Jugendamt 7.0.0.8.1

Donnerstag bin ich früher von der Arbeit heim. Das Jugendamt hatte auf dem Handy angerufen.
Und da ich einen neuen Sachbearbeiter habe, rief ich dringelich zurück. Aber da ging nur eine Kollegin dran. Sie erklärte mir, das die Anrufende jetzt nicht mehr im Zimmer sei. Und sie auch nicht wisse, wann sie wieder da sei.
Auf mein Argument hin, ich sei auf Arbeit und könne nicht dauernd telefonieren, meinte sie, das sei Pech.
Aber ich könne ja eine Nachricht hinterlassen. Wann ich denn Mittagspause habe. Ich  sagte es ihr. Aber das Gespräch war so blöd, das ich dachte: Du musst Präsenz zeigen, zumal ich noch in der Schule angerufen habe bei A.. A. ist 13. Da braucht man nix weiter zusagen.  Da man nicht notschlachten kann, muss man einfach Geduld und Spucke haben und warten,  bis der Bart wächst, dann wird besser.

Also ich weg von der Arbeit, ab in den Zug. Wenn ich die um Eins anrufen soll, dann ist die auch da, da kann ich dann auch selber hin. Macht mehr Eindruck.
Ich also um eins da. Die Tür ist zu. Von zwölf bis vierzehn Uhr kommt man da nicht rein. Ich also angerufen und laufe auf den Anrufbeantworter. Aha.
Auf dem Schild dort lese ich, das  ab vierzehn Uhr wieder offen ist. Gut, warte ich halt eine Stunde.
Und  setze mich in ein Cafe. Dort sitzt Herr Neumann neben mir  am Tisch und irgenwann kommen wir wegen meiner beschlappten Füsse ins Gespräch. Ob mir nicht zu kalt sei? Nee. Er hätte da einen Kollegen, der hätte schon seit zwanzig Jahren keine Schuhe mehr getragen, aber der sei Banker, nicht wie er, selbstständiger Maurer. Und wir reden hier und da und dort, irgendwann kommt seine Frau dazu…Und wir reden über Kinder und Stiefkinder und Ämter und und und.
Um zwei wackele ich wieder über die Strasse hin zum Amt.
Ich stehe zusammen mit einer Frau samt deren Tochter auf dem Flur und alle Türen zu bis auf eine. Dahinter sitzt eine Verwaltungsfachkraft und zwei bunte Frauen, formschön gestylt und farblich passend angezogen, ja, auch hochbehackt, sitzen mit der Schreibtischsitzerin im Gespräch.
An Zimmer 137 hängt ein Schildchen, man solle sich doch in Zimmer 136 melden und während ich so suche, begegne ich dem Mann aus Zimmer 136, der gerade dabei ist, sein Büro abzuschließen und ein Schildchen an seinem Namensschild anzubringen, auf dem zu lesen steht, man möge sich bitte in Zimmer 137 melden.
Die Mutter mit Tochter und ich gehen auf die lustige Gesprächsrunde im Büro der Verwaltungsfachangestellten los.
Die Mutter will wissen, ob die zuständige Sachbearbeiterin im Hause sei. Das könne ihr niemand sagen, aber aus dem Hintergrund im Frauenkreis-Zimmer  ertönt eine Stimme, ob denn die Kollegin, die grade die Frage der Mutter beantwortet hat, ob die denn schon mal im Terminkalender der abwesenden Kollegin geguckt habe. Nein, habe sie nicht, also sperrt sie das Büro auf und stürzt sich auf den Schreibtisch.
Währenddessen merkt die Mutter an, das sie schon letzte Woche mit ihrer Tochter hier vor Ort gewesen sei.
„Ja,“, sagt die Kollegin, die im Terminkalender der anderen wühlt.“ Nur weil es Öffnungszeiten gibt, gibt es ja keine Garantie, das man den Sachbearbeitzer auch antreffe. Sie sollen doch vorher anrufen….“
Dieser Satz entlockt der Mutter und mir ein müdes „Mhm.“. Wenn man morgens um halb neun anruft, läuft man auf den Anrufbeantworter. Viertel nach neun könnte eine Chance bestehen, aber ab dann klingelt es nur noch und klingelt und klingelt und klingelt…..
„Die Kollegin ist heute bei Gericht.“ Ich denke mir, das ich hoffe, das das nicht SpaBoSa( Spaghetti-Blognese-mit-Salat) heißt. Und höre wie die Mutter freundlich sagt, sie hätte da ja nur eine Frage, vllt könne ja die Terminkalender-Guckerin ihr helfen. Die Mutter ist langsam verzweifelt. „Meine Tochter ist vierzehn und schwanger….“ Super-Gau! Ich stürze auf die Tippse zu, ich will nix mehr hören.
Wer denn jetzt zuständig sei, will ich wissen. Frau D.. Ich erkläre, das mich jemand auf der Arbeit angerufen habe unter der alten Telefonnummer des Herrn R.. Und ich möchte wissen, was denn los sei. Ja, sie könne mir das nicht sagen,  sie habe keinen Zugriff auf die Akten der Frau D.. Sie soll ja auch nicht auf DIE Akten zugreifen, sondern nur auf meine. Also erkläre ich ihr, das das aber nicht sein könne, das mich zwar die Dame einmal anruft, mir aber niemand sagen könne, worum es eigentlich geht. Und das Argument“Ich solle doch anrufen.“ hebele ich gleich damit aus, dass ich ihr erkläre, wie es war: Ich habe angerufen, schon weil es den Mitarbeiter-WEchsel gab und Frau D. und ich noch keine Festlegung der Kommunikation haben  und wir uns als Familie gerne vorstellen wollen, weil mit vielen Kindern aus verschiedenen Beziehungen, wenig Geld,  und noch ein paar anderen Punkten erfülle ich ja die Risiko-Kriterien. Die Sekretärin: „Hä?“! Und die letzte im Büro verbliebene gut gestylte Sachbearbeiterin in einem lavendel-farbenen Long-Shirt zuckt zusammen uns starrt mich an.
„Ja“, sage ich. „Die Kriterien, wonach alles schief gehen kann mit den Kindern. Ich erfülle sie ja alle. Und Sie tragen ja auch die Verantwortung mit. Wenn was schiefgeht, steht man ja auch bei Ihnen. Und deshalb möchte ich gern, dass Frau D. und ich ein ordentliches Arbeitsverhältnis bekommen und sie wie Herr R. jederzeit vorbekommen kann und wir eine Art der Kommunikation finden, z.b. über Emails. Wenn Herr R mich angerufen hat, dann wußte ich: Ich muss mich einfach nur mal melden bzw. ich finde eine Email im Postfach.“ Ich bitte also darum, das Frau D. sich wenigstens per Mail meldet und wir mal einen Kennenlern-Termin ausmachen. Ich meine, wenn man schon sowas, wie uns in seinem Bezirk hat, dann sollte man sich auch ein Bild machen können. Und hinterlasse für den Notfall C.´s Nummer. Zusätlich zu meiner.

Sie hat sich nicht gemeldet.
Wahrscheinlich kommt sie gar nicht mehr ins Büro oder aber sie hat gemerkt: Da is nix mehr zu holen, austherapiert.

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