Nur glückliche Menschen, die Blogger ? — TROTZ ALLEDEM

was ein Glück, dass es fast nur zufriedene glückliche Menschen gibt. Wenn ich mir die Blogs oder artikel durchlese, finde ich kaum jemanden der unzufrieden ist, oder luegt ihr euch selbst an. Immer wieder und immer wieder betont fast jeder welch tolles und zufriedenes Leben er oder sie führt, ja ist ja auch nicht einfach, […]

über Nur glückliche Menschen, die Blogger ? — TROTZ ALLEDEM

 

Liebe Frieda,

nein, nur glücklich? Dann wüßte doch niemand von uns, was Glück ist. Das Eine ist doch nur des anderen Kehrseite.

Auch hier ist es still geworden. Still, weil der Kopf schon allein keine Ordnung findet.

Groß E. wohnt nach einem Erdbeben bei ihrem Vater, der in ganz einfachen Verhältnissen in Hartz 4 lebt. Ohne Strom, ohne  Herd und ohne Kühlschrank.

Sie kam hier her mit zwei Frauen vom Jugendamt und es schwappte ein Erdbeben über diese Familie.  Und sie wandelte ihre Vorwürfe, je nach dem, wer mit ihr sprach und wann. Nun ist die Familie ein dicker großer Scherbenhaufen.

Und wir werden gerade überprüft, ob wir weiterhin Pflegefamilie für Patty und Selma sein dürfen, wobei ich noch nicht einmal alle Vorwürfe kenne.

Was ist wahr? Wer war was? Alle setzen sich nicht mehr zusammen, weil, wenn das stimmt, dann gehört der eine nicht mehr dazu, wenn es nicht stimmt der andere.

C. ist sauer, das ich das Mädchen zu ihrem Vater gefahren habe, was jedoch vom Jugendamt als positiv aufgenommen worden war, obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal alle Vorwürfe kannte.

Und ich stehe dazwischen und frage mich, ob ich, als ich von der Arbeit gekommen bin, in ein Parallel-Universum geschoben worden bin, weil….

Wie sagte der Anwalt? Mal eben den Joker Vertrauenslehrer gezogen, um den Kopp durchzusetzen, bei einer Freundin zu wohnen, mit deren Mutter das Ganze sogar schon abgesprochen war. Das war wirklich schon abgesprochen. Ich bin immer noch fassungslos.

A. ist in einer Einrichtung in Nordhausen. Zwei Jahre bin ich zur Behörde gelaufen und habe darum gebeten, ihn nach ganz weit weg und anderswo zu setzen, damit er aus den Kreisen von Drogen, Alkohol, Gewalt und anderer Kriminalität rauskommt. Erst als ich mit dem Satz „Ich war beim Anwalt und der sagt….“ kam und noch den Namen des Anwaltes nennen konnte, daaaa ging es auf einmal und er kam zumindest nach anderswo über den Harz. Viel zu spät, denn immerhin hatten wir schon Psychiatrie und Gericht durch.

Psychiatrie war auch eine tolle Sache. Ich konnte noch immer nicht laufen, Anfang Dezember, und mich rief die Polizei. Auf der Wache fand ich eine völlig neben sich stehenden A. vor und schaffte es, sowohl die Polizei als auch die herbeigerufene Frau vom Jugendamt zu überzeugen, das A. dringend Hilfe benötige, zumindest erst einmal eine Entgiftung unter ärztlicher Aufsicht. Gerichtsbeschluss erwirkt und geglaubt, jetzt wird ein Weg eingeschlagen. Erst geschlossene, dann offene und dann vielleicht Therapie. Aber Pustekuchen. Nach einer Woche wurde er wieder entlassen, weil nicht therapierbar.

Alle zwei Tage 16 Euro für Urinkontrollen in der Drobs. Und er war wieder in seinen Kreisen und zack, kamen nach der Verhandlung der 6 Körperverletzungen und dem Vorwurf des gewerbsmässigen Verkaufs von Drogen die nächsten Anzeigen.

Vor zwei Jahren bin ich zum Jugendamt und habe darum gebeten, ihn nach ganz weit weg und anderswo zu stecken um genau das zu vermeiden – aber…..ich bin ja nur die dumme Mutter. Wer viele Kinder hat, ist eben dumm. Der kann nicht mal Kommas.

Ich würde mir eine Entschuldigung von der Behörde wünschen. Einfach mal ein „Wir haben das damals falsch eingeschätzt, es tut uns leid.“ Nix.

Omma. Ommas Chemo endete im Mai.

„Der Krebs ist weg!“ Damit bejubelte sie mich. „Ich habe Cll 4.“

Genau, Mama, der Krebs ist weg.

Sie hustet dauernd trocken und hat mich gestern besucht, um mir ihren neuen Rollator zu zeigen.

Am 30. kommt der MDK und sie wünscht sich meine Anwesenheit. Sie braucht ein Pflegebett. Sie hat nachts dauerhaft Krämpfe und kommt dann nicht hoch.

„Schau! Sabine hat mit den Rollator gebracht. Das ist kein Kassenmodell. Aber der ist ganz leicht und lässt sich ganz klein zusammen legen.“

Ich lobe den Rollator ob seines Gewichtes, seines sportlichen und modernen Aussehens.

190 Euro muß sie zu zahlen.

Einen Badewannen-Lifter hat sie schon. „Ich bin halt alt. Da wird man schwächer.“

Seit drei Wochen bin ich krank geschrieben.  Ab Februar, ich konnte weder Knien noch in die Hocke gehen, bin ich in die Wiedereingliederung geschoben worden. Um an die Schreibtischfüsse ganz hinten zu kommen, habe ich mich bäuchlings auf den Boden gelegt.  Und dann kam der April und der Landkreis. Ab April habe ich mehr als voll gearbeitet und bin seit der OP am Knie jede Woche bei der  Krankengymnastik. Seit Januar zahle ich sie selbst und sie bringt meine Rückenwirbel jede Woche wieder an ihre Postion und macht vorsichtig mein Knie wieder beweglich und taped es dann.

Freitag vor drei Wochen beim Schieben des Putzwagens zur nächsten Toilette im Landkreis ein stechender Schmerz. Natürlich habe ich meine Pullerbuden-Runde fertig gemacht, den Wagen leer gemacht und konnte dann nicht mehr stehen und nur mit Hilfe meines Sohnes, der dort für 450 Euro arbeitet, zum Auto laufen.

Das Wochenende habe ich auf Krücken verbracht. Die Kniescheibe schubert bei Bewegung über die Knochen und wenn ich Pech habe, will das Knie nach hinten durch rutschen. Kunstknie oder eigenes, das wird sich zeigen…..Ich soll in eine Spezialklinik gehen, sagt der Arzt.

Die Arbeit war wichtig. Ich war hier mal raus aus dem Eiersalat. Und jetzt sitze ich zuhause. Jeden Morgen denke ich: „Jaaaaa. Alles wieder gut.Ich kann wieder arbeiten.“ Und dann gehe ich auf die Toilette.I ch habe einen Stock. Herbert. Es gibt Tage, da brauche ich Herbert auch hier im Haus und dann gibt es welche, da brauche ich ihn nur für längere Strecken.

Definiere längere Strecken: Zur Post fahren, das Päckchen für A. abgeben.Um die Ecke zum Kaufland fahren und das hier ist echt klein, Sesam und Frischhefe holen und zack, ist der Tag gelaufen.

Treppe hoch brauche ich zwei Geländer, Treppe runter geht nur seitlich, und das obwohl die Kniescheibe nun durch Tapes geführt wird.

Im Sitzen, also entspannt runter hängendes Bein, scheint das Kreuzband im Arsch zu sein, im Liegen  verklemmt sich der Meniskus, so die Physio. Mehr als einmal pro Woche Einrenken kann ich mir nicht leisten, es kostet immer 20 Euro mit Abkleben.

Zur Entspannung habe ich meinen zehn Jahren alten Rechner mit einem neuen Linux versehen und freue mich, das er einfach viel ruhiger und schöner läuft als als die Jahre davor. Er wird sogar weniger heiss.

Und dann löse ich triviale Programmieraufgaben, weil es mich entspannt, koche und backe und teile mir die ganze Hausarbeit in kleine Häppchen ein, man kann das vergleichen mit den Käsehäppchen auf dem Spießchen mit der Traube, die man früher in einem mit Alufolie verschönerten Kohlkopf gesteckt  auf Buffets servierte. Außerdem ist es nicht mehr viel. 5 Kinder sind keine Arbeit. Das doch nix an Wäsche, Abwasch und was sonst noch so ist.

Und? Glücklich? Zwischendrin ja. Das Leben ändert sich eben. Irgendwie wird es schon weiter gehen

Klar  geht es weiter. Immer und irgendwie.

Und eine Arbeitskollegin, die mittlerweile wo anders arbeitet, trifft sich einmal in der Woche mit mir zu Kaffee. Einmal in der Woche hier raus, mit Herbert, sitzen wir am Bahnhof und bejubeln die Busfahrer, wenn sie mit ihrem Bus an der Haltestelle über den hochgedrückten Teer schrammen.

Sonntag geht es zum ersten Familientreffen nach dem Erdbeben. Da wird auch nicht Friede, Freude, Eierkuchen sein. Und es wird mit Sicherheit nicht mehr wie vorher. Fast alle Brüder stehen unter Tatverdacht. Wie sagte Groß E:: Die hat das völlig falsch aufgeschrieben und mehr draus gemacht als es ist.Und laut E. sind eh die anderen Schuld. Sie habe sich von ihrer Freundin, mit deren Mutter schon alles besprochen war, beeinflussen lassen und das wäre falsch gewesen.

„Nee, E., Du gibst nur die Verantwortung ab. Du selbst bist doch mit ihr dahin gegangen und hast dann los gelegt. Du mußt schon die Verantwortung, für das, was Du gesagt und getan hast übernehmen. Anders geht es nicht.“

Nach ihrem Auszug haben wir das Aquarium aus ihrem Zimmer geholt. Sie hatte den roten Kampf-Fisch verhungern lassen, die Lampe war kaputt und die Pflanzen weggefault. 5 gestreifte Fische und 5 durchsichtige mit gelb-weiß-schwarzen Flossen schwammen hin und her.

C. wollte von mir wissen, was wir damit machen sollten. Ob wir die verhungern lassen sollten.

Ich war dagegen. Wir haben gefüttert, Pflanzen gekauft. Einen blauen Kampffisch, der genau beobachtet wird, wenn gefüttert wird, damit er was abbekommt. Den Kies gewaschen, die Pumpe gereinigt, eine zweiten Fensterputzer geholt und das ganze ins Esszimmer gestellt. Es bekommt nur zehn Stunden Licht mit zwei Stunden Unterbrechung. Wegen der Algenbildung.

Der Vater von E.  hatte sich gemeldet, man wolle Freitag die Möbel abholen.

Das wird nun nichts, weil sie das Tapezieren und den Fußboden nicht schaffen. Dann ist das so.

Er sagt immer, wir würden ja jetzt irgendwie zusammen gehören.

Seltsamer Kram. Fünfzehneinhalb Jahre war ich allein zuständig und es gab nicht mal Unterhalt. Ich habe den zusammen gearbeitet,  in Früh-, Spät- und auch Nachtschicht.

Aber naja…..egal. Das war.

Das Haus ist leer geworden und ich kann immer noch nicht passend einkaufen. Das eine zu viel, das andere zu wenig. Na, ich werde es schon noch lernen. Ich bin nur froh, daß ich mir keine zweite Waschmaschine gekauft habe. Die würde sich jetzt nur noch kaputt stehen.

Wie gesagt, 5 Kinder, das nix an Arbeit.

 

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Wiedereingliederung

Im November….jo. Immer noch nicht. Ich kann vieles immer noch nicht. Das Knie ist immer noch bewegungseingeschränkt und ich sitze mittlerweile in einer Wiedereingliederung. Oder besser: Ich hinke.

Ich kann nicht knieen und nicht hocken. An viele Stellen, die ich putzen müsste, komme ich gar nicht dran. Vielleicht ist es sogar Arbeitsverweigerung, wenn  ich mich weigere, mich auf den Boden zu legen, um die Stellen zu erreichen, allein schon das Hochkommen vom Boden stellt dann die nächste Schwierigkeit dar..AAABER: Krankenkasse will Wiedereingliederung und ich bezahle derweil die Krankengymnastin aus eigener Tasche, die mir nicht nur immer wieder den verklemmten Meniskus befreit, sondern das Knie auch taped und mir neue Übungen bei bringt.

Krankengymnastik gab es genau 18 Anwendungen, aber das Knie war dermaßen geschwollen, , daß erst ab Januar überhaupt Krankengymnastik möglich war…doof. Die Krankenkasse zahlt nun mal nur drei Rezepte zu sechs Anwendungen….

Also krüppele ich zwei Stunden am Tag los und weigere mich, es wie die letzten beiden Wochen zu machen.

Nämlich: Vor der Arbeit zwei Stunden liegen und hinterher ins Bett. So wird das nix.

Aber immerhin bin ich jetzt zwischendrin schon mal schmerzfrei. Nicht den ganzen Tag und auch nicht unbedingt nachts, aber es geht. Auch mit dem Schlafen, es weckt mich nicht mehr stündlich, das doofe Ding.

Nunja, Wiedereingliederung und eigentlich ist klar: Ohne Kunstknie geht da gar nichts mehr, aber wenn die Krankenkasse das so will, dann ist das eben so.

Die Physiofrau hat mir beigebracht, wie ich die Kniescheibe wieder in eine nicht schrubbende Postion klopfe und den sich verklemmenden Meniskus wieder frei kriege. Wichtig für Wochenenden und unterwegs.

Na, dann wollen wir mal….uns wieder eingliedern….in die Reihe derer, die da vor sich hin hinken.

 

Und schon wieder auf Job-Suche

Es nervt. Ich hoppe durch die Firmen und es nervt nur noch. Jedesmal stehe ich da und zack, nach ein zwei Wochen, aber da denke ich noch: Das geht eh jedem so. Das Paradies auf dem Arbeitsmarkt gibt es nicht.

Und wenn die Kollegen nerven, dann bin ich immer noch die lustige Nette, weil kurz nach acht bin ich eh daheim und bin das alles wieder los.

Nun ist ja im November dieses blöde Knie operiert worden und ich bin bis Mitte Januar an Krücken gelaufen. Bis zum 4. konsequent, weil es ging ohne gar  nichts und danach habe ich mich gezwungen, die Dinger weg zu lassen. War nicht einfach. Wirklich nicht, aber seit zwei Wochen geht es bergauf und ich übe seit zwei Tagen , die Treppe wieder normal runter zu gehen. Nicht einfach, meine Lieben. Überhaupt nicht einfach. Aber mit dem Satz „Und wenn es nur zwei Stufen sind, dann ist es schon ein Anfang.“

Das erste Mal in meinem Leben komme ich nur mit „Ich will“ vorran. Es tut weh, macht mir auch schlaflose Nächte, dieses Knie, aber ich will laufen. Und ich will wieder los.

Nun bin ich Anfang Januar ins Krankengeld gefallen. Das wird aber noch nicht ausgezahlt, weil meine Chefin das Formular für die Krankenkasse noch nicht ausgefüllt hat.

Ich habe angerufen und sie erklärte mir lachend, dass ihr bewußt sei, dass die Krankenkasse da  noch ein paar Daten von ihr bräuchte. Sie lachte wie ein Teenie. Nicht böse.  Das war Anfang der Woche.

Sie hat das immer noch nicht geschafft.

Wir haben auch darüber gesprochen, dass ich wiedereingegliedert werden soll. Möchte ich auch gern machen. Sie will aber, dass ich sämtliche Untersuchungsergebnisse dem Betriebsarzt offen lege.

Darüber habe ich nachgedacht. Und immer wieder dachte ich: Alles, was in mir drin ist, ist absolut meins. Das gehört mir. Und ich will das alles nicht jedem zeigen. Und ich will mir auch meinen Arzt aussuchen.

Dann musste ich wieder zu meinem Orthopäden, der von Wiedereingliederung sprach. Und ich finde das eine gute Idee. Sagte ihm aber auch, dass die Firma wolle, dass ich dem Betriebsarzt in Oker alle Befunde offen lege. Und das ich das nicht wolle. Er sei doch der Fachmann und nicht irgendein Betriebsarzt.

Der Betriebsarzt habe mit der Wiedereingliederung nichts zu tun, erklärte er mir und füllte die Zettel aus.

Die brachte ich heute in die Firma. Wenn meine Chefin genauso lange für das ausfüllen dieser Zettel braucht wie für das Ausfüllen meines Zettels für das Krankengeld, das ja meinen Lohn ersetzt, dann ist mein Vertrag vorher ausgelaufen, bzw.  ab Anfang Mai nehme ich meinen Resturlaub von 26 Tagen, weil mein Vertrag im 15. Juni endet.

Die Krankekasse meinte, ich sollte doch, wenn ich nichts aus der Firma höre, dort am Ende der nächsten Woche anrufen. Wenn ich nicht bis zum Ende der nächsten Woche mein Krankengeld habe, dann ruft da höchstens ein Anwalt an. Das Krankengeld ist mein Lohn.

 

Herzen

C. schenkt sie mir.

Er schälte Kartoffeln und mit diesem hier hat es angefangen….

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Es liegt schon ein Weilchen, wie man sieht.

Dann kam das Regenbogenland in Bad Sachsa und dieses hier:

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Und eines abends kam C. und brachte mir das hier:

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Und gestern bekam ich dieses hier:

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Sinkflug

Ommas Thrombozahlen sind immer noch genauso schlecht wie letzte Woche. Und sie ist immer noch sauer.

Ich rufe jeden Tag an und gestern ging sie dann einfach mal nicht dran.

„Du lässt es ja immer so kurz klingeln!“ war ihr Vorwurf an mich.

„Mama, ich bin jedes Mal auf die Mailbox gelaufen. Jedesmal. Länger klingeln lassen kann ich nicht….“

Heute morgen habe ich sie nun erreicht.

Thrombos habe sie nicht bekommen. Aber Chemo, zu der fahre sie heute.

„Chemo bei so wenigen Thrombozyten?“

Ich verstehe nicht.

„Ja. Ich fahre da jetzt hin, das Zeug ist ja bestellt.“

Auch so eine Sache. Habe ich bestellt, dann mache ich das auch. Solche Entscheidungen werden nicht kurz vor knapp revidiert oder hinterfragt.

„Jedenfalls geht es mir schlecht.“ Sie ist so sauer. Und ich gehe wieder in Deckung. Das waren schon früher die Momente, in denen man lieber in Deckung ging.

Wir verabschieden uns.  C. meint zu alledem nur: „Die werden schon wissen, was sie tun.“

Er ist so pragmatisch. Recht hat er. Die haben das studiert mit ihrem Numerus Clausus.

Schon vor Wochen habe ich mich gefragt, was hier so denn passiert.

Omma ist 75. Ja, 75 Jahre alt. Und ich frage mich, was sie erwartet. Es ist furchtbar, mit zu erleben, wie jemand quasi sehenden Auges auf der sinkenden Titanic steht und man kann ihm nur zuwinken. Jemand, der da steht und einfach nur will, dass das Schiff weiter fährt.

Schon früher habe ich gefürchtet, dass es genauso enden wird, wie es im Moment ist.

Mit ganz viel Wut. Wut auf die Welt, Wut auf alle Menschen und noch mehr Wut auf mich.

Meine Kinder weigern sich, hin zu gehen. Sie wollen nicht angebrüllt werden.

Wenn ich das Omma vorsichtig sage, dann schreit sie mich nur an, sie sagt, was sie denkt und damit basta.

Das Handy ist immer noch nicht neu. Sie weigert sich, mal eben in den Elektronik-Laden zu fahren und sich eins zu kaufen, ich soll mit ihr zusammen fahren und weiß aber gar nicht wann.  Und das dauert mit Sicherheit wieder einen ganzen Vormittag und zwischendrin muss ich mich die ganze Zeit anmisten lassen.

Der ganze Frust auf mich und meine verkorkste Existenz kommt hoch.  Wie vor ewigen Jahren.

Alles, was sie sich gewünscht hat für mich, alles habe ich nicht erfüllt. Keine Karriere gemacht, nix zum Vorzeigen nach Hause gebracht. Und jetzt?

Jetzt will der eigene Körper nicht mehr, jetzt, wo sie sich das Leben so macht, wie sie es möchte, jetzt, wo sie endlich lebt, wie sie es will und sagt, was sie denkt und zwar genauso, wie sie es denkt. Jetzt kommt diese Krankheit. Und dann diese undankbare Tochter! Die fährt nicht mit ihr zum Einkaufen und schickt eher große Kinder zum Treppe putzen, was Omma aber nicht will. Und die schickt diese Kinder auch  zum Wäsche abholen und bringen, was Omma auch nicht will. Omma will, das ihr Kind kommt, und Ommas Wäsche bei Omma wäscht und die dann auf den Trockenboden zum Trocknen hängt. Und Omma will, das die Tochter kommt und das Treppenhaus und die Wohnung putzt, und zwar dann, wenn Omma will und wie Omma will. Und Omma will vor allem, das diese undankbare Tochter mit ihr zum Einkaufen fährt und dann hinterher mit ihr ins Cafe geht.

Omma hat klare Vorstellungen.

„Ich beantrage eine Pflegestufe und Du pflegst mich dann!“ Ihre klare Aussage im Krankenhaus.

Mama, ich habe ein schlechtes Gewissen. Ein ganz großes schlechtes Gewissen.  Sei Dir desssen bewußt. Aber: Ich will meine Familie nicht aufgeben. Denen habe ich mit ihrer Geburt ein Versprechen gegeben. Und von denen können nicht alle allein laufen im Leben.

Und könnte ich Pflege, dann wäre ich dort beschäftigt. Schon ewig.

 

 

Rassismus

https://www.welt.de/vermischtes/article172302125/Umstrittene-H-M-Werbung-Das-Empoerende-ist-der-Rassismus-Aufschrei.html

Es läuft ja nun durch die Medien und ich wurde von C. morgens informiert, als die Hundetrainerin da war.

Ein Junge mit Aussehen von da, wo viel Sonne ist. Vielpigmetiert. Er trägt also ein Sweat-Shirt und es steht Affe drauf.

Coolest Monkey In The Jungle.

Super! Genau DAS Sweat-Shirt. DAS brauche ich. Passt zu allen Pubertieren hier.

Coolest Monkey In The Jungle.

Meine Kinder sind aus Gründen nicht vielpigmentiert. Und damit hat es nicht mehr mit Rassismus zu tun, sondern ist ein Ausdruck des elterlichen Frusts.

Nun habe ich mich gefragt, warum das denn dann bei meinen Kindern kein Rassismus ist, aber bei dem hübschen Kind aus der Werbung?

Und dann fragte ich mich, warum denn meine Kinder problemlos dieses Sweat-Shirt tragen könnte, der Junge aber auf gar keinen Fall, weil es sich ja dann um sowas wie Rassismus handelt….

Ist es nicht auch Rassismus, wenn man jemandem verbietet, so etwas zu tragen, weil es wegen seiner Hautfarbe dann Rassismus ist? Ich meine damit, so darf ja gar keiner, der nicht käse weiß ist, ein Kleidungsstück mit „Coolest Monkey In The Jungle“ tragen.