Schulunfall

Es ist immer Mist, wenn Unfälle passieren und hier war es A.s Ellen-Speichenbruch auf dem Schulhof. Und wenn  A. was macht, dann macht der es richtig, also reichte kein einfacher Gips, näh, Operation musste her. Und wenn sowas ist, dann kommt immer alles zusammen.
Ich war zwar krank zuhause, aber hatte morgens mein Handy zum Laden im Schlafzimmer gelassen, weil es kann ja nix passieren, ich bin ja da. Also hat es drei Stunden gebraucht, bis mich mein Chef erreicht, weil den haben sie auch angerufen. Ich habe dann die Lehrerin angerufen und mir alles angehört und ihr gesagt, das wir Voip haben, es hatte nämlich nix geklingelt. Und das, wenn sowas noch mal sein sollte, die Polizei auch hilft. Jedenfalls da, wo ich herkomme. die kommen da  mal rum, wenn sowas ist.

So. Das nächste GUV-Krankenhaus ist in Braunschweig. Und weil eine Freundin dort behandelt wird,  es in der Nähe ist, habe ich  uns für Braunschweig und nicht das MHH entschieden.( Der Satz ist genau so korrekt, weil ich es entschieden habe für uns)
Wir also mit Krankenwagen da hin, die bringen  uns über den Haupteingang rein und es erinnert mich an das Kreiskrankenhaus Osterode, dass schon vor Jahren abgerissen worden ist. Nur das Aquarium, das in Osterode im Eingangsbereich zu finden war, suche ich vergebens.  Durch den Haupteingang und Gänge zur Notaufnahme. Ich denke, MHH wäre besser gewesen. Aber nur vom Ambiente her, näh! Bitte nicht oberflächlich. Ein vollgestopften Flur, rechts und links Stühle voller mit Menschen, nur zwei Kinderstühle sind noch frei. Und am Ende eine Tür aus Glas, undurchguckbar und ein Glaskasten daneben mit Rollo runter.
Der Sanitäter erklärt uns, das wir vllt vorgezogen werden, wenn er uns anmeldet, aber das es lange dauern werde.

Wir werden  an der Tür vorgestellt, normalerweise hätten wir hinten über einen anderen Eingang  reingemusst, erfahren wir, aber wir warten erstmal. Ich setze A. auf einen freien Kinderstuhl, gehe kurz raus und informiere mit dem Handy C. und den Rest der Familie.
Zurück in den Warteflur setze ich mich auf einen der hölzernen Kinderstühle. Jemand wird reingerufen, wir kriegen richtige Stühle.
Dann sind wir dran. Wir folgen der Dame durch die Glastür vorbei an Menschen in Betten, die auf Behandlung waren und kommen in einen Raum mit Thesen, dahinter zwei Monitore, auf beidene eine rechte Hand und ein Bruch beider Unterarmknochen und ich sehe: Verschoben. Alles klar.
Röntgen muss nicht noch mal sei, sagen sie. Sehe ich auch so. Es ist soooooooooooooooo offensichtlich, da gibt es keine Abrede. A. hat Angst. Richtig Angst. Er hat Angst, die Narkose nicht zu überleben. Er hat Hunger und Durst, denn er hat sei dem Morgen nichts mehr gegessen und es ist früher abend.
Ein Arzt, vier Schwestern? Um uns herum stehen Betten, Tragen und wie auch immer das heißt, mit dem Menschen liegend transportiert werden können.  Die Türen zu den Behandlungsräumen erinnern an Türen von den Kühlräumen von Fleischereien, nur die Griffe sind anders und wenigstens hinter einer dieser Türen, die zum Teil geschlossen sind, ist noch ein Patient. Und sie müssen Papierkram machen, die Menschen, die dort arbeiten.
Formblatt A 36, B 712, Y kj325 und nebenbei Menschen behandeln.  Eine alte Frau mit einem Verband über Auge und Stirn ruft mich und bittet mich, ihr die Kette von ihrem  Hals zu nehmen. Ich bin froh, als mich eine Schwester schnell ablöst. Sobald es ruhig ist, weil alle tippseln, fragt eine alte Frau, die  in einem Bett liegend genau vor diesem Thresenbüro steht, ob überhaupt noch jemand da sei. Die mit der Kette möchte jetzt endlich dran kommen, als sich eine, die  versteckt steht, meldet, das sie seit drei Uhr nachmittags dort warte. Sie hat Arbeitsklamotten an und ich stelle fest, das diese Trage mit der Lehne nach oben nicht leer ist, wie ich zunächst dachte, sondern eben diese Frau darauf liegt. Sie steht direkt mit dem Gesicht zur Wand neben einer offenen Tür zu einem Behandlungszimmer. Auf der anderen Seite der Tür steht noch ein  Bett, das auch nicht leer ist.
Ein Mann, der Probleme mit der Schulter hat, will lieber am nächsten Tag zum Hausarzt und verabschiedet sich.

Wir kommen auf eine Kinderstation. Auf dem Weg dorthin nehmen wir C. mit, der nicht reindurfte, aber jetzt darf er, mit. Eine Ärztin fragt nach Erkältungskrankheiten und weil ich nicht weiß, ob ich A.  angesteckt habe und sie vorher erwähnt hat, das A. auf einen Station kommt, deren eine Hälfte Kinder mit Krebserkrankungen behandelt, weise ich darauf hin, dass ich mit Fieber und Krank zuhause bin.  Ob ich bereit bin, einen Mundschutz zu tragen, wenn ich A. besuche. Logo. Er wird gewogen, gemessen. Und wir werden auf die Station geschickt. Die Menschen, die dort arbeiten, tun mir leid. Wir gehen weiter durch den Flair der 50er Jahre auf die K 5. A. ist noch mehr knurrig. Naja, es wird immer später, es ist noch nicht klar, ob er noch in der selben Nacht operiert wird, wir hatten schon in der Notaufnahme gehört, das da noch ein Gesicht im Op in Stand gesetzt wird.  Wir ins Zimmer. Ein drei Bettzimmer mit Waschbecken mit Vorhang, Klo übern Flur.
Die Betten so eng, das die Schwestern hier gleichzeitig Logistiker sind. Wer operiert wird, liegt nebem dem Waschbecken. Zwischen den Betten ist ein Gang, der ein bischen mehr Platz bietet, als der Nachtschrank braucht und weil A. vllt noch heute nach operiert wird, wird das Zimmer noch mal umgeräumt. Junge eins raus, samt Bett in die Mitte, freies Bett aus der Mitte an die Tür.
A. muss einen Einweg-Schlüpfer mit Windel, ein Op-Hemd und Trombose-Strümpfe anziehen. Weil noch mehr Jungs im Raum sind, verabschieden C und ich uns.  Und warten dann draußen auf dem Gang auf die Anästesistin. Die Schwester, die noch mal ins Zimmer ist, kommt auf mich zu. Was mit A. los sei, will sie wissen. Sie habe das Gefühl, er würde sie verantwortlich machen, das er dort sei.
Ich denke, das das doch sehr unprofessionell ist, sage aber, sie möge ihn nicht ernst nehme. Schmerzen, Hunger, Durst, Angst. Und dann mal grad 13 Jahre alt, na wenn man da nicht pissig sein darf, wann denn dann?

Die Narkose-Ärztin kommt gegen halb elf. Mein Datenvolumen auf dem Hand ist durch C. aufgebraucht, der musste You-Tube-Videos gucken.
Sie will A. gleich mitnehmen. Ausgefüllt und unterschrieben ist der Zettel schnell. Wir dürfen A. ein Stück bringen. Wir schullern sein Bett über Flure, durch Wartebereiche, an Metallcontainern vorbei und letztendlich durch einen Gang aus mit Platikplanen abgedeckten Op-Tischen. Das fand ich dann doch gruselig. Bei den Metallcontainern frage ich, wo wir denn warten sollen? Bekomme aber keine Anwort, weiter gehts.
Als wir vor einer Wand mit einer Glasscheibe und einem Laufband in Menschengröße stehen, denke ich, das wir zur weit sind. Links von der dem Hoch-Und-Runter-Fenster ist eine Tür, auf der Instrumentenübergabe steht, davor ist eine rote Linie.  C. macht irgendeinen Witz über die rote Linie, den habe ich aber bis heute nicht verstanden.
A. wird mit Hilfe dieses Laufbandes auf den Op-Tisch auf der anderen Seite dieser Menschendurchreiche geschubst und Pfleger Nils holt aus einem Schrank auf dieser Seite warme Decken. Ich denke wieder: Wir sind zu weit!

C. und ich fahren nach Hause. Ich hole frische Wäsche und was zu Essen für A., schicke Oma und M. nach Hause, die die Kinder hier gehütet haben. Dann werfe ich ibuprofen ein und ab zurück zum Krankenhaus. Die Op hat länger als eine Stunden gedauert, aber ich gehe zur Intensiv und schließe die Klamotten  und meinen Rucksack in einem Schrank ein. bekomme einen Kittel. Taschentücher sind Gott sei Dank in meiner Jackentasche drunter. A. hat Durst und als ich vom Pfleger Wasser für ihn bekomme, kann er nach dem zweiten Becher endlich ruhig schlafen. Um dreiviertel drei bringe ich seine Sachen auf die Station, die ich ihm durchaus auch in der Intensivstation auf´s Bett hätte stellen können und fahre nach Hause.

Am nächsten Morgen telefoniere ich mit dem Versicherungstr
ger und bekomme die Zusage, das A. nach Goslar verlegt werden kann. M. fährt mit mir nach BS. Dort spreche ich vor; aber man erklärt mir, das er eh heute entlassen werde. Wir warten. Nach drei Stunden warten und den Unfallbericht für die Gemeinde-Unfall-Versicherung ausfüllen, holen M. und ich Pizza. Und genau DA kommt der Chirurg. Und A. soll wegen eines Verbandswechsels noch einen Tag bleiben, vielleicht auch noch einen und noch einen. Da wir nun schon informiert sind, und der Junge aus dem Nachbartbett schon am Vortag operiert werden sollte und nichts zu essen  bekommen hat, und an diesem Tag einfach Fruchtgummies ist und jetzt doch morgen operiert werden soll….Nehme ich Angus mit, nachdem mir das von einer Angestellten in weißem Kittel dort angeboten wird. Brief gibt´s nicht. Röntgenbilder auch nicht.  Weil ich nehme ihn ja mit.

Mein Hausharzt besorgt mir einen Tag drauf, nachdem ich ordnungsgemäss gefaltet und klein gemacht worden bin, einen Kurzbrief und drückt mir arg sauer eine Einweisung ins KH hier in die Hand. Das KH hier sieht es gelassen und nimmt A. gar nicht erst wieder auf.

Aber: Mir erstmal Angst machen, wie scheisse ich bin. Und endlich handele ich auch das Antibiotikum aus, weil ich das Fieber nicht los werde.
Es gibt hier ein paar Dinge, die werden wir hier ändern müssen……

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