auch viel falsch eingetragen….“

Aha.

Die Suche war jetzt nicht so erfolgreich und ich mochte auch noch nicht wieder beim Roten Kreuz eine Anfrage stellen,  also habe ich mir Bücher bestellt, die über das Leben in der Zeit vor dem Krieg berichten.

Ich hoffe nicht, Statements über die „schmucken Uniformen“ zu finden, sondern einfach mal nur was aus dem Leben zu lesen.

Ob das überhaupt geht? Unsere Erinnerung macht ja Dinge immer gern irgendwie rosa…

Also habe ich noch ein Buch bestellt über die Kehrseite des deutschen Wunders, um einfach mehr über die Ursprünge zu erfahren…

Und vielleicht brauche ich doch mal Zeitungsarchive und Universitätsbibliotheken.

 

Neues von Hempelmanns oder: Boah, bitte nicht!

Wir haben geräumt. Es gab einen neuen Schrank für das Esszimmer, der alte flog zumindest teilweise raus.

„Stell doch einfach den ganzen Sperrmüll in die Garage, ich fahr das dann weg!“ C. ist immer so furchtbar lustig, vieles kriege ich gar nicht mehr die Treppe hoch.

Also sagte ich D., er solle die Stühle, die Matraze, den Buggy, die zwei Badezimmer-Unterschränke, das Kettcar und noch ein paar andere Dinge doch bitte einfach in die Garage stellen.

Sowohl den Doppelbuggy wie auch die kaum gebrauchte Kinderbettmatratze als auch das Kettcar hatte ich wie Sauerbier angeboten und nichts hatte einen Interessenten gefunden. Noch vor Doppelbuggy und Kettcar war die Garage voll und C.  ebbes genervt.

Und so kam er auf die Idee, den eingestaubten Doppelbuggy und das alte Kettcar mit einem Schild „Zum Mitnehmen“ an die Straße zu stellen.

Da stand es nun. Und wir fuhren einkaufen. Als wir wieder kamen, fanden wir nur noch das Schild vor.

Emm ging zu Rossmann und kam wieder  und erzählte, dass Hempelmanns Tochter mit dem Kettcar die Straße auf und ab fahre.

Hempelmanns sind die Nachbarn zwei Häuser weiter, die mit den drei Kindern. Die Eltern erwiedern den Gruß, manchmal. Hin und wieder. Also eher so ab und zu. Die Tochter von Hempelmanns starrte unsere Kinder aus dem Hempelmannschen Garten oft einfach nur an, auch wenn unsere Kinder ein fröhliches „Hallo“ riefen, sie starrte und das machte Mini irgendwann Angst.

„Lasse“, antwortete ich. „Hempelmanns Hund kackt ja auch in unsere Einfahrt.“

Emm mußte die Neuigkeit gleich mal C. erzählen.

Ich ging in den Garten und wollte Forsythien für die Eier schneiden. Eier, Ostern und so. Ich habe nur drei Zweige geschnitten, weil es über den Garten vom Doktor und seiner Frau rief und rief und rief. Beim dritten Zweig begriff ich, dass ich gemeint war.

Es war Herr Hempelmann.

„Danke für das Kettcar!“

DAS fand ich peinlich.

„Nicht dafür. Ist doch schön, wenn jemand Freude dran hat. Die Kleinen kann ich damit nicht fahren lassen und meine Jüngste ist dafür zu schwach. Wird ja nicht besser vom Rumstehen. Hauptsache, ihre Tochter hat Spaß.“

Dann wurde ich ins Haus gerufen und heute grüßt Herr Hempelmann nicht mehr.

Sie sind in den Urlaub gefahren. Woher ich das weiß?  Das Auto vom Doktor seiner Frau parkt bei Hempelmanns in der Einfahrt. Es soll Diebe abhalten. Besser kann man die wirklich nicht informieren, dass keiner Zuhause ist.