Freitag im Zug

Icg sitze im Zug und lese. Solschenizyn, um genau zu sein. Spannend und schön.
Mir ist icht klar, warum ich hinter mir plötzlich die Männerstimme wahrnehme. Sie sind irgendwo auf meiner Strecke zu Arbeit eingestiegen, das Pärchen hinter mir.
Er: „Bist Du schon mal vergewaltigt worden?“
Sie: „Nein.“
Er: „Nein??“
Sie: „Nee!“
Er : „Mit so Typen, die Frauen vergewaltigen, da sollte man….“
Und es folgt eine lange Reihe bösartiger Bestrafungen, die doch passieren sollten und ich würde mich am liebsten geschwind neben ihn setzen, um ihm zu sagen:
„Schätzelchen, diese Anmache ist mega-scheisse, so kriegst Du die nicht rum.“
Als wir ankommen, bin ich froh, das ich es nicht gemacht habe.
Da bin ich hinter dem Pärchen aus dem Zug. Manche kriegt man doch wohl so…

Heute inne Bahn

Der Zug kommt. Wie jeden Tag achte ich darauf, wo die Türen sind, die nicht aufgehen, um sie einfach beim Umsteigen nicht zu benutzen. Die Türen bei der ersten Klasse sind sicher, die funktionieren und wenn doch eine schwer geht, schwer, nicht gar nicht, dann ist der Uniformierte mit seiner Trillerpfeife da.
Ich erwische heute morgen nicht nur eine Zugtür, die aufgeht, nein, sondern auch gleich links ist das Abteil noch frei. Und, jetzt wird der Luxus fast erste Klasse: Ich kann sogar in Fahrtrichtung fahren….isses nicht festlich.
Da sitze ich so vor mich hin und warte drauf, dass der Zug sich auf den Weg macht und beginne die 9Minuten morgendliches Denken und man kann viel in neun Minuten denken, wenn man es zu lässt. Es sind die neun Minuten, die der Zug braucht, bis ich umsteigen muss…
Also: Ich sitze da in Fahrrichtung so da und denke so vor mich hin, da werde ich von einer Durchsage gestört.
Der Herr Zugführer begrüßt uns artig in seinem Zug und erklärt uns, dass „der Schließmechanismus der Türen des hintersten Abteils kaputt ist“ und ob jemand bitte die Türen zu machen könne. Klar kann jemand, wir müssen zur Arbeit.
Als der Zug anfährt, bedankt sie die Uniformierte Fahrkartenknipserin über den Lautsprecher mit einem schlichten „Danke.“
Morgen früh packe ich den Wagenheber, den großen mit Rollen, und die Warnweste in meinen Rucksack. Falls wir jetzt auch noch die Räders wechseln müssen……