Weihnachten

Ich habs nicht so mit Menschen. Aber das wissen ja alle schon.

Am Samstag haben C. und Patty und Selma und Mini Kekse gebacken. Im letzten Schub half ich mit und Mini setzte sich hin, nahm sich einen dick mit Zuckerguß bestrichenen Keks und legte an dessen Rand einmal rum Zuckerperlen. Eine neben die andere. Gelbe, grüne und blaue bildeten einen erhobenen Rand an diesem ansonsten weißen Pilz.

Mini erklärte, sie wolle ihre KLassenlehrer, Herrn B., Kekse mitbringen.

„Mini, das geht nicht. Keine offenen Lebensmittel. Und Teilen darf man die auch nicht.“

Der Keks lag die ganze Zeit neben der Schüssel bis C. aufräumte und ihn in die Keksschüssel warf. Als er nicht mehr daneben lag, machte ich mir keinerlei Gedanken.

Patty, Selma und Mini schmückten den Baum. Und futterten nebenbei die Weihnachtskekse mit Schokolade und bunten Streuseln, mit Zuckerguß und bunten Streuseln und nur mit Zuckerguß. Als der Baum fertig war und alle ihr Werk bewunderten, nahme sich Patty aus der Keksschüssel noch einen Keks und biß herzhaft hinein. Mini schrie auf und weinte. Patty hatte den Keks mit dem Perlenrand erwischt.

„Der ist doch für Herrn B.!!“ schrie sie aufgeregt und ließ sich nicht beruhigen.

Auf unserem Wochenmarkt kaufe ich jeden Freitag große Tüten Bonbons. Da ist immer ein Pfund drin und ich fülle damit unser Bonbon-Glas auf. Am Anfang brauchte ich ein Pfund pro Woche.

An einem Freitag hatten sie keine großen Tüten, sondern nur kleine und weil ich immer große Tüten kaufe, bekam ich zwei kleine zum Preis einer Großen. Eine kleine Tüte war schon im Bonbon-Glas verschwunden, die andere war noch da.

„Hier, Mini, gucke! Ich habe noch eine kleine Tüte Bonbons. Nimm doch die!“ Natürlich ist so eine Tüte Bonbons kein Ersatz für einen Pilzkeks mit Zuckerperlen -Rand, aber immerhin war das Vorhaben, ihrem Lehrer noch was zu Weihnachten zu schenken, nicht ganz gestorben. Und der Preis dieser Bonbons war auch so klein, das er keinesfalls als Bestechung ausgelegt werden konnte. Mini mag ihren Klassenlehrer.

Nun kam Selma in Spiel. Sie wolle auch und warum immer nur Mini und sie habe auch eine Klassenlehrerin…Ich ließ mich erweichen und bot ihr eine Pfund-Tüte an, die mich jedoch in persönliche Nöte stürzte. Was würde der Lehrer denken, wenn Mini nur eine kleine Tüte mitbrächte und Selma ihrer Klassenlehrerin eine doppelt so große? Der Kaufpreis einer großen ist natürlich höher. Was ist mit einem möglichen Bestechungsvorwurf?

C. musste einkaufen und löste das Problem recht einfach. Er brachte Weihnachtsmänner mit. Und obwohl ich ihm gesagt hatte, das nur für Patty und Selma welche nötig sind, brachte er drei mit und übergab sie den Mädchen gleich mit Einteilung.

„Hier! Der ist für Herrn B!“ Er gab ihr einen blauen Weihnachtsmann. Patty bekam einen in silber und Selma in Gold, obwohl sie einen blauen haben wollte.

Nun sind die Kinder mit Weihnachtsmännern bewaffnet los, haben aber die Tüten für die Schulsachen stehen lassen…..

Irgendwas ist ja immer.

Verlierer

So fühle ich mich mittlerweile. Passend zu Corona bin ich arbeitslos geworden. Nun gut. Hatte ja auch erstmal seine gute Seite. Aber dann ging es irgendwie wieder los und da habe ich dann doch mal angerufen.Beim Arbeitsamt und um Rückruf gebeten und ich habe Emails über die Seite des Arbeitsamtes geschrieben und gewartet.

Und gewartet. Und dann habe ich das ganze noch mal gemacht und wieder gewartet.

Und seit letzter Woche schreibe ich denen nun jeden Tag Mails. Es müssten jetzt so um die 30 sein. Jeden Abend stelle ich sie auf Automatic und bekomme Antwort von noreply.

Und weil ich so brav schicke und bitte und ich mir so denke, das ich da noch ewig bitten kann, da habe ich beschlossen, morgen früh noch mal zur Arge zu fahren. Die haben verschlossene Glastüren und da werde ich von außen folgenden Zettel dran bappen:

Ich möchte gern in Teilzeit ab Februar an einem Kurs eines Anbieters teilnehmen. Und für meine Zettel, es sind drei, habe ich mich heute ins Getümmel geworfen, weil wir mal wieder kein Tesa-Film haben.

Ich weiß mir sonst keinen Rat mehr. Auf Anrufe reagieren die nicht, auf Emails auch nicht und angeschrieben werde ich sowieso nicht. Meine Zeit läuft ab….

Lockdown

Die Schulen machen zu. War klar. Die Kinder sollen wieder zuhause unterrichtet werden, wegen mir.

29 kleine Säckchen, die der Weihnachtsmann nicht persönlich, eigentlich überhaupt nicht mehr bringen kann….
Mein Corona-Weihnachtsmann mit einer Maske für über die Maske. Er kommt zumindest am Heilig-Abend, wenn nicht noch mehr Corona dazwischen kommt.

Am Samstag war ich völlig genervt und überfordert. Also habe ich einen gedeckten Apfelkuchen gebacken. C. ging es nicht anders. Er stellte Keks-Teig her, um mit drei kleinen Mädchen zu backen.

Zwei Kilo Mehl waren doch etwas viel. Er war froh, als ich von der Putzerei bei Omma wieder da war und mitglasierte….

Am Samstag habe ich C. hoch gejagt.

„Fahr einen Baum kaufen! Die sperren uns wieder ein.“

„Ich habe noch Zeit.“

„Nein, hast du nicht. Fahr einen Baum kaufen mit Mini!“

Als er dann den Baum aufgestellt und den Weihnachtsschrunz aus dem Keller geholt hatte, stelle er fest, das wir keine Spritze für den Baum haben.

„Haben wir doch!“ Ich brauchte nur ein Brotmesser.

Draußen_Kugel abgesägt, zack : Baumspitze. Fertig. Die Kinder haben ihn geschmückt und meine Mutter, die auf einen Kaffee rum kam, erklärte immer, sie sollten doch leise sein, wenn Erwachsene sich unterhalten.

„Boah, Mama, lass sie doch !“

Der Trend zum Hund

„Oh, der ist aber schön!“

„Ja, er kommt aus Rumänien, ist ein Straßenhund und etwa zwei Jahre alt.“ Das er soviel wieg wie sein Besitzer und letzterer mal gerade einen Kopf größer ist als der Kopf des Hundes ist offensichtlich. Und auch hier ist schon der dritte Hundtrainer an Board, der dritte in drei Monaten.

Einfach ist es eben nicht.

Der Trend zum Zweithund! Ein kläffendes Rudel, an der Leine zerrend, im Chor mit dem „Aus!Aus!Aus!“ oder dem schweratmenden Schweigen des Besitzers, je nach Größe. Die dicke Nachbarin hat es gut, auch wenn ihr asugewachsenes Rudel an der Leine zieht, sie hat genügend Gegengewicht, sie darf nur nicht loslassen.

Alls zugelassen Hundeerziehungshilfsmittel sind vom Esszimmerfenster aus zu bewundern und auch der Halti vor der Brust ist bei einem andere Hunde fressen und lautstark attackierenden Hund genauso hilfreich wie ein Teelicht.

„Mama, wer ist denn das, der seinen Hund da gerade in euren Garten pissen lässt?“

„Das ist der Hund der Nachbarin, ein Malteser. Die Hausverwaltung hat das erlaubt.“

„Auch, das der in den Garten pisst?“

„Sie macht die Häufchen ja weg. ..“

„Ja, aber die Lulle kriegt sie mit ner Plastiktüte nicht hoch! Mal ehrlich, Mama, da hinten ist ein Feld für Hund und in die andere Richtung der Kackewald!“

„Ja, ich weiß!“

„Und der Malteser sieht aus wie ein Westhighland-Terrier.“

„Neee, das ist ein Malteser.“

„Okay, sieht aber nicht so aus.“ Und dazu kommt noch der Dreck von den Rillen der Schuhe der Nachbarin, die oben im Haus wohnt. Sie darf das, sie war lange in einer psychiatrischen Einrichtung. Finde ich jetzt persönlich nicht ganz so in Ordnung, aaaaber….ich putze das weg.

„Wilma, kannst du mir erklären, warum die jetzt alle Hunde haben?“ Aus dem Tierschutz, aus Rumänien, Spanien, Griechenland (warum eigentlich nie aus England?).

„Hm, die haben alle mal gehört, das man mit Hunden bei Corona noch raus kann. Aber was machen die mit denen, wenn das wieder in den Urlaub geht?“

„A7, Rasttätte Harz, Laterne hinten links.“

Alles Corona geschuldet!

sagt Doro immer, wenn wieder was ist. Das ist alles wegen Corona.

Aha. Ich will ja mal nicht unhöflich sein, aaaaber…..Es reicht!

Im Juli stand an, Olaf einzuschläfern. Er hatte gebissen und sich noch einige andere Unarten zugelegt.

Ein Jahr lang habe ich eine Hundetrainerin bezahlt, die zweite übrigens, die mir Tips gab, die einfach nichts brachten. Wenn er ans Fenster lief und die Blumen runter riß und das Fenster bellend vollspuckte, dann sollte ich mich mit dem Rücken zur Straße ans Fenster stellen, dann würde Olaf das alles nicht mehr interessieren.

Das Einzige, was ihn nicht interessierte, war die Tatsache, das ich mit dem Rücken zu Straße stand. Wenn er auf seinem Platz bleiben sollte, dann sollten wir ihn nicht wieder von seinem Platz lassen und uns letztendlich mit einem Stuhl davor setzen. Es kann keiner von uns den ganzen Tag auf einem Stuhl vor dem Platz sitzen.

Leinen gehen war von je her eine Katastrophe. Hundetrainerin Nummer eins erklärte mir, ich müsse ihn nur auslasten z.B. mit einem Ball. Der Ball interessierte Olaf draußen genauso viel wie Fleischwurst, nämlich gar nicht. Und dann sollte ich ihn loben, wenn er nur in meine Nähe kam, was jetzt nicht so hilfreich war, wenn man draußen ohne Leine unterwegs war und er zurück an dieselbe musste. Ihr kennt das. Der Hund hat Freilauf und dann kommt Oskar und dann muss der eigene doch besser an die Leine. Da ist es durchaus nicht ausreichend, wenn der Hund wohlwollend auf drei Meter Abstand in die Nähe kommt.

Also hingen wir an der Leine, versuchten diverse Halsbänder, auf Empfehlung auch ein Geschirr und, nachdem der Hund an der Rollleine, damit er auch an der Leine eine größere Bewegungsfreiheit hat, mich ins Krankenhaus gebracht hatte, kam Hundetrainerin Nummer 2, die erklärte, wir sollten immer an den Mauern, die die Grundstücke und unsere Einfahrt hier begrenzen, vor dem Hund an der Mauer entlang gehen und wann immer er sich vorbei drängen wolle, sollten wir ihm auf die Pfoten treten.

Okay, auch das und dafür 200 Euro jeden Monat. Und gebracht hat es nix.

Also dann auch ohne sie, keinen Urlaub mit dem Hund, keinen Waldspaziergang mit Hund und Kindern, Er begann, die Kinder zu zwicken, versuchte, deren Streitereien zu schlichten und ging dazwischen, als sich zwei von den Großen zu prügeln versuchten.

Er klaute das Essen vom Tisch.Ja, ich war auch in einer Welpengruppe von einem kleinen Hundesportverein, aber die sahen den Olaf da nicht gern, was ich bis heute nicht verstehe, denn er war echt lieb , und dann in der vom Diensthundesportverein und da kamen Leute, die hatten sowas ähnliches wie Olaf und wir flogen nach Weihnachten raus, weil da ganz viele kleine neue Welpen kamen und Olaf schon recht groß war. Danach kam die Gruppe der Dressurhunde dieses Hundesportvereins und weil alles nicht funktionierte, bot mir jemand, der mir eine Einzelstunde verpasste an, mir am nächsten Samstag auf dem Parkplatz zu zeigen, wie man Olaf weh tut, damit er hört. Ich bin da nicht mehr hingefahren.

Ich habe eine Maulschlaufe, auch Halti oder Hölti genannt, gekauft und Olaf zerkratzte sich während des Spazierganges das Gesicht. Ich habe ein teures Geschirr gekauft, aber der Zug war noch schlimmer.

An einem Camping Wochenende biß er beim Zeltaufbau einfach die Leine durch, also mussten wir eine neue kaufen und man verkaufte mir so ein Ganz-Körper-Gerät, das denn Hund zusammen zog, wenn er selbst zog. Es lief unter den Hinterbeinen durch und schrammte die Haut auf.

Wir waren mit ihm an Hundestrand in diesem Urlaub . Und weil niemand da war, durfte er frei laufen. Er markierte an drei Ecken und weil er klein war, lief er auch noch ohne Leine, als die Frau mit Kind kam. Das Kind wollte zu meinen ans Wasser, betrat das von Olaf markierte Dreieck und er rannte es um. Das Kind weinte, die Frau lachte und ich leinte den Hund an und setzte mich mit ihm an den Strand.

Er zerkratzte die Türen, haute über das Dach von der Garage ab, weil er über das Spitzdach auf die höhergelegene Einfahrt des Nachbarn davon dampfen konnte, jagte die Katzen durch das Haus und ließ uns die Einkäufe nicht einfach reintragen, sondern brachte so manchen mal eben zu Fall, weil er sich „so freute“.

Ich habe mich letztendlich so über den Hund geärgert, dass ich ihm ein Halsband mit Straßsteinchen genäht habe. Die rosane Farbe ist eher für die Nachbarn.

So. Nun kam also der Tag, an dem er C. in den Arm gebissen hatte. Tierarzt. Frau Tierarzt hielt drei Meter Abstand, traute sich nicht mehr, sich zu bewegen und verwies mich an die Koryphäe des Hundetrainings in unserer Region. Er hörte sich alles an, hatte schon genug gesehen, als wir versuchten den Hund aus dem Auto zu holen und nicht umzufallen, und erklärte, wir sollten ein Blutbild inkl. der Hormone machen und der Hund sollte das Futter vorgestellt bekommen und wenn er den Kopf hebe, dann sollte ich ihm das wegnehmen.

Also fuhren Mal und ich zum Tierarzt, um das Blutbild machen zu lassen und wir waren zu viert ohne die Tierärztin, Mal und ich mussten den Kopf samt der Maulschlaufe halten und zwei andere hielten den Körper. Seit dem verweigert der Tierarzt die Behandlung meines Hundes. Er hat da niemanden gebissen und war wieder ruhig, als alle ihn losgelassen haben und die Maulschlaufe ab war.

Das Blutbild war in Ordnung und man bot mir an, wenn die Koryphäe nicht helfen könne, ihn einzuschläfern. Die Tierärztin hatte mir gesagt, das es einen geringen Prozentsatz unter den Hunden gibt, die irgendwie ein bisschen entwicklungsresistent sind. Denen kannste nicht richtig viel beibringen, die haben irgendwie ihr eigenes Ding.

Also versuchten wir es mit dem Futter. Wir sollten uns nach einer Woche wieder melden. In der Woche hat mein Hund nur einmal die Portion, die die Koryphäe auf einen kleinen Plastikbecher voll Futter herunter gesetzt hatte, gefressen. Es interessierte den Hund nicht, obwohl ich peinlich genau darauf achtete, dass er weder an Brot von den Kindern, den Müll, Katzenfutter oder irgendwas anderes kam, er wurde dünn. Man konnte zugucken.

Ich schrieb das der Koryphäe und bekam zur Antwort, dass er uns nur helfen könne, wenn alle aus der Familie genau das machten, was er sage, worauf hin ich ihm antworten musste, dass meine Mutter und auch meine Tochter geantwortet hatten, sie würden sich daran nicht gebunden fühlen.

Die Antwort war ernüchternd, er könne uns nicht helfen. Tierheim war keine Alternative, weil er aufgrund seines Verhaltens und seines Alters dort eher recht geringen Vermittlungschancen hatte. Okay, neuer Euthanasie-Termin und einen Tag vorher der Anruf und die Telefonnummer von Küsten-Köter in Bad Segeberg. Und da sind wir mal echt aufgehoben, weil die Tipps tatsächlich funktionieren. Wir waren dank Corona erst zweimal da. Und der erste Tipp war, den Hund zu verwirren, damit er auf hören würde, alles zu kontrollieren. Und ich fing an, den Hund wegzusperren und nicht mehr die Kinder. Und habe ihm den Prototyp ausbruchsicheres Halsband gebaut. Er trägt zwei, weil er der Meister der Entfesselung ist.

Ich kaufte eine Wurfkette, die eine Zeit lang durch ihr Geklapper half, aber nur, wenn mein diskussionsfreudiger Hund das zu ließ. Aber eben nicht dauerhaft. Wahrscheinlich denkt mein Hund, ich quietsche oder bin kaputt, wenn ich Geräusche mache, denn mit “ Nein“ und „ähäh“ ist genau dasselbe auch schon passiert. Aber das hatte der Mann von Küstenköter ja schon gesagt. Es geht nur wortlos mit Bewegung und Buffe hier und da. Der Mann von Küsten-Köter hatte mir gesagt, ich solle dem Hund, der mich auf Schritt und Tritt verfolgte, Dinge hinterher werfen, eine Plastik-Flasche zum Beispiel, weil ich von ihm sogar beim Duschen oder auf der Toilette beobachtet wurde und er, wenn ich ihn aussperrte, die Tür zerkratzte. Ich habe alles mögliche geworfen, nicht nur die Kette, die klirrend gegen die Wand krachte. Zwiebeln, wenn ich in den Keller ging und er die Treppe runter starrte und mir den Weg versperrte, wenn ich den Wäschekorb hoch hievte, Plastikbecher und einmal, weil ich nichts anderes hatte, den Wischmopp-Halter, der am Türrahmen hängen blieb und mir Ärger mit C. einhandelte, weil der den gerade frisch gestrichen hatte.

Nun hatte ich von Küstenköter die Aufgabe, 500 Meter solle der Hund an durchängender kurzer Leine bei mir gehen. Das klappte relativ gut, am ersten Tag, am zweiten und dritten, schon nicht mehr, am vierten gab es einen Hoffnungsschimmer am Horizont…..Seit zwei Monaten bin ich dabei und es läuft relativ gut, es sei denn, es kommt ein Hund , oder ein Motorrad, oder ein Jogger, oder ein Fahrrad oder oder….Aber der Weg bis zur Übungsrunde allein war der Horror wie in den ganzen Jahren davor.

Der Mann von Küsten-Köter hatte gehofft, mein Hunde werde das auf die lange Leine Übertragen. Aber Olaf tut es einfach nicht.

Also habe ich angefangen, es selbst auf die lange Leine zu übertragen. Am ersten Tag half ein Geräusch, das er nun nach zwei Wochen geflissentlich ignoriert, also wende ich, er muss sich setzen und ich warte, bis er mich nicht nur ein bisschen anschaut sondern richtig und dann geht es weiter und kurz bevor die Leine wieder richtig Zug aufnimmt, kommt die Wende. Und wenn das nicht klappt, dann buffe ich ihn mit der Hand in die Seite.

Was habe ich erreicht? Ich habe es geschafft, dass er schlafen kann. Er muss nicht mehr aufspringen, wenn sich die Kinder im Haus streiten. Er hebt zwar noch manchmal schmatzend den Kopf, aber er bleibt liegen. Wenn Besuch kommt, bringe ich ihn in den Wintergarten. Dort hat er einen zweiten Platz an der Heizung und er kann sich während des Besuches einfach ablegen. Nicht immer. Manchmal sitzt er völlig aufrecht auf dem Teppich im Verbindungsgang zum Wintergarten, aber er kratzt nicht mehr und hechelt nicht mehr völlig aufgeregt, so dass der Boden vom Sabber klatsche nass ist und die Räume stinken. Er rennt nicht mehr aus dem Haus, wenn die Tür einen Spalt auf ist und kann in den Garten, weil er nur noch mit mir hoch geht, nicht mehr wie ein Wilder alles kaputt rennt und auch nicht mehr über die Garage abhaut. Er schnappt auch nicht mehr nach den Füßen der Kinder, wenn diese schaukeln.Ich brauche mittlerweile keine Leine mehr, wenn ich ihn in den Wintergarten schicke, was ich auch dann mache, wenn ich das Haus verlasse. Und wenn es doch mal nicht ganz so klappt, also wieder rückwärts geht, dann mache ich einfach die Reste vom Vorführstrick an seine Leine und er bleibt liegen, wie wenn er angebunden wäre.

Aber : er kann schlafen. Durchaus auch schon mal so tief, dass ich dachte, er ist tot. Ja, vom Tierarzt hatten wir auch CBD -Tropfen, die aber so hoch dosiert sein müssen, damit sie wirken, dass er Durchfälle bekommt.

Ich kann auch schon am anderen Ende der Wiese an seinem Erzfeind vorbei gehen. Noch nicht leger, aber auch ohne den Leinentanz.

Hier gibt es noch mehr eigene Hunde in der Straße. Und wir haben stillschweigende Vereinbarungen. Der Tierschutzhund von Haus am Ende der Straße verschwindet immer mit seinem Frauchen hinter den Autos und ich sehe zu, zügig vorbei zu kommen. Der Hund wie Olaf in weiß setzt sich ab und ich sehe zu, zügig an ihm vorbei zu kommen. So lange sich alle nicht sehen, ist es in Ordnung. Morgens um halb sieben geht der Hund unten von der Straße hoch ins Waldgebiet und ich gehe runter auf die Wiese am Friedhof vorbei. Und die dicke Frau mit ihren zwei Hund lässt den Tierschutzhund nicht mehr ohne Leine, weil er den Hund von unten an der Straße schon gebissen hat und meinem Hund den halben Feldweg hoch nachgesetzt hat.

Wir haben Regeln. Keiner will Stress. Und mit Corona sind ganz viele neue Hunde rings um die Häuser eingezogen und viele haben sich einen Zweithund zugelegt und haben jetzt ein kläffendes Rudel.

Es hat drei Jahre gedauert, bis der Hund nicht nur nach Hause gezogen hat. Es hat fünf Jahre gedauert, bis der Hund auch mal mit wem anders rausgegangen ist als mit mir. Ich weiß nicht, ob man sich das vorstellen kann, aber wenn C. oder D. mit ihm raus wollten, setzte er sich einfach hin und guckte nach mir. War nicht einfach für mich mit Krücken.

Als ich im letzten Jahr im Krankenhaus war, hörte er auf zu fressen.

Warum schreibe ich das? Weil mich gestern eine Frau mit einem wandelnden Flokati angemacht hat, als ich Olaf an der Leine voran bringen wollte, nachdem wir uns hinter einem Auto versteckt haben. Leider ist er nicht so wie der Tierschutzhund und ignoriert alles hinter dem Auto, er reagiert da schon. Aber sie ging mit ihrem Flokati, dem es offensichtlich reichte, einmal am Wald runter zu gehen und dann wieder hoch, nicht weiter und als ich meinen Hund maßregelte, schrie sie „Hey!“ und meinte mich damit maßregeln zu müssen.

Leider konnte ich nicht stehen bleiben, um das mit ihr auszudiskutieren. Ich habe hier 40 Kilo Hund, der schon als Welpe eine brennende Kippe ausgetreten hat und es nicht gemerkt hat, der einen hohen Schutztrieb hat und alle neuen Hund im Viertel, und es sind dank Corona echt viele geworden, versucht, aus dem Fenster heraus bellend zu vertreiben. Und es ist richtig toll, wenn ich über die Wiese gehe und jemand schmeißt seinem schwarzen Schäferhundähnlichem immer wieder einen Ball zu und sieht uns und schmeißt den Ball dann in unsere Richtung. Olaf ist kein Toy-Pudel und der Labrador-Schäferhund-Mix, den ich gekauft habe, sicherlich auch nicht. Was auch immer er für eine Mischung ist, er hat es verdient, dass ich dafür sorge, dass er keinen Ärger bekommt. Und ich muss mal ehrlich sagen, manchmal würde ich gerne sagen: „Schätzelein, kommt, Mutti macht mal die Leine los und du darfst das klar sprechen.“ , vor allem bei Leuten, die ihren Scheiß-Ball in unsere Richtung schmeißen oder aber ihren Hund an der Schleppleine einfach auf uns zuspringen lassen.

Ich habe im Übrigen auch das Geschirr gekauft, das man vor an das Halsband macht. Und einen Maulkorb, den findet er schon toll, es sei denn, wir gehen raus, dann versucht er sich das Ding von der Nase zu kratzen und zwar so, dass er sich selbst weh tut.

Die Tipps von Küstenköter funktionieren. Ich nerve den Hund, wenn er sein Programm laufen lässt und wenn nerven nicht reicht, dann buffe ich ihn halt. Und ich weiß heute nicht, wo morgen das Training wieder beginnt, aber ich habe ihn geholt und es ist meine Verantwortung. Und wenn andere Leute Hunde haben, die so leger sind, dass sie sich für nichts interessieren, dann ist das wirklich, wirklich toll. Aber ich habe so einen nun mal nicht und nach dem Gespräch mit der Frau vom Ende der Straße weiß ich nun, dass auch bei ihrem Hund nicht all die tollen neuen Regeln funktionieren und wir lernen müssen, die Sprache zu sprechen, die unser Hund wirklich versteht.

Doro, Corona und ich

Wir haben ja die Zahlen verfolgt, die Doro und ich. Es war wie Kontrolle. Und dann wurden sie im Fernsehen komisch. Also irgendwie passte das nicht mehr so richtig zusammen. Anfangs war es ganz einfach, ich konnte drei Tage die neuen Zahlen anhand des R-Wertes für den nächsten Tag ausrechnen und dann wurde es doof, weil es ging so nicht mehr.

Und auch unsere Zahlen hier vor Ort konnten wir nicht mehr verstehen, weil die immer, wirklich immer anders waren als beim RKI. Also hat sich Doro eine Exxel -Tabelle gemacht und jeden Tag brav die Daten eingetragen, die unser Landkreis auf seiner Homepage veröffentlichte.

R-Wert war ein Thema.

„Doro, einfach Sache das. Du nimmst die Zahl von heute und teilst sie durch die von gestern.“ klugscheisserte ich. Hatte ich es immerhin im Fernseher gehört und schon festgestellt, das damit auch der R-Wert im Fernseh nicht mehr zu berechnen war.

Aber Doro machte das und kam nicht auf den R-Wert.

Okay. Dann nehmen wir doch mal den Inzidenzwert. Dafür hat Doro bei der Landkreis-Hotline hier vor Ort angerufen, aber die Frau am Telefon konnte Doro auch nicht sagen, wie man das ausrechnet. Aber sie hatte eine Telefonnummer in Hannover.

Klar hat Doro da angerufen, aber Klarheit brachte das nicht. Seit Wochen bekomme ich nun morgens von ihr die aktuellen Zahlen und die Frage, wie sich das berechnet, denn egal, wie Doro die Formel aus Hannover anwendet, sie kommt nicht auf die Werte.

Also habe ich gegoogelt. Die Fälle der letzten 7 Tage werden addiert durch die Anzahl der Einwohner im Landkreis geteilt und mal 100.000 genommen.

Easy, oder? Die Formel mit Quelle habe ich Doro geschickt und weil ich noch Zeit hatte, habe ich die mit den Zahlen von hier mal gerechnet.

„Stimmt auch nicht. Kommt auch anderes raus.“ Das habe ich Doro dann doch geschrieben.

Am Ende bleibt: Wir wissen es nicht, tauschen uns weiter über die Zahlen aus und schütteln weiter den Kopf.

Brief an unseren Oberbürgermeister

Der ist schon ein paar Tage her und ich sah mich genötigt, ihn zu schreiben, weil nach der Eröffnung einer Außenstelle der kleinen Grundschule einen Tag vor der Abstimmung über den Umzug unserer kleinen Grundschule in die Räumlichkeiten der katholischen Grundschule und die wiederum in die Räumlichkeiten der unserer kleinen Grundschule, also weil einen Tag vor der Abstimmung im Rat vom Oberbürgermeister ein neuer Vorschlag, nämlich eine Außenstelle unserer kleinen Grundschule kam, musste ich ihm schreiben.

Und weil einer der Ratsherren eine Email einiger Worte würdig fand, er erklärte nämlich, der Schreiber habe kein Zuhause gehabt, was ja nicht stimmt, weil ja jeder irgendwie ein zuhause hat, veröffentliche ich sie mal hier:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

es war so klar. Sowas von klar. Schon nach der Sitzung am 4ten November war klar, da kommt die nächste wenig praktikable Idee.

Außenstelle Schiller-Schule. Warum gibt es eigentlich keine Außenstelle Ratsgymnasium? Da hätte man sich doch glatt die Kosten für die Container gespart.

Haben Sie sich eigentlich mal wirklich mit dem Schulalltag auseinandergesetzt? Also ich meine nicht mit Kekse-Backen für die Weihnachtsfeier und Kindertransport?

Eine Außenstelle der Schiller-Schule. Ernsthaft? Wer kümmert sich um Rolf-Rüdiger, wenn der fröhlich durch die Klasse kotzt und von Mutti abgeholt werden muss? Bisher mussten die Mitschüler da nicht zu gucken. Die Sekretärin der Schule hat sich drum gekümmert. Oder er braucht einen Krankenwagen. Da stehen jetzt alle Mitschüler drum rum und dürfen auch mal auf den Bruch drauf drücken, oder wie soll das sein? Oder soll die Sekretärin jetzt pendeln? Nach dem Motto „Unfälle und Erkrankungen nur zwischen 10 und 12 Uhr, da ist die Sekretärin im Haus“. Thema : Aufsichtspflicht.

Die Lehrer der ersten Klasse unterrichten auch durchaus Fächer in den höheren Klassen, aber das fällt dann klar weg. Oder haben Sie schon unter Einhaltung der StVO die Wegstrecke Schiller-Schule-Georgenberg gefahren? Hatten Sie gar vor, Elon Musk für seinen Hyperloop ins Boot zu holen, damit die Logistik zwischen Hauptsitz und Außenstelle möglich ist?

Wenn eine Lehrkraft auf dem Weg zur Außenstelle aufgehalten wird, bekommen dann die Eltern per Broadcast die Mitteilung , sie mögen warten wegen der Aufsichtspflicht?

Kein klassenübergreifender Schulchor mehr für die Schiller-Schule? Goslar entdecken und vieles mehr ist dann nur noch für die höheren Klassen. Hausaufgabenbetreuung? Sollen die Erstklässler dann zum Hauptsitz gehen? Ich denke, das Argument ist immer „kurze Wege, kleine Füße“. Oder stellen Sie sich vor, wenn da nur drei Erstklässler zur Hausaufgabenbetreuung sind, das dann da extra eine Betreuungskraft abgestellt wird? 1 Betreuungskraft für 15 Kinder, so ist der Schlüssel.

Und Eltern, die schon ein Kind auf der Schule haben, die schulen dann nächstes Jahr ihren weiteren Nachwuchs in der Außenstelle ein. Das Einzige, was an dieser Geschichte gut ist, ist, dass es auch die Eltern trifft, die immer neue Vorschläge machen und mit Hätte-Hätte kommen.Die dürfen sich dann überlegen, wer wie abgeholt oder gebracht wird.

Und ab welcher Klassenstufe erfolgt der Umzug in den Hauptsitz? Oder hatten Sie einen schleichenden Umzug vor so über die nächsten zehn Jahre?

Mal ehrlich: Außenstellen funktionieren schon bei Behörden nicht, aber für eine Schule soll das gehen?

Es wird wirklich zur Farce. Goslar, die Stadt mit Schulen in Containern und Außenstellen. Und das Argument, die Stadt müsse nur Geld in die Hand nehmen und dann wäre das Problem zu lösen – mal ehrlich, man kann nur in die Hand nehmen, was man hat. Und da wird auch Goslar in den nächsten Jahren nicht viel zum In-die-Hand-nehmen-haben.

Nee, ich war auch nicht begeistert von einem Umzug. Ja, Sie und die Ihren hätten schon vor Jahren gemusst. Haben Sie aber nicht.

Aber wir sind im Hier und Jetzt und hätte-hätte ist überflüssig.

Und im Hier und Jetzt kann man nur mit den vorhandenen Möglichkeiten eine Lösung suchen. Und der Vorschlag der Stadt, von Herrn Busse und Herrn Siebert vorgetragen, die auch aufgezeigt haben, was alles geprüft worden ist, ist innovativ, ökologisch vertretbar und bezahlbar. Da hat man doch in Ihrer Behörde wirklich solide Arbeit geleistet. Das ist alles mit Zahlen belegt. Und Herr Busse und Herr Siebert, die haben sogar den nächsten Vorschlag von diese Zwergenschule geprüft. Und ich denke, die haben eigentlich noch mehr zu tun als stundenlang mit Politikern Zahlenspielereien durchzugehen, die doch nur wieder zu dem Ergebnis führen, der von der Stadt gemachte Vorschlag ist der einzige, der lösungsorientiert ist.

Stellen Sie sich doch einfach mal vor, das Schulgebäude in der Zehntstraße wäre über Nacht unbrauchbar. Gasexplosion, alle Zimmer voller Schwarzschimmel, Wasserschaden, irgendwas. Wollten Sie dann Container aufstellen, Straßen sperren? Dann müsste auch eine andere Lösung her.

Ja, ich weiß. Jetzt kommen die Eltern mit dem Argument „Kinder“. Und ich habe das Privileg, offen reden zu dürfen. Ja, die Kinder, die wollen ja nicht umziehen. Stimmt. Wollen die generell nicht. Nicht von der vierten Etage Sozialbauwohnung aufs Dorf oder sonst wohin. ABER: Wenn die Eltern einen besser bezahlten Job ist Castrop-Rauxel bekommen, dann müssen die Kinder mit umziehen und zwar richtig inklusive neuer Schule. Oder glauben Sie ernsthaft, die Eltern schlagen das aus?

Ja, ich weiß. Die Diskussion bekommt ein Niveau, bei dem man sich so tief bücken muss, dass man schon beim Runter-Bücken Angst hat, nie wieder den aufrechten Gang zu erlangen. Aber gucken Sie auf die Zahlen. Schauen Sie sich die Arbeit Ihrer Leute an, das spricht alles definitiv für sich.

Ich war froh, als Sie sich positioniert hatten. Und nun wieder ein Wechsel. Wozu? Was haben Sie davon? Was ist das für ein Statement von Ihnen im Bezug auf die von Ihren Mitarbeitern bisher geleistete Arbeit ?

Zum Christentum gehört klar die Nächstenliebe. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Wie ist das vereinbar mit der Tatsache, das einige Kinder alle Fördermöglichkeiten haben und anderen diese abgesprochen werden, weil es bei diesen nicht die notwendigen Räumlichkeiten gibt? Und bei der von der Stadt dargestellten Lösung des Umzugs inklusive Neugestaltung des Schulhofes für Kaninchen und was nicht alles in der Zehntstraße kämen alle Kinder zum Zug. Mal ehrlich: Irgendwie selbstredend, wenn die Eltern der Kinder einer katholischen Grundschule unterstützt von den christlichen Parteien gegen einen Umzug Sturm laufen, der bisher Benachteiligten die nötigen Fördermöglichkeiten eröffnet. St. Martins Reliquie müsste doch bei solchen Sachen in seinem Reliquiar rotieren.

Mit Ihrer Außenstelle ist das Problem der zu kleinen Klassenräume in der Schillerschule doch auch nicht gelöst. Wer haftet da eigentlich, wenn es mal brennt und die Räume weiterhin überfüllt sind?

So, und wenn Sie jetzt vielleicht doch noch eine Lösung suchen: Mein Mann hätte da eine. Sie überlassen den Leuten mit den seltsamen Lösungen das Schulgebäude in der Zehntstraße gegen Nutzungsentschädigung. Die machen ihre eigene Schule auf, das geht nämlich.

Und für die Pädagogen, Sekretärin, Hausmeister und Putzfrau und Schüler der Schiller-Schule suchen Sie einfach ein geeignetes Objekt und lassen sie umziehen. Fertig.

Und falls Sie doch eher noch ein paar obskure Ideen brauchen, rufen Sie mich an. Ich helfe da immer gern kreativ aus. Blöde Ideen kann ich.

Mit freundlichen Grüßen,

S H

als Bürgerin und Mutter

Ich habe in meinem Leben noch nie sowas gemacht, aber ich musste aufstehen, als die Elternvertreterin der Klasse meiner Mini Druck machte, wir sollten uns gegen einen Umzug stellen und dann den Satz schrieb: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ . Da fiel bei mir eine Klappe.

Die Schiller-Schule darf zum nächsten Schuljahr umziehen und die katholische Worthschule mit halb so vielen Schülern zieht in die Räumlichkeiten der Schiller-Schule.

14 neue Fälle und ein Todesfall

Die Überschrift in der Zeitung, was das heißt, weiß eh jeder, aber es ist eine echt gute Überschrift, die auch einen Krimi zieren könnte….

Das Apotheker-Müsli habe ich wieder abgesetzt. Da hat mir doch der Facharzt geschrieben, man könne erstmal diese Tabletten nehmen und müsse aber langfristige Lösungen diskutieren. Also er hat das nicht mir, sondern der Hausärztin geschrieben. Und wenn die genügend Zeit haben, können sie gern diskutieren.

Wenn sie mir jetzt wieder mit dem Satz kommt, ich könne dran sterben, dann bekommt der eine irgendwie alberne Bedeutung in dieser Zeit und bedrohlich ist der längst nicht mehr.

Seit Wochen habe ich dieses Lied im Kopf.

Immer, wenn ich Nachrichten gucke oder in die Zeitung und Zahlen lese, dann läuft es in meinem Kopf und hat auch eine andere Bedeutung bekommen.

„Sie können daran sterben!“

„Ernsthaft, Frau Doktor, wollen wir das jetzt ausdiskutieren?“

Aber warum schreibe ich das? Also; Ich habe diese Schilddrüsen-Tabletten bekommen und habe sie vier Tage genommen. Kurze Zeit nach der Einnahme höllische Kopfschmerzen und jeden Tag mal eben ein Kilo zugenommen. Nun gut. Also habe ich in der Praxis angerufen und meine Probleme geschildert.

„Ich solle mehr Sport machen.“

Ja, tolles Ei. Ich kann mit dem neuen Knie weder Rad-Fahren, noch Schwimmen, noch Laufen, noch Kniebeugen…..und länger Stehen geht auch nicht. Okay, also Tennis-Ball an die Wand-werfen im Sitzen oder was??

Die Dame machte mir erstmal einen Termin zur Blutabnahme und dann einen, 14 Tage später bei Frau Doktor.

Ich sollte die und die tägliche Ration Ibuprofen man weiter nehmen und alles dann mit Frau Dr. besprechen.

Also mal ehrlich, bei vier Kilo in vier Tagen, da bekommt man schon Angst, wenn der nächste Termin in drei Wochen ist…….Meine horizontale Expansion ließ nicht nur die Befürchtung einer dreistelligen Anzeige auf der Waage vor meinem inneren Auge erscheinen sondern auch die, mit dem Swing-Sessel, auf dem seine halbe Stunde Wartezeit im Behandlungszimmer absitzt, nachdem man schon aus dem Wartezimmer aufgerückt ist, zusammen zu brechen. Also nehme ich morgens die Schachtel mit den Tabletten und lege sie von der linken Seite des Regals auf die rechte. Damit habe ich sie genommen und meine horizontale Expansion stagniert.

Dann war Blutabnahme. Ob ich die Tablette morgens genommen hätte. Ich bin da ja nicht so geübt. Also erklärte ich, ja hätte ich.

Dötttt! Stellt Euch dieses Geräusch aus einer Game-Show vor, der ertönt, wenn die Antwort falsch ist. Döttt! Falsche Antwort.

Ich solle das nicht, wann ich die genommen hätte.

„Heute morgen 20 nach fünf.“

Soweit so gut. Jedenfalls kam diese Woche der Anruf: Der Facharzt habe festgestellt, dass die Werte ja ganz gut aussehen und man das erstmal so lassen kann. Die Therapie wirke also.

Aha.

„Also genauso weiter machen, ja?!“

„Ja.“

Das Licht leuchtet in der Dunkelheit….

doch die Dunkelheit hat es nicht ergriffen.

Mein Konfirmationsspruch.

Herr Vittinghoff ließ uns die selbst aussuchen. Und er hatte eine große Familie, unser Pastor, und eine einzigartige Frau, die immer von Innen heraus strahlte. Aber sie ist früh gestorben. Man fand sie zusammengesunken auf der Straße sitzend nach einer Chorprobe.

Jedenfalls hatte ich bei Herr Vittinghoff Konfirmandenunterricht und er zeigte uns immer Bilder von Marc Chagall, mit dem ich damals nun überhaupt nichts anfangen konnte. Und wir sollten über diese Bilder sprechen. Und in den Gottesdienst sollten wir auch.

Nun jedenfalls durften wir uns unseren Konfirmationsspruch selbst aussuchen und ich wusste wirklich nicht, was ich da nehmen sollte und irgendwo in der Bibel habe ich diesen gefunden und stellte mir vor dem inneren Auge diese tiefe, schwarze Dunkelheit vor und da hinten, da brennt so ein kleines gelbes Lichtlein und ist der Hammer in dem ganzen schwarzen Drumherum. Und manchmal flackert es und wenn das vor meinem inneren Auge flackert, dann lasse ich das nicht lange zu, weil ich Angst habe, es könnte ausgehen. Und heute war dieses kleine Licht wieder da zwischen all den Fallzahlen, den Klopapierbunkerern und Aggros.

Ich bin Elternvertreterin von Pattys erster Klasse. Das bin ich nun aus strategischen Gründen geworden, damit an der kleinen Grundschule wieder Ruhe einkehrt.

Viele Eltern, die zum Kreis der Einzigartigen gehören, behandeln mich wie vollblöd, aber das merke ich immer erst hinterher, wenn eine Freundin sich darüber aufregt. Besser kann es nicht laufen, denke ich. Wenn der Gemobbte nicht merkt, das er gemobbt wird, dann steht doch ein Mobber irgendwie blöd da.

Jedenfalls dachte ich mir schon vor den Herbstferien im Oktober, dass dieses Jahr nicht gut werden wird und für mich stand da schon in den Sternen, das die Kinder bis Weihnachten in die Schule gehen werden. Und ich wollte was Schönes für die. Ein kleines Licht, das bisschen Mystik. Ein bisschen Kindheit. Also habe ich mir Gedanken gemacht und dachte, ich brauche eine Idee, die alle Schulszenarien schafft. Ich würde meiner ersten Klasse nämlich gern den Weihnachtsmann schicken. Damit wir die Hygiene-Vorschriften einhalten, sollte er nur die Treppe zum Klassenzimmer hochtrampeln, bollerig klopfen und einen Sack mit kleine Aufmerksamkeiten vor die Tür stellen und dann wieder gehen, aber so langsam, das ihn ein Kind, das die Tür aufmacht, vielleicht noch die Treppe runter trampeln sieht und er sollte, weil die Klasse zur Straße hin ist, für die Kinder mit seinem großen Sack dort noch sichtbar sein.

Was sollten die Kinder bekommen? Einen kleinen Schoko-Weihnachtsmann, einen roten Stift, mit dem sie die Selbstlaute markieren, vielleicht noch ein Radiergummi? Vielleicht noch einen Bleistift. Amazon auf: Stifte und Radiergummis kosten nicht die Welt. Schoko-Männer würden das Problem werden.

Mit meinen Söhnen gesprochen, wer den Weihnachtsmann übernehmen würde, damit das auch ja klappt, für den Fall, das einer krank wird. Okay.

Mit meiner Tochter gesprochen, die die schöne Handschrift hat, ob sie bereit wäre lauter kleine persönliche adressierte Briefe an die Kinder zu schreiben, falls die Schule wieder ganz zu ist, damit die Lehrerin die Päckchen dem letzten Lernpaket vor den Ferien mitgeben kann. Auch Okay.

Dann mit der Lehrerin gesprochen, die muß ja mitmachen, ohne sie geht es nicht. Sie hat sich gefreut, weil es irgendwie wohl den Nagel der Zeit trifft, zumal die Kinder Angst hatten, der Weihnachtsmann könne auch erkranken.

Und dann im Rossmann anfang der Woche Weihnachtsmännelein für 69 Cent entdeckt.

Und heute bin ich da schnell hin, obwohl ich da nach meinem letzten Besuch und den streitenden Kunden nicht mehr hin wollte. Und die Weihnachtsmännele hatten ganz schön abgenommen. Aber ich habe noch welche bekommen und gleich mal ein paar mehr genommen als nötig.

Ich bin also an der Kasse und will sie bezahlen zusammen mit den Geschenkbändern, die an die Pannesamt-Säckchen, die ich von den 16 noch hier herum liegenden Metern nähen will, und die Kassiererin fragt mich, ob ich so einen Rabattschein habe.

„Nein.“ sage ich und weiß nicht mal wirklich was sie meint.

„Ich habe noch einen.“ sagt ein wildfremder Mann hinter mir an der Kasse und holt sein Portemonnaie raus, zieht den Schein raus und gibt ihn der Kassiererin für die Weihnachtsmännele und das Schleifenband.

Es rührt mich immer. Ein wildfremder schenkt mir seinen Rabatt-Coupon für die Schokomänner. Das ist in dieser Zeit wirklich mein Licht in der Dunkelheit und hat mir den Glauben an die Menschen zurück gegeben.

Fleischsalat

Genau daran liegt es.

D. hat eine Ausbildung zum Feischerei-Fachverkäufer begonnen. Bei einem richtigen Schlachter, der seine Tiere noch mit Namen kennt. Aber die Namen schreibt er an die Wurst nicht dran.

Ein Schildchen mit „Sommersalami von Berta“ würde wohl auch verstörend wirken. Auch Bilder unter dem Titel “ Diese Woche in unserer Theke: Hilde, Ernst und Bärbel“ gibt es nicht. Aber alles kommt von hier.

Und D., der an der Quelle sitzt, bekommt immer eine analog Nachricht, also einen Zettel, mit dem was gewünscht wird und ist der häusliche Zwiebelfleisch-Dealer.

Nun gab es schon einmal eine Woche, in der D. den Fleischsalat vergessen hatte. Und die Woche war Mist. Richtig Mist. Ich musste als Notfall zum Arzt und bekam erstmal zwei Packungen zu je 100 Stück Beta-Blocker und kann sie jetzt mit Omma tauschen, weil die kriegt sie von einer anderen Firma.

Mal verschlief im neuen Job, das Ersatzteil für das Auto war nicht lieferbar….. Und Mal und ich waren uns einige: Das liegt alles daran, das es keinen Fleischsalat im Haushalt gab.

Nun zickte D. letzte Woche und ich habe den Salami – und Mortadella auf dem Markt beim Geflügelzüchter aus Hildesheim gedeckt, bei dem, bei dem die Schnitzel irgendwie nicht kleiner werden.

Also bin ich ordnungsgemäß zum Arzt und habe die letzte Woche gestartet. Ich war noch mal bei Fielmann und habe die neue Brille reklamiert, bei der der junge Mitarbeiter den Zylinder verändert hatte, so daß ich Doppelbilder hatte und aus der Bäckerei „Berei“ wurde und auf dem Schild, das Goslars Ortsgrenze markiert, nur noch Glor zu lesen war.

Mittwoch fuhr C. mit unserer Lutz, ein mini-Bkh-Mädchen, allerdings schon sechs Jahre alt zur Tierärztin. Es wurde ein Blutbild gemacht. Ein interessantes Ding. Links rote Kreuze, in der Mitte grüne und rechts rote Kreuze. Ich fand es sehr anschaulich. Links zu wenig, in der Mitte gut, rechts zu viel.

Die Tierärztin habe gesagt, weil Lutz noch so jung sei, würde sie sie nicht einschläfern. Lutz müsse dringend unter Beobachtung, und weil sie gar nicht sagen könne, warum der Körper die roten Blutkörperchen zerstöre, deshalb solle sie in Tierklinik der Medizinischen Hochschule.

Also Kinder eingepackt, Blutbild eingepackt, Katze eingepackt und ab nach Hannover. Weil C. noch warten musste, habe ich mit den Kindern einen Bäcker gesucht. Sah alles echt lecker aus…….schmeckt nur nicht. Nicht mal das Brot, das hatte zu viel Wasser drin. Aber das wußten wir noch nicht. Auf den Rückweg bekleckerten sich die Kinder mit der gekauften Cola und dem Zucker von 22 Quarkbällchen….drei Kinder, ein langer Weg….was will man da.

Nach gut eineinhalb Stunden waren wir wieder an der Klinik und C. war schon beim Arzt gewesen, der erklärt habe, das Blutbild sei zu allgemein und er müsse sich mit einem Kollegen besprechen.

„Haben sie mal geulltraschallt? Die futtert doch immer die roten Bänder von den Müllsäcken und das Lametta.“

„Nein.“ Gesagt habe er das dem Arzt aber schon.

„Haben sie irgendwas gemacht?“

„Nein, nur ein Gespräch und jetzt warte ich.“ Also warteten wir. Mit den Kindern- Spielten Tipp-Tapp mit ihnen, fanden den Automatenraum und das Klo und irgendwann kurz vor halb sieben sprach C. mal eine Schwester an. Mittlerweile waren wir drei Stunden da. C. wollte von mir wissen, was ich tun würde, wenn es Lars getroffen hätte.

„Diagnose “ keine roten Blutkörperchen mehr und der Körper macht sie selbst kaputt“? – Einschläfern.“ Ich bin ja immer völlig sachlich in solchen Sachen.

Kurz nach halb sieben kam der Arzt und erklärte, man wolle die kleine Katze, die von ihren ursprünglichen drei Kilo Körpergewicht 800 gr schon verloren hatte, da behalten. Eine Bluttransfusion kam in Frage, sie hätten da zwei Spender-Katzen mit Blutgruppe A.

„Ich kann noch zwei von Zuhause holen, also so ist das nicht…“

C. fragte nach den Kosten und der Arzt holte eine Ärztin zur Verstärkung, die noch einmal alles erklärte.

Als sie wieder bei der Bluttransfusion war, wollte ich von ihr wissen, ob der Körper, der bis dahin ja die eigenen roten Blutkörperchen vernichtete, die fremden in Ruhe lassen würde…

Wäre ja schon toll, wenn das Immunsystem nach dem Motto „Huch, das sind ja rote Blutkörperchen von einer Perser, die lassen wir mal lieber in Ruhe“ funktionieren würde….

Sie bestätigte, das die Wahrscheinlichkeit bestehe, das der Körper diese auch gleich wieder kaputt macht, aber man habe auch eine Sauerstoff-Therapie und künstlichen Ernährung vor und eine Nacht in der Klinik kosten 200 Euro, eine Bluttransfusion 300 Euro und wir müssten mit mindestens zwei Wochen rechnen und zusätzlichen Kosten für diverse Untersuchungen….

Und ich fragte mich, wie sie denn den Sauerstoff in die kleine Katze rein kriegen wollten, wenn die roten Blutkörperchen einfach kaputt gehen…intravenös?? Und während sie erklärte, das sie nun erst mal suchen müssten, was mit der kleinen Katze sei, das könne dies und das oder tumorös sein, letzteres würde eh nur zum Einschläfern führen…

„Lass sie gehen.“ sagte ich ganz unvermittelt zu C.. Ich dachte an den Hund, den Frauchen während unserer Wartezeit abholte, dessen Becken in einem Gurt hing, weil er seine Hinterbeine nicht mehr nutzen konnte, wie er zwischen Lachen und Weinen bellte und erst aufhören konnte, als sie endlich die Leine in der Hand hatte. „Lass sie einfach gehen, Crissa.“

Sie ließen uns 10 Minuten Zeit, zu überlegen. Er werde da nicht mit rein gehen, sagte C. . Und er wollte sie tot auch nicht mehr sehen.

*Arschloch!* dachte ich. Die kleine Katze war ihm immer auf die Schultern geklettert, hatte Schranktüren öffnen gelernt, um an die Leckerlies zu kommen und kam immer wie ein Hund, wenn C. von der Arbeit kam. Er wollte sie nicht wieder mit nach Hause nehmen, wenn sie tot war.

Die Ärztin kam.

„Okay, ich mache das. Aber in die Tierkörperverwertung geht sie nicht!“

Ich habe schon einige begleitet und bei Lupus war das auch nicht so nach Lehrbuch, weil das Herz schlug und schlug und schlug. Und Lucy schnurrte bis zum Schluß.. Aber das hier….drei Beine haben sie freirasiert und der Arzt immer wieder versucht einen Zugang zu legen.

„Das ist echt schwierig.“ Und schon wieder entstand eine Blutblase unter der blassen Haut. Und die Katze pinkelte sich ein und als endlich der Zugang lag, war sie in eine Schock-Starre übergegangen.

Sie wollten mir noch ein paar Minuten zur Verabschiedung geben, obwohl ich ihnen gesagt habe, das ich nicht der richtige Mensch für diese Katze und diese Situation bin. Die kleine Katze wollte wieder nur auf die Decke, die C. immer benutzt, in den Katzenkorb. Und ich stand hilflos rum und entschuldigte mich bei ihr.

Und dann kam der Moment. Der kleine Körper mit dem seidigen Fell entspannte sich schlagartig und der Arzt horchte immer wieder ihr Herz ab.

Ich wollte nur weg mit ihr.

„Machen Sie sich keine Sorgen, die kommt nicht gleich unter die Erde. Ich habe immer Angst, das was schief gegangen ist.“ Und packte, als ich durfte, den kleinen Körper in den Katzenkorb und deckte sie mit der Decke, auf der sie auch lag, von oben zu. Und stürzte davon.

Auf der Straße am Auto habe ich heulend und rauchend gemeckert, weil ich so feige war und nach dem zweiten freirasierten Bein nicht „Stopp!“ geschrien habe.

Dann waren wir im Auto….und konnten nicht nach Hause fahren, weil der Lichtschalter am Dacia kaputt ist. Also Oma aus Seesen angerufen, die hat die Kinder, die Katze und das Brot geholt und C. und ich sind mit dem Zug nach Hause gefahren.

Dann kam der Donnerstag und ich fuhr D. nach seiner Mittagspause wieder zur Arbeit. Warum ich den fahre? Weil er noch keinen Führerschein hat und Harzbus soooooooooooooo zuverlässig ist, das es schon einige Zeitungsartikel und Rechtfertigungen und Versprechen dieses Unternehmens gab. Und die Bahn…..ja, die fährt da auch hin, allerdings natürlich entweder so, das er um 20 vor fünf da ist oder aber kurz nach sechs. Wenn man um 5.45 Uhr anfangen muss, ist beides keine Option.

Auf der Fahrt nach Hause rief die Hausarzt -Praxis an. Meine Werte seien so schlecht, das sie sofort einen Facharzt-Termin gemacht haben und zwar für den 2ten November. Naja, so schlimm kann es nicht sein, wenn das noch gut eineinhalb Wochen Zeit hat.

Ich müsse da hin, weil der Hausarzt sonst nicht behandeln werde. Sie hatten irgendwie Panik.

„Die ist doch schon kaputt, seit ich dreißig bin.“

„Jaaa, aber war der TSH-Wert schon immer 0,001??“

„Weiss ich nicht….Aber Mist waren die schon immer…“ Also erklärte ich mich bereit, da erneut hin zu gehen, der auch wieder nur an mir rumschneiden will, was wiederum heißt, das ich langsam Mitgefühl für eine Salami bekomme. Aber das war jetzt kein Tag, an dem man mit mir noch diskutieren konnte, ich ließ der jungen Dame am Telefon da, das sie doch nicht einfach für mich Termine machen könne. Immerhin bin ich Kalender-abhängig.

Gott sei Dank brachte D. endlich Fleischsalat mit. Und Freitag rief die Hausarztpraxis wieder an. Ob ich Tabletten für die Schilddrüse nehme.

„Nein, aber das steht doch in der Patienten-Akte……“

„Beta-Blocker lösen Depressionen aus.“ Das war unser Omma ihre Aussage. Und weil ich gleich mal drei Kilo in drei Wochen zugenommen habe, aber mein neues Knie nicht für 120 Kilo ausgelegt ist, habe ich die erstmal abgesetzt.

So. Da das Klopapier mal wieder rationiert ist, werde ich mich auf die Suche nach Mehl, Zucker und Dosen-Gemüse machen……. und sitze auch ohne Apotheker-Müsli aus bald drei Sorten Tabletten in eine Loch, weil ich jetzt schon zig Mal meine Beraterin vom Arbeitsamt versucht habe zu kontaktieren, um irgendwie mal wieder Zukunftsperspektive zu haben und die sich einfach nicht zurück meldet.

ich war auch schon da, aber da kommst du nicht rein. Die Tür ist zu. Und dann habe ich versucht über das Wohnheim dort hin zu kommen, über den Fahrstuhl dort, aber auch da ist die Tür zu. In unserem Arbeitsamt haben sie sich eingeschlossen und du kannst durch die Türscheibe gucken und zusehen, wie sie von einem Büro ins andere laufen.

Mir graut vor dem Home-Schooling.