Omma

Das bin ich nun. Es ist ein kleines Mädchen. Dank der modernen Technik wissen wir schon lange, das es eins wird.
Die Namensuche. Als mir mein Sohn sagte, die werdende Mutter wolle das kleine Mädchen Lattika nennen, hielt ich das für einen schweren Hormonschub in der Schwangerschaft, der gewisse seltsame Anwwandlungen bringt wie Hering mit Vanille-Eis, Leberwurst auf Rosinensemmel und eben solche Namen….. Ich erklärte, ich würde dieses Kind niemals mit DIESEM Namen ansprechen. Es wäre dann eben Kind. Und dachte: „Tja, das wird lustig in der Schule. „Ey, Latte, komma!““. Und dazu noch den typisch deutschen Vornamen: Latte Meier also. Das wiederum klingt wie eines dieser Pseudo-Kaffeegetränke aus Tüten oder Automaten, die Metallkappseln leeren oder diese Runden Fließdinger mit braunem Pulver wässern…..aber ob das so förderlich ist? Naja.
Die werdenden Eltern stritten. Nächster Namensvorschlag: Lisa-Marie. Marie wie die Mutter mütterlicherseits und Lisa wie bei Lisa-Marie, der Schwester der der werdenden Mutter.
Ich erinnerte meinen Sohn daran, das wir zwar aus einem alten Landarbeiter-Geschlecht stammen und nie über besonders großen Reichtrum verfügten, aber uns dennoch schon seit Jahrhunderten den Luxus leisteten, dass wir uns ausschließlich den Nachnamen teilen und nicht auch noch sämtliche Frauen den Vornamen….Also nicht wie in der türkischen Familie in Osterode, in der die Frau Ayshe heißt, die Mutter der Frau heißt Ayshe, die Cousine heißt…..Ayshe….die Tochter heißt? Richtig, Ayshe….Nee, so nicht. Bei uns kann jeder einen Vornamen haben, es gibt ja genug. Und kostet beim Anmelden ja nun auch nich´mehr. Ist ja nicht wie mit Wunschkennzeichen.
Nun heißt sie also Emily Selma Lisa Sofia. Ich habe meinem Sohn gesagt, dass jetzt keine weiteren Kinder mehr drin sind, das eine hat ja schon alle Namen.
Ja, gesehen habe ich sie auch schon. Ich habe keine Ahnung, was ich so erwartet habe. Ich sah sie, sah meinen Sohn mit Vaterstolz und guckte….und dachte: „Aha, ein Baby.“
Ein Baby eben, rosig, pummelig, alles dran, alle Finger, alle Ohren, alle Füsse, nix zu viel, nix zu wenig, so, wie das eben nach dem Wurf sein. Irgendwie erwartete ich was in mir. In dem Zimmer mit der ganz frischen Mutter, der man die Strapazen der Geburt deutlich ansehen konnte, und der, die schon geworfen hatte, und diese stille stolze Strahlen hatte nach dem Motte: Guck ma, das kleine Ding ist MEINS! Ich bin jetzt Mama.
Wir guckten in die Tupperkiste auf Rollen. Japp. Ein Baby. Nee, wir sagten nicht viel, ich dankte der Mutter, dass sie das alles auf sich genommen hat. Meine Mutter wiederum gratulierte….und wir guckten: Ein Baby. Aha.
Ein hübsches kleines Mädchen mit blauen Augen und rotblonden Haaren, am Hinterkopf sind sie sogar dunkel, also zweihaarig. Fast vier Kilo, also neben der langen Geburt eine echte Quälerei für die junge Mutter.
Nun ja. Irgendwie habe ich wieder eine Lebenslüge entlarft. Schon seit Jahren weiß ich, dass man seine eigenen Kinder nicht einfach spontan nach der Geburt liebt. Also nicht nach dem Motto: Flupps raus, Schalter an , „Ich liebe Dich, Baby.“, nein, es wächst.
Nun denke ich, ich habe wieder so etwas gefunden. Ich denke, das das auch beim Omma sein nicht so funktioniert. Schwupps raus das Ding aus der Mutter, Omma kommt ins KH, Schalter an, „Omma liebt Dich, Baby.“. Und erschwerend kommt auch noch mein eigener Entwicklungsstand hinzu. Hormonell permament indisponoiert durch die Spätpubertät habe ich schon gegen meine eigenen eine Kinderhaarallergie entwickelt. Ich finds nicht schlimm, wenn sie mal der Papa ausgiebig um sein Töchterchen kümmert….der darf sich ruhig Zeit lassen bei Besuchen seiner Eltern….viel Zeit, richtig Zeit……..
Vielleicht wäre dieses Schalter-an-„Ich liebe Dich, Baby.“ -Gefühl eher da, wenn ich wie die, die in meinem Umfeld schon Omma geworden sind, mir immer noch eigene Kinder gewünscht hätte, aber ich brauch sie mir nicht wünschen, ich habe sie ja schon. Oder aber einfach schon zehn Jahre älter wäre, denn ab Mitte 50 soll man es wieder toll finden, so kleine Dinger, die heulen, schreien, nach Milchkotze stinken und auch anders stinkig sein können….Na ich warte da jetzt einfach mal ab.

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5 Gedanken zu “Omma

  1. Ja, warte einfach ab. Kommt schon noch, das passende Gefühl. Omma zu sein ist auch nicht anders als Mutter zu sein, nur dass die Verantwortung eine andere hat.
    Gratuliere Dir also.
    Nicht das Du Dich wunderst, ich kann in meinem nicht mehr schreiben, bin aber immer noch am lesen.
    Liebe Grüsse!

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  2. Gratulation, Omma.
    Eine Freundin wollte ihre Tochter Skrollan nennen. Ein alter finnischer Name, der Vater ist Finne. Wir haben stunden- bis tagelang auf sie eingeredet das die meisten Hautkrankheiten nicht so schlimm klingen. Jetzt heisst die Kleine Lahja Hellin Skrollan. Also primär Lahja. Ich denke, damit wird die Schulzeit nur halb so schlimm. Lahja war auch unser Vorschlag. Wird uns ewig dankbar sein, die Kleine. Hoffentlich wird sie mal reich…

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    • Naja, mit Lahja kannse inne Musikbranche, wenn das mim reich heiraten nicht klappen sollte. Aber skrollan, japp, das könnte durchaus was krankhaftes sein. Ich sag doch, Schwangerschaft macht saublöd im Koppe. Aber gegen Lahja und Latte Machiatto, da kann ich mit den Trivialnamen meiner Kinder echt nicht anstinken.

      Danke für die Glückwünsche.

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