Brief an unseren Oberbürgermeister

Der ist schon ein paar Tage her und ich sah mich genötigt, ihn zu schreiben, weil nach der Eröffnung einer Außenstelle der kleinen Grundschule einen Tag vor der Abstimmung über den Umzug unserer kleinen Grundschule in die Räumlichkeiten der katholischen Grundschule und die wiederum in die Räumlichkeiten der unserer kleinen Grundschule, also weil einen Tag vor der Abstimmung im Rat vom Oberbürgermeister ein neuer Vorschlag, nämlich eine Außenstelle unserer kleinen Grundschule kam, musste ich ihm schreiben.

Und weil einer der Ratsherren eine Email einiger Worte würdig fand, er erklärte nämlich, der Schreiber habe kein Zuhause gehabt, was ja nicht stimmt, weil ja jeder irgendwie ein zuhause hat, veröffentliche ich sie mal hier:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

es war so klar. Sowas von klar. Schon nach der Sitzung am 4ten November war klar, da kommt die nächste wenig praktikable Idee.

Außenstelle Schiller-Schule. Warum gibt es eigentlich keine Außenstelle Ratsgymnasium? Da hätte man sich doch glatt die Kosten für die Container gespart.

Haben Sie sich eigentlich mal wirklich mit dem Schulalltag auseinandergesetzt? Also ich meine nicht mit Kekse-Backen für die Weihnachtsfeier und Kindertransport?

Eine Außenstelle der Schiller-Schule. Ernsthaft? Wer kümmert sich um Rolf-Rüdiger, wenn der fröhlich durch die Klasse kotzt und von Mutti abgeholt werden muss? Bisher mussten die Mitschüler da nicht zu gucken. Die Sekretärin der Schule hat sich drum gekümmert. Oder er braucht einen Krankenwagen. Da stehen jetzt alle Mitschüler drum rum und dürfen auch mal auf den Bruch drauf drücken, oder wie soll das sein? Oder soll die Sekretärin jetzt pendeln? Nach dem Motto „Unfälle und Erkrankungen nur zwischen 10 und 12 Uhr, da ist die Sekretärin im Haus“. Thema : Aufsichtspflicht.

Die Lehrer der ersten Klasse unterrichten auch durchaus Fächer in den höheren Klassen, aber das fällt dann klar weg. Oder haben Sie schon unter Einhaltung der StVO die Wegstrecke Schiller-Schule-Georgenberg gefahren? Hatten Sie gar vor, Elon Musk für seinen Hyperloop ins Boot zu holen, damit die Logistik zwischen Hauptsitz und Außenstelle möglich ist?

Wenn eine Lehrkraft auf dem Weg zur Außenstelle aufgehalten wird, bekommen dann die Eltern per Broadcast die Mitteilung , sie mögen warten wegen der Aufsichtspflicht?

Kein klassenübergreifender Schulchor mehr für die Schiller-Schule? Goslar entdecken und vieles mehr ist dann nur noch für die höheren Klassen. Hausaufgabenbetreuung? Sollen die Erstklässler dann zum Hauptsitz gehen? Ich denke, das Argument ist immer „kurze Wege, kleine Füße“. Oder stellen Sie sich vor, wenn da nur drei Erstklässler zur Hausaufgabenbetreuung sind, das dann da extra eine Betreuungskraft abgestellt wird? 1 Betreuungskraft für 15 Kinder, so ist der Schlüssel.

Und Eltern, die schon ein Kind auf der Schule haben, die schulen dann nächstes Jahr ihren weiteren Nachwuchs in der Außenstelle ein. Das Einzige, was an dieser Geschichte gut ist, ist, dass es auch die Eltern trifft, die immer neue Vorschläge machen und mit Hätte-Hätte kommen.Die dürfen sich dann überlegen, wer wie abgeholt oder gebracht wird.

Und ab welcher Klassenstufe erfolgt der Umzug in den Hauptsitz? Oder hatten Sie einen schleichenden Umzug vor so über die nächsten zehn Jahre?

Mal ehrlich: Außenstellen funktionieren schon bei Behörden nicht, aber für eine Schule soll das gehen?

Es wird wirklich zur Farce. Goslar, die Stadt mit Schulen in Containern und Außenstellen. Und das Argument, die Stadt müsse nur Geld in die Hand nehmen und dann wäre das Problem zu lösen – mal ehrlich, man kann nur in die Hand nehmen, was man hat. Und da wird auch Goslar in den nächsten Jahren nicht viel zum In-die-Hand-nehmen-haben.

Nee, ich war auch nicht begeistert von einem Umzug. Ja, Sie und die Ihren hätten schon vor Jahren gemusst. Haben Sie aber nicht.

Aber wir sind im Hier und Jetzt und hätte-hätte ist überflüssig.

Und im Hier und Jetzt kann man nur mit den vorhandenen Möglichkeiten eine Lösung suchen. Und der Vorschlag der Stadt, von Herrn Busse und Herrn Siebert vorgetragen, die auch aufgezeigt haben, was alles geprüft worden ist, ist innovativ, ökologisch vertretbar und bezahlbar. Da hat man doch in Ihrer Behörde wirklich solide Arbeit geleistet. Das ist alles mit Zahlen belegt. Und Herr Busse und Herr Siebert, die haben sogar den nächsten Vorschlag von diese Zwergenschule geprüft. Und ich denke, die haben eigentlich noch mehr zu tun als stundenlang mit Politikern Zahlenspielereien durchzugehen, die doch nur wieder zu dem Ergebnis führen, der von der Stadt gemachte Vorschlag ist der einzige, der lösungsorientiert ist.

Stellen Sie sich doch einfach mal vor, das Schulgebäude in der Zehntstraße wäre über Nacht unbrauchbar. Gasexplosion, alle Zimmer voller Schwarzschimmel, Wasserschaden, irgendwas. Wollten Sie dann Container aufstellen, Straßen sperren? Dann müsste auch eine andere Lösung her.

Ja, ich weiß. Jetzt kommen die Eltern mit dem Argument „Kinder“. Und ich habe das Privileg, offen reden zu dürfen. Ja, die Kinder, die wollen ja nicht umziehen. Stimmt. Wollen die generell nicht. Nicht von der vierten Etage Sozialbauwohnung aufs Dorf oder sonst wohin. ABER: Wenn die Eltern einen besser bezahlten Job ist Castrop-Rauxel bekommen, dann müssen die Kinder mit umziehen und zwar richtig inklusive neuer Schule. Oder glauben Sie ernsthaft, die Eltern schlagen das aus?

Ja, ich weiß. Die Diskussion bekommt ein Niveau, bei dem man sich so tief bücken muss, dass man schon beim Runter-Bücken Angst hat, nie wieder den aufrechten Gang zu erlangen. Aber gucken Sie auf die Zahlen. Schauen Sie sich die Arbeit Ihrer Leute an, das spricht alles definitiv für sich.

Ich war froh, als Sie sich positioniert hatten. Und nun wieder ein Wechsel. Wozu? Was haben Sie davon? Was ist das für ein Statement von Ihnen im Bezug auf die von Ihren Mitarbeitern bisher geleistete Arbeit ?

Zum Christentum gehört klar die Nächstenliebe. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Wie ist das vereinbar mit der Tatsache, das einige Kinder alle Fördermöglichkeiten haben und anderen diese abgesprochen werden, weil es bei diesen nicht die notwendigen Räumlichkeiten gibt? Und bei der von der Stadt dargestellten Lösung des Umzugs inklusive Neugestaltung des Schulhofes für Kaninchen und was nicht alles in der Zehntstraße kämen alle Kinder zum Zug. Mal ehrlich: Irgendwie selbstredend, wenn die Eltern der Kinder einer katholischen Grundschule unterstützt von den christlichen Parteien gegen einen Umzug Sturm laufen, der bisher Benachteiligten die nötigen Fördermöglichkeiten eröffnet. St. Martins Reliquie müsste doch bei solchen Sachen in seinem Reliquiar rotieren.

Mit Ihrer Außenstelle ist das Problem der zu kleinen Klassenräume in der Schillerschule doch auch nicht gelöst. Wer haftet da eigentlich, wenn es mal brennt und die Räume weiterhin überfüllt sind?

So, und wenn Sie jetzt vielleicht doch noch eine Lösung suchen: Mein Mann hätte da eine. Sie überlassen den Leuten mit den seltsamen Lösungen das Schulgebäude in der Zehntstraße gegen Nutzungsentschädigung. Die machen ihre eigene Schule auf, das geht nämlich.

Und für die Pädagogen, Sekretärin, Hausmeister und Putzfrau und Schüler der Schiller-Schule suchen Sie einfach ein geeignetes Objekt und lassen sie umziehen. Fertig.

Und falls Sie doch eher noch ein paar obskure Ideen brauchen, rufen Sie mich an. Ich helfe da immer gern kreativ aus. Blöde Ideen kann ich.

Mit freundlichen Grüßen,

S H

als Bürgerin und Mutter

Ich habe in meinem Leben noch nie sowas gemacht, aber ich musste aufstehen, als die Elternvertreterin der Klasse meiner Mini Druck machte, wir sollten uns gegen einen Umzug stellen und dann den Satz schrieb: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ . Da fiel bei mir eine Klappe.

Die Schiller-Schule darf zum nächsten Schuljahr umziehen und die katholische Worthschule mit halb so vielen Schülern zieht in die Räumlichkeiten der Schiller-Schule.

2 Gedanken zu “Brief an unseren Oberbürgermeister

    • Vom Oberbürgermeister und den anderen Parteivositzenden nicht, aber von der Bürgermeisterin in Goslar. Die war es auch, die diese Umzugsidee ins Spiel brachte. Und am Anfang war ich auch dagegen und stellte fest, das es nur meine Gewohnheit war. Und die Angst vor dem Neuen und dann habe ich denen zugehört, denen von der Stadt, die alle möglichen Lösungen haben untersuchen lassen und durchdacht und mit Zahlen belegt haben und dachte mir: Okay, Jungs, alles klar. Aber andere Eltern waren nicht zu überzeugen.

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