Und täglich grüßt das Murmeldings…

Karlfreitag ist durch. Ostergedöns für die Kinder ist in den Schränken versteckt; hauptsache, ich finde auch alles.

Und im Fernseh‘ läuft wieder  „Fackeln im Sturm“. Lief gestern schon. Eine Folge nach der anderen und war in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts schon schlecht. Weil ich vermeiden wollte, das es morgen wieder läuft, habe ich das den ganzen Tag laufen lassen und tatsächlich eine ganze Folge geguckt…..An irgendwas muß man sich ja festhalten.

Wie andere nähe ich brav für meine Familie diese Masken, damit wir bei Maskenpflicht noch raus dürfen. Arbeitsaufwendig, ohne Ende.

Und übrigens: Frohe Ostern, gelle?

Gestern das  Geschreibsel hier angefangen und heute muß es nun weiter gehen….Also erstmal muß ich feststellen:

ES HAT GEKLAPPT! Keine Wiederholung von den Fackeln…ha. Kommt! An irgendwas muß ich mich schon fest halten.

Gestern habe ich mit den großen Kindern hier zwei Zeitungstouren gemacht und musste dann erfahren, das A. nicht aus Hamburg kommt. Das hat mich getroffen. Auch Groß E. konnte ich nicht besuchen. Nur noch Reisen aus triftigem Grund und zu erzählen haben wir auch nichts mehr. Wir haben über den von Groß E. bestellten Kartoffelauflauf gesprochen und das sie auf Beilagen verzichtet hat. Sie hat Prüfungen, eigentlich und weiß nicht, wann die geschrieben werden sollen.

Ob nächste Woche die Schule tatsächlich beginnt, bezweifeln wir Eltern mittlerweile. Aber wir treffen uns am 20. auf dem Schulhof, um die Aufgaben unserer Kinder abzuholen.

Also: Ostern heute. Gestern schon vorgekocht das Hühnerfrikassee und ich suche mein Milchbrötchenrezept….aber finde nur welche, die irgendwie Stein sind, so das ich den diejährigen Osterzopf einfach aufheben kann und nächstes Jahr wieder als Dekoration verwenden kann, so fest ist der….

Omma hat heute morgen im Fernsehen Kirche gehabt. Sie hat sich beschwert, das der Gottesdienst, der evangelische, nicht aus der Kirche kam, die in der Zeitung steht. Und dann hat sie umgeschaltet auf den Pabst, aber der kam erst um elf, also hat sie vorher noch die Sendung mit der Maus mitgenommen. Von dem Inhalt ist nichts hängengeblieben, nur das der Pabst alleine da war für seinen Segen, das blieb ihr im Gedächtnis.

Das Leben ist so anders geworden. Ich habe mir eine Flasche Sherry gekauft und das einzige Sherry-Glas, das ich besitze, aus dem Keller geholt. Es hat einen grünen Fuß und einen roten Stiel, oben ist es weiß, ein bischen angeschlagen, stammt aus irgendeiner Haushaltsauflösung.

Es ist so ein bischen, wie wenn man dem Weltuntergang zuguckt. Man sitzt auf der Terasse und trinkt über Stunden , eine guten Zigarillo rauchend, den Sherry. Nur einen, sonst ist es kein Genuß. Und sieht zu, wie alles irgendwie langsam aber sicher total anders wird, wie wenn das Schiff, auf dem wir sitzen, einfach absäuft. Gute Musik wäre noch schön, aber da würden mir die Nachbarn aufs Dach steigen. Die versuchen es mit seltsamer Normalität aus Gartenarbeit und Kaffee trinken.

Am Anfang dieser Geschichte habe ich gedacht, wir müssten nur lernen, es als normal anzusehen. Die medialen Ratschläge des geregelten Tagesablaufes waren für uns überflüssig, den haben wir sowieso. Und dann kam auch noch wohlwollende Post vom Jugendamt und auch vom Kindergarten mit Bastelvorschlägen, Google-Vorschlägen und weiß der Geier noch was. Was wir so alles mit den Kindern basteln sollten, was wir mit ihnen im Wald sammeln sollten und dann zuhause googeln…und ich machte morgens mit den Kindern Schule und  versprach ihnen, nicht an der Krankheit zu sterben.  Und C. machte Home Office und fuhr mit den Kindern nach der Arbeit in den Wald, so lange wir das noch durften, machte Geo-Caching und ließ sie einfach laufen, sich einfach bewegen, die Sonne, den Schnee und später die Pfützen genießen. Aber die Freunde ersetzt das nicht. Eine Woche lang haben sich Mini und ihre Freundin jeden Tag angerufen, aber wie bei den Erwachsenen verläuft es sich……Vielleicht auch, weil es nichts zu erzählen gibt. Wir sind ja alle zuhause, mit demselben schlechten Fernsehprogramm und denselben schlechte Nachrichten….. Und Kinder werden sich kaum darüber unterhalten, wo man grad Klopapier und wo Mehl her bekommt.

Und dann die Diskussion über die aufkeimende häusliche Gewalt in der Presse. Wem bitte ist denn nicht klar, das in dieser Käfighaltung von Menschen, bei gutem Wetter ist es Freilandhaltung, wenn der Garten benutzbar ist, sämtliche Konflikte aufkeimen, die man sonst eher mal so abgetan hat. Wem bitte ist es denn nicht klar, das manche Tür auch mal fliegt, ein Kind auch mal stundenlang einfach doch nicht Mathe macht oder Partner, die sich über Jahre, so wie C. und ich, nur am Wochenende gesehen haben, weil wir versetzt gearbeitet haben, sich neu kennen lernen müssen? Sich vielleicht auch mal einfach auf die Nerven gehen.

Und was hat hier geholfen? Sich einfach selbst nicht so wichtig nehmen. Und wie sagte meine Mutter immer, wenn ich ihr als Kind gesagt habe, das ich mich langweile?

„Entweder spielst du was oder du hälst es aus. Das muß man nämlich auch mal.“

In diesem Sinne: Bleibt gesund.

 

 

 

Corona-Käfighaltung

Freilandhaltung ist im Moment nicht. Es schneit. Also sind wir jetzt wieder in Käfighaltung. Alles findet im Haus statt.

C. kam gestern mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Da darf man ihn nicht besuchen. Er hatte Rücken und am Ende einen derartigen Medikamenten-Cocktail, das er doch von der Station bis zum Haupteingang kommen konnte. Er torkelte zwar ebbes und hatte vergessen, das er mir erzählt hatte, das er geröngt worden war und unterstellte mir hellseherische Fähigkeiten, aber…

Heute konnte ich ihn wieder abholen. Das Argument des Arztes, wer samstags kommt, muß damit rechnen, bis Montag zu bleiben, sonntags werden keine Arztberichte geschrieben und warum er denn überhaupt am Samstag gekommen war, wenn er doch schon wieder gehen wollte.

Er war ja nun nicht freiwillig ins Krankenhaus gefahren. Es war ja der Notarzt und der Rettungswagen…

Die Käfighaltung verschlimmert mein Gedankentourette. Der Freund von klein E., mittlerweile ist sie 15, hat keinen Zugang zu unserem Haus. Er wollte im Januar einfach zu ziehen und war der festen Überzeugung, ich würde ihn mit durchfüttern.

Jedenfalls ist dieser Freund gestern mit den kleinen Mädchen und groß E. zu unserer Omma. Groß E. putzt dort.

Ich habe mich maßlos aufgeregt. Immerhin gibt es Kontaktsperre und habe ihm per Voice-Mail mitgeteilt, das er bei meiner Mutter nichts zu suchen habe.

Er schrieb mir, das käme nicht mehr vor.

Am Liebsten hätte ich ihm geantwortet: „Schleppst Du meiner Mutter Corona ein, dann kommst Du nicht mehr vor!“ Aber das macht man ja nicht.

Er heißt bei uns nur noch „das Schweinchen“, weil er hier im Haus in E.s Zimmer eine Müllsammlung sonder gleichen veranstaltet hat. Er war jeden Tag und jede Nacht hier. Die Beziehung mit ihm hat unserer Familie sieben Anzeigen eingehandelt…passiert jetzt aber nichts mehr, weil Corona.

Ansonsten? Die Kinder beschulen. Nicht einfach.

Ich habe einen Pizza-Stein gekauft. Der verbessert die Qualität vom Brot.

Und eine Overlock-Maschine, die verbessert die Nähte von Stretchstoffen.

Aber: Ich würde gern mal wieder mit Doro oder Astrid….oder auch Omma…

Am Freitag war ich bei uns im Real. Ich laufe wieder an Gehstützen. Also mußte Mella mit, einer mußte ja den Wagen schieben. Ich wollte Wasser kaufen und wußte von den Nachbarn, das Real welches hatte.

Im Eingang stand Security.  Ich solle mir doch auch einen Wagen nehmen, damit würde ich doch besser laufen können.

„Woher wollen Sie das wissen?“ Und noch bevor er antworten konnte, setzte ich fort: „Sie schicken mich weg und ich schreibe das der Zeitung.“

Und zack, durfte ich rein. Mal irgendwie halblang bitte.

In diesem Sinne…

Corona, Hausarrest, Schule und Hüttenkoller

Tag 12. Tag 12 ist wie Tag 11 nicht mehr einfach.

Zunächst dachte ich, es ist wichtig, über die Länge der Zeit die ganze Geschichte als Normalität zu sehen. Das ist durchaus nicht einfach.

Alle sind zuhause. C. musste gleich am 16. März ins Home-Office. Wegen der Kinder. Nicht, das es Probleme mit deren Betreuung gäbe.

Mein Arbeitslosenantrag steckt in der Bearbeitung fest, nachdem die Frau im Büro meiner ehemaligen Firma das Ding so ausgefüllt hatte, das es zur erneuten Bearbeitung in die Firma zurück geschickt werden musste.

Beispiel: Die Frage war, wer das Arbeitsverhältnis gekündigt habe.

Dann stand da: „Durch:…“. Sie hat eingetragen bei „Durch:“ „Ohne Angabe von Gründen“. Außerdem hatte sie im Formblatt angegeben, das mein Arbeitsverhältnis dort erst am 01.01.2018 begonnen hätte und ich in dieser Zeit nicht halbtags, sondern nur auf 450 Euro dort gearbeitet hätte.

Und nun kommt Corona. Und nichts geht mehr….Gestern kam mit der Post die Ablehnung meines Arbeitslosenantrages vom Mai letzten Jahres. Wenn sowas normales schon so lange dauert, dann hoffe ich, das ich mein jetziges Arbeitslosengeld noch vor meiner Rente in 14 Jahren bekomme.

Jedenfalls bin ich derzeit aus dem Krankenversicherungsschutz raus und es hat mich einen ganzen Vormittag und eine Rechtsberatung durch die Rechtsschutz gekostet, den Antrag auf freiwillige Familienversicherung bei der Krankenkasse zu bekommen.

Aber: Geschafft. Finanzielle gesehen bin ich jetzt am Arsch, weil 1000 Euronen pro Monat fehlen, aber….was soll ich machen. Hartz4 beantragen? Geht nicht, weil ist dauerbesetzt die Leitung dort.

Seit mehr als einer Woche bin ich bemüht, die Schulkinder zu unterrichten. Boah. Schulkinder, Haushalt, Bettruhe, Einkaufen….und normalerweise auch noch Bewerbungen schreiben für das Arbeitsamt.

Da mache ich mich am Wochenende dran. Vielleicht sind ja nach Corona noch Firmen über….

„Gehen Sie doch mit den Kindern in den Wald!“ war die Ansage der Pflegestellenunterstützung.

Guter Witz. Zig Wege im Harz sind für die Öffentlichkeit gesperrt. Und laufen kann ich auch nicht ohne Gehstützen und schon gar nicht lange.

Wir sind also zuhause und im Garten. Zwei Gärten weiter spielen die Nachbarskinder. Diese und die meinen haben eins System entwickelt, wie sie gemeinsam, durch den Garten von Herrn Doktor und sin Fruwe getrennt in zwei Gärten verstecken spielen können. Sie sind einsam. Alle. Sie vermissen ihre Freunde.

Hanni hatte Mini täglich angerufen, obwohl sie bei ihrem Vater in anderswo ist. Und gestern rief sie an, sie könne jetzt 7 Tage nicht anrufen, weil sie in die andere Wohnung fahren…..Aber sie werde sich dann wieder melden.  Mini hat bitterlich geweint.

Hin und wieder telefonieren wir Mütter. Aber es ist nicht dasselbe. Überhaupt nicht. Da hilft es auch nicht, das jeder  seinen eigenen Kaffee trinkt.

Abendessen bei uns ist ganz leise. Es gibt ja auch nichts mehr zu erzählen. Wir erleben ja alle dasselbe. Von morgens bis abends.

Manchmal habe ich mich gefragt, ob C. auch daran denkt, das die in China zur Scheidung Schlange stehen……Ob wir das als Paar überstehen? Schon letzte Woche kam von seinem Arbeitgeber der Bogen zur Kurzarbeit.

Am Arsch. Wir sind alle am Arsch.

 

Tag fünf mit einem neuen Knie

Es ist ein bischen wie Zahnarzt, nur irgendwie größer und die Stelle ist auch blöder, weil es da nicht reicht, den Mund zu halten.

Montag war ich fällig. Zwei Titan-Kronen zieren Ober-und Unterschenkel, wenn die Narbe gut wird, lasse ich mir einen Reisverschluß drauf und rum tatowieren, denn ich habe jetzt ein gerades Bein . Länger zwar als das andere, aaaaaber gerade.

Freunde, das ist nicht mal eben einfach so und toll und los. Mittwoch durfte ich aufstehen und versuche laufen zu lernen, weil das Scheißding gar nicht so funktioniert wie ich denke.

Das ist nicht einfach…..Nächste Woche geht es in die Reha und dann sehen wir weiter, das lange Bein und ich.

In diesem Sinne…

Frei!

Ich bin gekündigt worden. Ein schwerer Mantel ist mir von den Schultern gefallen. Ich kann wieder atmen.

Aber von vorn:

An meinem Geburtstag , zehn vor zwei, rief die Chefetage an und erklärte mir, das ich nicht mehr in meinem Objekt arbeiten dürfe, am nächsten Tag nicht mehr auf die Schulung dürfe und sofort den Schlüssel für das Objekt abzugeben habe.

Auf meine Frage, was denn passiert sei, antwortete mir die Dame aus der Chefetage, man sei nicht berechtigt mir auf  diese Frage antworten…Ich solle am nächsten Tag um neun im Büro sein.

Ich habe den Schlüssel abgegeben und  bin an meinem Geburtstag um acht ins Bett.

Am nächsten Morgen hatte ich Fieber und Mandeln. DAS hat mich geärgert. Scheiß-Körper. Und weil man in der Regel immer nur so gekündigt wird, wenn wirklich wirklich was Schlimmes passiert ist, naja.

 

Am nächsten Morgen war ich um neun im Büro. Eine Minute vor neun, weil ich keinen Spießrutenlauf durch die anderen Vorarbeiter machen wollte. Ich war ja in meiner Putzfirma nur noch Aufsichtskraft in der Reinigung, so in meinem Vertrag, und was auch immer das ist. Anfangs bekam ich den Vorarbeiterzettel, aber im Laufe der wenigen Wochen wurden mir mehr und mehr Rechte abgesprochen.

Nunja.

Aber noch mal einen Sprung zurück. Durch meine lange Krankheitszeit habe ich jede Menge Urlaub angesammelt, den ich eigentlich nicht wollte. Ich war froh, wieder arbeiten zu dürfen.

Dann gab es ein Gespräch im Büro und die Chefin wies mich an, diesen Urlaub zu nehmen, immerhin habe man ihn schon um 17 Tage gekürzt, weil ich ja in 2018 drei Montage gearbeitet habe und da hätte Urlaub nehmen können. Was ein Witz, aber egal.

Also bin ich nach Hause, habe 50 Tage im Kalender abgezählt und in den Urlaubsantrag eingetragen.

Dann hatte ich einen Termin beim Orthopäden. Und worunter ich wirklich leide ist nicht nur diese  blöde Orthese, sondern auch die Tatsache, das ich den Kindern das Radfahren nicht beibringen kann.

Und wir haben abgesprochen, meinen Urlaub dazu zu nutzen, mir ein neues Gelenk einzusetzen. Dafür würden sich 50 Tage Urlaub gut eignen. Eine Krankmeldung wollte ich nicht abgeben. Weil dann wieder so eine dumme Diskussion kommen würde.

Aber nun wurde es wichtig, ob ich den Urlaub bekommen würde.

Auch das wurde mir im Gespräch vorgeworfen, das ich den doch auf einmal haben wollte.

In dem um neun Uhr. Und eigentlich bin ich nur unfähig, unreflektiert, tanze da durch mein Objekt, alle Nachfragen wurden mir vorgeworfen, eigentlich ich selbst. Ich sollte zu den genannten Einzelfällen Stellung beziehen, aber keinen Einzelfall beantworten, nur allgemein.  Wurde immer wieder unterbrochen…

Dann war Ruhe.

Wie es nun weiter gehen solle, fragte der oberste Chef.

„Ich weiß nicht, ich denke, Sie werden da schon was vorbereitet haben.“

Er nannte mich frech.

Ich wurde gefragt, was mein Objekt denn für einen Vorarbeiter brauche. Und da hatten wir es wieder. Ich war ja nur Aufsichtskraft, was auch immer das ist.

Ich antwortet, das dort auf jeden Fall jemand hin müsse, dem die Kollegen vertrauen könnten.

Dann wurde ich gefragt,  wo ich meine Position in der Firma sehe.

Nach kurzem Nachdenken, denn Reinigen kann ich körperlich nicht mehr, und die Aufsichtskraft kann ich aus mir heraus nicht, wie man mir kurz vorher erklärt hatte,antwortete ich:

„Nun, das eine kann ich nicht mehr und das andere kann ich auch nicht. Ich habe keinen Nutzen für die Firma mehr.“

Ich solle sofort rausgehen und fünf Minuten über das gesagte nachdenken. Wieder waren sie sauer. Und ich verstehe das immer noch nicht. Sie hatte mir das doch eben gerade gesagt, daß ich nicht als Aufsichtkraft in der Reinigung tauge.

Als ich zurück kam, wurde ich erneut gefragt, ob ich über meine Aussage nachgedacht hätte.

Auch das habe ich nicht verstanden. Da brauchte ich nicht drüber nachdenken. Wenn das eine nicht geht und das andere nicht, hat man einfach keinen Nutzen für eine Putzfirma.

„Ich möchte endlich wieder mal genügen und das wollen Sie doch sicher auch.“  Das war meine Antwort.

Und um ehrlich zu sein, mir war am Vortag aufgefallen, das wenn ich die Orthese los werde, ich einfach wieder beruflich Chancen habe.

Also bin ich gekündigt worden. Meine Kündigungsfrist ist nur für mich verlängert worden um drei Monate mit sofortiger Freistellung.Das ist eigentlich was, das will ich gar nicht. Da ist immer noch ein Rest Mantel. Der Antwalt hat mir gesagt, ich soll ihn anrufen, fallls sie mich noch mal in der Zeit ins Büro bestellen.

So. Ich bin froh, das ich da raus bin. Einfach nur froh.

 

 

Hello …hello

Hier ist es lange still gewesen. War ja auch nix.

Ordnungsgemäß Reha gemacht, gesund geschrieben worden, weil zu alt.

„In Ihrem Alter finden Sie nie wieder einen Job.“

In der Wiedereingliederung kläglich gescheitert und einen neuen Arbeitsvertrag in derselben Firma unterschrieben,.

Warum kläglich gescheiter?

Naja, wenn man so aussieht?

ohneortho

Das nur mal zum Krankschreiben.

Die Orthese ist auch gleich erstmal kaputt gegangen. Materialfehler, aber ich brauchte eine zweite, damit ich weiter -Wiedereingliedern konnte.

Nun bin ich Aufsichtskraft.

Egal.

Was ich eigentlich erzählen wollte….

C. . C hat ja diesen Test im Internet gemacht und hatte 32 Punkte.  Er habe Autismus.  Also Internet-Autismus.  Tja, ich wollte gerne wissen, was denn nun Autismus genau ist und landete bei dem Test….

Ich habe gewonnen mit 41 Punkten.

Er fand das schon irgendwie ungerecht, immerhin soll ich ja ADHS haben. Weil vier Kinder das haben….woher soll ich auch wissen, was so in meinem Genpool rumschwirrt…

Heute morgen jedenfalls habe ich festgestellt, daß er erblindet ist.

C. brachte ein rosafarbenes Badehandtuch mit in die Küche, als er zur Arbeit wollte.

„Was willst Du denn damit?“ wollte ich wissen.

Er habe das für mich aufgehoben, weil es keine sauberen Handtücher mehr gebe.

Habe ich ein schlechtes Gewissen?

Nein. Immerhin habe ich meiner Familie mitgeteilt, daß ich es EXTRA gegoogelt habe. EXTRA. Und feststellen mußte, das die Knöpfe an Geschirrspülern auch von Männerhänden und sogar mit Kunstnägeln zu bedienen sind. Sie sind doch tatsächlich dafür ausgelegt.

Habe ich ein schlechtes Gewissen wegen der Handtücher?

Nein. Die Maschine steht unten im Keller, neben dem Trockner und in der Bedienungsanleitung der Miele  steht nichts davon, dass sie ausschließlich von mir bedienbar ist und die Nutzung durch C. oder meine beiden noch hier lebenden großen Kinder zu einem Garatie-Auschluß oder sogar Motorschaden führt.

Nun bin ich also in meinen Keller und gucke …und gucke noch mal.

Im Gang zwischen Bettwäscheregal und Trockner, direkt hinter der Tür steht ein Wäschekorb mit trockenen, sauberen, allerdings ungelegten Handtüchern. Kleines gelbes Körbchen…..direkt im Weg. Man muß fast drüber steigen.

Entweder ist C. erblindet oder aber es liegt an seiner Körpergröße von fast zwei Metern. Das man so auf die Ferne nicht so gucken kann. Sowas kann ja mit dem Alter kommen und er ist ja schon Mitte 30.

Nun habe ich die Handtücher gelegt und wieder in seiner Sichthöhe auf dem Regal untergebracht. Damit er nicht so verzweifelt ist.

Oder einen Blindenhund braucht…..denn der Geschirrspüler war zwar voll mit dreckigem Geschirr, aber nicht angestellt. Wahrscheinlich kann er die Knöpfe nicht sehen…..

Allerdings weiß er jetzt auch seit seiner Googelei im Internet, das sein mäkelndes Essen eine neu entdeckte Ess-Störung ist. War Englisch, sollte ich abends um zehn nach der Arbeit lesen…Zuviel Text, aber in Ordnung.

Was man im Internet so alles finden kann…

 

 

Hello…….is it me you looking for…..

Schreibblockade, denke ich oder einfach zu viele Krisenherde…..

Schönes zu erzählen gibt es nicht.

Gestern nun hätte man mich durchaus in einer psychiatrischen Klinik unterbringen können, denn, nachdem ich die Post bekam, konnte ich nicht aufhören  zu weinen.

Hatte ich Monate, also seit Ende März, damit verbracht, wieder und wieder nach dem Fortgang der Bearbeitung meines Widerspruches gegen den Reha-Bescheid der deutschen Rentenversicherung zu fragen, zumal mir die Klinik zugesagt hatte, den Aufnahmetermin vom 26.6. zu halten, weil da ja auch die ambulanten aufgenommen werden können. Ich hatte ambulant beantragt und stationär bewilligt bekommen in einer Klinik, die keine Kinder mit aufnimmt….

Montag nun bekam ich die mündliche Zusage,  das ich ambulant einrücken darf, nachdem ich Mitte Mai noch eimal einen Antrag geschickt bekommen, bearbeitet und zurück geschickt hatte, teilte dies der Tagesmutter mit, cancelte die Reittermine und ….

Samstag kam Post von der Klinik mit neuer Fallnummer ist meine Reha verschoben auf den 19.09. diesen Jahres, gut vier Wochen vorher läuft mein Krankengeld aus….wovon ich bis dahin lebe, weiß ich nicht. Ich dachte an freiberufliches Betteln vormittags in der Fußgängerzone von Hannover.

Der zweite Brief war noch schlimmer, in ihm steht, das ich lediglich einen Knorpelschaden im Knie und keinerlei körperliche Einschränkungen habe.

Nachdem Donnerstag bei Orthopäden, der doch bitte mal die Osteochondrose im  Rücken röntgen sollte, weil knapp unterhalb der Rippen ein Wirbel durchrutsch, keine Sorge, ich kenne das schon…..

Gesprächsverlauf:

„Und? Hat die Bandage geholfen?“

„Ja, anfangs schon, aber dann wurde das Bein furchtbar dünn und ich mußte nachversorgt werden und es wurde weiter dünner und weil so blöd zu hinken anfing, habe ich Tina angerufen, die ist Orthopädiemeisterin und die hat mir…“

Ich denke, da hat er schon abgeschaltet.

„Mit Hilfe dieser Orthese konnte ich meinen Schmerzmittelverbrauch gegen Null senken und baue sogar Muskeln auf.“

„Wenn Sie die Schmerzen nicht mehr aushalten, dann kommen Sie und wir setzen ein Knie ein. Ein gerades Bein, das ist auch für den Rücken besser….“

DAS war seine Antwort. Und wenn man dann noch an den Brief von der Rentenversicherung denkt, die mir attestiert, völlig gesund zu sein…

Ja, die Orthese sei zu klein. Da stimmte er zu. Ein Rezept für eine Neue gab es nicht.

Und dann die beiden Briefe….Ernsthaft. Nach den Rentenversicherung könnte ich wieder arbeiten gehen, aber ich weiß gar nicht wie.

Aber immerhin soll ich in einem halben Jahr wieder kommen…..wegen dem Kunstknie und dem graden Bein.

Also… Leben ist annerste…

Wurstebrot

„Tante Mathiesen?“

„Was haste denn, Irenchen?“

„Tante Mathiesen, ich habe Hunger.“

„Und was willste essen?“

„Ein Wurstebrot, Tante Mathiesen, ein Wurstebrot…“

Omma erzählt von ihrer Schwester nach dem Krieg, als sie bei Mathiesens untergebracht worden waren….Irene, ihre Schwester ist 1988 von der Autobahnbrücke bei Bockenem gesprungen.

Ich mache ja Familiengeschichte. Und bin nun durch viele Bücher durch.

Diese hier:

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und bin nun bei Sirgrid Chamberlains „Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“.

Ja, stimmt schon, irgendwie auch verzettelt. Aber das kam, als ich, und eigentlich ist das eigentlich ja klar,  dieses Buch war dran, als ich las, das Erziehung ja nicht mit 1945 aufhört und das das Erziehungsbuch der Johanna Haarer noch bis 1962 verlegt und verkauft wurde….

Es ist im Moment eine sprachlose Zeit,  sprachlos, wie sie früher schon war. Und erschreckend. Einfach erschreckend.

Aber immerhin kann Omma erzählen, von Irenchen, der Uroma und dem Wurstebrot.

„Irene, was haste denn da?“ Omma macht ihre Uroma nach.

„Ein Wurstebrot..“ Omma macht Irene nach.

„Gibbe mal ha…“ Und dann erzählt Omma, das ihre Oma der Irene das Wurstebrot erstmal abgenommen hat und eine Scheibe vom Brot der Familie abgeschnitten hat, die Zentimeter-Dicke Wurst von dem einem Brot auch auf dem anderen verteilt hat, so das beide Kinder ein Wurstebrot hatten.

„Ich war halt so still und hätte mich nie getraut zu fragen“, sagt Omma. Und Irene, die wär‘  halt so ein hellblondes Kind mit lauter Locken gewesen, da wären alle drauf abgefahren.

 

 

Ostern – späte Karte

ich wünsche, frohe Ostern gehabt zu haben. Dies ist quasi die Karte, die nach den Feiertagen ankommt.

Während der Feiertage hatten wir zu tun. Es kam Besuch, die Mädels hier hatten so genervt, das sie ins Schwimmbad mußten, so daß das am Samstag- Morgen stattfinden mußte….und ich mußte lesen. Fast zwanghaft.

Ich bitte also, diesen Faux pas zu entschuldigen, aber ich muß zurück in die Bücher.