Omma

Als ich vor Jahren noch anders gelebt habe, war es ganz einfach. Wenn ein Jugendlicher voll aus der Bahn lief, dann hat man ihn gepackt und für sechs Wochen zu einem der Kumpels des Vaters gefahren nach ganz weit weg. Der Jugendliche wußte aber gar nicht, das es nur für sechs Wochen war.
Der Vorteil war, das die Kumpels in ganz weit weg immer ein bischen fremd waren und wenn die dann morgens in ein Zimmer rein sind, weil der Besucher mal wieder nicht aufstehen wollte, dann war das immer wesentlich eindrucksvoller als zuhause.
KIar durften die Kids wieder nach Hause und zwar, wenn sie gebettelt haben. Die wurden nicht gehauen, angebrüllt oder mishandelt. Das Fremde macht das von ganz allein.

Jedenfalls habe ich, nachdem A. nun nicht mehr mit auf Klassenfahrt durfte, ihn bei unser Omma untergebracht. Omma kriegt Essengeld, A. hat seine Klamotten mit und ist nun die zweite Woche da. Er schläft viel und liest noch mehr, weil ist ja keiner da.
Und die Klassenkonferenz wegen seines „Die ist wohl ein Nazi?“, das er über die Lehrerin sagte, war gestern und natürlich macht die Schule  mal wieder nicht mit, will heißen, die Absprache mit dem „Er wird suspendiert.“ ist mal wieder nicht eingetreten, die Pädagogen wissen es wieder besser. C. war bei dieser Klassenkonferenz und schrieb mir eine Sms. „Diese Weiber spinnen.“. Als ich anrief sprach er, ER, das muss man sich mal vorstellen, von der kleine Blöden und hatte noch andere Worte , nicht für die Ladies hier zuhause. „Die wollen einfach nichts hören!“  Wenn die Klasse ja schreie, wenn er nicht auf Klassenfahrt mirfahre, dann redet seine Klassenlehrerin wohl immer noch davon, er sei gut integriert.

Jedenfalls kam A. jetzt auf die Idee, er würde gern wieder Fußball spielen. Er spielt in einem Verein und hat das für Kumpel R. arg vernachlässigt, um Scheiben einzuschmeissen, Bekleidung mit Lack einzuschmieren und V-Plus zu trinken. A. ist 13. Ich reagiere da doch ein bischen mit Schnappatmung.

Und nun zickt unser Omma mit mir. Ich sage ihr: Keine Schule == Kein Fußball! Es ist ja nun nicht so, das A. an dieser Situation unbeteiligt wäre.
Omma nennt sein Leben bei ihr gerade „goldener Käfig“. Ich streite also mit ihr. Aber sie versteht es nicht. Es muss weh tun. Er fängt an, zu vermissen,  und das Gefühl muss noch viel mehr werden. Das muss richtig weh tun. Er lebt jetzt mit drei Fernsehprogrammen ohne zdf, was die Fußball-Geschichte im Moment etwas naja macht. Omma hat kein Internet und da sie mit lauter Heilpraktikern und alten Leuten im Haus lebt, gibts auch kein Wlan, Omma selbst braucht kein Internet.
Omma nötigt ihn der Gesundheit wegen frische Kräuter zu essen.
„Guck mal, die Blume da! Kannst ruhig eine pflücken!“
A. hat die dann wohl geflückt.
„Die kannst du essen.“
„Ich mag nicht.“
„Jetzt hast du die schon gepflückt….“
Ich kenn doch unser Omma…..

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