Sehr geehrter Fachleiter des Jugendamtes,

heute morgen sind wir zu Ihnen gekommen, weil meine zweijährige und meine dreijährige Enkeltochter gestern allein durch Oker gelaufen sind. Spärlich bekleidet mit Windel, sonntags morgens in Deutschland.

Dauernd ist da irgendwas. Von einer verwahrlosten Wohnung, von der es auch schon Fotos gab bis hin zu diversen Polizei-Einsätzen wegen häuslicher Gewalt über wunde Kinderärsche und fehlende Windeln. Alles, alles hatten wir schon.

Und das Einzige, was Ihrer Dame vom Jugendamt einfiel, war, der Schwiegertochter meine Email zu zeigen, die ich ihr vor knapp einem Jahr geschrieben habe, als auch schon die Zustände mehr als  wenig wünschenswert waren. Mir war klar, wenn ich irgend etwas sagen würde, dann würde ich meine Enkel kaum mehr sehen. Die Mutter meiner Enkelkinder ist so. Aber hier geht es um die Kinder, nicht um meinen Wunsch, die Kinder zu sehen. Das Wohl der kleinen Menschen hat oberste Priorität.

So waren auch der Vater der Kinder  und ich schuld, dass die Kinder morgens allein durch Oker gelaufen sind. Obwohl keiner von uns dort im Hause wohnt. Und die Mutter selbst einfach über Nacht nicht Hause gekommen ist.

Nun waren wir heute bei Ihnen, weil wir uns lange Gedanken gemacht haben, um zu erklären, dass wir die Kinder aufnehmen würden, wenn gar nichts mehr geht und das, obwohl klar war, dass auch jetzt wieder nichts passieren wird.

Es bleibt so wie gehabt und wenn eines der Kinder bei einer dieser nächsten Aktionen angefahren wird, denn sie sind nicht das erste Mal einfach aus der Wohnung raus, dann wird vielleicht irgendwas passieren. Vielleicht. Ganz vielleicht.

Es mag auf Facebook lustig sein, wenn Kinder einen Farbeimer auseinander nehmen, aber es ist nicht lustig, wenn es die eigenen Enkelkinder machen und der Hintergrund ein Zuständigkeitsstreit der Eltern der Marke „Du räumst den Farbeimer weg!“-„Nein!Du!“ist. Und es ist einfach alles nicht mehr witzig.

Mein Sohn hat mich vor einigen Wochen gefragt, wann ich denn meine Enkelkinder sehen möchte.

„Wenn sie 18 sind.“ habe ich ihm geantwortet. Denn: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Jetzt kann ich sagen:

„Wenn sie 18 sind und ihre Kindheit überlebt haben!“

Mit freundlichen Grüßen,

 

 

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6 Gedanken zu “Sehr geehrter Fachleiter des Jugendamtes,

  1. Es ist schon verrückt, wo Handlungsbedarf angesagt ist, macht das JA nichts und bei anderen werden funktionierende Familien traktiert, weil irgendeiner Ideologie nachgegangen wird!

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