Schule

Guten Tag, Frau A.’s Mutter,

 

leider muss ich mich schon wieder melden, weil es neben verbalen Entgleisungen einen groben tätlichen Zwischenfall mit A. gegeben hat. A. hat heute in der zweiten großen Pause einen Mitschüler so geboxt, dass dieser eine Schwellung im Gesicht und ein blaues Auge davontrug. Außerdem war kurz vorher Frau Klassenlehrerin bei mir und berichtete davon, dass A. sie verbal beleidigt und sich ihr gegenüber völlig unangemessen und respektlos aufgeführt hat. Auf Grund der Vorfälle bin ich gezwungen, eine Klassenkonferenz einzuberufen. A. sagte mir, Sie haben heute Spätschicht und ich kann Sie jetzt telefonisch nicht erreichen. Bitte melden Sie sich umgehend, dass wir den Termin und alles Weitere absprechen können. Die Klassenkonferenz sollte so schnell wie möglich stattfinden. Der früheste Termin wäre nächste Woche Donnerstag (19. Mai 2016).

 

Wir verfahren wie folgt:

A. bleibt morgen und am Freitag zu Hause mit der Aufgabe, sich mit seinem Fehlverhalten auseinander zu setzen und sich zu überlegen, wie er die Fehler ausbügelt. Alles Weitere besprechen wir beide möglichst bald am Telefon und bereiten die Konferenz vor.

 

Mit freundlichen Grüßen

direktorin

 

 

Antwort Mutter:

Sehr geehrte Frau Direktorin,

es reicht.

Wir verfahren jetzt wie folgt: Ich informiere den Anwalt, werde rechtliche Schritte einleiten und alles öffentlich machen.

Sie haben morgen und den Freitag ebenso Zeit, sich über Ihr Fehlverhalten Gedanken zu machen..

Mit freundlichen Grüßen,
A.’s Mutter
Was sagt A. zu dem Vorfall:
In der zweiten großen Pause hatte der kleine Bruder seiner Freundin Ärger mit einem Neuntklässler. Dieser drohte dem kleinen Bruder, ihn „tot zu boxen“. A. mischte sich ein, bekam von dem Neuntklässler einen Schlag in den Bauch und schlug zurück.

 

Sehr geehrter Verleiher,

ich möchte nicht mehr. Vielleicht gibt es einen anderen Einsatzort mit weniger Verantwortung.

Verantwortung ist wirklich nicht so meins. Ja, es ist eine gute Arbeit, eine leichte Arbeit. Aber diese Verantwortung. Ich bin so dement. Hormonell oder altersgerecht, darüber mag ich keine Auskunft geben.

So vergesse ich dauernd Sätze meiner Kollegin. Insbesondere den „Sie soll das so dazwischen packen, damit man das nicht gleich sieht.“, wenn die zu kontrollierenden Teile nicht gut sind. Ich habe es auch schon mit Aufschreiben probiert, vergesse dann aber immer den Zettel im Büro.

Ich versuche wirklich ernsthaft, ganz doll, mich als was Besseres zu sehen und dem Werker alle Schuld an allen Fehlern zu zu schieben, aber es fällt mir schwer, ihn als Wurzel allen Übels zu sehen, wenn ihm bei achthundert Teilen pro Schicht ein Schlechtes mit durchrutscht. Ich empfinde es auch nach Wochen nicht als gerecht, ihm in diesem Fall mit Kündigung oder Abbestellen zu drohen. Ich finde ein solche Drohung immer noch als  asozial, zumal lange nicht mal das richtige Werkzeug zum Entgraten da war. Und auch diese Tatsache löste in mir keine guten Gefühle aus.

Auch die Unterstellung, der Werker lüge immer, der würde seine Arbeit nicht erledigen.

Ursächlich für meine Bitte ist das Erlebnis der letzten Nachtschicht. Ich bin als Werker los und wunderte mich, daß einer erfahrenen Kollegin das Band überlief. Am Ende der Schicht stand meine Maschine dauerhaft und ich konnte und durfte den anderen Kollegen helfen unter anderem auch ihr. Sie musste Weichkomponente an einer runden Ecke um diesselbe entfernen. Ein Ding der Unmöglichkeit, wenn es nicht abzupfbar ist. Und es war nicht abzupfbar.

Ja, und ich gestehe, ich gebe auch immer den Satz „Soll er/sie mal mit dem Fingernagel drüberkratzen, dann isses weg.“ nicht weiter, weil ich der festen Überzeugung bin, das wir uns im 21. Jahrhundert befinden und nicht mehr auf rudimentäre Werkzeuge angewiesen sein sollten.

Bei Löchern , die einen Hauch  Weichkomponente haben, den sie nicht haben sollen, mit dem Finger durch zu pieken, das finde ich nicht nur unhygienisch, sondern defintiv auch völlig daneben.

 

Ich nehme auch eine Kündigung aus betrieblichen Gründen.

Mit freundlichen Grüßen,

 

Körrie-Wurst-Affairs

Nein, kein Gammelfleisch und keine Noro-Virus-Epidemie einer versifften Kantine…

Wir hatten Audit. Also nicht wir, sondern die Firma, die so manches outsourced, wie es so schön heißt. Eben auch Arbeitskraft und dafür gibt es uns: Leiharbeiter. Ganz wenige sind noch richtig angestellt dort in unserer Schicht, wie es in anderen ist, weiß ich nicht.

Also Audit war, will heißen, ein Kontrolleur-Team rennt über drei Tage durch unsere Hallen zwischen unseren Füßen und beurteilt uns. Ist zwar nicht ganz so doll gelaufen, aber….aaaaaaaaaaaaaaaaaber, es hätte ja auch schlimmer kommen können.

Jedenfalls gab es an den Kaffee-Automaten,  am offiziellen Mitteilungsbrett und auf dem Schreibtisch ein offizielles Danke-Schreiben der Firmenleitung, in deren Hallen wir arbeiten, und eine Einladung zu „Körrie-Wurst-Pommes“ für die eigenen Mitarbeiter, also nicht für die geliehene Arbeitskraft.

Was hamse sich aufgeregt, die Leiharbeiter! Wir sind doch ein Team! Wir Leiharbeiter sind immer benachteiligt….

Das Argument, das VW zum Beispiel Software-Entwicklung aussorced und die ja auch keine Prämie bekommen, das kam irgendwie nicht in den Köpfen an. Das Argument, das wir nicht nur mehr Stundenlohn haben und mehr Schichtzuschläge, fand auch kein Gehör. Ebensowenig, das wir uns allein von dem Mehr an Stundenlohn pro Woche 2,5 mal Körrie-Wurst-Pommes kaufen könnten, wenn wir das wollten…

Mein Wochenende ist heute zu Ende. Ich muss heute in die Nachtschicht, weil Donnerstag Feiertag ist und unsere ganze Schicht mal eben ein kurzes Wochenende hat. Finde ich jetzt nicht so doll.

Und was meckern sie da? Immerhin bekommen wir drei Stunden Sonntagszuschlag. Aber 200 Prozent Feiertagszuschlag für Donnerstag wäre ihnen lieber gewesen und für den blöden Brückentag müssen wir Urlaub nehmen, wobei wir Leihies einfach extra-Schichten machen, damit am Ende des Monats der Lohn stimmt.

Mein Kollege, der die letzten acht Wochen jedes  Wochenende Sonderschichten gefahren hat, um mehr Geld für seinen Urlaub zu haben, ist am Freitag einfach umgefallen vor seinem Spind und mit Magenblutungen ins Krankenhaus gekommen. Jetzt ist nicht nur nix mit „mehr Urlaubsgeld“, sondern auch nicht mit Urlaub. Na, schönen Dank auch.

Ich habe keine Ahnung, was hinter diesem „Ich muss mehr haben, ich muss mehr Geld haben, ich will auch ne „Körrie-Wurst“ steckt. Vielleicht jemand von Euch eine Erklärung für diese Dramen?

Test im Internet gemacht- ich muss dringend an mir arbeiten

Wie viel Amok steckt in dir?

Zu 54 % sind Sie: Du bist noch unentschlossen. Was du aus deiner Situation machst, hängt ganz von dir ab. Amok oder nicht Amok – viel wichtiger ist, dass du die Augen öffnest und einen kritischen Blick auf die Gesellschaft wirfst.
Dieses Profil hatten 33 % der 2743 Quizteilnehmer! Profil A

Sie hätten noch das folgende werden können:
Zu 46 % sind Sie: Es kommt, wie es kommen muss. Alles deutet darauf hin, dass du amokgefährdet bist. Du hängst schon viel zu tief drin – zumindest sind das die Vorurteile, die von den Medien propagiert werden. Lasse dich davon nicht beirren und bleibe dir selbst treu!

Stay different! Profil B

Oder aber auch:
Zu 0 % sind Sie: Du und Amok? Niemals!

Herzlichen Glückwunsch: Du bist „normal“. Freue dich deines Lebens! Profil C

Quelle: http://www.testedich.de/quiz27/quiz/1258658427/Wie-viel-Amok-steckt-in-dir

Wenn Recht zu Unrecht wird…..

Unrecht mit Unrecht vergelten, bringt noch lange keine Gerechtigkeit.

Das ist eines der ersten Dinge, die wir lernen.

Soweit so gut. A. begegnet mir in der Stadt. Ein bis dahin wirklich schöner Tag. Ich habe festgestellt, daß meine Kollegin in meiner Abteilung, die mir das Leben schwer macht, einfach nur überfordert ist und sie nicht alle hat.

Die ehemalige Party-Schönheit, die bei uns arbeitet, mir nur leid tut und habe mir einen Kaffee in der Fußgängerzone gegönnt während der einzigen Sonneminuten dieses Tages.

Als ich, bewaffnet, mit meinem Mini-Blümchen für die Terrasse, nach Hause watschele, holt mich A. ein.

Die Polizei habe ihn aus dem Unterricht geholt und befragt.

„Was??“

Doch, sie seien in die Schule gekommen und hätten ihn rausgeholt

Es war Herr R. aus Vienenburg. Den Namen wußte A. nicht und er musste “ ganz viel unterschreiben“.

„Was hast Du unterschrieben?“

„Das ich meine Rechte verstanden habe und sowas…“

Mutter Handy raus, Internet auf und in Vienenburg angerufen.

Der den Anruf entgegenehmende Beamte stellt lieber ganz schnell durch.

Ich frage erneut nach, ob es stimmt, das er meinen Sohn von zwei unifomierten Beamten habe aus dem Unterricht holen lassen.

Er bejaht meine Frage.

Ich frage nach, ob ein Haftbefehl vorlag oder Gefahr im Verzuge.

Nein, lag nicht vor. Aber wir wären gestern vorgeladen gewesen…

Ich falle ihm ins Wort.“ Wir müssen nicht kommen.“

Das stimme, aber „er bringe gern Sachen zu Ende“.

Ich frage nach, ob ihm klar sei, das A. vierzehn ist und ohne das Beisein seines gesetzlichen oder rechtlichen Vertreters gar nicht befragt werden darf?

A. sei ja so ein kooperativer Junge….

Ich erkläre ihm, das ich meinen Anwalt anrufe.

„Tun Sie, was Sie denken“, sagt er.

„DAS mache ich auch. Einen schönen Tag noch.“

 

Anwalt ist angerufen. Montag fahre ich hin. Dafür mache ich gern Überstunden. GERN.

Wann stellt dieser Staat eigentlich wieder Menschen ein, die sich an Recht und Ordnung halten, vor allem dann, wenn Sie bei der Polizei und Justiz arbeiten wollen?

Liebe Edeka-Markt Minden-Hannover GmbH,

heute kam Post von Euch.

Ihr fordert meinen Sohn D. auf, aufgrund eines von ihm unterschriebenen Schuldanerkenntnisses nach einem Ladendiebstahl Euch 100 Euro zu zahlen.

Soweit so gut.

Blöd nur, er hat das nicht unterschrieben.

Wer also unterschreibt solche Sachen bei Euch? D. ist minderjährig. Und ich habe ein amtliches Dokument mit seiner richtigen Unterschrift. Lasst Euch doch bitte das Geld von dem überweisen, der das Schuldanerkenntnis unterschrieben hat. D. war es jedenfalls nicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Mutter von D.

Ein schwer einzuhaltendes Lebensmotto

„One evil action a day keeps the psychiatrist away.“ ( Jens Weidner)

Nach dieser F-Woche werde ich daran arbeiten.  Ich bin respektlos. Also nicht völlig, aber irgendwie kriege ich das mit dem Respekt für Leute in bestimmten Positionen, nur weil sie in diesen Positionen sind, nicht hin. Es klappt nicht. Nicht mal beim Pabst. Da habe ich Respekt vor dem Menschen, der den Pabst-Job macht, aber nicht vor dem Pabst-Job an sich. Und der Pabst hätte den gleichen Grundrespekt, wenn er nicht das Mäntelchen und den Stock hätte. Und wenn der Mensch, der den Pabst-Job macht, Scheisse ist, dann hätte er einen Anspruch auf Höflichkeit, mehr aber auch nicht.

Daran werde ich nicht arbeiten, denn immerhin kriegen alle Vorschuß an Respekt und zwar weil sie sie sind. Und wenn die das dann versauen, dann ist alle.

An meiner Arbeit ist nichts auszusetzen, aber meine Art, die geht ja mal gar nicht. Ja, es tut mir leid, das ich einfach  zwischendrin singe. Ich dachte bisher, der Lärm der Maschinen würde es überdecken. Und im Übrigen hat es schon meine Mutter nicht geschafft, aus mir einen anderen Menschen zu machen und da war ich noch sowas von verziehbar, also…wieso sollte das jetzt eine Firma machen?

Ja, und ich langweile mich, wenn mir Sachen fünf mal erklärt werden. Aber ich soll froh drüber sein. Ich habe mir billige T-Shirts gekauft. Auf eins kommt mit Stofffarbe „froh“.

Mir ist gesagt worden, dass ich nicht zufassen darf, wenn Hilfe gebraucht wird, sondern zum Schichtführer gehen muss und das sagen, mehr nicht. Ich gehöre jetzt zur Polizei der Schicht. Ich werde mir eine Bommelmütze stricken, in silber und grau mit einer blauen Bommel drauf. „wiiiiiiiiou wiiiiiiiiiiiiou wiiiiiiiiiiiiiiiou“

Ich soll Respekt den Kollegen zollen, die schon drei Jahre in der Postion sind. Und  ich darf schon ganz lange mein Motto „Das kann man schaffen, “ sagen, weil es die übergwichtige 185 Kilo-Kollegin nervt. Wer mit mir Scheisse umgeht, wird höflich behandelt. DAS war´s. Wer Untergebene Scheisse behandelt, kriegt den Mittelfinger.

Mir wird der Mund von meiner Kollegin verboten. Und wenn ich dann denselben halte, werde ich aufgefordert, was zu sagen. Gibt es was zu sagen? Nö.

Aber ich werde mir jetzt das neue  Lebensmotto aneignen.

 

Update: ich soll Respekt zeigen. T-Shirt bestellt mit dem Wort „Respekt“ auf dem Rücken. Zeige ich, Anforderung erfüllt.