Pflegemutter

3 Wochen bin ich nun „Omi“, die Ersatzmutter für die Enkelchen. Am Anfang waren wir nur damit beschäftigt, Klamotten zusammen zu bringen, denn im Kinderzimmer war nichts zu finden. Lediglich die alten abgelegten Klamotten, die ich dem Vater runter gebracht habe nach Oker in der Nacht, als die Mutter verschwand, hatten wir. Und Betten. Betten mussten organisisert werden, weil nichts von dort unten einfach zu nehmen war. Die Matrazen schon mal gar nicht.

Geld geborgt, eingekauft, Kinder getröstet, versorgt, gebadet, eingeschläfert, in die Kita gebracht. Hingenommen, dass die Oker-Oma nur irgendwelche Geschichten in der Kita erzählt, Besuchsregelung mit der Oker-Oma eingehalten, die der Mutter keinen Zugang zu den Kindern gewähren sollte, so lange es kein Gespräch mit dem Jugendamt gegeben hätte, es aber dann doch tat und letztendlich von Anwalt faselte.

Die Woche Dienstag war der Besuch und die Mutter war gleich mit bei den Großeltern. Jedesmal, wenn die Mama und die Oma irgendwas im Kindergarten von sich geben oder da sind, denn immerhin will die Mama der Enkel ihren Bruder mit hinbringen in den Kindergarten, dass ihre Töchter dort auch sind und es ganz schwer für die Mädels ist….egal. Jedesmal also merkt man es ihnen hinterher an. Heute war sie nicht da. Und der Tag ist gewohnt.

Seit diesem Dienstag geht die Große, die von Anfang an mit viel Ausdauer auf die Toilette ging, vielleicht einmal am Tag auf die Toilette, wenn es gut läuft. Dabei hatte sie sich so sehr über den blöden Toiletten-Sitz für Kinder gefreut.

Wir haben wir erfahren, dass die Mutter  aus der Klinik ist, weil sie „Omi“ einbestellt hat, um die Krankenkarten abzuholen und die an der Pforte erfahren hat, das Mutter der Enkel nicht mehr da ist.

Der Vater der Enkel hat sich letztes Wochenende betrunken, seinen jüngeren Bruder verprügelt und wollte ihn dann abstechen, weil dieser angeblich davon gewußt habe, dass die Mutter der Enkel einen neuen Freund hat.

Das alles so nebenbei. Nur so nebenbei.

“ Du hasst sie.“ stellte heute meine Kollegin fest.

Ja, vielleicht, aber was sollte ich im Moment an denen lieben, an diesen Eltern? Der eine säuft alle paar Tage „nur ein paar Bierchen…“, die andere macht irgendwas und ich mache ihre Arbeit. Ich mache die Wäsche ihrer Kinder, suche Spielzeug zusammen, mit denen ich sie fördern kann, setze mich mit Ämtern herum und kann im Moment nicht mal Teilzeit arbeiten gehen, weil die Mutter immer wieder an der Kita auftaucht. Und dann läuft die Große davon und hält sich die Hände vor das Gesicht, spielt kriegen mit mir. Ja, wir hatten auch schon brenzelige Situationen. Ich mässte die Kinder wesentlich später bringen und viel früher abholen. Und damit bleibt nichts für’s Arbeiten.

Eigentlich bin ich nur wütend auf beide. Zwei kleine Menschen sind in meinem Haus, die sich über saubere Windeln freuen, über das Mini-Bad am Abend eines heißen Tages, essen, spielen, streiten, lachen weinen. Und meine Zeit der Tischläufer ist rum, die Wachstuchtischdecken-Zeit ist wieder da. Die Windelberge, die zukaufbare Müllsäcke brauchen, Wäscheberge, die zusätzliche Maschinenladungen ergeben.

Meine Tage starten morgens zwischen 5 und 6 und enden nachts um zwölf. Wenig Schlaf und viel Arbeit. That’s it.

 

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2 Gedanken zu “Pflegemutter

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