Sonntag morgen, 7 Uhr 43 ….

und ich bin schon ne Stunde auf.
Das Huhn kocht schon, der Geschirrspüler läuft, die Waschmaschine auch….
Gestern kam Post. Und weil der Name und die Anschrift handschriftlich waren, war bei uns schon dieses erstarrenden „OOOOH! Gott, was ist das jetzt?“ – Nix war. Die Flötenlehrerin ist auf einer Bildungsreise und deshalb gibt es keinen Unterricht.
Auf FB hatte mich eine Jessie angeschrieben und bot mir ihre Freundschaft an.
Es ist ne Menge passiert in den letzten Tagen. Hatte ich nun mit dem Hotel, in dem sich K. befindet, telefoniert und erfahren, Pakete gibt es nicht, aber Geld kann ich einzahlen. Ja, die Kontonummer habe ich auch. Und den Namen der Sozialarbeiterin, die könnte ich ja auch mal anrufen…..Will ich aber nicht. Was soll ich schon sagen. Und was die mir sagt, das weiß ich schon. Der ame Junge. Kann ich nicht mehr hören. Im Frühjahr hat die Omma dem armen Jungen noch den Führerschein bezahlt….der große Bruder für ihn eingekauft, wenn das Geld knapp war und getröstet, als seine Freundin ihn verlassen hat. Ein kluges Mädel übrigens, die keine Hintergründe brauchte, um zu sagen: So nicht, mein Freund!

Ich habe einen Brief geschrieben und von den Geschwistern erzählt. Und als ich fertig war, fragte ich mich, was ich da eigentlich mache. Und dachte dran, was Drogies eigentlich wichtig ist. Und hab den Brief weggeschmissen Geschwister sind nicht wichtig. Geburtstage mit Kerzen auf Kuchen sind auch nicht wichtig und zu Weihnachten braucht kein Mann im roten Mantel kommen, es ist nur wichtig, das es schneit. DAs nicht meins.
Als dann die Wut kam, habe ich noch einen Brief geschrieben. Was von Ehrlichkeit und „nur, wenn Du Dein Leben ändern willst“ und bla. Ist auch im Müll. Ist schwachsinnig. Man muss nicht Dinge sagen, die die eh wissen.
Und ich kann nicht einfach da hin fahren, wie Helfersyndrom-Jessie möchte, davon ab, das die da eh nicht reinkommt und unten an der Mauer winken darf.  Jessies Freundschaftsanzeige führte zu einem Gespräch mit meinem großen Sohn, der seltsamerweise immer zeitgleich Gefühle hegte, die ich kenne.
„Mama, ich kann da nicht hin. Ich würde den nur schlagen, so wütend bin ich.“ Japp, ich auch.
C. sagte, K. müsse jetzt eine General-Vollmacht ausstellen. „Kann er seiner Mini-Bitch schreiben, C.. Ich mach´das nicht.“ Sein großer Bruder macht das auch nicht. Tja. Doof halt.
Jessie geht es gar nicht um K.. Es geht ihr um den Kumpel von ihm, der mit hochgenommen worden ist. Aha. Man müsse sich jetzt kümmern, damit die da nicht wieder reinrutschen…Ähm, äh….die sind doch da mitten drin, oder hab ich da was nicht verstanden???
In einer Heulphase habe ich auf K´s FB Profil geguckt und festgestellt, dass sein Kumpel,die Reise angekündigt hat. „Kurz Urlaub machen mit K.“ . Ich konnte mich nicht enthalten, dahinter zu schreiben: „Na, dauert wohl doch etwas länger….“ Der zweite letzte Eintrag seines Kumpels war eins dieser Dinger, die FB macht, wenn man eine Ortsangabe macht. Nämlich „Subway in der Schweiz“. Japp. Ich auch kommentiert: „Gell, Zwickau ist auch schön!“

Wir haben jedenfalls beschlossen, der Große und ich: Bevor wir mit unseren Arbeitsplänen da runter jökeln, besprechen wir die Reise erst bei einem gemeinsamen Essen mit seiner Frau und C.. Ist schlecht möglich, weil seine Frau arbeitet Schicht und incl. Samstag und ich auch.  Scheiß Helfersyndrom, ehrlich.
Zum Geld überweisen: Am Anfang hab ich gedacht, man könne ja so 50 Euros überweisen, obwohl unser Omma sagte: „Geld wird nicht geschickt. Der hat das Nötigste. Essen kriegt er, Waschzeugs haben die….und Klamotten auch.“ 140 Jahre Polizei, unser Omma, eben.
Aber dann bin ich auf Arbeit gefahren. Gestern.  Und wenn ich mich ganz doll bemühe, bekomme ich einen Cent, jawohl, 1 ! Cent Stundenlohn mehr. Das wären 35 Cent in der Woche…..Für 50 Euros müsste ich 142, irgendwas Wochen arbeiten, weil das, was ich so hab…das reicht ja nichtmal für die hier.Wie unser Omma sagt: Wer das Gute nicht will, muss das Schlechte nehmen. Wer sich ein schlechtes Hotel aussucht, muss nicht rumjammern.

Die Telefonnummer meines Großen haben die dort gleich behalten, falls sich der Anwalt meldet. Was der Anwalt wollen würde, wollte mein Großer wissen. Na, was wohl. Geld. Der muss bezahlt werden.

Omma schickt K. ne Geburtstagskarte:
Ein gelber Luftballon mit nem Smily-Gesicht und nem Spruch: Beginne jeden Tag mit einem Lächeln, es vertreibt alles Sorgen. C. findet was gemein. Kann ich nicht verstehen. Ich hatte eine in der Hand, aber ich durfte sie nicht mitnehmen. „Der King macht Pause“ Dann so ein Typ mit Schmerbauch und Socken und Feinrippunterhemd und zwischen seinen Füssen auf dem Tisch eine Geburtstagtorte. Und wenn Du die aufgemacht hast, kam so 70jahre Disko-Musik und da stand: Alles Gute zum Geburtstag. Ich verstehe nicht, warum C. das als zu gemein empfand…..
Ich mache erstmal gar nichts. NIX.  Es hat den niemand geheißen, das zu tun. NIEMAND. Und sorgen müssen wir uns auch nicht mehr: Wir wissen jetzt jederzeit, wo er ist. Welche Eltern haben schon diesen Vorteil??? Das weiß man ja nicht mal zur Grundschulzeit.
Gedanken um seinen Geburtstag der Sorte „Hm, was machen wir, wenn der sich nicht meldet…“ müssen wir auch nicht und zu Weihnachten gibt es dieses Jahr auch kein Grübeln, weil…..isser wohl nicht da.

Und wenn der werdende Vater mit noch einmal sagt, das es zweierlei ist, nämlich das, was ich denen beibiege und ob sie das machen oder eben ihr Ding, ich  schrei den an, bis dem die Haare bluten!

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3 Gedanken zu “Sonntag morgen, 7 Uhr 43 ….

  1. Es ist eben nicht zweierlei. Natürlich machen die Kinder ihr Ding und wir Mütter stehen daneben. Aber im Gegensatz zu einer Freundin oder einem Partner können wir zu einem Kind keine Distanz aufbauen und sagen: Mach mal, wirst ja sehen, was draus wird.

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  2. Der Anwalt muss nicht bezahlt werden, da Deinem Sohn ein Pflichtverteidiger gestellt worden sein muss! Da Dein Sohn voraussichtlich keine eigenen ausreichenden Mittel hat, wird dieser Pflichtverteidiger erstmal durch die Staatskasse bezahlt.
    Erst wenn Dein Sohn verurteilt wurde, werden die Kosten des Verfahrens und des Anwalts ihm auferlegt. Und im Zweifel muss er halt entweder ein paar Jahre seines Lebens monatlich Kohle abdrücken oder er geht noch mal in den Bau (Erzwingungshaft). Du als Mutter bist völlig außen vor.

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