Der Wäschekeller oder Frau Holzmann erklärt Frau Darjeeling und mir den Krieg

Tante Herbote hatte mich ja darauf aufmerksam gemacht, daß es eben jenen Trockenraum im Keller gibt, genau genommen zwei.
Allerdings monierte sie, das die Regel, jeder darf sich in einen Kalender eintragen, längstens für drei Tage, es sei denn, es kommt niemand mehr dahinter, nicht mehr funktionierte.
Bei der Dauernutzung des großen Wäschekellers hatte sie glkeich Frau Darjeeling von obendrüber ausgemacht, die sich ja nicht mal eintrug in die Liste. Meine Güte, gut, das Tante Herbote nicht weiß,  daß ein Österreicher fürs Ozonloch verantworltlich ist……aber der Wäschekeller ist sicherlich in der kleinen Welt hier durchaus mit dem Riesending vergleichbar.
Kein Problem, dachte ich mir und trug mich ratzifatzi in die Liste ein. Leider  merkte ich mir wieder mal einen Tag zu spät und Frau Darjeeling stand schon für den nächsten drinne, so dass ich mich kurzerhand für den kleinen, den zweiten Wäschekeller eintrug.
Der musste allerdings vom Hausmeister noch geöffnet werden. Das geschieht in der Regel dadurch, das er durch das Haus geht und die Nutzer, die wieder mal nicht eingetragen waren, auffordert, den Raum leer zu räumen.

Meine halbnasse Wäsche aus dem großen verbrachte ich in den kleinen und den Rest habe ich auch noch gleich fortgemacht.
Als ich nun gestern morgen am Kalender vorbei in den Wäschekeller ging, da hatte sich Frau Holzmann durchgehend vom 21 bis 31. November eingetragen. ZEHN Tage am Stück, wo man doch nur drei darf!
Das , Frau Holzmann, das bedeutet KRIEG! Der Hausmeister tut mir jetzt schon leid, weil ich keinesfalls wie Frau Darjeeling das einfach so hinnehme, ist doch klar, oder?
Immerhin habe ich Tante Herbote schon den gefallen getan, das sich langsam alle wieder in die Pläne eintragen. Ich finde, das ist eine gute Tat genug.

Tante Herbote

Als ich Kind war, da gab es all diese Kriegswitwen oder diejenigen, deren Verlobte oder Verliebte im Krieg geblieben waren und die danach irgendwie nie wirkich ein Deckelchen gefunden hatten.
In der Sackgasse, in der ich groß wurde, da machten einige Vermieter ein gutes Geschäft, klitzekleine Wohnungen mit seltsamem Schnitt in Altbauten  an eben diese zu vermieten….In der Synagoge wohnte Frau Müller mit ihren drei Söhnen, daneben die Griechen, die bei Kamax und in der Schneiderei am Kaiserteich arbeiteten….. Gegenüber Familie Bohn, mit Großeltern und dem leisen Vater von Ingo und Birgit und natürlich der Schenzny, der sicherlich anders geschrieben wurde und noch bis in die siebziger ein Milchgeschäft, ja, ein richtiges,  in meiner kleinen Sackgasse betrieb. Und Bäcker Mehl, der Ende der siebziger seine Bäckerei gegen einen Kiosk tauschte. Ja, ne richtige Kleinstadtidylle, wo die Menschen bei der DeteWe noch arbeiteten, bei der Fuba oder bei der Post….
Jedenfalls waren wir Kinder nie unbeobachtet., wenn unsere Eltern auf  der Arbeit waren, denn nicht nur zu Marion kam mittags immer der Opa, sondern am frühen Nachmittag, direkt zwischen Mittagessen und Kaffee, da saßen sie bei jedem Wetter im Fenster, diese Kriegswitwen und alleingelassenen Damen mit und ohne Kinder ……
Uns gegenüber wohnte Tante Herbote. Neben Tante Herbote  wirken auch heute noch ihr Sohn mit Familie völlig unscheinbar und alle aus dieser Familie waren genauso wie Strenischs mit ihren beiden Anstandskindern so artig, leise, nett und adrett, alle eben….bis auf Tante Herbote.
Tante Herbote war immer da. Meine früheste Kindheitserinnerung war kurz nach dem Umzug in das Haus, das bis zum bitteren Ende der Bank gehörte, ich schlief in dem kleinen Kinderbett, es gewitterte, meine Eltern waren nicht da und irgendwann in der Dunkelheit hörte ich  zwischen dem Donner und meinem Gebrüll über die Straße ihre Stimme, die mich rief, ich solle doch mal ans Fenster kommen und gucken…..
Es hat sicherlich eine ganze Weile gedauert……..aber ich habe geguckt, sie hatte so ein weißes Nachthemd mit Blümchen an und saß an ihrem Fenster. Tante Herbote sagte mir, ich solle keine Angst haben, es sei bloß Gewitter und ich solle wieder ins Bett. Bin ich dann auch. Angst hatte ich trotzdem. Da war ich vier.

Wenn ich morgens in die Schule ging, dann saß Tante Herbote am Fenster, wenn ich aus der Schule kam, war sie da und ging erst vom Fenster weg, wenn ich ihre Enkelin Heike mitbrachte, die dort bei ihr wohnte. Aber…..und das, so denke ich, war ihr echter Vorteil, wenn wir Kinder uns trafen oder ich samstags zum Einkaufen für die Mama ging, dann saß´sie da und jedesmal,  wenn sie mich sah, fragte sie: „Wohin gehst Du?“
Und damit waren auch immer meine Eltern informiert……..
Bis ich hierher zog, bin ich davon ausgegangen, daß die Tante Herbotes dieser Welt ausgestorben sind. Es gibt sie noch.  Tante Herbote wohnt neben mir!
Sie klingelt nicht mehr, sondern guckt in mein Küchenfenster und klopft dann da, wenn sie was will………Kann ich es besser haben, wenn ich nicht hier sein kann, aber meine größeren Kinder schon?
Was ich schnell gemerkt habe, ist, das Tante Herbote die Darjeelings aus dem Geschoß  über mich nicht mag. Weil Frau Darjeeling sich nicht einträgt in den Wäschekellernutzungskalender….
Das wird aufhören….Frau Darjeeling und ich ,wir tragen uns nämlich ganz neu ein. Und zwar wechselseitig. Ich denke mal, ich mache Tante Herbote damit einen Gefalllen……denn die anderen müssen sich jetzt auch wieder eintragen…..es kehrt zu seiner alten Ordnung zurück.
Nur das Klopfen am Küchenfenster, das mag ich nicth und das wir d auch nicht mehr vorkommen…..da kommt ne Weihnachtsdeko hin mit Hagebutten- , Tannenzweigen und Weihnachtsgedöns.

Countdown

Ich war lange nicht hier, aber Umzug, Vorlesungen und sechs Kinder, das überfordert selbst mich in der Aufrechterhaltung alter Gewohnheiten.
Wir haben die Wohnung gestrichen und die Fussböden mit einem Topfschwamm gescheuert;; der Mann vom Jobcenter, der guckt, ob eine Reovierung nötig ist, rief Freitag Morgen an…….nee, ich habe den Antrag schon früher gestellt, einiges früher…..naja, mit überall rumborgen hat die Farbe gereicht, C. ist einer wahrer Meister der Pinselschwingerei geworden.
Ich habe nicht nur gelernt, das sich in manchen Küchen auch nach dem Auszug noch genügend Lebensmittel in der Heizung finden, um einen Auflauf zu machen, sondern das man gar nich so häufig streichen sollte.
Wenn man nämlich als starker Raucher nur einmal in fünf Jahren streicht, dann hat man nicht so arge Probleme zu sehen, wo man schon gestrichen hat….
Das Mädchenzimmer besteht nur noch aus einem Etagenbett, der Wickelkommode und dem 4X4-Fach-Ikea-Würfel……an manchen Größen scheitert auch mein Kofferraum in der Brumsel. Meine Küche hat nur noch eine Spüle, einen Herd und einen Tisch, flache Teller, drei Tassen und Besteck, aber davon jede Menge….ein Zuhause ist das einfach nicht mehr.
Die Einbauküche von Omma braucht eine neue Arbeitsplatte……japp, am Ende ist das Stichesägenblatt abgebrochen und es  sah einfach nur Scheisse aus. Und weil ich auch die Längen wieder nicht in den Hausfrauenbomber bekomme, ebenso wie dem DrumrumSchrank vom auch nicht……aber ansonsten passt ne Menge rein.
Wir haben schon das Wohnungsschloß getauscht. Ja, hatte ich bei Anmietung besprochen, das ich das tauschen wollte, weil die Kinder jeweils auch einen bekommen sollten und die origininalen zur Schließanlage gehören. Ist mir zu teuer, wenn die den Verbaseln. Getauscht jetzt schon, weil freitag morgen der C. strich und dann klingelte es und der Hausmeister stand mit einem anderen Mann vor der Tür und C. war grade noch schnell genug, zu verhindern, das der Hausmeister selbstständig aufschloß. Nee, das mag ich nicht. Nur mal nebenbei.
So. Ich will mich heute mal an Aufgaben machen, ich muss noch zwei Zulassungen schreiben und wollte eigentlich in Mathe gleich mitarbeiten und Info III auch, damit ich nicht wieder an den Klausuren scheitere…

Update

-Klausur geschrieben. – Okay, das war´s nicht.

– Am Wochenende den ersten Schrank zerlegt, einen der in den Müll geht und die ersten Kisten gepackt, Schuladen durchsortiert.

-Montag,  wieder mal so einer, von dem man weiß, wie die Woche anfängt, so endet so. Heute bin ich mir mal wieder sicher:
Stümmt!

– Die ersten Vorlesungen sind gelaufen und sie sind total schön. Einfach nur schön. Geht man gerne hin und: Sie stellen sogar ein 
Skript ins Netz. Ich fühle mich im Moment wie im siebten Himmerl! Zeitnahe Skripte ist absoluter Luxus pur, die gibt´s sonst nur
als fertigen Foliensatz und meist auch noch mit Lückenfolien…..und in der Mathematik eigentlich gar nicht.

– Farbe gekauft, modisches Weiß , um das Desaster der neuen Wohnung in einen annehmbaren Zustand zu bringen.  Die Küche
muss heute dran glauben, weil die Küchenmöbel unten aus dem Flur weg müssen bis Samstag. Herbstfest ist.

Liebe Telekom,

da klingelt mein Händie mit ner 0800er Nummer und eine liebliche Frauenstimme Eurer Vertragsabteilung säuselt mich voll.
Es dreht sich man um meinen Händievertrach.
Nuja, kann man ja mal zuhören, immerhin isses ja meiner und so….
Smartcard, ob ich denn schon darauf aufmerksam gemacht wurde….
Also Smartcard kenn ich ja von Ommas Freundin und diesen Fernsehfritzen,die auch in Telefon und Internetz machen, was nie wirklich funktioniert, von dem Reziewer.
Aber ich frag lieber mal nach, ich will mit meinem Telefon nicht fernsehen….ich möchte damit was ganz ungewöhnliches machen, richtig ungewöhnliches, nämlich : T E L E F O N I E R E N.
Nun frag ich sie also und sie erklärt mir was von Megaflatrates und auch aussem Ausland, also wenn ich da bin, was und wie wenig ich da bezahlen muss und sogar so und so lange gar nix…..na, wenn Schwiegershausen auch zum Ausland gehört oder Hattorf, dann fahr ich meinen Sperrmüll immer die 40 Km zur Müllkippe, um mal im Ausland telefonieren zu können..
Und in Osten, also einmal übern Harz, da fahr ich ja nun auch nicht so oft, obwohl ich das total schön finde, nur meine Familie, die mag keine alten Häuser und Schlösser und allein fahr ich da ja nun auch nicht.
Ja, aber ich kann ja diese Smartcard, die mich nur, man lasse es sich auf der Zunge zergehen, 19.95 Euro zusätzlich zu meiner Vertragsgrundgebühr kostet, da kann ich mitmachen, was ich will, das interessiert die nicht. Ich kann die selber nutzen, oder in der Familie weiter geben und diese Freiheit, die hab ich mir genommen: Damit machen, was man will. Ich nehm die GAR NICHT. Ich finde, es reicht, wenn ich mich vom Handie auf meinem eigenen Festnetz anrufen kann, ich muss da nicht noch die Möglichkeit haben, mich auf einem zweiten Händie selbst anrufen zu können.
In diesem Sinne…

PS: Ich würde mir wünschen, das Telefonverkaufsberater doch über eine gewisse Sicherheitbei der Benutzung von Artikeln und Fällen, explizit Genitiv und Dativ, verfügen würden. So ist das keine gute Grundlage für ein Verkaufsgespräch und ich weigere mich schon bei meinen Kindern, ihnen weiter zu zuhören, wenn sie das Schulhofdeutsch meinen hier sprechen zu müssen. „Isch Bus.“ Ja, mein Freund, ich bus dir gleich auch was…

Einzeln kann jeder……

was ist erreicht:
Das Bafög läuft nahtlos weiter. Das muss man noch mal lesen, aber ich schreibe es jetzt nicht noch mal.
Freitag Klausur.
( Erst war sie von zehn bis zwölf im Raum so und so, letzte Woche sollte sie dann von 13 bis 15 Uhr in einem anderen Raum kommenden Freitag sein und seit gestern nun  ist sie wieder von zehn bis zwölf in einem noch anderen Raum. Ich hab schon jetzt keine Lust mehr.)
Der Laster ( ja, ich weiß, jeder hat ein Laster und meiner is blau) ist gebucht.
Die Vorlesungen gehen Montag los, irgendwo zwischendrin brauche ich den Schlüssel für die neue Wohnung…..und renovieren, das Zeugs muss ich noch kaufen und Zulassungen schreiben…wird lustig.

Aber: Kaum ist ein Hucken weg, da kommt der nächste. Die beiden Mädels, letztes Jahr erst durch einen Umzug auf die jetzige Grundschule gewechselt, sollen schon wieder die Schule wechseln, weil die neue Wohnung in einem anderen Schulbezirk liegt.Wie wenn ich mir aussuchen könnte, in welchem Stadtteil ich leben will.Sie müssen also umgeschult werden, weil, und das war letztes Jahr noch nicht, aber dieses Jahr isses so: Jetzt sind alle Grundschulen Ganztagsschulen. Aha. Also kommt wieder das ganze Theater aus dem letzten Jahr auf mich zu, Kinder ziehen nicht so gerne um. Maaaaaaaaaaaan, ich will nach Hause.
Schnell mal den Antrag auf Ausnahmegenehmigung fertig gemacht, weil …muss ganz schnell und mega dringend…
und jetzt geh ich wieder lernen…

Immer von hinten links, wenn man nicht irgendwie drauf vorbereitet ist….

kommt diese Nachricht. Da bin ich mit E. aus dem Edeka zu C. , noch den Zucker vorbeibringen, den er vergessen hat und eine Tüte Chips einfach mal so und ich seh in seinem Gesicht. Er kann es mit nicht sagen, mit nur die SMS zeigen, die er mir geschrieben hat, die ich nicht mal gelesen habe, weil nicht gehört im Edeka. P. ist heute morgen gestorben,steht da. Sein Bruder.
Und man denkt, jetzt, genau jetzt müsste die Welt stille stehen, weil alles in einem selbst still steht. Aber sie steht nicht, nicht in dieser halbwachen Nacht…..und auch nicht am Morgen.
Nach schlechtem Schlaf wacht man auf, stellt fest, es ist wirkich so und wundert sich mit Kindermine, warum so unerbittlich die Sonne aufgegangen ist, der Kochgeruch nach schlechtem Essen an Feiertagen von der Nachbarin durch das Treppenhaus in die Wohnung zieht, die Nachbarskinder wie immer an freien Tagen schreiend  im Garten spielen……alles wie immer ist, wo es doch völlig anders sein müsste. Es ist aber nichts anders, die Erde dreht sich, unberbittlich geht jeden Morgen wie gehabt die Sonne auf……nur im eigenen Leben ist es ganz leise geworden und alle denken drüber nach, was sie hätten anders machen sollen, fühlen sich schuldig, wegen der fehlenden Weihnachtsgrüsse,   dem nicht gemachten Geburtstagsanruf und ich sage, weil ich nicht gut im Trösten bin, das so lange man den Menschen in seinem Herzen trägt, er nicht vergessen und auch nicht tot ist.

Und ich stehe in der Küche, koche Kartoffeln, nur den kleinen Topf, ich denke das wird heute reichen, mache den Braten und binde die Soße und komme mir komisch vor, so wie wenn es irgendwie falsch ist. Das Essen ist leise, leise wie sonst nie.