Der Mann vom Arbeitsamt und ich

Wieder bin ich eine neue Beziehung eingegangen und ein empathischer, bodybuildender junger Mann saß mir gegenüber.

Wir sprachen über Umschulung.

„Altenpflege.“ sagt er.

Altenpflege. Feine Sache. Wie soll das denn Aussehen?

‚An die Rollatoren, meine Herrschaften, und dann zack in den Speisesaal! Nicht das ihr früher tot seid als das Mittagessen kalt!‘

„Naja, habe ich schon gemacht. Fand den Würgereiz so unanagenehm, wenn ich Kot aus dem Bett beseitigt habe. Aber wenn’s die alten Leute nicht stört, das ich sie beim Saubermachen ankotze….“

„Ja, wenn nicht Altenpflege, was denn dann?“

„Ich habe Informatik studiert…“

Er unterbricht mich.

„Vergessen Sie die Informatik. Altenpflege…“

Ich unterbreche ihn.

„….bin nicht fertig geworden und möchte gern den Fachinformatiker für Systemintegration machen…“

‚Da geht mir immer einer ab, bei den Client-Server-Anwendungen. Und der Vorteil ist definitv, das kann man bis 67. Auch mit Rollator. Im Altenheim ist das wohl eher weniger möglich…mit eigenem Rollator. Wobei, da könnte man Rennen veranstalten. *Na, wer von uns beiden ist schneller am Klo?*‘

„Wenn nicht Altenpflege, dann wird es schwer werden…“

Ich gehe und denke: „Schwer, Alter, Schwer kann ich , Du Arschloch!“

Sehr geehrter Fachleiter des Jugendamtes,

heute morgen sind wir zu Ihnen gekommen, weil meine zweijährige und meine dreijährige Enkeltochter gestern allein durch Oker gelaufen sind. Spärlich bekleidet mit Windel, sonntags morgens in Deutschland.

Dauernd ist da irgendwas. Von einer verwahrlosten Wohnung, von der es auch schon Fotos gab bis hin zu diversen Polizei-Einsätzen wegen häuslicher Gewalt über wunde Kinderärsche und fehlende Windeln. Alles, alles hatten wir schon.

Und das Einzige, was Ihrer Dame vom Jugendamt einfiel, war, der Schwiegertochter meine Email zu zeigen, die ich ihr vor knapp einem Jahr geschrieben habe, als auch schon die Zustände mehr als  wenig wünschenswert waren. Mir war klar, wenn ich irgend etwas sagen würde, dann würde ich meine Enkel kaum mehr sehen. Die Mutter meiner Enkelkinder ist so. Aber hier geht es um die Kinder, nicht um meinen Wunsch, die Kinder zu sehen. Das Wohl der kleinen Menschen hat oberste Priorität.

So waren auch der Vater der Kinder  und ich schuld, dass die Kinder morgens allein durch Oker gelaufen sind. Obwohl keiner von uns dort im Hause wohnt. Und die Mutter selbst einfach über Nacht nicht Hause gekommen ist.

Nun waren wir heute bei Ihnen, weil wir uns lange Gedanken gemacht haben, um zu erklären, dass wir die Kinder aufnehmen würden, wenn gar nichts mehr geht und das, obwohl klar war, dass auch jetzt wieder nichts passieren wird.

Es bleibt so wie gehabt und wenn eines der Kinder bei einer dieser nächsten Aktionen angefahren wird, denn sie sind nicht das erste Mal einfach aus der Wohnung raus, dann wird vielleicht irgendwas passieren. Vielleicht. Ganz vielleicht.

Es mag auf Facebook lustig sein, wenn Kinder einen Farbeimer auseinander nehmen, aber es ist nicht lustig, wenn es die eigenen Enkelkinder machen und der Hintergrund ein Zuständigkeitsstreit der Eltern der Marke „Du räumst den Farbeimer weg!“-„Nein!Du!“ist. Und es ist einfach alles nicht mehr witzig.

Mein Sohn hat mich vor einigen Wochen gefragt, wann ich denn meine Enkelkinder sehen möchte.

„Wenn sie 18 sind.“ habe ich ihm geantwortet. Denn: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Jetzt kann ich sagen:

„Wenn sie 18 sind und ihre Kindheit überlebt haben!“

Mit freundlichen Grüßen,

 

 

Wenn jetzt nicht, wann dann?

Heute morgen rief mich der junge Vater an. Man erinnere sich, der mit den zwei Mädels.

Morgens kurz nach acht rief er an.

Er mache sich Sorgen um die Mutter seiner Kinder. Sie habe am Samstagabend das Haus verlassen, wollte am selben Abend wieder nach Hause kommen. Kam sie aber nicht. Nun hatte der junge Vater versucht, sie während der ganzen Nacht zu erreichen, bekam aber keine Anwort.

„Bist du zuhause?“ wollte ich von ihm wissen.

„Nein.“ Er sei in seiner neuen Wohnung .

„Und wo sind die Kinder?“

„Zuhause. M. hütet sie.“ Okay. Also die Kinder waren versorgt.

Vor der Zeitungstour haben D. und ich den jungen Vater zur Wohnung seiner Kinder gefahren.

Und dann kam es:

Die Polizei war da. Seine Kinder hatten in Windeln und spärlich bekleidet die Wohnung verlassen und sind den Stadtteil auf der Strasse runter.

Kurzfassung:

Die Mutter sollte am Vorabend um kurz nach elf zuhause sein.

War sie nicht. Und war auch nicht erreichbar.

Der Vater war in seine Wohnung gegangen, davon ausgehend, dass die Mutter wieder zuhause sei.

M. ist der Verlierer der ganzen Geschichte. Er ging davon aus, dass die Wohnungtür verschlossen sei, weil die Kinder schon wiederholt in Windel und Schlafbekleidung die Wiese zwischen den Häusern erkundet hatten. Er wartete auf die Mutter, wechselte Windeln, tröstete Kinder und schlief morgens um sechs einfach ein. Klar, sowas ist scheisse, weil dann hört man die Zwelche nicht. Eltern vielleicht schon, aber ….

Ich bin dann zum Vater in die Wohnung gefahren. Und er räumte und räumte. Hatte außer der Wohnzimmertüren alle zu und wurde dauernd panisch, wenn ich über den Flur in die Nähe der geschlosssenen Türen ging.

Freunde, es reicht JETZT! Wenn jetzt da nicht Ordnung rein kommt, dann , dann…kommen die Kinder tatsächlich noch unter die Räder. Zwei und drei Jahre alte Kinder laufen allein auf der Strasse…Alter Schwede. Polizei kommt und sammelt die ein. Alter Schwede.

Kindergarten

Ich habe das nicht so mit solchen, die da arbeiten. Ich hab da irgendwie ’ne Aversion.

Heute:

Der Tagesvater holt Mini wie jeden Tag aus dem Kindergarten ab.  Und die Kindergartenleiterin hält ihn auf.

Sie will wissen, was denn mit der Mutter von Mini sei. Die habe man ja noch nie gesehen.

*Anmerkung: Mini geht seit 14 Tagen in den Kindergarten.*

Passende Antwort des Tagesvater wäre gewesen:

„Ach?!…..Dann ist sie wohl aus Liebenburg noch nicht raus…“

*Anmerkung: Liebenburg hat eine ortsansässige Psychiatrie.*

Hat er nicht geantwortet. Der hat Kultur und vielleicht sollte ich eine Mail schreiben, aus der hervorgeht, dass mein Mann nicht mehr auf der Liste der leckeren Junggesellen zu finden ist.

Dann hatte Mini  von der Medizin erzählt. Statt den Vater des Kindes zu fragen, fragte sie den Tagesvater.Aber auch da bekam sie keine Antworten.

Ich gehe auf dieses Gemüsefest vom Kiga. Da können alle einen drauf lassen. Erntedank bringe ich denen bei, dass es nicht nötig ist, Titten zu haben, um Kinder im Kiga abzusetzen.

Dienstag, 1. Urlaubstag

Wir sind ans Meer gefahren und haben uns gleich einen Hundestrand gesucht. Nicht nur Kinder brauchen Bewegung nach gut vier Stunden Autofahrt, nein auch der kleine Hund.

Hundestrand eins: Der Hund bewegt sich, mistet sich aus, die Kinder bewegen sich und misten sich auf einer öffentlichen Toilette in der Nähe aus.

Dann suchen wir einen Strand mit wenig Algen. Kronsgaard.

Wir suchen uns einen Platz, machen den Olaf los, als hinter einer Strandmuschel ein Bordercollie angelaufen kommt. Sie ist zwanzig Meter vor uns, diese Muschel, der Hund auf halber Strecke, der Besitzer einige Meter hinter ihm. Oli läuft hin. Der Besitzer erklärt, sein Hund habe sich gestern mit einem Rüden gebissen. Ich mache mir da keine Sorgen, der Oli ist ein lieber und ich kann ihn aus der Situation raus rufen.

Ich beobachte das eine ganze Weile, die Haare stellen sich immer weiter und ich denke:

„Ruf den mal raus da.“. Laufe  auf das Meer zu und rufe ihn.

„Olaf! Komm, wir wollen schwimmen gehen! Olaf, komm!“ Und mein Hutzelmännele kommt. Aber nicht weit, der der Bordercollie stürzt hinterher und versucht ihn, im Genick zu packen. Und da ist sie! Eine Beisserei.

Ich rufe Olaf beim Namen. Der andere Besitzer versucht, dazwischen zu packen und ich packe mit. Er greift Olis Halsband, weil er das seines Hundes nicht bekommt und ich nehme meinen Hund sofort.

Olaf blutet aus Maul und Nase, dick und rot, quillt es hervor und ich bringe ihn zum Platz.Unter dem Auge, an der Wange, unter der Nase, am Ohr, am Hals, auf dem Kopf, überall ist der Olaf getackert. Wir versorgen ihn. Ich wasche mit Wasser, das wir für ihn immer im Kanister dabei haben und es sind generell zehn Liter, kann ja mal was sein, also wasche ich ihm  das Blut weg und als die Bluterei endlich aufhört, gehe ich zum Kontrahenten, der hinkt. Denn Oli hat seine Vorderpfote gepackt.

Die Besitzer fahren zum Tierarzt. Kommt aber nix weiter bei raus als dass der Mann seinen Hund dauerhaft an die Leine nimmt.

Ich will nach Hause, aber meine Familie nicht.

Urlaub

„Dann gehe ich jetzt mal die Blumenerde ausladen und die Gardinenstangen aufhängen…“

Die Ventile sind neu und der Laguna geht alle paar Meter aus und bleibt aus. Die Ventile und die Kopfdichtung ist neu.

Ich habe nicht klug geschissen und von diesen komischen Dichtungen erzählt, die da irgendwo mit Federn sind und dafür sorgen , dass sich Benzin und Öl nicht mischen und ob man nicht….Und ich bin einfach davon ausgegangen, dass man da eh einen Ölwechsel macht, schon um mögliche Späne und so….

haben sie nicht.

Und ich komme hier nicht weg.