Mitwirkende Trennungsväter für Buchprojekt gesucht// „verwerfliches Verhalten der Mutter“

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Quelle: Mitwirkende Trennungsväter für Buchprojekt gesucht

Ich finde solche Dinge immer ein zweischneidiges Schwert. Deshalb schreibe ich einfach mal von meinem „verwerflichen Verhalten als Mutter“.

Ehe Nummer eins. Ich habe jung geheiratet. Als ich meiner Mutter sagte, das ich Ehemann Nummer Eins heiraten werde, fragte sie mich, ob ich nicht einfach noch ein bischen warten wolle. Wollte ich nicht.

Hochzeit kam und auf dem Standesamt dachte ich immer: „Sag NEIN! Sag NEIN!“ Ich habe ja gesagt.

Kind eins kam, Drogen waren im Spiel, Kind zwei war unterwegs. Die Ehe ging in die Brüche. Er erklärte mir, er werde mir seinen Sohn wegnehmen und bedrohte mein Leben. Wenn er das Kind nicht bekomme, ich dann aber auch nicht.  In dieser Ehe war ich sehr erstaunt darüber, das man als Ehefrau geschlagen und geschubst wurde…

Meine Mutter holte mich nach Hause, 400 km weit weg. Ich bekam im Trennungsjahr Mahnungen, weil ich Versicherungen nicht bezahlt hätte und den Strom für die Ehewohnung nicht. Ich hängte meinen Mädchen-Namen vor den Ehenamen und auch das Gericht erfuhr nichts von dieser Namensänderung. Genauso wenig meine richtige Adresse; die Post vom Gericht kam immer zu meiner Mutter.

Die Zeit lief ins Land. Ich hatte Kontakt zum Jugendamt. Die Dame dort erklärte mir, das der Vater auf jeden Fall seine Kinder sehen und abholen dürfe.

Ich hatte Angst. Richtig Angst. Es dauerte ein gutes Jahr, dann fasste ich Mut und dachte mir: „Wenn ich einen Schritt auf den Mann zu mache, der eh die Kinder holen kann, wenn er will, dann habe ich eine bessere Verhandlungsbasis.“ . Also machte ich vorsichtige Schritte nach vorne, telefonierte mit ihm und wir vereinbarten einen Besuchstermin, allerdings bei einer Freundin.

Zwei Tage vorher erhielt ich einen Anruf von „seinem Kumpel“, das Ehemann Nummer eins in Haft sei.

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Bei Polizei angerufen und erfahren: „Ja, ist so.“

Er ist in Haft gekommen. Verurteilt wurde er zunächst nur für den Raub bei der alten Frau im Rollstuhl. Er war über den Balkon ihrer Wohnung eingedrungen, hatte sie in ihrem Rollstuhl geschlagen, so dass sie rausgefallen war und hatte 20 DM erbeutet. Dafür bekam er sieben Jahre.

Der Überfall an der Tankstelle in Bruchsal, bei der der Tankwart erschossen worden war, konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Von meiner Schwiegermutter erfuhr ich, das der Tankwart Frau und zwei Kinder im Alter der meiner Söhne hatte. Und das lief mir nach.

Ehemann Nummer Eins kam auf Bewährung nach viereinhalb Jahren raus, zeugte ein weiteres Kind und steckte seine damalige Frau mit Feigwarzen an.

Er arbeitete.

Dann fand ich einen Zettel im Briefkasten. Meine Nachbarin erzählte mir, das die Polizei da war und auf dem Zettel stand, das ich meinen alten Schulkollegen aus Karlsruhe anrufen sollte. Ich freute mich. Der war cool.

War nicht sein Schulkollege, war sein Vater. Sie hatten nach sieben Jahren die Ermittlungen im Raubmord von Bruchsal wieder aufgenommen. Durch meine Schwiegermutter hatte ich Wissen, von dem ich nicht sicher war, ob ich es so einfach verschweigen durfte, aber ich hatte mir gesagt, dass wenn mich keiner fragt, dann muss ich auch nichts sagen. Und warum sollte man mich fragen? Als das alles passierte, lebte ich schon mehr als ein Jahr von diesem Mann getrennt, 400 km weiter weg.

Ich habe das Schicksal gehasst und habe ausgesagt. Diese Kinder und die Frau, die haben mich nie losgelassen. Wie soll man je wieder richtig vertrauen können, wenn so etwas passiert ist? Woher soll man wissen, das man nicht vor dem Mörder des eigenen Mannes steht, wenn man jemandem begegnet? Mit meinem Wissen konfrontiert, sagte eine Mittäterin aus.

Meine Frauenärztin half mir, so dass ich nicht zur Verhandlung fahren musste. Und ich erfuhr, das der Tankwart, nicht, wie ich dachte, mit einem ganzen Magazin erschossen worden war, sondern ihm zunächst ins Bein geschossen worden war und dann wurde er ins Hinterzimmer geschleift und dort mit einem Kopfschuss getötet.

Ehemann Nummer Eins wollte sich nicht scheiden lassen. Wir wurden während seiner ersten Haftstrafe in seiner Abwesenheit geschieden.

Die zweite Haftstrafe betrug 14 Jahre; wäre die Tat beim ersten Mal mit verhandelt worden, wäre er in Sicherheitsverwahrung kommen.

Ehemann Nummer Eins wollte immer wieder Kontakt zu seinen Kindern und Sozialarbeiter wollten irgendwelche Kinderbesuche einrichten. Habe ich nie mitgemacht. Meinen beiden Söhnen habe ich gesagt, dass sie nicht in den Knast fahren bräuchten, um ihn zu besuchen. Das wäre wie ein Besuch im Zoo. Sie könnten das machen, wenn sie volljährig sind.

Haben sie auch genau einmal gemacht. Ich bin also eine Mutter, die diese Besuchsregelungen verhindert hat. Und ich finde mein Verhalten nicht verwerflich. Und deswegen noch mal: Es ist alles ein zweischneidiges Schwert.

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