Sehr geehrter Doktor Eisenbart,

vor zwei Wochen habe ich bei Ihnen angerufen, weil Minimi, in der Folge das Kind genannt, an einem Wochenende dreimal die Treppe herunter gefallen ist.
Das war zu der Zeit, als wir das erste Mal die von Ihnen verordnete volle Dosis Petnidan-Saft gegeben haben.
Das Kind verweigerte die Einnahme, es war ihr zuviel. Kleinere Mengen war sie bereit zu nehmen, aber keinesfalls die verordneten 10ml täglich. Wir haben mit allen Tricks gearbeitet. In Wasser versteckt, gebettelt, gebeten, kleine Plastiktiere als Belohnung nach der Einnahme und jetzt lassen wir das ganze in Cola „verschwinden“ und auch jetzt wurgst sie manchmal noch. Sie mag nichts Süsses mehr essen und auch bei Eis sucht sie das erste Mal süss-saure Sorten und will es nur selten.e

Seit das Kind die volle Dosis bekommt, schläft sie keine Nacht mehr allein und schon gar nicht durch; Anfälle hat sie weiterhin, genauso viele wie bei der Hälfte der Dosis. Sie verlaufen auch genauso schwach wie bei der Hälfte der Dosis. Nur konnte sie da noch durchschlafen. Ich baue ihr jeden Abend ihr Tippie auf, in das sie sich zum Schlafen zurück zieht, um dann nach einer Stunde schreiend und kaum beruhigbar ins elterliche Bett zu wechseln und dort unruhiger als je zu schlafen.

Sie hat sich verändert. Mir fehlt ihre bestechende Logik, mit der sie Dinge auf den Punkt brachte. Ihr Stimme ist auch wieder höher geworden. Das Kind ist nun ein brabbelndes dreijähriges Mädchen, das in der Trotzphase wie jedes andere Kind nur noch hysterisch schreiend ihre Unmut äußert.

Nach den Anfällen, die sie auch im Spiel überraschen, schlägt dieser sonst friedliche Mensch plötzlich seine Geschwister, so als wären sie die Ursache das eben Erlebte.

Aus diesen Beobachtungen heraus sind Fragen entstanden.
1. Was passiert in dem kleinen Menschen, wenn so ein Anfall kommt? Wie erlebt er ihn? Fühlt er ihn? Schaltet das
Hirn tatsächlich aus? Das Kind hat immer gemerkt, das da was war, das habe ich an ihren Reaktionen gesehen,
aber wie hat sie es gemerkt, wenn nur noch das Limbische System gearbeitet hat? Das muss ja gearbeitet haben,
denn automatisierte Handlungen sind ja weiter gelaufen.
2. Wie verändert sich die Wahrnehmung unter der Medikamenteneinnahme? Die tägliche und die der Anfälle?

Das Kind hatte von je her eine Milchallergie und hat klug, wie es war, Milchprodukte gemieden. Sie hat nur Dinge gegessen, die bei ihr keine Bauchschmerzen auslösten und im Gegesatz zu meinem gesamten übrigen Nachwuchs vorher niemals eine ganze Schokolade oder eine ganze Tüte Gummibären gegessen, sondern hatte immer einen Bunker mit den Resten der süssen Geschenke.
Nun zeigt mir das Kind, das die Dosierung nicht richtig ist. Und ich bin genötigt, ihr genau diese Überhöhe an Medizin zu geben. Sie schläft also nicht mehr richtig, was mich zu Punkt 4 bringt:

Wenn also vorher die Absencen das Hirn ausgeschaltet haben und das ja offensichtlich auch im Schlaf und das Mittel dieses Ausschalten verhindert oder aber so abschwächt, das sie den Gesprächsfaden nicht mehr verliert, dann tut das doch auch im Schlaf. Kann also das Kind wirklich noch schlafen, also richtig schlafen? Es gibt so viele Tage, an denen sie einfach nur versoffen aussieht und müde ist….

Ich wäre froh, wenn ich Erfahrungberichte jugendlicher oder erwachsener Betroffener bekommen könnte, um zu verstehen, was da pssiert. Ich fische derart im Trüben, und diese Ungewissheit wird auch für uns als Eltern eine wirkliche Belastung.

Mit freundlichen Grüßen,
Frau Safe

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2 Gedanken zu “Sehr geehrter Doktor Eisenbart,

  1. Ich kenne es jetzt nur so, dass „herumprobiert“ wird, wie hoch die Dosis sein muss. Zu Beginn der Behandlung kann der Arzt ja auch nicht wissen, was der Patient an Medikamenten benötigt. Zwar ist da eine Vorgabe auf dem Beipackzettel, aber das heisst ja nicht, dass es für jeden Patienten das Richtige ist.. Und wenn die Dosis zu hoch ist, dann muss niedriger dosiert werden. Das bedeutet aber auch viele Arztbesuche, bis das alles abgeklärt ist. Ich hoffe, Du findest Hilfe für Minimi und Dich.
    LG

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