Frei!

Ich bin gekündigt worden. Ein schwerer Mantel ist mir von den Schultern gefallen. Ich kann wieder atmen.

Aber von vorn:

An meinem Geburtstag , zehn vor zwei, rief die Chefetage an und erklärte mir, das ich nicht mehr in meinem Objekt arbeiten dürfe, am nächsten Tag nicht mehr auf die Schulung dürfe und sofort den Schlüssel für das Objekt abzugeben habe.

Auf meine Frage, was denn passiert sei, antwortete mir die Dame aus der Chefetage, man sei nicht berechtigt mir auf  diese Frage antworten…Ich solle am nächsten Tag um neun im Büro sein.

Ich habe den Schlüssel abgegeben und  bin an meinem Geburtstag um acht ins Bett.

Am nächsten Morgen hatte ich Fieber und Mandeln. DAS hat mich geärgert. Scheiß-Körper. Und weil man in der Regel immer nur so gekündigt wird, wenn wirklich wirklich was Schlimmes passiert ist, naja.

 

Am nächsten Morgen war ich um neun im Büro. Eine Minute vor neun, weil ich keinen Spießrutenlauf durch die anderen Vorarbeiter machen wollte. Ich war ja in meiner Putzfirma nur noch Aufsichtskraft in der Reinigung, so in meinem Vertrag, und was auch immer das ist. Anfangs bekam ich den Vorarbeiterzettel, aber im Laufe der wenigen Wochen wurden mir mehr und mehr Rechte abgesprochen.

Nunja.

Aber noch mal einen Sprung zurück. Durch meine lange Krankheitszeit habe ich jede Menge Urlaub angesammelt, den ich eigentlich nicht wollte. Ich war froh, wieder arbeiten zu dürfen.

Dann gab es ein Gespräch im Büro und die Chefin wies mich an, diesen Urlaub zu nehmen, immerhin habe man ihn schon um 17 Tage gekürzt, weil ich ja in 2018 drei Montage gearbeitet habe und da hätte Urlaub nehmen können. Was ein Witz, aber egal.

Also bin ich nach Hause, habe 50 Tage im Kalender abgezählt und in den Urlaubsantrag eingetragen.

Dann hatte ich einen Termin beim Orthopäden. Und worunter ich wirklich leide ist nicht nur diese  blöde Orthese, sondern auch die Tatsache, das ich den Kindern das Radfahren nicht beibringen kann.

Und wir haben abgesprochen, meinen Urlaub dazu zu nutzen, mir ein neues Gelenk einzusetzen. Dafür würden sich 50 Tage Urlaub gut eignen. Eine Krankmeldung wollte ich nicht abgeben. Weil dann wieder so eine dumme Diskussion kommen würde.

Aber nun wurde es wichtig, ob ich den Urlaub bekommen würde.

Auch das wurde mir im Gespräch vorgeworfen, das ich den doch auf einmal haben wollte.

In dem um neun Uhr. Und eigentlich bin ich nur unfähig, unreflektiert, tanze da durch mein Objekt, alle Nachfragen wurden mir vorgeworfen, eigentlich ich selbst. Ich sollte zu den genannten Einzelfällen Stellung beziehen, aber keinen Einzelfall beantworten, nur allgemein.  Wurde immer wieder unterbrochen…

Dann war Ruhe.

Wie es nun weiter gehen solle, fragte der oberste Chef.

„Ich weiß nicht, ich denke, Sie werden da schon was vorbereitet haben.“

Er nannte mich frech.

Ich wurde gefragt, was mein Objekt denn für einen Vorarbeiter brauche. Und da hatten wir es wieder. Ich war ja nur Aufsichtskraft, was auch immer das ist.

Ich antwortet, das dort auf jeden Fall jemand hin müsse, dem die Kollegen vertrauen könnten.

Dann wurde ich gefragt,  wo ich meine Position in der Firma sehe.

Nach kurzem Nachdenken, denn Reinigen kann ich körperlich nicht mehr, und die Aufsichtskraft kann ich aus mir heraus nicht, wie man mir kurz vorher erklärt hatte,antwortete ich:

„Nun, das eine kann ich nicht mehr und das andere kann ich auch nicht. Ich habe keinen Nutzen für die Firma mehr.“

Ich solle sofort rausgehen und fünf Minuten über das gesagte nachdenken. Wieder waren sie sauer. Und ich verstehe das immer noch nicht. Sie hatte mir das doch eben gerade gesagt, daß ich nicht als Aufsichtkraft in der Reinigung tauge.

Als ich zurück kam, wurde ich erneut gefragt, ob ich über meine Aussage nachgedacht hätte.

Auch das habe ich nicht verstanden. Da brauchte ich nicht drüber nachdenken. Wenn das eine nicht geht und das andere nicht, hat man einfach keinen Nutzen für eine Putzfirma.

„Ich möchte endlich wieder mal genügen und das wollen Sie doch sicher auch.“  Das war meine Antwort.

Und um ehrlich zu sein, mir war am Vortag aufgefallen, das wenn ich die Orthese los werde, ich einfach wieder beruflich Chancen habe.

Also bin ich gekündigt worden. Meine Kündigungsfrist ist nur für mich verlängert worden um drei Monate mit sofortiger Freistellung.Das ist eigentlich was, das will ich gar nicht. Da ist immer noch ein Rest Mantel. Der Antwalt hat mir gesagt, ich soll ihn anrufen, fallls sie mich noch mal in der Zeit ins Büro bestellen.

So. Ich bin froh, das ich da raus bin. Einfach nur froh.

 

 

3 Gedanken zu “Frei!

  1. Ich muss mir jetzt das nochmal durchlesen, ob ich mich mit dir freuen soll oder gemeinsam auf den Ex Arbeitgeber sauer sein soll.🙄 klingt aber irgendwie verhalten gut. 🙃

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    • Freu Dich bitte mit mir. Ich bin froh, der schwere Mantel, den ich seit zwei Jahren auf den Schultern hatte, ist weg. Also freue Dich bitte mit mir. ich habe die Kollegen immer wieder beneidet, die einfach gehen konnten und sich einen neuen Job gesucht haben. ich konnte nicht. Wegen der Sperrzeit. Das melden die dann an das Jugendamt. Ich kann seit zwei Jahren endlich mal nach vorne gucken.

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