Montag

Auf der Arbeitsfläche stehen Kuchen. Ein Käsenkuchen mit Blaubeerfüllung und ein Rührkuchen, letzterer für die, die keinen Käsenkuchen mögen.
„Du hast Kuchen gebacken. Ist morgen ein besonderer Tag?“ will C. wissen.
„Ja, Montag.“ Ich finde, Montag ist ein prima Tag für Kuchen.
„Ja, das weiß ich, aber warum hast Du den Kuchen gebacken?“
„Weil Du zwei Quark mit aus dem Keller hoch gebracht hast.“
„Ich sollte doch einen mitbringen….“
„Ja, einen, für die Füllung der Ravioli morgen, aber wir haben das jetzt anders gemacht, die E und ich.“
„Ja, aber du hast ZWEI Kuchen gebacken…“
„Du ißt keinen Käsekuchen.“

Spaziergänge

Heute bin ich ans alte Kloster gefahren, in dem wir mal gewohnt haben.
Ich wollte einfach nicht den vielen guten Ratschlägen begegnen.

Morgens gehe ich immer im Waldstück am Ende der Strasse. Und ich habe dort schon den Unaussprechlichen, ein Hund, dessen Name so exquisit ist, das meine marignalen Fremdsprachenkenntnisse nicht für eine Wiederholung desselben reichen, Alfred, den viel zu hohen reinrassigen Cairnterrier,  die vierjährige Schilddrüsenüberfunktion mit Futtermittelallergie und die beiden Flat Coated Retriever kennen gelernt.
Langsam kommt ich mir mickerig vor und ich weiß jetzt, warum  C. einen „richtigen“ Hund haben wollte.
Ich erzählte C. von meinen Begegnungen im Park und als wir an der Ampel hielten, wies ich auf einen Hund, fürchterlich dünn, mit langem, hellbraunen Fell und arg hoch.
„Das ist die Schilddrüse mit Futtermittelallergie, die ein reinrassiger Retriever ist. Sie erinnert mich eher an eine Mischung aus Retriever und Windspiel, weil, wenn Du Dir die langen Haare wegdenkst, dann ist sie wie Hansemann´s ihr Windspiel.“
„Ach, mach Dir nichts draus. Die sagen eben immer nur den ersten Teil…“ tröstet mich C.
„Wie den ersten Teil?….Ach, den ersten Teil von der Mischung, meinst Du?“
„Ja.“
„Und was soll ich sagen, was Olaf ist?“ Ich denke kurz nach.“Ein Dessauer.“
„Ein Dessauer?“
„Japp. Neue Hunderasse. Dessauer.“
Auf die Frage, was er denn mal werden soll, habe ich im Park geantwortet, das es ein Hund werden solle, aber der Fragende fand das gar nicht lustig.

Der Besitzer der Schildrüse mit Futtelmittelallergie wollte von mir wissen, ob ich Olaf denn auch freilaufen lassen würde.
„Nee, ist ein Welpe.“
„Wir haben das ja gemacht. Dann bindet sich der Hund besser an den Herren. Und wir haben uns dann auch hinter einem Baum versteckt, wenn sie nicht hinterher kam…“
Ich gucke mich um.
Oberhalb vom dem Waldstückchen ist eine vielbefahrene Strasse, drunter eine Ausfallstrasse, rechts vom Waldstück ist eine Strasse, links davon ist eine Strasse…..Ich denke kurz nach…..“Näh!“ sage ich. „Das mache ich hier garantiert nicht. Ist ein Welpe.“ Und da, wo ich die letzten Jahre vor diesem Leben hier unterwegs war, da hat man Welpen in der Feldmark von der Leine abgemacht, wenn das weit ab war von befahrenen Strassen, aber doch nicht in der Stadt, zwischen zwei Verkehrsadern…Dann hätte man sich doch gar keinen Hund holen brauchen.

Kinderneurologie

Ich bin stark. Ich bin groß, ich bin stark. Ich weiß ja, worum es geht. Jo. Das erzähl ich ab heute wem anders!
Vor der Fahrt mit Minimi zum Neurologen erstmal noch die Bescheinigung für Olaf abgeholt. Die Bescheinung sagt, das ich durchgehend zehn Jahre zwei Hunde hatte, den Landkreis davor wollte ich nicht auch noch aufsuchen, die eine reicht.
Und dann hier alle ins Auto.
C. fährt wie ne Sau, weil wir kommen zu spät, aber wir waren zu früh. Das EEG wurde gemacht und wir hinterher zum Doc rein. Ein netter Grauhaariger, mit offenem Blick.
Fassen wir es mal kurz zusammen.:Es durfte nur einer von uns mit zum EEG und ich bin raus zu groß E.. Und obwohl man weder die Schädel- noch die Bauchdecke meines Kindes geöffnet hat, waren es welche von den zwanzig Minuten, die in die Rubrik „Längste zwanzig Minuten des Lebens“ gehören. Dann, wie schon gesagt das Gespräch.
C. hatte rote Augen, und obwohl wir es wußten,  habe ich um Fassung gerungen und kurzfristig verloren. Es ist genetisch veranlagt, haben wir also eins A vererbt. 80 % der Kinder können geheilt werden, widerum 80% dieser Kinder bekommen im Erwachsenen-Alter Epilepsien, „die richtigen mit Zuckungen, die man so kennt“. C. fühlte sich offentsichtlich schuldig, weil er als Kind zwei Fieberkrämpfe gehabt hat und ich mich, weil ich den Mist rezessiv vererbt habe.
Wir sollte schätzen, wieviele dieser Anfälle Minimi habe in einer Stunde.
C. sagte, er meine, es wären drei.
Mir erschien das zu wenig und ich sagte, so zwischen fünf und zehn.
In den zwanzig Minuten des EEG´s hatte sie fünf, das macht alle vier Minuten einer. C. sagte später im Auto, ich solle mir das mal ausrechnen, was dass pro Tag sind. 360, wenn man von regelmässigen Anfällen ausgeht. Aber in der Situation habe ich die halbe Strecke gebraucht, bis mir überhaupt aufgegangen ist, wie man das rechnen könne und solle.
Doch zurück zum Arztgespräch.
Und C. wollte das nochmal mit den prozentualen Ergebnissen wissen und ich fragte mich, ob er jetzt im Kopf die Wahrscheinlichkeiten ausrechnet und selbst immer dachte, das eine Heilungschance von zehn Prozent bei Leukämie bei über 70jährigen als gering einzuschätzen ist, dann doch auch eine Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent, das es nicht geheilt werden kann, auch gering sei. Und fragte mich immer, wie den 80% und 10%  einhundert Prozent ergeben können und es dauerte noch die ganze Rückfahrt und auch Stunden hier, bis mir auffiel, das ich dauernd prozentuale Ergebnisse  von verschiedenen Krankheiten durcheinander schmiß.
Und weil C. sich im Gespräch so festbiss in der Gruppe derer, die es nicht schaffen und der er den Arzt auch nach der Wahrscheinlichkeit fragte, in welche dieser Gruppen Minimi falle und der so zauberhaft sagte, das er das nicht sagen könne, weil wir hier von einem Menschen reden und da könne man keine mathematischen Beweise führen, sagte ich:
„Hör auf, C.. Wir setzen uns jetzt nicht mit dem Misslingen auseinander. Wenn die Medikamente nicht wirken und alles eintritt, was schiefgehen kann, DANN setzen wir uns damit auseinander. Denn dann ist es da und man hätte es sowieso nicht verhindern können.“
Ich war verwundert, das der Arzt mir zustimmte.
Wir haben dann ein Rezept bekommen für ein Medikament , das es nur in viertel-Liter-Flaschen gibt und einen neuen Termin in sechs Wochen.
Ich hätte C. so gerne geschüttelt. Wirklich gerne geschüttelt, weil ich an meine Arbeitskollegin dachte, deren Sohn Authist ist.
Und das bleibt immer so und er hat auf seine eigene Weise Lebensfreude. Und wenn es für ihn wichtig ist, seine Legos nach Farbe zu sortieren und er sich damit wohlfühlt, dann ist es doch gut und in Ordnung. Und nur weil C. oder ich da andere Prioritäten haben, hat weder der Sohn meiner Arbeitskollegin noch Mini weniger Lebensqualität.
Und wenn sie zwar diese kindlichen Absencen endlich los wird und dann doch zu den 20 % gehört, die diese „wie man sie kennt, mit Zuckungen und Hinfallen“-Epilepsie  bekommtn, dann heißt das doch nicht, das sie nicht auch noch irgendwo Freude erleben kann, Spaß haben kann im Leben….
Ich habe es C. nicht gesagt.  Mein fucking Daueroptimismus hatte mir in dieser Sache einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch wenn man sowas sieht, es einordnen kann, dann ist es was anderes, wenn es jemand amtlich macht.
Dieser Termin hier ist so quasi wie ein Blitzerfoto. Da kannste nix mehr verdrängen, wegschieben leugnen, vor Dich hin hoffen, das es nicht so ist, wie es aussieht. Ab jetzt haben die „kann“´s eine ganz andere Bedeutung.
Ich habe im Auto drüber nachgedacht. „Das kann sich verwachsen.“.
Toller Satz. Beinhaltet, das es sich auch nicht verwachsen kann, aber man nimmt den so gern als:
„Datt geht wech.“
Und wenn man dann begreift, wie man eigentlich zu hört….das man nur hört, was man hören möchte und damit dann mal endlich aufhört, dann hat man ´ne Grundlage, auf der man weitermachen kann.

Arbeit ist klasse!

Sowas von Klasse! Ich muss jetzt in der Spätschicht-Woche jeden Tag um elf im Zug sitzen und bin abends um halb zwölf wieder zuhause.
Und ich muss das, weil andere mit einem 35 Stunden -Arbeitsvertrag ja 54 Stunden arbeiten und ICH habe ja das Previleg , nur jedes zweite Wochenende arbeiten zu müssen und sogar ein Schichtschema.
Wow, geht es mir gut!
Und andere haben viel mehr Überstunden und deshalb muss  ich jetzt mehr arbeiten wegen der Gerechtigkeit und wegen dem Betriebsrat.

So.

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Ich bin geliefert. Bin ich echt.
Nee, nicht weil Olaf mal eben Lucy jagt, wenn sie ihn anfaucht. Treppen sind noch nicht so seins, also ist sie zack weg.
Lutz jagt er nicht, die findet er toll.
Auf dem Bild pennt er grad. Er hat Minis Zelt annektiert. Und die ist nicht mal sauer.
Okay, alles meine Skripte sind angefressen, aber: Selber Schuld, wenn man die unten lagert.
Aber damit kann  man ja noch leben.
Ich bin jan un schon erstaunt, das dieser kleine Hund nicht reinlullert. Ich meine, ich bin froh. Wer wäre das nicht. ABER: Dieser Hund geht auf´s Katzenklo. Was´n das für´ne Nummer?
PS: Ich habe grade mal gegoogelt, weil ich gerne wissen wollte, ob es was verhaltensphysiologisches gibt oder….
Da finde ich lauter Beiträge, in denen die Leute genau das, was Olaf macht, ihrem Hund beibringen wollen.
Was´n das für ´ne Nummer? Das doch ein Hund und keine Katze.

Olaf

Tja, wie das Leben so spielt, ich hab mich an den Herrn Peavy seinen Rat gehalten und einen Mops geholt. Eine Freundin hatte mir noch einen Link per Mail geschickt, der zu einer Anzeige führte,  in der jemand Schäferhund – Labrador-Mixe zu Kauf anbot, aber da hatte ich beim Stöbern in ebay-Kelinanzeigen schon Olaf entdeckt.
Ich schrieb meiner Freundin, das ich weder Schäferhunde noch Labradore leiden können und den Link zu Olaf, der Labrador -Schäferhund-Mix angepriesen wurde.
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Olaf sollte lt dem ersten Telefonat 9 Wochen alt sein und eben Labrador-Schäferhund.
Ich bin dann mit A. und E. dort hingefahren. 140 km eine Strecke in ein kleines Kaff bei Dessau. Wir haben die versteckte Strasse auch gefunden und standen vor einem grün bespannten, undurchsichtigen Zaun und wurden schon von zwei Frauen erwartet.
Auf einem nagelneuen Hof lief ein einzelner dicker Welpe herum, nämlich Olaf. Ich stellte mich ordnungsgemäß vor, aber wie schon am Telefon sagte mir keine der Damen ihren Namen.
Dafür erfuhr ich dann, das ich die Mutter nicht sehen könne, weil die immer so ein Theater mache. Und das die ältere der beiden Frauen ja gerne  selber einen behalten hätte von diesen Welpen, sie habe zwei Labrador-Rüden, aber die würden keinen dritten akzeptieren. Mir wurde dann erklärt, das die Anzeige ja so nicht stimme, weil Olaf kein Schäferhund-Labrador-Mix sei, sondern ein Schäferhund -Pointer-Mix. Es kam so nebenbei heraus, weil die jüngere der beiden auf ihrem Smartphone Fotos der Eltern suchte. Sie meinte, es sei ja auch egal, weil die sähen ja eh aus wie Labrador-Schäfermixe….Und sie habe das halt reingeschrieben, damit sich nicht noch mal die meldeten, die sich bei der ersten Anzeige schon mal gemeldet hatten. Da waren wohl Käufer wieder abgesprungen.
Naja. Ich bezahlte. Als wir gehen wollten, bekamen wir einen Pedigree-Futtersack und eine gelbe Dose und eine Welpenfibel in einer Lidl-Einkaufstüte. Ich habe es mitgenommen, ich wollte nicht unhöflich sein. Man erklärte mir, es sei noch ein Mädel übrig, aber ich sagte nur, das ich das erste Mal seit acht Jahren einen Welpen ohne die Hilfe eines Altrüden großbringe und das muss erstmal gemacht sein. Ich fragte, ob er einen Namen habe. Nee, hat er nicht. Die ältere der beiden meinte, sie hätten ihn Bruno genannt, aber er höre klar nicht darauf. Also wieder sowas wie bei Lutz.
Sie seien am 4.7. geboren, ich solle mir diesen Termin merken.
Wir sind ins Auto. Groß E. mit dem noch namenlosen Olaf auf der Rückbank. Und fuhren, irgendwie verwirrt durch das ganze Ereignis.
„Ey, A.?“
Er saß auf dem Beifahrersitz. „Was´n?“
„Die hat doch gesagt, der ist am 4.7. geboren, oder?“
„Ja, hat die.“
„Dann wird der ja erst acht Wochen alt!“
Wir sind nach Hause und als erstes in so einen Zoofachmarkt hier vor Ort.
Ich habe alles gekauft. Auch Welpenmilch. Ich glaub mal so gar nix mehr. So. Und den Kram aus den gelben Verpackungen kriegt er auch nicht und er fällt nicht durch und futtert.

So. Olaf und ich versuchen das mit der Leine. Einfach ist anders. Autos machen ihm Angst, Busse, Harleys und an letzterem müssen wir echt arbeiten.
Heute mittag bin ich in das nahegelgene Waldstückchen. Auf meiner To-Do-Liste stehen jetzt Klamotten für Zuhause ganz neu. Meine Klamotten für Zuhause haben Dan-Clorix-Flecken, sind ausgewaschen und zu groß….Bei den anderen Frauen und es waren ausschließlich Frauen mit kleinen Hunden unterwegs…..
Eine davon erklärte mir einiges zu Hunden. Sie hat ja Welpenschule gemacht, so 10 Stunden und das war ja echt gut, und da habe sie ja gehört, das so ein Geschirr ja für junge Hunde nix is, weil die dann eine verbogene Wirbelsäule bekommen.
Was machen die Leute denn mit so einem blöden Geschirr?? Es als Griff benutzen?
Sie erklärte mir weiter, weil man ja dran ziehe.
Während dessen lief ihr Hund einfach immer weiter, wahrscheinlich einfach schon mal nach Hause.
Nun habe ich ein schlechtes Gewissen. Hatte ich mich doch gegen das rosane Halband mit Straßsteinchen für ein Geschirr entschieden, denke ich….das hätt ich wohl doch mal lassen soll mit dem Geschirr. Sehe ich doch die Leine als die Hand, die ich normalerweise Mini reiche oder auch aufzwinge, wenn ich mit ihr an der Strasse laufe.
C. ist nicht so begeistert von Olaf. Weil das ja kein Rassehund sei, sagt er.  Er hat ja noch weniger Ahnung als ich. Olaf ist klar ein Rassehund: Olaf ist eine Dessauer Wackelspracke mit nem Stammbaum bis zur Arche Noah, ist doch klar. Ist nur vergessen worden, aufzuschreiben. So nämlich. Und wenn Olaf nicht mit in sein Zimmer darf, dann schlaf ich auch im Wintergarten….

Schule

Never ending story. Heute war ich in A.`s Schule.
Hatte ich noch vorgestern mit der Sekretärin gesprochen und ihr mein Kommen angekündigt, stand ich heute vor verschlossenen Türen. Sie waren alle zu und es ging auch niemand ans Telefon.
Sauer, ich.
Am 13. Juli hatte ich einen formlosen Antrag gestellt, A. die Schule wechseln zu lassen – bis heute keine Antwort.
Dann habe ich noch einmal eine Mail geschrieben. Die Sekretärin hat mir den Eingang bestätigt und mir erklärt, sie habe diese ausgedruckt und dem Direktor auf den Tisch gelegt. Immer noch keine Antwort.
Und heute sollte ich vorbeikommen, um ihn einfach dort abzumelden.
Morgen ist Freitag, da ist niemand im Büro. Toll. Und heute war niemand da. Auch toll. Und Montag muss ich ihn an der anderen Schule anmelden. Vor der Spätschicht, da ist nie viel Zeit.

Ich war stinksauer und bin zu dem Schluß gekommen, das ich A. formlos abmelde und schriftlich per Post mit Einwurfeinschreiben und eine Kopie geht an den leitenden Schuldirektor des Schulaufsichtsamtes. Fertig.

Minimi

Das ist ein schwieriges Thema.
C. hat da so eine Erwartungshaltung. Er macht mir ihr Sport, damit sie sich genug bewegt, sie bekommt musikalische Frühförderung und er ist mehr als enttäuscht, das sie immer noch nicht sauber ist und das sie immer noch nur bis fünf zählt und das sie im Moment keine großen Entwicklungen hat, stattdessen viele Unfälle in der letzten Zeit.
Anfangs fiel sie im neuen Haus oft die Treppen runter. Und ich fragte mich schon, ob sie nicht Treppen laufen kann. Unser sozialer Wohnungsbau war ebenerdig.
Dann saß ich auf der Terrasse und sie wollte eine Topfblume in den Garten stellen. Ich konnte sie durch die Fenster des Wintergartens  sehen, als sie die untere Treppe hoch gelaufen war. Sie wollte über mein kleines Kräuterbeet hochtsteigen und streckte urplötzlich das linke Bein völlig durch, so daß es im rechten Winkel zum rechten auf Höhe der Hüfte war und saß auf dem Hintern. Sie weinte und ich war nur froh, das sie nicht die Betontreppe runtergefallen war.
Ich habe mir angwöhnt, wenn wir im Gespräch sind und sie plötzlich so einen Anfall bekommt, bei dem sie schmatzt, lautiert und die Augen verdreht, das vorher gesagte einfach noch einmal im selben Tonfall zu wiederholen, weil sie einfach nicht mehr weiß, worüber wir gesprochen haben. Seit dem muss sie nicht mehr abrupt weglaufen, wenn sowas im Gespräch auftritt.
C. ist heute einfach nur sauer. Er macht sich Sorgen, wei Mini heute Kinderturnen hatte und dort einfach nicht mitmachen wollte. Er hat es dann wütend abgebrochen und war den ganzen restlichen Tag nicht mehr ansprechbar.
Ich habe mir gedacht: Okay. Sorgen machen wir uns beide, aber anbrüllen lassen muss ich micht nicht.
Ich habe den Kindern Pizza gemacht und meine Mini bekuschelt und sie darf auch immer auf der Gartenliege in meinem Wintergarten einschlafen und ich mache ihr den Elektropüsterich auch an, damit es ihr nicht zu kalt ist.
Irgendwann kam C.. Er setzte sich zu Mini und streichelt ihr den Kopf.
Da habe ich ihm gesagt, wie ich es sehe.
Wir haben am 10. September den Termin in beim Kinderneurologen. Es ist nicht zu ändern, das, was jetzt ist. Ich kann es nicht wegmachen, nicht wegzaubern, nicht wegbeten, gar nichts. Ich kann damit nur leben und ich kann dieses Kind stärken, in dem ich es liebe, diese kleine Mädchen, in dem ich es tröste und vorsichtig achte, das ihr möglichst wenig passiert.
Sie ist in der Badewanne gefallen und die Beule an der Stirn hat 14 Tage gebraucht, bis sie wieder weg war. Und Mini hat Glück gehabt, es hätte ganz böse sein können. Ich weiß, dass sie Spaß hat, wenn eins ihrer großen Geschwister mit ihr badet oder auch Mama, und es fällt ihr gar nicht auf, das viel weniger Platz in der Wanne zum Hampeln ist.
Und wenn sie nicht studieren können sollte, dann ist das so. Unsere Tagesmutter kennt eine junge Frau, die das auch hatte und damit Krankenschwester geworden ist und heute, die junge Frau ist 25 , da sind diese Anfälle weg.
C. bemängelt, das Minimi so sehr zickig ist. Und ich nerve ihn, wenn ich nur sage: Ach, C., die ist grad dreieinhalb. Die muss zicken, bocken, wütend brüllen. Das ist wichtig und sie macht es doch gut.
Und bei allem ist doch positiv zu werten, das man sie aus dem Anfall wecken kann, in dem man einen Topf samt Deckel fallen lässt. Die blöden Edelstahl-Töppe passen nur so sauschlecht in meine Hosentaschen!
Das Leben ist doch nicht rum, nur weil man sowas hat.  Es ist anders, aber nicht rum. Und es kann immer noch alles anders werden.
Und alle Komplikationen, die auftreten können, die gucke ich mir dann an, wenn sie auftreten. Vorher will ich nichts wissen.

Ich suche einen Hund

Wir suchen einen Hund. Zu einer Familie gehört klar MINDESTENS ein Hund. Sonst ist das Rudel einfach nicht vollständig.
Was ich suche? Völlig einfach:
Wie sollte er sein? Ein Er bitte.  Die kleckern nicht alle halbe Jahr rum.
Ich hatte mal ne Dogge und da hatte das echt Ausmaße.
Also ein Er.
Und eine gewisse Größe sollte er haben. Ich meine, bei einem Bodybuilder sieht ein aprikotfarbener Zwergpudel witzig aus, bei mir nicht. Außerdem mag ich Pudel nicht. Die haaren zwar nicht, aber sie sind irgendwie doch weit vom Hund entfernt, so innerlich halt.
Einen Mops will ich auch nicht, ich weiß, wie die geboren werden und DAS finde ich gruselig.
Fellfarbe? Wenig weiß, kommt auf die Rasse an, aber am liebsten wenig weiß, ich mag es nicht, wenn die Haut in der Sonne zu Ekzemen neigt und weiß mit schwarze Punkte ist raus, weil wenn ich den „Arschloch!“ nenn, weil er sich so benommen hat, dann soll er das auch hören! Tanzen ala Walldorf, da hält der mich doch für blöd.
Weiter:
Was erwarte ich von dem? Keine Stöckchen-Macke, da krieg ich nämlich eine! Schäferhund ist eh ein Nogo. Für mich jedenfalls.
Was soll er denn nun können:
Er sollte eigentwillig sein, manchmal zickig, klug genug, um zu wissen, das man dem Kind das Würstchen nicht aus der Hand, klaut und intelligent genugt, es doch so zu tun, das nichts außer einem heulenden Kind überbleibt, weil die Wurst wech ist, aber kein Stück von der Hand.
Natürlich sollte er wissen, das der Zaun um den Garten auch für ihn gilt. Das sollte jedoch nicht unbedingt ein Hinderungsgrund sein. Allerdings erwarte ich außerhalb des Zaunes diese legere Art „Ich pinkel mal überdie Markierung vom Erzfeind und dann geh ich heim.“.
Wenn Freindschaften ausgetragen werden müssen und das müssen sie, dann bitte so, das niemand wirklich verletzt wird.

Und so ließe sich die Reihe fortsetzen.
Eine Kollegin hatte mir Akita Inu vorgeschlagen.  Die Beschreibung des Rasseprofils gernial, wobei ich ja ursprünglich lieber nen Bloodhound gehabt hätte.
Aber C und das Sabbern eben. Mir isses wurscht, is eher witzig, aber C.? Jedenfalls schau ich nach Aktita inu und ich kauf garantiert nix aus Tchechien. Und….ich brauch auch keinen Stammbaum bis zur Arche Noah zurück. Also bin ich auch nicht bereit, mehr als den Kaufpreis meines Autos für einen Hund zu bezahlen.
Bordeaux-Doggen sind auch was Feines, aber ich würde wahrscheinlich den ganzen Tag Muffins werfen, um das Gesicht schlabbern zu sehen….

Jedenfalls war ich heute im Tierheim um mal zu gucken. Und was schlägt der mir vor? Eine dreijährige verfettete Schnauzermischlingshündin. Der helle Terriermix, der wäre ja nix, weil der bleibt nicht allein und müsste dann raus in den Garten. Außerdem hätte der noch andere Macken….aha. Aber die Hündin ist nett. Ja, echt nett. Richtig nett.
Tja…..also geht die Suche weiter. Was ich nur nicht verstehe ist, dass in jedem Profil eines etwa einjährigen Hundes steht, das er keinerlei Erziehung genossen habe. Äh, hallo? Irgendwie habe ich das was falsch verstanden. Aber ich dachte bisher, dass so mim dreiviertel Jahr bis ein Jahr die Geschlechtsreife kommt und das Ding seine eigene Pubertät macht und muckt und NIX mehr von dem nutzt, was es mal gelernt hat.. Wie Menschen in dem Alter auch. Aber das bin ja nur ich.