Aus dem Leben als Leiharbeiter

Ich habe Urlaub beantragt.

Und ihn ohne Diskussion bekommen und sogar zwei Wochen am Stück. Und als ich heute mit einer Kollegin aus der alten Firma telefonierte und ihr das erzählte, da freuten wir uns beide, dass es doch tatsächlich noch Firmen gibt, bei denen das geht. Und die zwei Wochen sind sogar durchgehend! DURCHGEHEND! Am Stück also.

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Brexit

Auf dem Weg zur Polizei, um die anzuzeigen, die A. vor Wochen vor der Schule geohrfeigt und bedroht haben, auf diesem Weg höre ich mit einem halben Ohr, dass der Volksentscheid in England für einen Austritt aus der EU gestimmt hat.

Und dann dudelt wieder die leichte alltägliche Musik.

„A., haben die gerade Brexit gesagt? Und das die Engländer für einen Austritt gestimmt haben?“

Er hat noch weniger zugehört als ich und erklärt, dass er es nicht wisse.

Also höre ich bewusster, aber es kommen nur trällernde Stimmen und flache Witze.

Dann, kurz vor der Ankunt, noch einmal die Zwei-Satz-Meldung zwischendrin. Die Engländer hätten für den Brexit gestimmt.

Wir machen unsers, oder frei nach Astrid Lindgrens Kriegstagebüchern: „Überall Leid und Sterben“ und ich kümmere mich nur um meine kleine Welt.

Mittags ist keine Zeit mehr und ich fahre zur Arbeit, zu spät, aber richtig zu spät.

Spätschicht.

Hinterher komme ich erneut auf Brexit zurück.. Mache den Fernseher an und es düdeln seichte Filme und Filmchen, aber nix über Brexit und nix über die Konsequenzen.

 

C. und ich machen Zeitungen.

Die letzten drei Häuser meiner kleinen Zeitungstour soll C. alleine machen.

Wo die denn seien?

„Na, neben der Haltebucht mit dem Stadtplan auf der Ecke zur unserer Strasse.“

„Und wo kommt da wieviel hin?“

„Ganz rechts beim fetten Itler mit dem hässlichen Tor, der kriegt drei. Der hat zwei Namen und ’ne Firma auf dem Briefkasten.Das Haus mit der Einfahrt daneben, das kriegt vier. Drei unten direkt an der Haustür, weil Rami da eingezogen ist, und oben eine an die Einliegerwohnung, die…“

„Wieso fetter Itler?“

„Weil der ein fettes Auto hat mit IT irgendwas dreistelliges, eine fette Frau und zwei hässliche Hunde und selber fett ist…und eben dieses Kack-Tor, das so brokelig ist.“

„Und bei zweiten vier?“

„Ja, wegen Rami. Der ist da mit eingezogen.“ Steht jedenfalls auf der Klingel. Rami Irgendwas.

„Ich kann mir das nicht merken. Ich brauche Hausnummern.“

„Die habe ich doch nicht. Ist doch ganz einfach…“beginne ich von vorn…

Wir eingen uns darauf, das er vor fährt, ich die drei Stück hier noch verteile, die paar Meter bis zur Parkbucht mache.

„Fertig?“ frage ich, als ich ankomme.

Nein, er müsse ja erstmal Zeitungen rausnehmen.

Also macht er den dicken Itler und Rami seine Hütte und ich die zwei ins letzte Haus.

Fertich. War doch gar nicht so schwer…

 

Liebe Kp,

so habe ich Dich genannt, als Du mich über What’s app angeschrieben hast. Kein Plan. Mein neues Telefon kannte Deine Nummer einfach nicht und ich hielt Dich für K..

Du warst entsetzt, dass ich Deine Nummer nicht mehr in meinem neuen Telefon hatte. Hätte mein Telefon Deine Nummer erkannt, hätte ich nicht mal mehr geantwortet. Ich habe damals die Kommunikation eingestellt; es war mir zu viel.

Nun sind Monate ins Land gegangen; das Jahr hat gewechselt und vieles andere auch und Du hast mich jetzt  angeschrieben, wolltest wissen, wie es mir geht.

„Gut, danke. Und Dir?“

Daraufhin kam lange keine Antwort und dann die Nachricht, Du würdest mich vermissen, unsere Gespräche. Ob wir das wieder hinbekommen würden.

Ich habe Dir geantwortet, dass ich es nicht weiß.

Nun war ich heute in meiner Sonntags-Spätschicht und  bekam eine gewischt, wenn ich die Radschraubenabdeckungen in die Kisten schüttete und dachte darüber nach.Während ich den kleinen Grad von den Lautsprecherblenden kratzte, dachte ich darüber nach. Und es fühlte sich nicht gut an. Es gab seinen Grund, warum das auseinander ging. Und ich fragte mich, ob ich unsere Gespräche vermisst habe. Habe ich nicht.

Und als ich, wie alle anderen, um die Maschinen kroch, aufkehrte, herunter gefallene Teile aufhob und Ölauffangwannen leer machte, da dachte ich über die Frage, ob wir das wieder hinbekommen, nach. Und ich dachte: „Nein.“

Lass es Dir einfach gut gehen.

Ramstein

C. erklärt mir, dass er gelesen habe, dass Ramstein europaweit auf Tour sei und er hätte auf You-Tube Konzerte von denen gesehen- mein lieber Scholli!

„Ja, geilo, da könnten wir doch mal hin…“ Und ich freu mich….

„Nee, ich bin zu alt! Wenn ich jünger wäre….“

„Wie zu alt?“ Ich bin verwirrt.

„Ja, zu alt halt. Wenn ich jünger wäre, dann würde ich das schon machen. Aber jetzt bin ich zu alt.“

Ich starre C. an.

„Wenn Du zu alt bist, mein Lieber, was bin denn dann ich??? Tot?!?!“ Immerhin ist C. zwanzig Jahre jünger…

Update

A. und die Polizei:

Man erinnere sich. A wurde aus der Schule zur Befragung abgeholt.

Freitag kam Post. die ganze Geschichte ist eingestellt.

D. und seine Schulschwänzerei:

Manchmal bin ich tatsächlich auch für eine postnatale Geburtenregelung, auch wenn er für ’s Aussetzen zu alt it.

Zu den Video-Aufnahmen:

Das Ermittlungsverfahren ist angelaufen.

Omma:

Omma zieht in sechs Wochen um. Wenn sie das versaut, kommt betreutes Wohnen, aber garantiert.

Drei Griesbrot – Uromma sein Rezept, von Omma noch mal korrigiert

Ich will Griesbrot. Kindheitsgeschmack und keiner, der sagt: „Näh, DU kriegst nur eins.“ Dann an Dir rauf und runterguckt und mit diesem, genau diesem Tonfall sagt: „DAS hat zu viele Kalorien.“

Worin rührt man diese Eiermenge schaumig ? Mit so nem Rührtab an einer Bohrmaschine im Betonkübel? Und vor allen, wie sollen 32 Eier in eine Kastenbackform passen? Worin haben die früher gebacken? In einer Schweinemolle?

Also noch mal Omma angerufen.

„Mama, ich will Griesbrot machen.“

„DAS von Uroma, ja? Brauchste das Rezept! Ich such das mal…“

„Äh, nee, ja, das haste mir doch schon gegeben.“

„Ja, achso. Dann mach doch…“

„Ja, die Eiermenge….ich glaube, ich hab da was falsch aufgeschrieben…“ Schwierig mit dem falsch Aufschreiben, wenn man das Rezept per What’s app bekommt. Aber nunja.

Ende vom Lied:

12 bis 16 Eier

1 Kilo Zucker

1 Kilo Gries

und das alles reicht für eine Kastenbackform.

Aha.

„Sicher nur für eine Kastenform?“ Omma versichert mir das. Wir reden noch über dies und das und zack, Gesprächsende.

Heute nun war es soweit. Da wir kleine Eier aus dem Supermarkt haben, also 16 Eier. Bei zwölf wäre das Ergenis nur flacher gewesen….

Schneekessel raus, sechzehn Eier rein, Kilo Zucker, Handrührer an und schaumig gerührt und zack, war der Schneekessel voll.  Naja, wird hoffentlich noch zusammen rauschen, wenn der Gries rein kommt.

Pustekuchen.

Ich habe jetzt DREI  Griesbrot.  Naja, Omma hat ja gesagt, das ist ewig haltbar. Packe ich die anderen halt weg, bis ich in dreißig Jahren wieder Hunger auf Griesbrot habe.

Kuppelversuch

Meine Kollegin B. möchte gern ihren noch bei ihr wohnenden Sohn mit unserer ledigen Pausenablöse verkuppeln.

Sie solle sich doch mal mit ihm treffen, er wäre ein netter.

Raus war er dann, als B. folgende Frage nicht beantworten wollte:

„Verdient er denn auch so viel, dass die Frau zuhause bleiben kann?“

Tut er nicht.