Es muss ja weiter gehen.

Das hat meine Uroma immer gesagt. Ja, musses. Aber doch habe ich mich im luftleeren Raum wieder gefunden. Ich weiß nicht, ob man das kennt oder wie man das nennt, aber die Zeit fühlt sich nicht mehr laufend an.

Der zweifache Vater und ich haben heute den Vermieter genötigt, in die Wohnung zu gucken.
Und da haben wir keinen M. gefunden. Keinen, der schläft, sitzt oder was auch immer. Es war merkwürdig, weil es so wirkte, als würde er gleich wieder zur Tür reinkommen. Es stand Essen im Topf neben dem Tisch, das anfing Schimmel anzusetzen. Nur die Jacke fehlte, der Rucksuck und die guten Schuhe, die für die Arbeit waren da und die Hose auch. Vor der Waschmaschine trocknete ein Klumpen Wäsche in der Wanne.
Der Hausmeister konnte uns sehr genau die ‚Tagesabläufe von M. beschreiben und konnte mit Sicherheit sagen, das er schon mehr als eine Woche nicht mehr da sei.
Und der Nachbar von oben, der mit ihm viel zusammen hockt, der kam auch.
Wieder bei der Polizei. Nichts Neues. Auch im Krankenhaus nicht.
Dafür haben wir zwei Suchaufrufe bei FB gestartet und es kam nur komischer Kram. Fragen Sie doch mal da und da. Ich arbeite da, aber ich habe Verschwiegenheitspflicht. Und wie immer: Er sitzt in Haft.
Und das hatte der Polizist der Samstagsnachtschicht ausgeschlossen. Er hatte bei den zuständigen Gefängnissen angerufen.
Dann meldete sich ein Mädel, das mit dem Nachbarn, den wir morgens interviewt hatten, gut befreundet sei und erklärte, M. sei nun doch das ganze Wochenende zuhause gewesen. Sie wisse das, weil sie freitags abends um acht den Nachbarn verlassen hatte und da wäre M noch zuhause gewesen. Er sitze eine Geldstrafe ab. Okay.
So. Und dann noch mal: Fragen Sie doch mal in der Maßnahme nach. Ich arbeite da und habe Schweigepflicht.

Super. Danke. Ansonsten nichts. GAR nichts.

Und weil ich nun wirklich nicht mehr weiter weiß, habe ich K. beauftragt den Super-Anwalt zu kontaktieren, um ggf. raus zubekommen, ob er in Haft sitzt oder nicht, oder war oder soll.

Ja, wir machen normal weiter. Denkste. Das Haus hier ist still geworden, obwohl so viele hier wohnen. Jeder sitzt über seinem Whatś app Konto, Facebook hab eine Dauerleitung in diese Haushalte der Familie, weil jeder auf irgendwas wartet, das doch nicht kommt. Und die gut gemeinten Ratschläge auf der Website. Ob man denn schon mal angerufen hätte bei dem Vermissten? Sicher, wenn er ein Telefon hätte, klar. Oder die Freundin gefragt. Ja, wenn er eine hätte, hätten wir das gemacht. Und bei ihm zuhause? Ja, waren wir mehrfach. Bei einer Geldstrafe und seiner knappen Volljährigkeit kommt nur ein Knast und dessen Außenstelle in Frage und da ist er laut Polizei nicht.

Ich hasse es, auf mein FB-Konto zu starren, immer wieder das Telefon rauszuholen und drauf zu gucken!

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2 Gedanken zu “Es muss ja weiter gehen.

  1. Kann das total nachvollziehen. Grosse Leere im Kopf, weil man nicht mehr weiss, was man tun soll. Ach, Du Liebe, mal wieder wünsche ich Dir viel Kraft und dass sich alles – und möglichst bald – positiv aufklärt.
    Ganz lieben Gruss

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