Passierschein A 38

Ich bin krank geschrieben.

Ein Vier-Wort-Satz. Das operierte Knie hat seinen Dienst versagt. Soweit und weniger gut.

Ich bin im Krankengeld.

Auch ein Vier-Wort-Satz.

Gestern rief mich die Krankenkasse an.

Aber, starten wir von vorn.

Also: Ich wurde krank geschrieben,  bekam eine Überweisung und sollte mit der Angelegenheit, also dem Knie, nicht zu einem Wald-Und-Wiesen-Orthopäden, sondern bitte dahin, wo man sich auskennt. Also eine richtige Knie-Klinik.

Gut. Ich nach Hause. Internetz auf und gegoogelt. Wo kann man hin, wer mag sich damit wohl auskennen.

HEH Braunschweig.

Ich dort also angerufen.

„Nein, Sie können nicht mit der Überweisung vom Hausarzt kommen, Sie brauchen eine Überweisung vom Orthopäden.“

Diese Aussage hinterließ bei mir das Gefühl, daß ich als Kassenpatient erst die heiligen Hallen der Fachleute betreten darf, wenn die Amputation ansteht. Das wiederum könnte auch durchaus vom einem Schlachter um die Ecke durchgeführt werden.

Da saß ich nun mit meiner Überweisung. Ich rief in der Orthopädie in Goslar an, wir haben ja hier auch einen Fachmann. Japp, Termin am 18.10., aber immerhin dieses Jahr.

Das war Anfang Juli 2018.

Also wieder hin zum Hausarzt, neuen Termin gemacht, eine Woche später.

Ob man mir nicht einfach eine Bescheinigung ausstellen könne, daß ich eben diese körperliche Arbeit nicht mehr machen kann.

Nein, das gehe nicht, dazu sei eine Reha und ein Gutachten nötig.

Aber ich bekam eine Überweisung zum MRT.

Also einen Termin beim MRT geholt, das früheste war Goslar mit drei Wochen Wartezeit.

Okay.

Eine Woche vor dem Termin bekam ich einen Anruf, ob ich in einer Stunde zum MRT kommen könnte, also eigentlich in 45 Minuten.

Klar.

Ich C. von der Arbeit geholt, der die Mädchen zum Reiten fahren mußte, und ab zum MRT.

Da habe ich mir dann angehört, was seit dem letzten MRT im November letzten Jahres alles weiter kaputt gegangen sei und ich müsse ja gefallen sein.

Nein, bin ich nicht.

Bin ich tatsächlich nicht.

Doch, ich müsse gefallen sein, weil ein Erguß…

Ich bin NICHT gefallen. Ich habe meinen Putzwagen um die Ecke geschoben. Mehr nicht und auch nicht weniger.

Also zurück zum Hausarzt,

Keine mutmachendenWorte mehr, sondern eher ein „Braunschweig ist eine gute Wahl.“ und eine weitere Überweisung ins MVZ nach Bad Harzburg mit dem Eintrag, mich einfach nur weiter nach Braunschweig zu überweisen.

Ich solle gleich hinfahren und mich nicht abwimmeln lassen.

Also bin ich ins MVZ nach Bad Harzburg gefahren und erklärte mein Anliegen.

Nein. DAS gehe ja mal gar nicht. Man kenne mich ja nicht. Ich müsse einen Termin machen.

Und das, obwohl ich den MRT -Bericht gleich vorgelegt habe.

Also wieder drei Wochen warten.

Meine Krankmeldung lief ab und ich mußte eine neue holen.

Die Frau hinter dem Thresen beim Hausarzt pampte mich an, sie müsse erstmal gucken, waru m ich weiter  krank geschrieben werden müsse.

„Ja, weil am Knie nix gemacht worden ist und es nicht einfach abgeheilt ist?“

Ich bekam eine Woche, weil Freitag würde ich ja den Termin in Bad Harzburg haben.

Mittlerweile konnte ich mein Knie nicht mehr tapen, die Haut darunter bekam Löcher. Und, das kann ich nun aus eigener Erfahrung sagen, dann tut das Abziehen der Tapes echt weh. Dafür arbeitete ich mit Healing sea mud, Heilerde, was zwar den Erguß aus dem Gelenk nahm, der jedoch bei einer Bewegung ohne Belastung wieder da war.

Ich also am Donnerstag vor dem Freitag wieder hin mit meinem Stock voller Smiley, der immer wirkt, wie wenn ich lauter Wanderaufkleber drauf habe und eine neue Krankmeldung für zwei Wochen bekommen.

Am nächsten Tag nach Bad Harzburg. Dr. Gebhardt ist erkrankt, die Dauer der Erkrankung ist nicht abschätzbar. Ich müsse einen neuen Termin machen.

„Ich brauche doch nur einen Überweisung…eine Überweisung nach Braunschweig….“

Meine Verzweiflung erweichte wohl Herzen, ich bekam sie. Ich war wirklich kurz davor, in Tränen auszubrechen.

Mit meiner Überweisung im Gepäck rief ich gleich aus dem Auto in Braunschweig an.

Als ich jemanden erreicht habe, rechts ran und Notizen machen, was ich alle mitbringen soll. Termin 23.10. , aber immerhin noch dieses Jahr.

Meine Firma schickte mich zum Betriebsarzt, der nach Wochen endlich mal offene Worte fand und mir sagte, daß ich in meinem Beruf auch mit einem Kunstknie nicht werde arbeiten können. Ich solle einen Reha-Antrag zur Teilhabe am Arbeitsmarkt stellen. Er hat ein-fach nur den MRT-Bericht gelesen.

Nun war die Krankmeldung wieder rum. Als zurück zur Hausarztpraxis.

Warum ich nicht eine Klinik nehme, in die der Hausarzt überweisen könne. Es sei zwar meine Entscheidung, aber ich könne ja nicht die ganze Zeit zuhause sitzen und das könne ja auch zum Beispiel Wolfsburg.

Das sagte der Arzt, der mir anfangs gesagt hatte, ich solle keinen Wald-und-Wiesen-Orthopäden wählen. Sein Vater hat ja auch zwei neue Knie und hatte doch gestern erst die Gartenlaube neu gedeckt.

Das ist fein, das habe ich schön öfter von Leuten aus dem Gesundheitssystem gehört, daß sie Verwandte haben, die super mit dem Kunstknie klar kommen.

Nur irgendwie kenne ich keinen in meinem Umfeld, der mit seinem Kunstnknie klar kommt oder wen kennt, der….Ich höre immer nur dieses panikliche: „Egal, was Du tust, kein Kunstknie!“ Und dann kommen die Geschichten von Mutter, Tante, Onkel…

Und in meinem direkten Umfeld ist auch keiner. Vera ist mit mir operiert worden und kann noch immer nicht Fahrrad fahren und schwimmen. Hocken und Knien geht auch nicht. Ilse mußte an einem Knie zweimal operiert werden, weil das Knie vom ersten Mal zu klein war. Frau Nordmann….und so ließe sich die Liste fortsetzen.

Ich meine: In Harzburg ist unten Kassenpatient und oben der Chefarzt, aber nach oben kommt man nicht. Liegt es vielleicht daran?

Nunja. C. sagte nur:“ Du nimmst Oberarzt Braunschweig und fertig.“

Gestern nun rief mich Frau B. vom Krankengeld von der AOK Niedersachsen an. Sie wolle sich nach meinem Befinden erkunden und fragte, warum der Termin im HEH in Braunschweig so spät sei. Warum er erst am 23.10.2018 sei.

BOAH!

Ich habe sie darauf hingewiesen, daß ich schon bei Antragstellung den MRT-.Bericht beigelegt habe. Ob sie den vielleicht einfach mal an den medizinischen Dienst weiter geben möge?

Kann man dazu noch irgendwas sagen? Irgendwas? Mir würde schon ein Attest reichen, daß ich diesen Job nicht mehr machen kann., weil ich ihn einfach nicht mehr machen kann. Das Knie ist instabil, leidet unter einem Druckerguß, ist dauerhaft schmerzhaft, verklemmt sich gern und ich nutze das Stöckchen mit den Smiley um das Gewicht vom Knie zu nehmen und als Halt, wenn es sich verklemmt. Dann rutscht nämlich die Kniescheibe raus, aber ich habe sie gelernt, sie wieder in Position zu klopfen.

Stöckchen und Putzwagen oder Stöckchen und Staubsauger sind schlecht. Ganz schlecht.

Danke , Gesundheitssystem. Danke.

 

 

 

 

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Nur glückliche Menschen, die Blogger ? — TROTZ ALLEDEM

was ein Glück, dass es fast nur zufriedene glückliche Menschen gibt. Wenn ich mir die Blogs oder artikel durchlese, finde ich kaum jemanden der unzufrieden ist, oder luegt ihr euch selbst an. Immer wieder und immer wieder betont fast jeder welch tolles und zufriedenes Leben er oder sie führt, ja ist ja auch nicht einfach, […]

über Nur glückliche Menschen, die Blogger ? — TROTZ ALLEDEM

 

Liebe Frieda,

nein, nur glücklich? Dann wüßte doch niemand von uns, was Glück ist. Das Eine ist doch nur des anderen Kehrseite.

Auch hier ist es still geworden. Still, weil der Kopf schon allein keine Ordnung findet.

Groß E. wohnt nach einem Erdbeben bei ihrem Vater, der in ganz einfachen Verhältnissen in Hartz 4 lebt. Ohne Strom, ohne  Herd und ohne Kühlschrank.

Sie kam hier her mit zwei Frauen vom Jugendamt und es schwappte ein Erdbeben über diese Familie.  Und sie wandelte ihre Vorwürfe, je nach dem, wer mit ihr sprach und wann. Nun ist die Familie ein dicker großer Scherbenhaufen.

Und wir werden gerade überprüft, ob wir weiterhin Pflegefamilie für Patty und Selma sein dürfen, wobei ich noch nicht einmal alle Vorwürfe kenne.

Was ist wahr? Wer war was? Alle setzen sich nicht mehr zusammen, weil, wenn das stimmt, dann gehört der eine nicht mehr dazu, wenn es nicht stimmt der andere.

C. ist sauer, das ich das Mädchen zu ihrem Vater gefahren habe, was jedoch vom Jugendamt als positiv aufgenommen worden war, obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal alle Vorwürfe kannte.

Und ich stehe dazwischen und frage mich, ob ich, als ich von der Arbeit gekommen bin, in ein Parallel-Universum geschoben worden bin, weil….

Wie sagte der Anwalt? Mal eben den Joker Vertrauenslehrer gezogen, um den Kopp durchzusetzen, bei einer Freundin zu wohnen, mit deren Mutter das Ganze sogar schon abgesprochen war. Das war wirklich schon abgesprochen. Ich bin immer noch fassungslos.

A. ist in einer Einrichtung in Nordhausen. Zwei Jahre bin ich zur Behörde gelaufen und habe darum gebeten, ihn nach ganz weit weg und anderswo zu setzen, damit er aus den Kreisen von Drogen, Alkohol, Gewalt und anderer Kriminalität rauskommt. Erst als ich mit dem Satz „Ich war beim Anwalt und der sagt….“ kam und noch den Namen des Anwaltes nennen konnte, daaaa ging es auf einmal und er kam zumindest nach anderswo über den Harz. Viel zu spät, denn immerhin hatten wir schon Psychiatrie und Gericht durch.

Psychiatrie war auch eine tolle Sache. Ich konnte noch immer nicht laufen, Anfang Dezember, und mich rief die Polizei. Auf der Wache fand ich eine völlig neben sich stehenden A. vor und schaffte es, sowohl die Polizei als auch die herbeigerufene Frau vom Jugendamt zu überzeugen, das A. dringend Hilfe benötige, zumindest erst einmal eine Entgiftung unter ärztlicher Aufsicht. Gerichtsbeschluss erwirkt und geglaubt, jetzt wird ein Weg eingeschlagen. Erst geschlossene, dann offene und dann vielleicht Therapie. Aber Pustekuchen. Nach einer Woche wurde er wieder entlassen, weil nicht therapierbar.

Alle zwei Tage 16 Euro für Urinkontrollen in der Drobs. Und er war wieder in seinen Kreisen und zack, kamen nach der Verhandlung der 6 Körperverletzungen und dem Vorwurf des gewerbsmässigen Verkaufs von Drogen die nächsten Anzeigen.

Vor zwei Jahren bin ich zum Jugendamt und habe darum gebeten, ihn nach ganz weit weg und anderswo zu stecken um genau das zu vermeiden – aber…..ich bin ja nur die dumme Mutter. Wer viele Kinder hat, ist eben dumm. Der kann nicht mal Kommas.

Ich würde mir eine Entschuldigung von der Behörde wünschen. Einfach mal ein „Wir haben das damals falsch eingeschätzt, es tut uns leid.“ Nix.

Omma. Ommas Chemo endete im Mai.

„Der Krebs ist weg!“ Damit bejubelte sie mich. „Ich habe Cll 4.“

Genau, Mama, der Krebs ist weg.

Sie hustet dauernd trocken und hat mich gestern besucht, um mir ihren neuen Rollator zu zeigen.

Am 30. kommt der MDK und sie wünscht sich meine Anwesenheit. Sie braucht ein Pflegebett. Sie hat nachts dauerhaft Krämpfe und kommt dann nicht hoch.

„Schau! Sabine hat mit den Rollator gebracht. Das ist kein Kassenmodell. Aber der ist ganz leicht und lässt sich ganz klein zusammen legen.“

Ich lobe den Rollator ob seines Gewichtes, seines sportlichen und modernen Aussehens.

190 Euro muß sie zu zahlen.

Einen Badewannen-Lifter hat sie schon. „Ich bin halt alt. Da wird man schwächer.“

Seit drei Wochen bin ich krank geschrieben.  Ab Februar, ich konnte weder Knien noch in die Hocke gehen, bin ich in die Wiedereingliederung geschoben worden. Um an die Schreibtischfüsse ganz hinten zu kommen, habe ich mich bäuchlings auf den Boden gelegt.  Und dann kam der April und der Landkreis. Ab April habe ich mehr als voll gearbeitet und bin seit der OP am Knie jede Woche bei der  Krankengymnastik. Seit Januar zahle ich sie selbst und sie bringt meine Rückenwirbel jede Woche wieder an ihre Postion und macht vorsichtig mein Knie wieder beweglich und taped es dann.

Freitag vor drei Wochen beim Schieben des Putzwagens zur nächsten Toilette im Landkreis ein stechender Schmerz. Natürlich habe ich meine Pullerbuden-Runde fertig gemacht, den Wagen leer gemacht und konnte dann nicht mehr stehen und nur mit Hilfe meines Sohnes, der dort für 450 Euro arbeitet, zum Auto laufen.

Das Wochenende habe ich auf Krücken verbracht. Die Kniescheibe schubert bei Bewegung über die Knochen und wenn ich Pech habe, will das Knie nach hinten durch rutschen. Kunstknie oder eigenes, das wird sich zeigen…..Ich soll in eine Spezialklinik gehen, sagt der Arzt.

Die Arbeit war wichtig. Ich war hier mal raus aus dem Eiersalat. Und jetzt sitze ich zuhause. Jeden Morgen denke ich: „Jaaaaa. Alles wieder gut.Ich kann wieder arbeiten.“ Und dann gehe ich auf die Toilette.I ch habe einen Stock. Herbert. Es gibt Tage, da brauche ich Herbert auch hier im Haus und dann gibt es welche, da brauche ich ihn nur für längere Strecken.

Definiere längere Strecken: Zur Post fahren, das Päckchen für A. abgeben.Um die Ecke zum Kaufland fahren und das hier ist echt klein, Sesam und Frischhefe holen und zack, ist der Tag gelaufen.

Treppe hoch brauche ich zwei Geländer, Treppe runter geht nur seitlich, und das obwohl die Kniescheibe nun durch Tapes geführt wird.

Im Sitzen, also entspannt runter hängendes Bein, scheint das Kreuzband im Arsch zu sein, im Liegen  verklemmt sich der Meniskus, so die Physio. Mehr als einmal pro Woche Einrenken kann ich mir nicht leisten, es kostet immer 20 Euro mit Abkleben.

Zur Entspannung habe ich meinen zehn Jahren alten Rechner mit einem neuen Linux versehen und freue mich, das er einfach viel ruhiger und schöner läuft als als die Jahre davor. Er wird sogar weniger heiss.

Und dann löse ich triviale Programmieraufgaben, weil es mich entspannt, koche und backe und teile mir die ganze Hausarbeit in kleine Häppchen ein, man kann das vergleichen mit den Käsehäppchen auf dem Spießchen mit der Traube, die man früher in einem mit Alufolie verschönerten Kohlkopf gesteckt  auf Buffets servierte. Außerdem ist es nicht mehr viel. 5 Kinder sind keine Arbeit. Das doch nix an Wäsche, Abwasch und was sonst noch so ist.

Und? Glücklich? Zwischendrin ja. Das Leben ändert sich eben. Irgendwie wird es schon weiter gehen

Klar  geht es weiter. Immer und irgendwie.

Und eine Arbeitskollegin, die mittlerweile wo anders arbeitet, trifft sich einmal in der Woche mit mir zu Kaffee. Einmal in der Woche hier raus, mit Herbert, sitzen wir am Bahnhof und bejubeln die Busfahrer, wenn sie mit ihrem Bus an der Haltestelle über den hochgedrückten Teer schrammen.

Sonntag geht es zum ersten Familientreffen nach dem Erdbeben. Da wird auch nicht Friede, Freude, Eierkuchen sein. Und es wird mit Sicherheit nicht mehr wie vorher. Fast alle Brüder stehen unter Tatverdacht. Wie sagte Groß E:: Die hat das völlig falsch aufgeschrieben und mehr draus gemacht als es ist.Und laut E. sind eh die anderen Schuld. Sie habe sich von ihrer Freundin, mit deren Mutter schon alles besprochen war, beeinflussen lassen und das wäre falsch gewesen.

„Nee, E., Du gibst nur die Verantwortung ab. Du selbst bist doch mit ihr dahin gegangen und hast dann los gelegt. Du mußt schon die Verantwortung, für das, was Du gesagt und getan hast übernehmen. Anders geht es nicht.“

Nach ihrem Auszug haben wir das Aquarium aus ihrem Zimmer geholt. Sie hatte den roten Kampf-Fisch verhungern lassen, die Lampe war kaputt und die Pflanzen weggefault. 5 gestreifte Fische und 5 durchsichtige mit gelb-weiß-schwarzen Flossen schwammen hin und her.

C. wollte von mir wissen, was wir damit machen sollten. Ob wir die verhungern lassen sollten.

Ich war dagegen. Wir haben gefüttert, Pflanzen gekauft. Einen blauen Kampffisch, der genau beobachtet wird, wenn gefüttert wird, damit er was abbekommt. Den Kies gewaschen, die Pumpe gereinigt, eine zweiten Fensterputzer geholt und das ganze ins Esszimmer gestellt. Es bekommt nur zehn Stunden Licht mit zwei Stunden Unterbrechung. Wegen der Algenbildung.

Der Vater von E.  hatte sich gemeldet, man wolle Freitag die Möbel abholen.

Das wird nun nichts, weil sie das Tapezieren und den Fußboden nicht schaffen. Dann ist das so.

Er sagt immer, wir würden ja jetzt irgendwie zusammen gehören.

Seltsamer Kram. Fünfzehneinhalb Jahre war ich allein zuständig und es gab nicht mal Unterhalt. Ich habe den zusammen gearbeitet,  in Früh-, Spät- und auch Nachtschicht.

Aber naja…..egal. Das war.

Das Haus ist leer geworden und ich kann immer noch nicht passend einkaufen. Das eine zu viel, das andere zu wenig. Na, ich werde es schon noch lernen. Ich bin nur froh, daß ich mir keine zweite Waschmaschine gekauft habe. Die würde sich jetzt nur noch kaputt stehen.

Wie gesagt, 5 Kinder, das nix an Arbeit.

 

Wiedereingliederung

Im November….jo. Immer noch nicht. Ich kann vieles immer noch nicht. Das Knie ist immer noch bewegungseingeschränkt und ich sitze mittlerweile in einer Wiedereingliederung. Oder besser: Ich hinke.

Ich kann nicht knieen und nicht hocken. An viele Stellen, die ich putzen müsste, komme ich gar nicht dran. Vielleicht ist es sogar Arbeitsverweigerung, wenn  ich mich weigere, mich auf den Boden zu legen, um die Stellen zu erreichen, allein schon das Hochkommen vom Boden stellt dann die nächste Schwierigkeit dar..AAABER: Krankenkasse will Wiedereingliederung und ich bezahle derweil die Krankengymnastin aus eigener Tasche, die mir nicht nur immer wieder den verklemmten Meniskus befreit, sondern das Knie auch taped und mir neue Übungen bei bringt.

Krankengymnastik gab es genau 18 Anwendungen, aber das Knie war dermaßen geschwollen, , daß erst ab Januar überhaupt Krankengymnastik möglich war…doof. Die Krankenkasse zahlt nun mal nur drei Rezepte zu sechs Anwendungen….

Also krüppele ich zwei Stunden am Tag los und weigere mich, es wie die letzten beiden Wochen zu machen.

Nämlich: Vor der Arbeit zwei Stunden liegen und hinterher ins Bett. So wird das nix.

Aber immerhin bin ich jetzt zwischendrin schon mal schmerzfrei. Nicht den ganzen Tag und auch nicht unbedingt nachts, aber es geht. Auch mit dem Schlafen, es weckt mich nicht mehr stündlich, das doofe Ding.

Nunja, Wiedereingliederung und eigentlich ist klar: Ohne Kunstknie geht da gar nichts mehr, aber wenn die Krankenkasse das so will, dann ist das eben so.

Die Physiofrau hat mir beigebracht, wie ich die Kniescheibe wieder in eine nicht schrubbende Postion klopfe und den sich verklemmenden Meniskus wieder frei kriege. Wichtig für Wochenenden und unterwegs.

Na, dann wollen wir mal….uns wieder eingliedern….in die Reihe derer, die da vor sich hin hinken.

 

Und schon wieder auf Job-Suche

Es nervt. Ich hoppe durch die Firmen und es nervt nur noch. Jedesmal stehe ich da und zack, nach ein zwei Wochen, aber da denke ich noch: Das geht eh jedem so. Das Paradies auf dem Arbeitsmarkt gibt es nicht.

Und wenn die Kollegen nerven, dann bin ich immer noch die lustige Nette, weil kurz nach acht bin ich eh daheim und bin das alles wieder los.

Nun ist ja im November dieses blöde Knie operiert worden und ich bin bis Mitte Januar an Krücken gelaufen. Bis zum 4. konsequent, weil es ging ohne gar  nichts und danach habe ich mich gezwungen, die Dinger weg zu lassen. War nicht einfach. Wirklich nicht, aber seit zwei Wochen geht es bergauf und ich übe seit zwei Tagen , die Treppe wieder normal runter zu gehen. Nicht einfach, meine Lieben. Überhaupt nicht einfach. Aber mit dem Satz „Und wenn es nur zwei Stufen sind, dann ist es schon ein Anfang.“

Das erste Mal in meinem Leben komme ich nur mit „Ich will“ vorran. Es tut weh, macht mir auch schlaflose Nächte, dieses Knie, aber ich will laufen. Und ich will wieder los.

Nun bin ich Anfang Januar ins Krankengeld gefallen. Das wird aber noch nicht ausgezahlt, weil meine Chefin das Formular für die Krankenkasse noch nicht ausgefüllt hat.

Ich habe angerufen und sie erklärte mir lachend, dass ihr bewußt sei, dass die Krankenkasse da  noch ein paar Daten von ihr bräuchte. Sie lachte wie ein Teenie. Nicht böse.  Das war Anfang der Woche.

Sie hat das immer noch nicht geschafft.

Wir haben auch darüber gesprochen, dass ich wiedereingegliedert werden soll. Möchte ich auch gern machen. Sie will aber, dass ich sämtliche Untersuchungsergebnisse dem Betriebsarzt offen lege.

Darüber habe ich nachgedacht. Und immer wieder dachte ich: Alles, was in mir drin ist, ist absolut meins. Das gehört mir. Und ich will das alles nicht jedem zeigen. Und ich will mir auch meinen Arzt aussuchen.

Dann musste ich wieder zu meinem Orthopäden, der von Wiedereingliederung sprach. Und ich finde das eine gute Idee. Sagte ihm aber auch, dass die Firma wolle, dass ich dem Betriebsarzt in Oker alle Befunde offen lege. Und das ich das nicht wolle. Er sei doch der Fachmann und nicht irgendein Betriebsarzt.

Der Betriebsarzt habe mit der Wiedereingliederung nichts zu tun, erklärte er mir und füllte die Zettel aus.

Die brachte ich heute in die Firma. Wenn meine Chefin genauso lange für das ausfüllen dieser Zettel braucht wie für das Ausfüllen meines Zettels für das Krankengeld, das ja meinen Lohn ersetzt, dann ist mein Vertrag vorher ausgelaufen, bzw.  ab Anfang Mai nehme ich meinen Resturlaub von 26 Tagen, weil mein Vertrag im 15. Juni endet.

Die Krankekasse meinte, ich sollte doch, wenn ich nichts aus der Firma höre, dort am Ende der nächsten Woche anrufen. Wenn ich nicht bis zum Ende der nächsten Woche mein Krankengeld habe, dann ruft da höchstens ein Anwalt an. Das Krankengeld ist mein Lohn.

 

Herzen

C. schenkt sie mir.

Er schälte Kartoffeln und mit diesem hier hat es angefangen….

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Es liegt schon ein Weilchen, wie man sieht.

Dann kam das Regenbogenland in Bad Sachsa und dieses hier:

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Und eines abends kam C. und brachte mir das hier:

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Und gestern bekam ich dieses hier:

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Sinkflug

Ommas Thrombozahlen sind immer noch genauso schlecht wie letzte Woche. Und sie ist immer noch sauer.

Ich rufe jeden Tag an und gestern ging sie dann einfach mal nicht dran.

„Du lässt es ja immer so kurz klingeln!“ war ihr Vorwurf an mich.

„Mama, ich bin jedes Mal auf die Mailbox gelaufen. Jedesmal. Länger klingeln lassen kann ich nicht….“

Heute morgen habe ich sie nun erreicht.

Thrombos habe sie nicht bekommen. Aber Chemo, zu der fahre sie heute.

„Chemo bei so wenigen Thrombozyten?“

Ich verstehe nicht.

„Ja. Ich fahre da jetzt hin, das Zeug ist ja bestellt.“

Auch so eine Sache. Habe ich bestellt, dann mache ich das auch. Solche Entscheidungen werden nicht kurz vor knapp revidiert oder hinterfragt.

„Jedenfalls geht es mir schlecht.“ Sie ist so sauer. Und ich gehe wieder in Deckung. Das waren schon früher die Momente, in denen man lieber in Deckung ging.

Wir verabschieden uns.  C. meint zu alledem nur: „Die werden schon wissen, was sie tun.“

Er ist so pragmatisch. Recht hat er. Die haben das studiert mit ihrem Numerus Clausus.

Schon vor Wochen habe ich mich gefragt, was hier so denn passiert.

Omma ist 75. Ja, 75 Jahre alt. Und ich frage mich, was sie erwartet. Es ist furchtbar, mit zu erleben, wie jemand quasi sehenden Auges auf der sinkenden Titanic steht und man kann ihm nur zuwinken. Jemand, der da steht und einfach nur will, dass das Schiff weiter fährt.

Schon früher habe ich gefürchtet, dass es genauso enden wird, wie es im Moment ist.

Mit ganz viel Wut. Wut auf die Welt, Wut auf alle Menschen und noch mehr Wut auf mich.

Meine Kinder weigern sich, hin zu gehen. Sie wollen nicht angebrüllt werden.

Wenn ich das Omma vorsichtig sage, dann schreit sie mich nur an, sie sagt, was sie denkt und damit basta.

Das Handy ist immer noch nicht neu. Sie weigert sich, mal eben in den Elektronik-Laden zu fahren und sich eins zu kaufen, ich soll mit ihr zusammen fahren und weiß aber gar nicht wann.  Und das dauert mit Sicherheit wieder einen ganzen Vormittag und zwischendrin muss ich mich die ganze Zeit anmisten lassen.

Der ganze Frust auf mich und meine verkorkste Existenz kommt hoch.  Wie vor ewigen Jahren.

Alles, was sie sich gewünscht hat für mich, alles habe ich nicht erfüllt. Keine Karriere gemacht, nix zum Vorzeigen nach Hause gebracht. Und jetzt?

Jetzt will der eigene Körper nicht mehr, jetzt, wo sie sich das Leben so macht, wie sie es möchte, jetzt, wo sie endlich lebt, wie sie es will und sagt, was sie denkt und zwar genauso, wie sie es denkt. Jetzt kommt diese Krankheit. Und dann diese undankbare Tochter! Die fährt nicht mit ihr zum Einkaufen und schickt eher große Kinder zum Treppe putzen, was Omma aber nicht will. Und die schickt diese Kinder auch  zum Wäsche abholen und bringen, was Omma auch nicht will. Omma will, das ihr Kind kommt, und Ommas Wäsche bei Omma wäscht und die dann auf den Trockenboden zum Trocknen hängt. Und Omma will, das die Tochter kommt und das Treppenhaus und die Wohnung putzt, und zwar dann, wenn Omma will und wie Omma will. Und Omma will vor allem, das diese undankbare Tochter mit ihr zum Einkaufen fährt und dann hinterher mit ihr ins Cafe geht.

Omma hat klare Vorstellungen.

„Ich beantrage eine Pflegestufe und Du pflegst mich dann!“ Ihre klare Aussage im Krankenhaus.

Mama, ich habe ein schlechtes Gewissen. Ein ganz großes schlechtes Gewissen.  Sei Dir desssen bewußt. Aber: Ich will meine Familie nicht aufgeben. Denen habe ich mit ihrer Geburt ein Versprechen gegeben. Und von denen können nicht alle allein laufen im Leben.

Und könnte ich Pflege, dann wäre ich dort beschäftigt. Schon ewig.