Apokalypse now

So. Ich mal wieder beim Doc. In der Nähe gibt es ein Cafe. Eigentlich kein Richtiges, sondern so ein Großbäcker hat eine Ecke seines Thresens freigeräumt für eine Kaffeemaschine, vier Sorten Kuchen und belegte Brötchen. Und ein Teil des Verkaufsraumes isat mit Tischen und Stühlen vollgepfropft. So. Ich hätte gerne eine Platz vor der Tür, da sind auch noch Tische und Stühle, aber alle sind besetzt und ich mag mich nicht dazu setzen.
Also stelle ich mich an für ein Stückchen Blätterteig mit Erdbeeren, an dem die Erdbeeren schmecken, sonst nichts, allerdings nur, wenn sie frisch sind.
Gut, die kleine hübsche Bedienung vergißt das Brot zu wiegen, das die Kundin vor mir haben will, und ich entschließe mich, doch einen Kaffee vor Ort zu nehmen zu den hoffentlich frischen Erdbeeren.
Fehler. Wirklich ein Fehler. Als ich meine Tasse Kaffee und den Kuchen habe, suche ich einen Platz. Ich wähle den an einem zweier Tisch mittendrin, weil sonst nichts frei ist und sitze hinter einer Frau, die unaufhörlich auf den Touch-Screen ihren Handys drückt.
Und während ich den schlechten Kaffee teste, beobachte ich die Leute. Mir gegenüber sitzt ein Mann mit Parkinson, dessen Gesicht sich wunderbar erhellt, als ein Pärchen links neben mit Platz nimmt, und er sie begrüßt. Die Frau gehört jedoch gar nicht zu dem Mann,w as ich erst merke, als sie ziellos zwischen den Tischen hin und her geht und über die Platten wischt. Sie wählt einen neben mir, als ihr Mann mit zwei Tassen Kaffee kommt. Rechts neben dem Parkinson-Mann sitzt zwei Tische weiter eine Frau mit langen grauen Haaren, die zu einem Zopf gebunden sind, spricht in ihre Tasse, was auch immer darin sein mag.
Das Pärchen schräg links von mir ist fertig und geht. Ich gucke mir die Leute draußen an und bewundere, wie gut zwei Dicke Brötchen abbeißen können, sie erinnern mich an das Hartz4 -Klischee, aber mit Hartz4 kann man sich keine belegten Brötchen beim Bäcker leisten.
Zwei Frauen mit Rollatoren betreten den Laden. Die eine hat noch einen Mann im Gepäck, der die Bestellung belegter Brötchen und Pott Kaffee mit Hilfe des Rollators seiner Frau  zum Tisch bringt, an dem sie schon sitzt. Die zweite Rollator-Frau ist übergewichtig, man kann sehen, wie ihre Fettschürze bis fast auf die Knie hängt, ihre Arme sind vernarbt…und ich frage mich die ganze Zeit, woran mich mich das alles erinnert.
Es ist eine Mischung aus Cafeteria eines Landeskrankenhauses und Frühstücksraum eines Altenheimes.
Ich habe die Kaffee – und Blätterteigreste auf dem Tablett gelassen und in dieses Ding für dreckiges Geschirr gestellt.
Dauernd habe ich Omma im Kopf, wie sie sagt, ich solle doch mal hingucken, man würde so viele versülzte Menschen sehen. Damit meint sie dauertherapierte, die eine bunte Sammlung von Tabletten täglich nehmen müssen und seltsam werden.

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2 Gedanken zu “Apokalypse now

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