8ter Mai

Am achten Mai haben wir das Enkelkind beerdigt. Schöne Beerdigung. Das hört sich an, wie wenn man jedes Wochenende so ein Event würde haben wollen.  Mini war auch mit. Irgendwann setzte sie sich, während der Pastor sprach, zwischen C. und mich. Und ich ärgerte mich, das der Pastor, den unser Omma namentlich begrüßt hatte, einfach nur ein Standardprogramm runter betete. Die typischen Bibelstellen, aber vielleicht ist das so, wenn man viele Jahre im Amt ist.

Die Urne fand ihren Platz unter dem Sternenkinderbaum. Das Besondere am Friedwald ist, das so frühe Kinder dort einen kostenlosen Ort bekommen. Omma hat mir erzählt, das die Frau, die das Ganze in Schwung gebracht hat,  einen ähnlichen Fall in ihrem nahen Freundeskreis hatte und weil eben junge Familien nicht über große finanzielle Mittel verfügen, deshalb bekommen Kinder bis drei Jahre dort einen kostenlosen Platz.

Wir standen also um ein Loch mit Thuja drum rum, die kleine Urne war darin verschwunden, der Pastor sprach wieder Serienworte. Die Mutter der verwaisten Mutter weinte bitterlich wie die Mutter selbst und C. wurde von der Schwester der verwaisten Mutter schräg angeguckt, als er seinen Arm um mich legte. Mini spielte mit einem Stock und nach dem die verwaisten Eltern an die Seite getreten waren und einige andere vor der Urne hockten, wollte Mini auch hin und deckte Johann mit Rosenblättern zu, die in einem Eimerchen vor dem kleinen Loch standen.

Und wir standen da und ich dachte, das er jetzt eins ist. Das dieser Wald vor uns da war und nach uns da sein wird, und das er jetzt zum großen Ganzen gehört, darin aufgehen wird….Der Gedanke erschreckte so sehr, das ich ihn beiseite schob. Für solche Erkenntnisse nehmen andere Menschen Drogen, machen esoterische Kurse und Reisen und ich stehe auf einer Beerdigung und denke über die Zersetzung der Kinderurne nach.

Mini musste noch mal hin, kniete sich neben das Loch, guckte rein und wischte dann die Rosenblätter, die noch auf dem Rand lagen, auch hinein. Ich holte sie fort und erklärte ihr, das Johann jetzt dort schläft, bis in alle Ewigkeit und bis zum Anbeginn der Zeit.

Im Auto wollte Mini wissen, wann er denn wieder aufwacht der Johann und ich sagte ihr, sie solle auf das nächste Jahr warten. Dann sei er wieder da. Ich habe ihr nicht gesagt, das ich  hoffe, das die verwaisten Eltern dann den ersehnten Nachwuchs in Händen halten können.

Und ich weiß nicht warum, aber auf einmal ist alles anders. Das ganze Leben ist anders, fühlt sich anders an. Ich habe die Arbeit im Wirtschaftsausschuß der Firma aufgegeben.  Vielleicht sind einfach auch nur wir anders. Ich weiß es nich.
Zuhause ist auch anders.

Am Tag nach der Beerdigung war unser Omma bei uns. A. hatte einen Tag  vor der Beerdigung  Geburtstag. Wir saßen da, ich war nach der Beerdigung noch in die Firma zum Arbeiten gefahren, hatte nachts noch die Torte angefangen…wir saßen da , sprachen über den Rabharber, der dieses Jahr nix wird, über Strickmuster und Rezepte und saßen fünf Stunden zusammen im Esszimmer. Sie erzählte vom Chor, von ihren Nachbarn, die ihr das Leben zur Hölle machen. Ja, weiß ich, war schon vorher klar, das das wieder so enden würde, aber auch das ist egal.

Ich erzählte ihr von meinen Nachbarn, die der Meinung waren, unser Draußenkater würde nicht gefüttert und fütterten ihn.  Als sie mich ansprachen, sagte ich ihnen, das ich mir schon gedacht habe, das er ne Mitfreßgelegenheit hat. Aber ich nicht gedacht hätte, das man glauben würde, er würde nicht versorgt. Er ist uralt und sprakelig dünn. 
Und nun frißte er wieder sein Lidl-Futter namens  Suffle mit Rebhuhn und noch irgendwas Teurem, nur nicht in Rind, seine fünf Kartons voller kleiner Schachteln in voll Edel-Design pro Woche….
Vor Idioten ist man nie gefeit.

Das Leben geht weiter….einfach immer nur weiter. Ich weiß, das die Mutter erwartete, das die Welt stehen bleibt. Das erwarten wir bei solchen Katastrophen immer. Immer wieder und wieder geht unbarmherzig die Sonne auf und einer neuer Tag beginnt.
Ich habe den beiden verwaisten Eltern gesagt, das das Einzige, was hilft, das Zurück ins Leben ist. Ab in die Normalität, ab in die Arbeit, zwischen die Wäsche und das Essen kochen.
Wie sagte meine Uroma immer: “ Es muss doch weiter gehen!“ Die hat zwei Kriege überlebt und den Kaiser in Berlin gesehen, als der durch die Stadt geritten ist.
Ja, es muss weiter gehen.
Und sie sagte meiner Mutter nach dem Suizid meines Vater, sie solle die blöden Tabletten weglassen, statt dessen lieber arbeiten, wenn sie nicht schlafen kann. „Nu, was soll es denn werden?“ Das wollte sie von meiner Mutter wissen, die ihr erst gar nicht hatte erzählen wollen, wie es zum Tod meines Vaters kam.
In jungen Jahren war ich ihnen böse, weil es schwer ist, ins Leben zurück zu finden. Heute weiß ich, das sie mir damit mein Leben gerettet haben.
Ich habe viel böse Worte geerntet, als ich meinem Sohn sagte, sie sollten wieder los. Ganz viele böse Worte. Aber letztendlich sind sie wieder los.  Es ist doch das Einzige, was wirklich hilft.

Es platzt bald!

Nachdem nun der Vater aufgetan ward und über keinerlei Ausweispapiere verfügt, hat nun die Stadt doch noch einen Paragraphen gefunden, wonach ich alleine für die Reisepässe der Jungs unterschreiben kann.
Supi. Ich in der Schule die Lehrerin gefragt, ob die Jungs in dieser Woche einen Vormittag mit zur Behörde können…nee, kanner nicht.
Danke auch. Und zwar, weil er derzeit nicht ordentlich in der Schule mitarbeitet und hormongesteuert doofe Anworte gibt und nur noch Bock hat, aus der Bahn zu laufen.
Die Stadt hätte ja auch sicherlich Nachmittagstermine. Klar, Donnerstag bis halb vier. Der Junge hat bloß da acht Stunden Schule und ich meinen nächsten freien Donnerstag in vier Wochen.
Ich könnte ja auch vorläufige Ausweise bekommen. Morgen fahre ich in die Schule. Und werde denen sagen, das ich das auch mache, wenn mir jemand sagt, wer die 50 Euros übernimmt, die das kostet. Und ob am Freitag die Beerdigung des Enkels auch für den betreffenden Jungen ausfällt, weil er sich ja grad nicht benimmt.
Lehrer gehen mir sowas von auf den Puffer. Ich habe mit dem Jungen noch nicht mal drüber gesprochen und sie hat es ihm gleich gesagt, das das ausfällt und das es ja vorläufige Ausweise gibt. Habe ich ihm gesagt, das wenn er morgen keine Fotos macht, er den vorläufigen selbst zahlt.

Warum hier im Moment nicht so viel passiert…

.Tja, warum passiert hier im Moment nicht so viel und dafür ganz viel im Leben? Ist vllt doch ein bischen zuviel im Leben, was da passiert.
Groß E. hat eine Beziehung mit einem Mädel. Gemeinsam haben sie sich die Arme aufgeritzt.

Ich bin seit Wochen bemüht, den Erzeuger von Groß E., Klein E., A. und D. zu finden, weil A. und D. mit dem Jugendrotkreuz  3 Wochen Kroatien geschenkt bekommen haben und ich Ausweise brauche. Mein großer Sohn ist auch fündig geworden, gestern endlich. Ich konnte auch mit dem Erzeuger telefonieren, allerdings war der nicht nur so besoffen, das ich nicht mal sagen kann, ob der sich an unseren Termin erinnert, sondern er hat auch keinen Ausweis, was das ganze noch komplizierter macht. Für ihn nicht ungewöhnlich, aber bei mir ist da so eine Sperre, ihm die Ausweisdokumente zu bezahlen. Ich muss schon zwei für die beiden Jungs zahlen.
Bei Jugendamt klar wieder niemanden erreicht.

Seit letzter Woche ist die rechte Hand kaputt. Mit den zwei Texten hier wieder zu viel geschrieben. Maus wird auf links geschult.
Heute geht es wieder in die Spätschicht.
Schließung steht bei uns an.

Ansonsten lege ich Bohnen in die Erde, die Radieschen wachsen schon, verscheuche Vögel ( baut euch selber was an, blöde Viecher!), nähe aus abgelegter Wäsche neue Klamotten, backe unser täglich Brot….Und das Leben läuft und läuft und wir laufen mit.

die bunten Gruppen auf FB

Ich bin ja nun auch in solchen kreativen Gruppen. Oft ist da ein besonders schönes Ding und man erhofft sich mehr. Und dann ist man drin. In Klöppeln leicht gemacht. Brotbacken und andere Leckereien und und und.
So. Und nun habe ich die ganze Woche zuhause gesessen, weil die Hand dick ist und stöbere so über FB und stolpere über einen Beitrag.
„Kein Brot mehr im Haus“ stand in der Überschrift. Etwas, was mir eher selten passiert, es wird ja hier gebacken.
„Und dann schnell das gebacken, zum aller ersten Mal“ und darunter ist eine Brötchensonne aus Hefeteig auf einem Bild zu sehen, mit Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen, Sesam und Mohn reich verziert und ich denke so:
„Boah, was die alles so zuhause haben im Vorrat!“
Die können kunstvolle Gebilde backen und ich? Ich kann nur mit 20 Kilo Roggenmehl dienen und Sauerteig, selbst gemacht und Hefe und diversen Mehlsorten, aber richtige Leute, die haben alles im Vorrat. Die machen nen Schrank auf und zack ist da alles drin, was grade fehlt.
Fondant, Schokoladenglasur, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam und Mohn, zwei Ersatzreifen, Waschpulver….
Ich bin ausgetreten.

‚Sehr geehrte erwachsene Kinder mit eigenen Haushalten!

Meine lieben Nachkömmlinge,

hier ist jetzt mal gut. Hier ist definitiv Feierabend. Fertig ist. Hier wird jetzt einiges anders!
Ihr habe mich viele schlaflose Nächte gekostet, weil Ihr mal wieder getrennt wart, Euer Leben eben an die Wand gefahren habt, im Knast saßt oder aber einfach mal wieder Eure Arbeit hingeschmissen habt. Und vor allem war das nach Eurer Volljährigkeit.

Ich bin es leid, permanent Eure Neuanschaffungen zu bewundern; mir ist es scheissegal, was ich für ein Auto fahre, hauptsache, die Karre läuft, wenn ich es brauche! Warum soll ich dann dauernd Euren BMW bewundern? Euch zu Liebe? Das habe ich nun lange genug gemacht.

Ihr wißt, das ich  Eure ältere Schwester hier nicht im Leben haben will. Ich will nicht. Vor zwölf Jahren war einfach genug. Und das ist es auch heute noch. Und dennoch unterstützt Ihr es, wenn sie hintenrum in das Leben Eurer jungen Geschwister kommt über die sozialen Medien…
Ist Euch eigentlich bewußt, das ich an jedem dieser Kinder merke, wer grade im Hintergrund mit rum erzieht? Ob es der gewordene Vater ist, der mal wieder einem meiner jüngeren Kinder kostengünstig irgendeine Spielekonsole abkaufen will! Oder ob im Hintergrund irgendein wichtigtuender Berater ist, der genau das Gegenteil von mir sagt, wie C. sagt, interveniert!
Und immer habe ich mit Euch geredet. Und nun gründe ich eine Gruppe, um Euch die Ansage zu machen: Die bleibt aus der Familie raus und Ihr müsst da keine Kontakte zu den jüngeren Geschwistern herstellen, zwischen der, die vor 12 Jahren gegangen ist und denen, die hier sind. Und was macht Ihr?? Ihr fangt an, zu diskutieren und mich zu beschimpfen? JETZT ist es gut. JETZT ist es wirklich das erste Mal gut.

Wie habt einer von Euch geschrieben? E. ist 12, sie kann selber entscheiden, mit wem sie Kontakt hat. Okay, dann hätten wir das mit dem Real-Life-Kontakt, der sie dazu motivierte, sich die Arme auf zu ritzen, das hätten wir dann auch nicht unterbinden sollen! Ihr habt sie doch nicht mehr alle.
Und wenn Kinder in dem Alter wirklich in der Lage wären, alles allein zu entscheiden, dann wäre eine Anwort gut. Nämlich auf die Frage, wie es zu Stande kommt, das aus der Jaqueline, die Groß E. oder irgendein anderes Kind im Internet kennen gelernt hat, am Treffpunkt vor dem Real dann plötzlich  ein Thorsten werden kann.

Hört mit dieser Besserwisserei auf! Es reicht lange Meter. Und es ist schön, das Ihr eigene Probleme habt. Ja, habe ich auch. Und einige von Euch sind ein Teil davon!

Ist gut jetzt. Ich brauche nicht mit Euch zu diskutieren. C. hat versprochen, das wenn Ihr Kinder habt, er auch zu denen geht, wenn die 12 sind und sagt: „Hier, Du bist jetzt alt genug…“. Nein, macht er nicht. Wir sind ja nicht doof.

Macht Ihr Euers und ich mache meins.
Der Vorteil an erwachsenen Kindern ist: Die soziale und finanzielle Abhängigkeit ist in der ‚Regel aufgelöst, will heißen, man muss nicht mehr miteinander Kaffee trinken.

In diesem Sinne,
Frau Safa

Wilma, the Nose

Das ist Wilma.
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Wilma ist nicht schön, nichts Tolles und war nicht mal sonderlich toll,  weil sie aus Resten gemacht ist. Wilma ist ist jedoch was ganz besonderes. Nicht etwa wegen ihres schielenden Blickes, der Knollen-Nase oder weil sie ohne Anleitung entstanden ist und damit alle Fehler enthält, die man dabei machen kann….Wilma ist ein Geschenk an Mini, die Montag wieder einen der großen Termine im KH hatte.
Alle drei Monate muss Mini dort hin und irgendwas musste her, damit sie sieht, was sie schon erreicht hat. Wilma ist jedoch nicht völlig fertig geworden, sie liegt noch in Unterwäsche.
Aber Wilma steht für den Tag, an dem Mini ein ganz nomales EEG hatte. So eins, wie sie Kinder haben, die keine Absencen haben. Natürlich können die großen Anfälle immer noch kommen, aber die Absencen sind dank der Medizin weg.
Mini darf in diesem Sommer mit Erlaubnis des Arztes, der einen  Helm und eine sichere Umgebung verschrieben hat, Fahrrad fahren lernen.

Sternenkind

Ostern war nix Großes. Nur Omma und wir, weil die Schwiegertochter wieder im Krankenhaus war.
Heute nun hat man ihren kleinen Johann in der 20ten Woche auf die Welt kommen lassen, um ihr Leben zu retten.  Heute ist der Geburtstag meines  dritten Enkels, zwanzig Wochen zu früh. Heute ist der Todestag des dritten Enkels, 80 Jahre zu früh.

„Mein Sohn soll nicht in die Tonne.“
„Euer Johann kommt  nicht in die Tonne.“
„Mein Erstgeborener ist tot.“
„Er sieht so friedlich aus. So als ob er schläft.“

Das Sternenkind bekommt einen Platz im Friedwald. Da, wo schon der Opa liegt und die Uroma sich einen Platz hat reservieren lassen. Er wird nicht allein sein dort.

Ich habe ihm einen Weidenbaum gepflanzt. Und den Eltern vorgeschlagen, das wir einen Stern aussuchen für den kleinen Johann. Den schönsten, den hellsten..

Liebe Esmeralda seine Mutter,

ja, ich weiß, daß unsere Kinder ein Herz und eine Seele sind. Und mir ist auch klar, das der Grand Mal, den Deine Tochter da miterlebt hat, eine Katastrophe für sie ist, weil sie nach dem Abtransport von Mini immer wieder wissen wollte, was denn mit ihr sei.
Ja, und ich weiß auch, das sie in der ersten Nacht nicht durchgeschlafen hat….
Aber….unsere Tagesmutter, als Deine, meine und die der Kinder, hat mich erst gefragt, ob sie mit Dir offen reden kann. Klar kann sie. Was soll sie denn sagen? Mini fährt gern Krankenwagen? Liebt das Krankenhaus-Essen? Nee.

Und dann schlägst Du als ausgebildetes Fachpersonal für Mini einen Integrationskindergarten vor.
Hier noch mal zur Auffrischung des Erlernten:

1. Epilepsie ist NICHT ansteckend.
2. Ein Integrationskinderngarten macht, wie unser Omma dazu sagt, auch nicht, dass es weg geht.
3. Mini ist weder geistig behindert, noch sozial eingeschränkt, noch verhaltensauffällig. Was soll der Integrationskindergarten da richten?
4. Bei Kindern ist die Wahrscheinlichkeit hoch, das sich das Ganze verwächst. Verschwindet vor der Pubertät, mit der Pubertät, sogar, wenn es
    sich nicht nur um Absencen handelt, sondern um die richtige, böse Epilepsie. Was soll sie also dann dort in einem Kindergarten??

Zumal Du nicht mal weißt, das nach diesem Grand Mal ihre Hirnströme völlig unauffällig waren. So, wie von einem Kind, das niemals sowas hatte….Es mag sein, das Du aus so einer Katastrophe, so so etwas, was wir wirklich niemals hoffen wollen, eine ganz große Nummer machen würdest. Mit Hypotherapie, Integrationskindergarten auf Walldorfscher Spezialförderung, Klangschalen-Therapie und was es noch alles gibt….

Wir sehen das anders. Ja, Mini hat das. Es ist Minis Päckchen. Ob es sich verwächst oder nicht, das ist dabei zweitrangig. Sie muss in dieser Gesellschaft leben, in die sie hineingeboren worden ist. Sie wird also mit ihrem Päckchen lernen  müssen, ganz  normale Dinge zu tun wie Schule und Ausbildung.
Und da hilft auch nicht, so in irgendwelche Watte zu packen durch Integrationkrams, mit nem Pädagogen an der Seite, der an der Mathematik der sechsten Klasse scheitert, weil er sie nicht mehr versteht. Denn spätestens, wenn sie erwachsen ist, ist damit Schluß,  mit der Heilwatte.
Da wird nur noch sortiert. Kannnste? Gut. Kannste nicht? Pech. Und deshalb wird sie so normal wie möglich leben. Und ich leiste mehr Erziehungsarbeit bei mir als bei ihr. „Gell, C? In den Sandkasten im Garten darf Mini alleine, oder?“ Und von diesen Sandkastensituationen gibt es ganz viele!

In diesem Sinne,
Frau Safa

Grand mal ist ein Arschloch!

Da waren wir endlich auf der Zielgerade! Petnidan und Orifil in Kombination und keine einzige Absence mehr. Mini war altergerecht zickig.
Und ich wollte schon eine Lobeshymnen-Mail an den behandelnden Arzt schreiben….

Und dann holt mich C. von der Arbeit ab . Mit nem Elektro-Auto. Und wir fahren in Richtung Heimat und ich bewundere abgebrochene Bäume und Zaunpfähle; Transporter überholen uns  und wir diskutieren über das Elektro -Auto, weil es kann nicht schneller als 110.

„Du willst doch jetzt nicht zum Überholen ansetzen?“ Wir nähern uns einem LKW.
„Doch!“ C. will.
„Schaffst Du den überhaupt?“
„Den schon. Das nicht!“ Er nickt in Richtung Seitenscheibe, ein Transporter überholt uns.
C.s Handy klingelt, ich soll dran gehen, es ist die Tagesmutter.
Wie ein Idiot sage ich freundlich jaja, als so Wörter wie „Notarzt“, „gefallen“, „nicht ansprechbar“ kommen. Ich weiß nicht, ob der Empfang mit C.s Handy wirklich so schlecht ist, jedenfalls sage ich ihr, ich rufe mit meinem zurück. Als ich zurück rufe, erfahre ich, das Mini gefallen ist, liegt, nicht ansprechbar ist und man schon den Notarzt verständigt habe.
So, wie sie es schildert, denke ich an eine Hirnblutung, an einen  Schädelbasisbruch. Ich lasse mir das Kind geben, spreche sie an und sie brummt mehr a und o, als das es wirklich a und o ist.
Wir legen auf.
Ich erkläre es C. und versuche, unser Omma zu erreichen, damit sich jemand um die Kinder zuhause kümmert.
Omma ist nicht da. Also rufe ich den großen Bruder K. an, erkläre ihm die Siutation und er solle Omma anrufen. C. frage ich, ob er nicht schneller fahren könne…er sagt gar nichts mehr und stellt mir auf meine dauernden Fragen, wie lange es noch dauere, das Navi ein, das auch immer die Restzeit der Fahrt anzeigt. Er zeigt mir zwar, wo das steht, aber ich vergesse das im nächsten Moment schon wieder, denn immer , wenn ich drauf gucke, kann ich diese Zeit einfach nicht finden.
Ich rufe noch mal an und grade ist der Notarzt da. Der Tagesvater gibt mir den, der mir nur sagt, er sei grad gekommen, mache sich ein Bild und melde sich gleich noch mal.
Wir fahren auf die Landstrasse und C. holt mit wahnwitzigen Überholmanövern auf. Als meine Angst größer wird, sage ich ihm, er solle uns nicht tot fahren. Er ist biestig. Entweder wollten wir da schnell hin oder eben nicht, ich müsse mich entscheiden.
K. schreibt mir über Whatś app, das sein großer Bruder ein blödes Kind sei, er Ommas Nummer nicht habe und nun den gewordenen Vater zu den Geschwistern geschickt habe.
Als wir nach Goslar reinkommen, kommt uns ein Krankenwagen entgegen und biegt nach Vienenburg ab.
C. und ich sind uns einig, das da unser Kind drin ist.
„Mach mal Lichthupe!“ sage ich.
„Wo fahren die denn hin?“ will C. wissen.
„Mach irgendwas,wir müssen da hin?“
„Was soll  ich denn machen????“
Ich rufe bei der Tagesmutter an. Ich frage die Tagesmutter, wo die das Kind hin fahren.
Das wisse man noch nicht.
Panik hoch zehn! Wie? Das wisse man noch nicht??
Habe ich doch da grade einen Krankenwagen gesehen, der einfach ohne uns abgebogen ist. Eine Information, die ich offensichtlich vergesse zu erwähnen.
„Wo bringen die denn mein Kind hin???“
„Die stehen noch hier!“
Ich bin erleichtert. „Wir sind gleich da. Noch eine Ampel!“
Als wir ankommen, höre ich das Kind schreien! Aus dem Krankenwagen. Rumbrüllen, Heulen, laut und kräftig. Ich bin erleichtert! Hirnblutugen und Schädelbasisbrüche brüllen nicht! Min hat gekotzt und kotzt noch einmal während der Fahrt. Er danach sieht sie wieder völlig normal aus.

Ich fahre mit. Und bleibe auch im Krankenhaus. Wir sind völlig unvorbereitet. Ich verbringe die Nacht auf einem Stuhl sitzend in meinen Arbeitsklamotten neben Minis Bett. Ich kann mich nicht mit den Strassenklamotten da in so ein Klappbett legen. Da sind noch zwei andere Mütter und Kinder….Ich schnarche, wenn ich richtig tief schlafe. Also darf ich nicht tief schlafen.
Eine Kollegin, die selbst von Epilepsie betroffen ist, nimmt sich die Zeit und  telefoniert abends mit mir.
Sie erklärt mir ganz viel, Zusammenhänge, Gefühle und was man wirklich machen kann, wenn sowas ist. Ich habe wieder Boden unter den Füssen. Leben ist nicht rum. Es geht weiter.

Am Morgen kommt C., hat Ladekabel und die Hälfte der frischen Klamotten vergessen. Ich fahre zur Arbeit und weil das Handy leer ist, ohne Navi. Ich kenne jetzt halb Braunschweig.
Oh, da hinten ist die Brauerei, neben der meine Firma ist. Mist,  ich hätte hier links ab gemusst!
Oh, der Hauptbahnhof….der ist nicht weit von der Arbeit! Mist, hätte ich die rechte Spur nehmen müssen….
Und dann kein Parkplatz!
Meine Kollegen laden mir mein Handy auf, sonst wäre ich mittags nicht zurück gekommen in die Klinik.
Sie versorgen mich mit Informationen und Keksen und Kaffee.

Ich schaffe das bis Mittag, dann breche ich ab. Zu Müde, morgens kein Kaffee, den ganzen Tag von irgendwelchen Keksen ernährt. Nicht mal Mini hat in der Klinik abends noch was zu Essen bekommen; sie hat sich von einer Tüte Chips ernährt und meinem Mineralwasser, das ich mit zur Arbeit hatte. Chips hatte der Papa mit ein paar frischen Sachen mitgebracht.

Wir haben sie gegen ärztlichen Rat mit nach Hause genommen. Es war, wie meine Kollegin gesagt hatte. Wenn das rum ist, ist das rum. Man ist nur unendlich müde. Sie wäre dort eh nur weiter wie bei uns medikamentiert worden und sollte überwacht werden.
WIR hier sind die besten Überwacher! Wir müssen hier eher aufpassen, das wir ihr die Freiheiten einer vierjährigen lassen!

Sie hatte nicht eine Absence, sondern einen generalisierten Anfall, wie das in Arztdeutsch heißt. Einen Grand mal. Und man kann nix machen, nur warten, bis das Arschloch aufhört!

Diese Woche

Montag: Groß E. hat eine neue Freundin, die sie einfach mal eben so mitbringt, und mit der sie, wie sich herausstellt, klauen geht.

Dienstag: A. bricht sich auf dem Schulhof Elle und Speiche und wird nachts in Braunschweig notoperiert.

Mittwoch: Ich nehme A. auf einen Verantwortung mit nach Hause. Dazu mehr später.

Donnerstag: Nachdem ich von allen gefaltet worden bin, weil ich das Kind mitgenommen habe, wird es nun ambulant im KH in Goslar ambulant
                    behandelt und ist einfach nur froh, zuhause zu sein.
                    Der Geschirrspüler gibt den Geist auf. Wir kaufen einen auf Pump.

Freitag: Da das Auto ölte, mussten wir eine Woche viel fahren. Das Auto kommt zum Schrauber, Simmering kaputt und Kupplung will er
             sichthalber auch tauschen. Soll 950 Euro kosten und während C. mit dem Schrauber spricht, fährt sein Angestellter das Auto rückwärts
             gegen ein anderes. Das Plastik der hinteren Stoßstange ist zerkratzt , der Schlitz zwischen dieser Ecke und dem graden Stück Plastik
             der Stosstange ist  ist nicht mehr grade, sondern ein kleines Dreieck. Der Schrauber erklärt, mit Lackieren wäre es getan, und wenn ich
             auf Lackieren verzichten würde, würde  er uns zweihundert Euro von der Reparatur erlassen. Irgendwie fühle ich mich betrogen, ich
             weiß nicht wirklich warum.