Autor: safasadjida
In Mozarella ist Schwein.
Sagt Rahel, die muslimische Freundin von Groß E.. Da würde irgendwas aus dem Schweinemagen reingemischt. Ich habe das sogar extra gegoogelt…kann aber nichts entsprechendes finden.
Nun koche ich dauernd zum Sonntagsessen eine vegetarische Variante. Vegan habe ich mir verbeten, vegetarisch mühe ich mich. Allerdings habe ich Groß E. gesagt, das mir jedes Verständnis fehlt, warum man, wenn man doch vegetarisch lebt, warum man dann also Produkte aus Soja und ähnlichem braucht, die täuschend echt nach Fleisch schmecken…ich meine, man ist doch Vegetarier, also mit ohne Fleisch.
Natürlich genieße ich die neue Erfahrung im Kochen und würzen, fritieren von Käse in Panade oder Ausbackteig. Ich bin zu geizig, den fertigen Kram zu kaufen. Da ist immer so wenig drin und es ist sauteuer.
Jedenfalls kam heute Rahel. Nein, sie wolle die vegetarische Variante nicht mit essen. Sie wolle gar nicht, sie fürchte Schwein. DAS hat mich, die ich sogar verschiedens Kochgeschirr für die verschiedenen Varianten nutze, DAS hat mich in meiner Ehre getroffen. Nur, weil ich hundert Generationen Querulant, also Lutheraner bin, nur deshalb würde ich es niemals wagen, jemandem, der bestimmte Dinge nicht ißt, unter zu jubeln. Und dabei geht es nicht nur um Allergien, sondern auch um Respekt. …..Boah. Näh.
Völkerwanderung
„DAS eine Völkerwanderung.“ Omma ist irgendwie ob dieser Erkenntnis aufgeregt. „Japp.“
Wann immer sich die Familie trifft, reden wir über die „Flüchtlingswelle“. Dann sprechen wir auch über Ungarn. Den Zaun. Und ich frage dann regelmässig, was das werden soll mit diesem Zaun. Soll der letztendlich ganz um Europa drum rum und wir definieren „Wir sind draußen.“. Soll er mit Selbstschussanlagen und nem Todesstreifen bewacht werden oder hetzen wir Hunde?
Völkerwanderung – die gab es schon vor tausend Jahren. Sie kamen und wollten Land, um zu wohnen und zu essen. Okay, soviel Land haben wir nicht mehr und Söldner werden bei uns nicht beschäftigt. Auf ihrem Weg haben sie Kriege geführt – das wäre jetzt für mich keine wirkliche Option.
Ich mag den, dessen Namen ich vergessen habe, der in einer öffentlichen Diskussion gesagt haben soll, man solle die Menschen kommen lassen, sie kommen sowieso. Ich finde, dieser Mann hat recht.
Wie man „das Flüchtlingsproblem“ lösen sollen, weiß ich nicht. Ich finde nicht, das es ein Flüchtlingsproblem ist. Es ist ein Problem, wie man 800000 Menschen ernähren soll. Es ist ein Problem, wo sie wohnen sollen. Auch zum Thema Wohnen habe ich Omma befragt. Die war eine sogenannte Rucksackdeutsche. Sie ist fast empört darüber, das sich Flüchtlinge tätlich angreifen, Polizisten angreifen. Weil das macht man nicht. Jedenfalls sagte sie mir, dass man damals, als die Rucksackdeutschen kamen, das waren auch Millionen, das man damals eine Behörde für Wohnraumbewirtschaftung hatte. Diese Behörde ist durch die Städte und Dörfer gezogen und hat Räume annektiert, in denen zu viert, zu sechst oder auch mehr Vertriebene untergebracht wurden. Ich finde es interessant, das man seit gestern auf diese Idee gekommen ist, die Kommenden in leerstehenden Wohnungen untergebracht werden sollen, die man notfalls mit Zwang, falls die Besitzer nicht auf das Gesuch der Anmietung durch die Behörde eingehen, also notfalls für sechs Monate enteigne. Das wird interessant, denn das Haus neben uns steht leer, weil die Besitzerin im Altenheim ist und ihre Kinder nur tageweise herkommen….
In eigener Sache…
Hier war ich wenig.
Es war ein auf und ab. Nachdem ich von den Kreuzworträtseln über das Handarbeiten zum Lesen irgendwelcher Rosamunde Pilcher-Ersatze übergegangen bin und feststellen, das ich mich zwar über die Verspätung meines Zuges nach der Arbeit nach Hause ärgerte und Mitgefühl
für den Lokführer hatte, aber dennoch den Vor-Den-Zug-Springer bewunderte, bin ich zu dem Schluß gekommen: HIER muss sich etwas ändern.
Nachdem mir nun das Arbeitsamt schon letztes Jahr gesagt hatte, das es ein Lotto-Gewinn sei, einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu haben,
habe ich nicht nur elf Kilo Gewicht verloren und esse brav täglich mindestens vier Milka-Tender oder Puk-Schoko-Kuchen, und von dem Zeugs wird einem wirklich schlecht, einen Fertigkuchen mit angeblichen Äpfeln oder Kirschen, um mein Gewicht zu halten. Ich kann mir das nicht leisten, dauernd neue Klamotten zu kaufen. Die Haare sind gekürzt und dunkel, damit nicht so auffällt, das ich nur noch wenige habe, aber auf den rasierten Ansatz mit Miniplee auf dem Kopf habe ich dankend verzichtet. Dazu müsste ich das doppelte an Gewicht haben.
Das Heulen ist schon lange rum. Das gesunde Schlafen auch. Aber ich habe mir angwöhnt, einfach liegen zu bleiben und C.s Atemzügen zu zu hören, wenn ich nicht schlafen kann. Manchmal hilft, manchmal nicht.
Ich kann den Satz nicht mehr hören. „Ich weiß, Sie sind jetzt die falsche Stelle, aber…“ Und dann geht es los. Manche nur mit einfachem Schimpfen, das lässt sich noch relativ gut ertragen, aber manche erklären mir, wie dumm ich bin, was für ein Sauhaufen wir wären, und und und.. Ich kann es nicht mehr abfangen.
Wegen der kleinsten Kleinigkeit bin ich an der Decke. So kurz vor meinem Urlaub habe ich unendlich viele sog. Eskalationskunden, die drohen, wenn sie nicht das bekommen, was sie wollen.
Ich schreibe Bewerbungen und das ist nicht einfach, weil ich denke: Kannst eh nix.
Mein Kopf sagt, das ist quatsch, aber Ihr wisst, wie das ist.
Was für Leute!
Es ist Sonntag, wir haben grade warm gegessen. Ich hänge Wäsche im Hof ab, als mich klein E. holt.
Ich solle mal kommen, da stehe eine Frau vor der Tür, sie wolle mich sprechen.
Ich also zur Tür, weil ich hoffe, das jemand von Elke was gehört hat. Nee, geht nicht um Elke, geht um Felix, unsere Draußenkatze, die schon immer Draußen wohnt und jetzt in die Jahre gekommen ist. Dürre, rupfig, ohne Zähne und wie jede anständige Draußenkatze zig weitere Futterstellen.
Die Frau vor der Tür stellt sich nicht vor, sie fragt nur, ob ich mich dran erinnere, das sie Fotos von Felix im letzten Jahr gebracht habe. Ja, kann ich, habe ich schon damals nicht verstanden.
Und jetzt sei sie ja da, weil die Nachbarin sich Sorgen mache.
Aha.
Ja, weil der Felix so sabbere.
Aha. Der ist alt, näh?
Ja, aber die Nachbarin hat sie halt gefragt, ob der krank ist.
Aha. Der hat keine Zähne mehr und bei lecker Essen sabbern alle.
Ja, ob der krank ist.
Nee, ich habe zwar viele Kinder und viele Tiere, aber deswegen ist der nicht krank. Der ist alt.
Sie fängt an, von ihrer Katze zu erzählen. Sie hat ja auch eine…
Schön. Ich muss rein, ich habe morgen Schicht.
Tür zu.
Jetzt ist es langsam wirklich gut. Erst füttern sie ihn an, um mich dann anzusprechen, ob der nicht gefüttert wird, und jetzt das. Es reicht, Freunde, aber voll und ganz!
Wunder passieren nur einmal.
Das stand auf dem Zettel, den ich auf den Herd gelegt habe, bevor ich nachts schlafen ging. Auf den Herd lege ich immer alle Mitteilungen während der Spätschichtwoche.
Donnerstag kam ich nachts von der Spätschicht und die Wintergartentür stand auf.
C. rannte durch die Küche in den Wintergarten.
„Gott sei Dank, Lutz ist noch da!“
Lutz schon, aber Elke ist weg. Einfach weg. Raus aus der Tür. Meine Mutter war abends da, auf Elkes Platz auf dem Schreibtisch lag irgendwelcher Kram, den sie mir mitgebracht hatte, nur kein Elke.
Von Wütend bis traurig…alles durch.
Wie sagte eine Freundin? Sie habe das auch schon mal gehabt, wenn ihr welche entbüchst seien. Ich solle mir keine Sorgen machen, die ihren standen nach einer Woche wieder vor der Tür.
Meine Mutter meinte, Elke hätte das entschieden.
Ich sage zu dem ganzen Kram nichts mehr. Wozu auch? Elke ist ne Katze, der hat uns nicht mal wirklich wieder erkannt und war noch nicht mal angekommen.
Ich gehe einfach mit F. sonntags morgens in den Wald, Kräuter sammeln, sondeln, der Hund einfach dabei…..
Zufälle
Zufälle gibt ’s nicht, hat mal jemand gesagt. Würde ich jetzt so nicht unterschreiben.
Letzte Woche Donnerstag komme ich von der Arbeit und irgeneiner dieser Trullies aus meiner Familie hat das Mittwochs-Kostenlos-Blättchen offen auf dem Esszimmertisch liegen lassen.
Ja, da sind auch die Tierheimnachrichten drinne und gucke ich hin und wieder an.
Da ist eine circa vierjährige Katze abgegeben worden. Wahrscheinlich schon sterilisiert. Wer sie kennt und/oder vermisst, der solle sich doch melden.
Ich bin erstaunt und zeige C. das Bild. „Guck mal! An wen erinnert Dich die Katz“
„Sieht aus wie Elke.“
Er liest den Text und sagt, das es eine Kätzin ist. „Ach komm her auf! Was die immer sagen über die Viecher…kannste in die Tonne kloppen.“
Dabei denke ich an die Hündin, die ich mal im Tierheim gesehen habe. Und ich habe mir ganz viel anghört von dem Pfleger. Irgendwann wollte ich dann wissen, wie alt sie denn sei. Vier Monate, war die Antwort. Und während wir sprachen tropfte sie den Zwinger mit ihrer Hitze voll.
Warum ich C. letztendlich dazu bewegen konnte, das er dort einfach mal hinfuhr? Kann ich gar nicht sagen. Er versprach mir, am nächsten Tag mal gucken zu fahren.
Morgens im Zug guckte ich auf der Tierheimseite und fand ein noch genaueres Bild. Ich schrieb das C..
Er guckte selbst und ich bekam zur Antwort: „Ich bin um zehn sofort da! Das isser! Eindeutig.“
Auf der Arbeit gab ich Bescheid, das ich doch bitte, evtl. früher weg müsste, wenn ich zur Antwort bekäme, das Elke Elke sei. Fand nicht viel Verständnis bei meinem Gruppenleiter, aber …egal.
Jedenfalls ist Elke seit Freitag wieder zuhause. Wir haben 110 Euro bezahlt, weil er seit dem 2. Juni dort einsaß, was auch erklärt, warum so wenig Fundkatzen wieder abgeholt werden. Ne reine Tierschutzkatze kostet 60 Euro. Und ne Tierarztrechnung bekomme ich auch noch, denn sie haben ihn geimpft, gechipt, entfloht, obwohl er gar keine hatte, und entwurmt. Das er keine hatte, hat mir die Pflegerin erklärt.
Aber: Nach über einem Jahr ist der Arsch wieder zuhause. Und den hat, wie unser Omma gesagt hat, irgendwer mitgenommen, weil der ist rund wie eh und je.
"Mama hebt Gläser auf für `s Gelee…."
Das sang Grönemeyer vor Jahrzehnten und so wollten wir nie werden….und ich hebe Gläser auf für`s Gelee.
Donata putzt bei uns. Sie hält die Küchen in Ordnung, einen Teil der Blumen. ….
Ich komme aus der Pause und ich treffe sie in der Küchenecke der Abteilung.
Wir kommen ins Gespräch und reden darüber, das nach der Arbeit noch die Arbeit zuhause ansteht.
Ich sage ihr, das ich noch immer 20 Maschinen Wäsche pro Woche habe und sie will wissen, ob solche Peniblen sind.
„Sind wir nicht, nur viele…“
Und sie denkt nach und ich kurz auch und sie sagt, das in der Firma die Arbeit ist und zuhause.
„Ist das leben??“ fragt sie. „Ist DAS leben?“
„Ja“, sage ich. “ Das ist leben.“
Ich denke noch lange darüber nach, ob genau das das Leben ist, ob das leben ist.
Fahre nach Hause, mache die Wäsche und frage mich, ob das leben ist.
Und dann frage ich mich, was denn dann leben ist, wenn das nicht leben ist?
Auf die erste Frage von Donata finde ich schließlich eine Antwort. Nein, ich habe nichs wirklich verpaßt, auch wenn ich viele Orte dieser Welt nicht gesehen habe, viele Menschen nicht getroffen habe, viele Konzerte nicht gehört habe.
Leben ist genau das, was Donata, Desiree und alle anderen machen. Nach Hause kommen, die Wäsche, Essen kochen, den Haushalt….Das war vor Jahrtausenden schon so und ist auch heute noch so….
Kameradenschwein
Das Jahr geht nicht besser und wir haben erst Juli.
Letzte Woche öffne ich Sonntags FB und eine Kollegin teilt genauso mit, wie es ihr passiert ist, das ihr Mann überraschend gestorben ist am Samstag. Und sie bittet um Ruhe, weil sie sich außer Stande sind, persönliche Nachrichten zu beantworten, die Fragen enthalten, auf die sie selbst keine Antwort hat.
Ich hatte die ganze Nacht Alpträume…..
Am nächsten Tag auf Arbeit wird uns offenbart, das unsere Jobs auf der Kippe stehen. Scheisse.
Und die Kollegen diskutieren und diskutieren und ich arbeite und habe keine Lust auf diesen leidlichen Diskussionen, wer nun auch immer Schuld an der Misere sei. Und die Misere entsteht durch Konkurrenzdruck und weil wir einfach zu lange brauchen. Die anderen sind schneller….
Also arbeite ich, weil es da Einzige ist, was in dieser Situation Sinn macht.
Samstag komme ich zur Arbeit und werde von einem Kollegen aufgefordert, langsamer zu arbeiten. Ich müsse an die Kollegen denken, die nicht so schnell können. Ich solle zwischen zwei Aufträgen mal Luft holen….. da war ich dann durch. Indirekt hatte er mich als Kameradeschwein bezeichnet. Es ist ein Anlernjob. Es ist nichts gewaltiges, nichts großes, es muss gemacht werden.
Ich habe mit C. telefoniert. Gehofft hatte ich, das er sagt, ich solle nach Hause kommen und das dort nie wieder hin muss. Aber er sagte nur, meine Kollegen seien blöd und ich solle weiter machen wie bisher und wenn sie zu machen, bewerben wir mich bei der Konkurrenz.
Wieder Alpträume. Und Übelkeit vor Arbeitsbeginn.
Aber: Mutig vorran, der Focus liegt auf zuhause.
Ich sehe die Arbeit nur noch als Unterbrechung von Zuhause. Seit über den Erdbeeren im Vorgarten ein Netz ist, werden sogar welche rot.
Mini ist gut eingestellt mit ihrer Medizin und ist fürchterlich anstrengend, wie es so eine vierjährige tatsächlich ist. Keine Anfälle mehr, wir wollen es aber nicht beschreien.
"Wir lernen uns immer nur auf Beerdigungen kennen!"
Das ärgert Omma.
Am Sonntag bin ich mit der Verwaisten Mutter spazieren gegangen. Und wir haben uns unterhalten. Und haben festgestellt, das der Kleine Mensch, ihr Sohn, Berge verrückt hat. Und ich sagte ihr, das ich mir wünsche, das es weiter in diese Richtung geht, die er angestossen hat.
Sie sagte so kuhl, das sie schon gern mehr mit der anderen Schwiegertochter machen wollen würde und ich finde es klasse, wenn wir ein Schwiegertöchtersubnetzfamilienneztwerk aufbauen können.
Ja, Schwiegersöhne kriegen auch eins.
Weil ich so alt bin. Und Omma hatte unabhängig davon erklärt, das sie es leid sei, die ganze große Familie nur auf Beerdigungen kennen zu lernen.
Und jetzt machen wir im Juli ein Sommerevent. Meine älteste Enkeltochter hat Geburtstag und damit es mit ihrer Familie keinen Ärger gibt, feiern wir den nach. Mit allen. Mit der Mama der verwaisten Mutter, mit meinen Schwiegereltern und Omma. Also ein Rentnertisch.
Mit einem Schwiegertöchtertisch. Und einem Kindertisch für die Ableger von mir.
Und voll viel Dekoration und einer Geburtagstorte und Grillen, nicht die Viecher, sondern die dreibeinige Opferschale mit Holzkohlenglut für Fleischstückchen. Wie nennt Mini Kühe auf der Wiese? Rindfleisch.
Und dann werden alle genötigt, Telefonnummern zu tauschen. Jawoll. Und jeder kriegt nen Namensschild mit an die Brust. Mit Titel drunter.
Mein ältester Sohn kriegt eins mit „1, Sohn von Safa, Enkel von Omma“, Omma kriegt eins mit „Mutter von Safa, Omma von 1,2,3,4,5,6,7,8, Mini“ usw….Ich nehm nen T-Shirt und schreibe meine Titel auf meinen Rücken. K. hat schon gefragt, ob es Bier gibt. Ich habe ihm gesagt, das gibt es nur, wenn gegrillt wird. Fürs Fleisch. Er wollte dann wissen, für welches, da habe ich ihm gesagt, er kann ruhig welches trinken, aber nicht völlig besoffen sein. Das mag ich nicht. Es soll schön werden und kein Polizei -Einsatz.

