Letzte Woche vom Kind zum Geburtstag bekommen

Noch schnell vor der Tagesmutter malt mir Mini das hier:

IMG-20151106-WA0002Sie stellt klar, das sie vor Fertigstellung des Bildes nicht zur Tagesmutter kann….

Ich falte es auf und freue mich darüber. Papa fragt, was das denn sei.

„Ein Krokodil!“ Ich freue mich so sehr.

„Nein, ein Flugzeug“, klärt mich Mini auf.

Und ich freue mich noch mehr, denn wer genau hinschaut, findet die technischen Details des Flugzeuges. Sogar zwei Piloten sind dort.

Facebook Teil 2

Manche verstehen wohl auch nicht das geschriebene Wort.

Heute geht die Einladung des Kollegen weiter. Heute mache ich Facebook auf und lese, das der Termin zum Besuch bei der Kollegin auf unbestimmte Zeit verschoben sei und er um Terminvorschläge bitte, explizit von mir und einer anderen Kollegin. Wir sind beide mit Namen genannt.

Ich fühle mich genötigt. Ich will nicht fahren, nicht jetzt und schon gar nicht mit dem. Wenn ich fahre, dann mit meinem eigenen Auto, damit ich wieder abhauen kann, wenn ich will.

Und im Moment will ich nicht. Und ich will auch keinen Termin machen. Ich habe einen am 2. Dezember, der ist wichtig und der reicht mir erstmal.

Ich fühle mich genötigt. Er könne nur am Wochenende. Da hat er frei. Ich habe da Familie….Alles Ausreden. Ich will einfach nicht. Wochenlang hat er mich über Facebook gefragt, ob ich mit ihm Kaffee trinke. Habe ich nicht. Jetzt soll ich mitfahren zu der Kollegin. Gab auch ein Nein. Und jetzt noch mal gefragt? Merke ich was nicht mehr oder der?

Facebook

Ein Kollege hat eine Gruppe aufgemacht, er wolle eine ehmalige Kollegin, die nun in Magdeburg arbeitet, in einem anderen Teil der Firma, er wolle diese besuchen und suche Mitfahrer und zwar diesen Sonntag.

Dann bekomme ich eine persönliche Nachricht, ob ich nicht mifahren wolle.

„Nein, will ich nicht.“

Eine Antwort, die klar sagt, was ich am kommenden Sonntag nicht mache.

Es ist der Kollege, der mir den persönlichen Absturz beschert hat, das Tröpfchen, das das Fass zum Überlaufen bringt. Das ist der Kollege, der mit mir nicht nur dauernd Kaffee trinken will, sondern mir auch vor der Erkrankung gesagt hat, ich solle weniger arbeiten, doch bitte mal an die anderen denken, die das nicht schaffen und vor jedem neuen Ticket doch einfach mal tief durchatmen.

Ich fühlte mich wie ein Kameradeschwein. Und mit dem fahre ich nirgendwo hin.

Le Butz

Er mag es nicht, fotografiert zu werden. Er mag es einfach nicht. Sobald ich das Handy in der Hand habe, dreht er den Kopf weg. Also dachte ich mir, einfach warten und heraus kam das:

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Und er hat gemerkt, das ich ihn fotografiere und zeigte mir dann so, was er davon hält:

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Brille

Seit 33 Jahren gucke ich mir die Welt durch mehr oder weniger, dickeres oder dünneres, getöntes, entspiegelts, rundes, eckiges, wie auch immer, durch Glas an.

Von Vornherein trug ich die kleinste Größe Glasbausteine. Damals haltbares Material, gern in Metall gefasst, weil war grade zu biegen.

Nunja. Nun habe ich es das zweite Mal erlebt. Nach vier Jahren war nun eine neue fällig. Und ich habe eine Lesebrille geschenkt bekommen.  Eine Lesebrille war fällig, weil das Lesen und Einfädeln nun nicht mehr einfach ging.

Aber der Optiker bequatschte mich, und so wurde die andere Brille, die für die Ferne sein sollte, doch wieder eine Gleitsichtbrille wurde. Soweit so gut.

Freitag nun kam der Anruf und alles ist da. Nahsicht, Gleitsicht. Gut. Hingegangen. Brille meine Gesicht angepasst.

Ich danach zum Friseur. Danach nach Hause und Brille getestet.Drückt hinter dem Ohr, rechte Auge rollt.

Ich wieder hin und sage der Dame, das die Brille nicht sitzt. Ich immer das rechte Glas runter drücken will. Nee, ich müsse mich dran gewöhnen….

DA isser wieder, der Satz. Entgegen aller meiner Erfahrung höre ich ihn. Man muss sich dran gewöhnen. Gern gesagt, wenn Doppelbilder entstehen, das halbe Gesichtsfeld sich blind anfühlt, man müsse sich gewöhnen.

Ich kann folgendes sagen:

An eine gute neue Brille muss man sich nicht gewöhnen. Richtig gucken können ist wie ein Dauerorgasmus, löst einen Cocktail an Ah- und Oh-Gefühlen aus, der definitiv nicht durch chemische Substanzen zu erreichen ist.

Nun bin ich also heute wieder hin. Der Bügel drückte nicht mehr, aber ich soll mich gewöhnen. Also durch die Stadt und immer fehlt das Gesichtsfeld recht. Also wieder hin. Sie dreht und biegt und besser wirds. Zuhause noch selber den Nasenhalter rangedrückt und?

DER Cocktail war da.

Gekauft

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Beim Arzt gewesen. Ich bekomme eine Überweisung in die Mamma-Sprechstunde wegen der Zyste mit unscharfem Rand. Weil ich mich vehement weigere, meine Brust quetschen zu lassen bei einer Mammographie.  Der Uterus ist voller Gewebe, sowas hat sie noch nicht gesehen, aber ich soll noch mal drei Monate warten. Die Dauermüdigkeit und der Gewichtsverlust haben mit alledem nichts zu tun, das muss irgendwelche anderen Ursachen haben… Okay. Ich habe gesagt, ich besorge mir selber einen Termin in der Brustsprechstunde( Immer noch eine unheimliche Vorstellung, das Titten reden können.) und bin mir Schuhe kaufen gegangen. Fand ich eine angemessene Reaktion.

Tante Gertrud

Tante Gertrud ist tot. Ich habe es über Facebook erfahren, ihr Sohn hat es mit einem Lied für uns alle öffentlich gemacht.

Dirkie. Dirkie und ich waren in der Grundschule so( Finger über Kreuz.). Zusammen mit Thomas, Stefanie, Marion und Elena.  Thomas hatte eine jüngere Schwester, nämlich Sonja, aber die war ja noch klein. Und Thomas war Halbwaise. Aber dafür hatte er einen  Opa. Einen voll kuhlen, weil der zum Winnetou spielen ihm ein Tomahawk gebaut hat. Aus einem Rundholz und die Schneide aus Leder. Voll klasse. Ich habe es einmal vor den Kopf gekriegt und hatte dann eine blaue Beule an der Stirn. Zuhause gab es dann noch mal ’ne Jachtreise und ich durfte nicht mehr mit Winnetou spielen. War jetzt nicht ganz so schlimm, weil ich nie Winnetous Schwester spielen durfte; ich war einfach zu fett. Dirkie war immer Sheriff. Der hatte Pistolen mit diesen Platzrädchen. Ich nicht. Ich hatte einen blauen Puppenwagen mit Fenster drin, weil die Kinderwagen damals grade Mode waren.

Tante Gertrud und Onkel Walter. Ja, ich komme aus einer Zeit, in der nicht nur die Frau des Bruder irgendeines Elternteils Tante war, sondern auch Tante Herbote, Tante Schenczny, Tante Müller…und mit wem die Eltern mehr machten, da wurde dann Tante Gertrud und Onkel Walter draus. War eine Zeit ziemlich kompliziert, als es noch Tante Karin und Onkel Walter gab, aber das ging nicht lange.

Jedenfalls wohnten Tante Gertrud und Onkel Walter im Haus neben uns. Mit ihren Kindern Dirkie, Andrea und Jürgen und einem Zwergpudel namens Biggie. Auch damals schon ein hässliches Vieh, aber sie mochten das Teil. Ich nicht. Monika, die älteste Tochter wohnte schon längst nicht mehr bei denen, denn sie hatte schon ein Kind. Von einem Italiener, wie mir meine Mutter in seltsamer Art mitteilte. Und nicht mal verheiratet.  Mario heißt das Italiener-Kind und der war weder für Tante Gertrud noch für Onkel Walter oder die Geschwister von Dirkie und ihm selbst ein Problem. Eher so für Leute wie meine Mutter.

Tante Gertrud und Onkel Walter arbeiteten beide Schicht. Tante Gertrud bei der DeTeWe und Onkel Walter in irgendeiner dieser anderen Firmen. Und sie hatten einen Schrebergarten, weil ihr Altstadthaus keinen Garten hatte. Aber sie bauten das ganze Haus, das hinten irgendwann man sowas wie einen Schuppen gehabt haben musste, um und aus, so dass jedes Kind sein Zimmer bekam. Jürgen ist nie ausgezogen, ebenso Dirkie nicht. Andrea hat nach Anderswo auf einen Bauerhof mit Gästezimmern geheiratet. Dirkie hat später auch geheiratet, aber er hat mit seiner Frau und den beiden Kindern bei Tante Gertrud im Haus gewohnt.

Ich durfte auch dann ins Haus, wenn Tante Gertrud und Onkel Walter auf Schicht waren und nur Andrea da war, die dann schon mal Kartoffeln schälte oder die Klößchen für die Suppe versaute. Ich habe mit Dirkie Playmobil gespielt, mit  ihm Barbie und habe seine Guppies bewundert, auch noch, als die Pumpe im Becken so stark war, das denen die Heckflosse fehlte, wenn sie dran lang schwammen. Onkel Walter hat einfach eine andere gekauft und die eingebaut. Neben Dirkies Zimmer wohnte Jürgen, der auch Schicht arbeitete.

Und auf der anderen Seite neben Dirkies Zimmer haben sie einen Wanddurchbruch gemacht und sich einen  richtigen Billiardtisch hingestellt. Meine Mutter fand das doof, aber ich fand das sowas voll kuhl.

Außerdem hatten sie eine Bar. die man über eine kleine Treppe über den Dachboden über die Terasse, die auf dem Dach des ehemaligen Anbaus entstanden war, im hinteren Teil des Daches des Anbaus war. Dort durften wir auch spielen. Kann bestimmt keiner verstehen, aber war kuhl.

Wenn wir über den Dachboden gingen, kamen wir immer am Puppenhaus von Andrea vorbei. Das hatte Onkel Walter gebaut und das hatte sogar richtige Lampen, die mit Batterie funktionierten. Ich habe Andrea beneidet, um das Puppenhaus, aber noch viel mehr um so einen Vater wie Onkel Walter.

Der Kontakt zu Dirkie wurde weniger, als er mich eines Tages ans Fenster rief: „Guck, Dein Vater kommt!“

Recht hatte er. Mein Vater war allerdings so besoffen, das er nachmittags um vier versuchte, sich am unteren Ende einer jeden Dachrinne unsere Strasse runter festzuhalten, um nicht zu fallen. Es war kein Geheimnis, das mein Vater ein Säufer war, ausser in der Familie meiner Mutter, die weit weg wohnten. Aber das hier war eine echt peinliche Nummer und ist mir als eine der wenigen Erinnerungen an ihn geblieben, neben dem „Geh mal zu Onkel Mehl und hol  mir vier Halbe Liter.“ oder „Geh mal zu Onkel Mehl und sag Deinem Vater, das das Essen fertig ist.“ Wenn er nicht bei Onkel Mehl soff, war mein Arbeitsauftrag, das ich sämtliche  Kneipen der Umgebung abklappterte. Onkel Spors, den „Grüner Jäger“ und, das brauchte eine Weile, bis ich das raushatte, „Das Fässchen“. Wenn  ich dann noch mal los musste, weil er immer noch nicht kam, bebettelte ich meine hartnäckige Mutter, was ziemlich sinnlos war, und machte dann einfach ganz kleine Schritte während meiner Runde.

Manche Erinnerungen sind nur noch so kleine Bruchstücke an diese Zeit, Kindergeburtstage, an denen man Würfeln musste, und wenn man eine sechs hatte, eine Mütze aufsetzen, einen Schal ummachen, Handschuhe anziehen und sich dann mit Messer und Gabel ein Stück Schokolade abschneiden….

Der Tod meines Vater hat viele meiner Eiweißverbindungen im Hirn gesprengt, so dass vieles weg war und manche Erinnerung auch nicht wieder gekommen ist. Schreiben habe ich mit fünfzehn neu gelernt.

Wo der Kontakt zu Tante Gertrud und Onkel Walter abgerissen ist, weiß ich nicht genau. Es fing wohl damit an, das wir nach der vierten Klasse verschiedene Schulen besuchten, der Dirkie und ich.

Tante Gertrud und meine Mutter haben mich vor vielen Jahren einmal zusammen besucht. Das war schön. Weil für Tante Gertrud meine vielen Kinder kein Problem waren. Onkel Walter war damals schon tot.

Während dieses Kaffee -Trinkens saß meine Mutter mit uns am Tisch und wiederholte immer, das sie auch einen solchen Haushalt wie meinen schaffen würde und das jeden Tag. Tante Gertrud sagte nichts und meine Mutter hörte damit auf, als ich ihr sagte, das ich mir sicher sei, das sie das mit Links schaffen würde.

Tante Gertrud ist nun wieder bei Onkel Walter und dem hässlichen Biggi-Hund. Aber vergessen ist sie nie.

Geweint

Eigentlich ist er ja schon lange ausgezogen, mein Kenneth. Aber er wird jetzt bei einer privaten Bahn arbeiten. Er hat in „unserer  Firma“ gekündigt, tritt Montag seine neue Stelle an und ist heute zu seiner Freundin gezogen. 70 km weit weg.

Irgendwie ist es albern, traurig zu sein. Ich habe ihn auch, als er hier wohnte, nicht oft gesehen. Auch nicht auf der Arbeit, weil unsere Schichten fast nie gleich waren.

2013 saß er in Haft, kam raus, fing in der Firma an, wurde letztendlich freigesprochen und hat nun eine richtige Arbeit, die auch noch ordentlich bezahlt wird,wohnt mit seiner Freundin zusammen….und ist jetzt groß.