„Warum machst Du das?“

S. hatte mich angeschrieben, als ich mit dem jungen Vater und Olaf mittem im Harz stand. In Sperrgebiet.  Ich schickte ihr ein Bild mit Wald und schrieb, das ich mitten im Wald bin. Ich bekam eine Nachricht, in der sie bestätigte, ja, mitten im Wald.

Um Akku zu sparen, schrieb ich ihr erneut, das ich mich später melde und drückte die erneute Bestätigsgungsnachricht weg.

Der gewordene Vater sucht Schätze und ich Eindrücke und Kräuter. Auf dem Rückweg werden wir erwischt. Wir gucken in ein Haus und ich äußere meinen Ärger, das irgendwer sämtliche Fenster in den Häusern aufgemacht hat und so der Regen einfach rein kann.

„Was machen Sie denn da?“ Erst da meldet der dumme Hund und versteckt sich hinter mir.

„Der Hund ist abgehauen und wir haben ihn gesucht und sind hier gelandet. ..Es war so eindrucksvoll, da habe ich gesagt, wir sollten mal gucken.“

Er glaubt mir. Ich sollte den Hund festmachen, für den sei es auf dem Gelände der alten Waffenfabrik zu gefährlich.

Der Spaten ist auch schnell erklärt; immerhin suche ich Heidelbeerpflanzen für meinen Garten.

Doch der Oberförster lässt uns nicht aus den Augen und fordert uns auf, einen anderen Rückweg zu nehmen, als den, den wir nehmen wollten. Wir kommen zwar einfacher vom Gelände und müssen über keinen Zaun, aber dafür sehen wir die Verbotsschilder und haben einen wirklich langen Rückweg.

Als ich zuhause bin, schreibe ich es. Ob das verboten sei, dort hinzugehen.

„Da ist nur kaputter Zaun , wo wir rein sind, auf der anderen Seite sind die Verbotsschilder.“

Warum man das mache, will sie wissen.

Für solche Einblicke, zum Beispiel:

DSC_1465

Für kleine Fundstücke wie eine Nivea-Dose von 1949. Ja, und auf einem anderen Gang haben wir auch eine alte Handgranate gefunden.

DSC_1574

Beweisfoto. Ist aber nicht in der alten Sprengstoff-Fabrik. Ist woanders.

S. ist damit nicht allein. Der gewordene Vater und ich zockeln mit Rucksäcken, Kaffee, Wasser, Tabak, Brot oder Schokolade und Hundeleckerlies los und verlieren uns oft dort. Meist wird aus einer Stunde fünf.

Auch Omma und C. verstehen es nicht. Ja, der gewordene Vater würde gern das Bernsteinzimmer finden. Soll er. Aber als ich das erste Mal in der alten Sprengstofffabrik war und wir den ersten Bahnhof gefunden haben, hinter dem ein eingestürztes Tunnelsystem los ging und ich feststellte, das Berge keine Berge waren, sondern darunter eingestürzte Tunnel, da dachte ich, das man an diesem Ort froh sein konnte, wenn man, nachdem man angekommen war, wieder Tageslicht zu sehen bekam.

Vielleicht liegt es daran, das Omma immer noch mit erfürchtigem Stolz erzählt, das ihr Vater Flieger war und sogar ins Führerhauptquartier gekommen ist, vielleicht liegt es daran, das ich mich noch an die Unruhe in meiner Grundschulklasse erinnern kann, als irgendjemand von Konzetrationslagern sprach und wir alle zuhause die Antwort bekamen, das war in unserer kleinen Harz -Stadt nicht, sondern in Moringen. Und nun ist doch rausgekommen, das der ganze Harz voll war mit solchen Lagern…

Omma möchte, das alles vergessen wird. Ich nicht. Mit der Sprengstofffabrik hat Hitler sein 1000jähriges Reich verwirklicht. Denn auch wenn Fenster oder Türen oder Dächer fehlen, das was nicht durch den großen Bombenangriff zu Bruch gegangen ist, das steht wie eh und je. Die wußten um die geheime Zutat im Beton, das er überdauert. Und ich kann dieses “ Das muss man doch irgendwann man vergessen!“ von Omma nicht ab. Vergeben ja, vergessen NIE.

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3 Gedanken zu “„Warum machst Du das?“

  1. Vergessen wird man es wohl hoechstens falls man Alzheimers bekommt. Auf der anderen Seite erinnere ich mich noch schwach an die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg in meiner alten Heimat in Schlesien und welch schoene Zeit wir als Kinder hatten.

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