Keiner da!

Als wir gestern beim Einkaufen waren, war C. wie immer dran, einen Sonntagsbraten auszusuchen. Er wollte nicht. Er sagte: „Wir essen einfach mal nicht zuhause!“-„Wir sind also nicht zuhause….“-„Nein, wir sind da, aber wir essen nicht zuhause.“ Er habe es satt. An jedem Wochenende kommen die Großen. Und natürlich essen sie dann mit. Der gewordene Vater, M. mit seiner neuen Wohnung. K., der hält sich einfach zurück. Aber sie kommen nicht, um Muttern zu besuchen, sie kommen um die Rechner im Zimmer der Jungs zu blockieren. Ob die Jungs mit Fieber oder Kopfschmerzen im Bett liegen, oder aber es spät ist und sie ins Bett müssen….alles egal.
Und dann fehlt immer hier und da irgendwas und das kommt dann aus diesem Haushalt und die Vorräte sind eifnach gleich Montags wieder leer….
C. will nicht mehr und ich eigentlich auch nicht, aber… es sind meine Kinder und ich habe dauernd ein schlechtes Gewissen. Und dabei sind sie groß und erwachsen und können ihre eigenen Fehler machen…..

Also kauften wir gestern ein. Bauten das zweite Bücherregal auf, das ich mir schon seit  letztem Herbst gewünscht hatte, aber seit Oktober…..naja. Egal.
Und heute morgen wurde der Sperrmüll weggefahren und um kurz vor zwölf saßen wir im Auto und fuhren ins Schwimmbad nach Bad Sachsa. Wir waren wirklich nicht da. Und wir blieben.  Minimi ließ sich im Wasser treiben, mit ihren Schwimmärmeln bewaffnet, fast den ganzen Nachmittag auf meinem Arm und meinte zu schwimmen. und die vier anderen, die sich sonst immer nicht grün sind, die endlich einmal durch Untertauchen und Nassplatschen ihre Konflikte ausmachen könnten…..die waren in einer einigen Horde unterwegs, schwammen und plantschten hier und dort, kamen zu uns und Mini und Mini forderte immer wieder, zu ihnen zu dürfen.

Am frühen Nachmittag kamen sie. Die typische Großfamilie mit vier Kindern. In Erlebnisbäder gibt es nicht mehr diese großen Becken, sondern sowas wie Wasserläufe , einen Meter dreißig tief. und Treppen hinein und darüber. Die Großfamilie enterte den Kanal, der zwischen Strudel und Draußen-Becken war. Und  zwischen uns allen löste der Vater seine Konflikte mit der Mutter, in dem er  mit einem dieser billigen Styroporschwimmbretter seine Angetraute naß machte und die gesamt Umgebung gleich mit. Es war kein Durchkommen mehr von einem Becken zum anderen, denn kaum hatten sie  den Treppenbereich verlassen, sassen sie auf den eingelassen Sprudeldüsen an der zweiten Treppe kurz vor dem Außenbecken und auch hier kam der Vater seiner Konfliktlösungstrategie nach, in dem er unablässig seine Kinder tauchte, tunkte, und mit dem Brett mit Chlorwasser versorgte, ebenso seine Frau.

Mini und ich suchten das Kinderbecken auf. Als wir kamen, war das Becken noch recht leer. Aber wie immer es so ist, kaum saß dort eine dicke Frau sichtbar auf dem Rand, kommen andere. Das Becken füllte sich mit schwimmbeflügelten  Kindern ins Swimmies mit und ohne Badenmoden darüber und den dazugehörigen Müttern mit Vätern und ohne. Und dann kam Patrick! Patrick stürzte an mir vorbei, in dem er das Minis Aufblaskrokodil zu Seite wischte, sich den leere Plastikhülle der Schwimmbrille griff, die ihm gar nicht gehörte, sondern in meinen Haushalt, sie aber sogleich, als er Mini mit einem der bunten Schwimmbretter , die das Erlebnisbad dort zur Verfügung stellt, erblickte, wieder achtlos fortwarf, um Mini vom Schwimmbrett wegzureißen. Alles ging wahnsinnig schnell, aber Patricks Vater war schneller. „Patrick!!LASS DAS!“ Während er das sagte, griff er sich den klobig wirkenden kleinen Jungen und schleppte ihn an das andere Ende des Beckens zur Rutsche, wo offensichtlich schon ein befreundetes Ehepaar samt Nachwuchs wartet. Mini und ich entdeckten, das wir blöd hinterher geguckt hatten, als wir uns ansahen.
„Alles gut.“ sagte ich ihr und sie spielte mit dem Brett weiter.

Dann wollte Mini dort auch Rutschen. Fatal. Vier Erwachsene saßen im Aufschlagbereich am Ende der Kleinkinderrutsche. Als wir ankamen, saß Patrick gerade auf einem der Erlebnisbad-Bretter in Form eines Bootes, als er von dem Mann des zu seinen Eltern dazugehörigen Paares dermaßen stark angschubste wurde, das er gegen die Beine seiner Mutter(?) mit dem Boot schoß und sich überschlug. Er lag unter dem Boot-Schwimmbrett, niemand half ihm und er wurschtelte sich hoch, mit hochrotem Kopf und man sah, das ihm das weh getan hatte, aber er weinte nicht und in dem Moment tat er mir leid.
Bevor Mini rutschen konnte, rutschte Patricks Vater und Patrick tat mir noch mehr leid. Mini rutschte und trotz ihres Gezeters bestand ich darauf, C. zu suchen.

Wir haben die Kinder eingesammelt und sind Essen gegangen. Als wir wieder kamen, war zumindest die taufende Großfamilie wieder weg.

Ich wollte gerne eine Rauchen. Und weil ich bei letzten Besuch einfach schnell mal vor die Tür konnte, habe ich mich angezogen und bin nach vorn an die Kasse.
Dort kamen die nächsten, bei denen ich mich im falschen Film fühlte. Eine Mutter samt Mann, Tochter und Enkelkind standen an der Kasse. Das Enkelmädchen hing auf dem Thresen und klar fummelte es an allen Sachen dahinter herum, die es erreichen konnte.
Die Mutter sagte dem Mädchen, sie solle aufhören, ließ sie aber in der Grabschposition und grinste mich blöd an, wie wenn ich es lustig finden sollte. Ehrlich, ich wußte nicht, das Stilldemenz zu derartigen Dauerschäden führen kann. Denn sie wiederholte blödgrinsend die Ansage an das Kind und mir lag schon ein:“Maaaaaaaaaaaaaan, dann nimm die Lüdde doch da ma fort!“ auf der Zunge, als der Großvater diesen Dienst übernahm und aussprach, was ich dachte. Aber es prallte an der Grinserin ab.
Die Kassiererin erklärte mir dann, wo ich die Raucherecke im Bad finde.

C. war mittlerweile in das obere Kinderbecken gewechselt, als ich vom Rauchen kam.Ihm war kalt, mir war kalt und Mini spielte. Und dann kam Patrick. Diesmal Patricks Vater nicht mehr in Begleitung der Dürren im rosa Bikini, sondern der Dicken im schwarzen Bade-Anzug mit Rock.
Als ich C. auf Patrick hinwies, wechselten wir wieder das Kinderbecken…..
Auf dem Weg dorthin konnten wir durch die Glasscheiben des Ganges die übrigen vier sehen. Mini sah sie auch und rief winktend:
„Hey Ladies!! Ich komme gleich!“ Mini, das mit den Ladies, das mein Spruch, obwohl er bei ihr viel cooler ist.

Im zweiten Kinderbecken gesellten sich drei der vier anderen Kinder zu uns. Sie mochten nicht mehr. Naja, viereinhalb Stunden Spassbad, das reicht. Irgendwann ist mit Spass auch Schluß. Nur A. klar nicht, der wollte immer weiter.

In der Umzugskabine brüllte Mini ohne Unterlaß und neben uns war ein Vater in der Kabine, der es wohl völlig lustig fand, dauernd zu sagen: „Nein, Mongo ist kein Obst.“ .

So. Zuhause. Auto versteckt geparkt.  Klingel aus. Telefon aus. Gardinen zu. Keiner da. Und A., der gar nicht nach Hause wollte, ist der erste, der im Bett verschwunden war und schläft.

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