Oral b

Omma. Als die ersten elektrischen Zahnbürsten aufkamen, da meinte unser Omma, als meine Mutter:

„Das ist überflüssig, das kann man von Hand!“

Also blieb ich manueller Bürster.

Bis vor zwei Wochen. Da musste ich zum Zahnarzt und erhielt einen Vortrag über das fehlerhafte Putzen und den daraus resultierenden Karies.

„Ich kann das Geräusch nicht ab.“

„Welches?“ wollte die wohlwollende, Vortrag haltende Zahnarzthelferin.

„Das Geräusch, das beim Bürsten von Zähnen, Schuhe, Teppichen oder was auch immer entsteht…“ Ich kann es wirklich nicht ab. Es gibt nichts, was mir schneller eine Gänsehaut macht und mich noch schneller auf die Palme bringt.

Wir also weiter über elektrische  Zahnbürste und ich nach der Reparatur meines Eckzahnes mit wehenden Fahnen in den Hygienebastelmarkt um die Ecke und diesmal nicht mit Windeln, Feuchttüchern, glitzernder Prinzessinnenhandseife  und nach Erbeere duftendem, feuchtem Toilettenpapier für kleine Prinzessinnen da raus, sondern mit elektrischen Zahnbürsten und Bürstenköpfen.

Zuhause ausgepackt, aufgestellt, Packung und Bedienungsanleitung ab in den Müll. Ist ’ne Zahnbürste, was soll da schon sein. Bürstenköppe an die größeren Kinder zur persönlichen Verwahrung verteilt und weiter im Tagesprogramm gemacht.

Dann kam sie. Die Abendtoilette mit meiner ersten Benutzung des neuen elektrischen Gerätes in meinem Haushalt zum krönenden Abschluß.

Bürstenkopf aufgesteckt, Ding angeschmissen. Brrrrrt. Funktioniert.

Okay. Bürstenkopf in Wasser getaucht, Zahnpasta drauf, Bürste angeschaltet…

Zack, Zahnpasta weg!

Aha. So geht das also nicht.

Nächster Versuch:

Zahnbürste aus, Zahnpasta drauf, Zahnbürste in den Mund, wie immer erst die Backenzähne, und anschalten.

Erstaunt lausche ich dem Brummen in meinem Mund, während ich den rotierenden Bürstenkopf über die mir verbliebenen Backenzähne und Kronen ziehe, und stelle fest, das sich, wenn ich den Mund zu einem O forme, das Geräusch in meinem Mund verändert. Es hört sich fast an, so sagt mir mein inneres Ohr, wie ein Digeridoo. Und so mache ich Grimassen, um das Geräusch zu verändern, was auch wirklich klappt.

Mwaaaaoooowaaaaooooowaaaaoooowööööoooo-

wöööoooommmmeeeeeeeeeooooooooo-

meeeeeeeeooooooouuuuuuuuuuuuu…

Backenzähne fertig, Front ist dran. Zahnbürste aus und raus, Zähne aufeinander wie seit Jahrzehnten, Zähne dem Spiegel zeigen, Bürste drauf und an….

Zack! Zahnpasta und Spucke fliegen an den Badezimmerspiegel und Spiegelputzen ist angesagt.

Das mit dem Anschalten im Mund kriege ich schon hin, aber den Badezimmerspiegel putze ich dank eingefleischter Angewohnheiten nun zweimal täglich. Mal gucken, wie lange noch…

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Glückwunsch zum Jahrestag mit WordPress.com!

WordPress gratuliert.
Danke.
Und nun? Mache ich einen Kuchen? Kommt die Feuerwehrkapelle und spielt mir ein Ständchen? Jubelt meine Waschmaschine durch rythmisches Blinken des Display und stimmt der Herd durch hysterische Fehlerpiepen mit ein?
Nein.
Was also mache ich an diesem Jahrentag?
Das, was ich an anderen Tagen auch mache.
Wäsche für elf Personen, drei Katzen und einen Hund.
Zwei meiner erwachsenen Kinder lassen derzeit hier mit waschen. Ist nicht immer unbedingt einfach.
Den Fahrdienst für Schul- und Kindergartenkinder.
Morgens fahre ich A. zum Bahnhof, weil der in Braunschweig seinen Hauptschulabschluß nach macht. C. startet fünf Minuten später und fährt die Mädels zur Realschule und die Schulänfängerin in die Grundschule.
D., der erst zum 1.9. mit seiner Maßnahme beginnt, hütet derweil die Kindergartenkinder, die ich nach meiner Rückkehr vom Bahnhof in die Kita fahre.
Dann kann ich bis 11.30 Uhr Haushalt machen und hole dann das Grundschulkind. C. holt um ein die Realschülerinnen, ich um zwei die Kindergartenkinder. Zwischendrin mache ich Haushalt und er arbeitet.
Nachmittags kommt M., einer der erwachsenen Söhne und hütet mit ein, weil ich um vier auf die Arbeit fahre.
Und dann ist der Tag rum, ich warte noch auf eine der vielen Waschmaschinen und gehe dann zu Bett.
„The same procedure as last day?“-„Yes, the same procedure as every day, James!“

Wir haben eingeschult

Einschulung:

Die Große ist zwar noch immer zu klein für diesen Stift und die Kleine für beides, die Schule und den Stift zu klein, aber immerhin ist die Große bald mit der Schule fertig.

Der Kindergarten hatte für die werdenden Schulkinder so einen Katalog für Selbstbastel-Schultüten und ich hatte die A-Karte, diese Jahrhunderwerk umzusetzen. Die Tüte sollte glitzern, aber es fand sich nichts glitzerbares in diesem Pack, also…noch mal los, Steinchen und Glitzerkleber kaufen und größeren Filz für oben , weil bei dem orginalen, da geht ja nix in die Tüte rein….

Drei Tage habe ich ausgeschnitte, geklebt, beglitzert…..und C. gefragt, ob wir nicht doch noch mal bei Amazon…

„Ach, das ist doch nur für einen Tag!“ Na, danke auch!

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C. zwang mich, in die Tüte pädagogisch wertvollen Kram zu packen….Aber die Zwischenräume, die waren voll mit Süßem. Meine Kinder erinnern sich an ihre Schultüten….weil sie schwer waren und von ihnen nicht getragen werden konnten. Meine Güte, meine Grundschüler haben Geschwister, da musste das für viele reichen…Als Alternative zu dem vielen Süßkram habe ich ihm angeboten, die Tüte mit Beton auszugießen, aber das wollte er dann auch nicht.

Und dann ab aus den guten Schuhen in die Schlappen und raus nach Groß Döhren in Erikas Eiscafe. Da ist es echt schön. Und ich hatte die Arbeit nicht  und Selma hatte gefühlte 25 Kugeln Eis und ihr Darm machte sich tags drauf bemerkbar, aber sie durfte einfach mal so, wie sie wollte.

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So. Und weil fast alle da waren, haben wir uns dran gemacht, ein Drei-Generationen-Bild zu machen…

 

Goslar und die Flut

Persönlicher Eindruck.

Nachts weckte mich nicht nur das kaputte Knie, sondern auch die Sirenen. Um vier war es eine lahmende Sirene, die mich weckte und dazu brachte, „Jetzt holen sie aber die letzten dazu…“.

Morgens, als dass Kaffee-Wasser aufgesetzt war, gleich mal Internet an und  Facebook auf und zack, Überschwemmung in Goslar.

Omma angerufen, morgens kurz nach halb acht, damit die bloß nicht in die Stadt läuft.

Dann rief mich C.. Er konnte von unserem Schlafzimmerfenster aus das Wasser sehen auf dem Odermark-Platz.

Woll. Ich bin hin. Klar neugierig. Menschen von außerhalb wieder nach Haus geschickt, denn das Wasser wurde immer schneller.

Das Video bricht ab, weil ich es wichtiger  fand, die Leute aus den Autos zu bewegen. Merkt Euch: Wenn das Auto im Wasser absäuft und so tief drin steckt, dann scheiß auf die Karre und raus da, wenn Du  nicht weißt, ob da noch mehr Wasser kommt. Wenn das Ding erst schwimmt, dann ist das lebengefährlich!

Video gemacht:

Bewegung III

und damit haben wir die vergangenen Wochen einfach mal aufgeholt.

„Ich kriege hier ’nen Hüttenkoller!“ C. stand sehr aufrecht vor mir. Er arbeitet an seiner Doktor-Arbeit, ist also ein Bald-Dr., wie wir ihn innerfamiliär nennen. Und wenn er den Dr. hat, dann sticke ich ein Türschild.  Mit  Herr Dr. C. und Frau H.. Und am Telefon kann ich dann immer sagen: „Da muss ich ja mal den Herrn Dr. fragen…“ Hachja…aber zurück zum Hüttenkoller.

Und sei er erstmal für drei Tage zu seiner Mama, das Wohnzimmer renovieren und danach…danach…dann sei Groß-E.’s Zimmer dran.

Ich dachte so: „Jaaaajaaaaa…“

Und der Gedanke war falsch. Seit Donnerstag wird hier gebaut, geschraubt, Tapete geklebt und ich habe Baustaub, Baustaub, Baustaub, weil C. die Zimmerdecke geöffnet hat in E.’s Zimmer und unter das Spitzdach eine Schlafkoje gebaut hat. Allerdings hat er sämtliche Türen in den Stockwerken offen gelassen…..Hachja.

Donnerstag ging es also los, der erste Schutt flog in die Einfahrt, C. hatte für Freitag mal eben so nebenbei einen kleinen Container bestellt, als es um drei klingelte.

Ich war auf der Toilette, als Klein-E. die Tür öffnet. Unser Gästeklo ist im Eingangsbereich in der unteren Etage und so konnte ich hören, wie jemand nach jemandem fragte. Und Klein-E.’s Verunsicherung.

„E., ich komme gleich.“  Geschäft zu Ende, Hände waschen, ab an die Haustür.

Eine kleine Frau mit streng zurück gekämten Haaren fragte mich, ob Kim bei uns sei.

*Kim ist die Exfreundin von A.. Und als ihre Mutter sie mit einem Joint und einem Tütchen Gras in der Tasche erwischt hat, da rief mich nicht nur die Mutter an und fragte, was sie mit dem Zeugs machen solle (Nein, ich habe nicht gesagt:“ Rauch es selbst.“, sondern habe ihr gesagt, sie solle es vernichten.), sondern einen Tag, nachdem A. mit ihr Schluß gemacht hatte, schrieb mich das Mädel über What’s-app an und wollte mir erzählen, was mein Sohn so alles macht und sowas wie eine Lebensbeichte ablegen.

Ich habe ihr geantwortet, das die Nudelsupp‘, auf der ich daher geschwommen bin, das die schon so kalt ist, das sie als Stieleis dienen kann.  Und sie mich in Ruhe lassen soll. Ich kenne meine Schweine am Gang, und, meine Lieben, wenn man seine Kinder beobachtet, und was anderes kann man kaum in der Pubertät machen, dann merkt man das, oft sogar, was sie da genutzt haben.

Aaaaber: Eine Woche drauf schrieb mich ihre Mutter an. Fragte mich, wie es mir gehe und erzählte von Kim.

Ich habe nicht geantwortet. Wozu auch?*

Nun, an diesem Donnerstag um drei, da fragte die Schwägerin der Mutter nach Kim und als ich einen möglichen Aufenthalt des Mädels verneinte, guckte sie komisch und ich sagte:

„Geh doch durch!“ machte einen Schritt zur Seite, um den Weg frei zu machen.

„Nein,…nein…nein“ kam dann von ihr.

„Doch! Geh‘ durch’s Haus, guck in jedes Zimmer, und versichere Dich, sie ist nicht hier!“

Aber sie wollte nicht. Warum wollen solche Leute eigentlich nie? Sie drücken aus, daß sie mir nicht glauben, aber sich selbst versichern, das wollen sie nicht.

Sie ging. Unser Tag ging weiter.

Nachts um halb zwölf, ich war gerade auf dem Weg ins Bett,  als es an der Tür klingelte.

Ich habe Olaf mitgenommen an die Tür, weil ich Angst hatte, wollte aber gucken, weil D. mal wieder außerhalb übernachtete und Omma ihre eigene Wohnung hat.

Steht die Polizei vor der Tür.

Damit die Nachbarn nicht so viel mitkriegen, habe ich sie reingebeten.

Ob ich wisse, wo Kim ist.

„Nein“

Ob sie hier sei.

„NEIN.“

Und dann will Klein-E. auf die Toilette und der eine Polizist stürzte auf die sich öffnende Tür zu. E. machte sie wieder zu. Sie war nicht angezogen.

„Sie soll da mal rauskommen.“ ist seine Ansage.

Ich ging zur Tür und sagte es ihr noch einmal.

„Ich bin nicht angezogen!“ empörte sie sich.

„Dann zieh dir halt was an, der will Dich sehen.“

Dem Polizisten sagte ich, das ich auch Mädchen habe.

Ob ich wisse, wo sie sein könnte, die Kim.

„Harzburg. Irgendwer hat mir was über Harzburg erzählt.“

Ich telefonierte. Rief zuerst den medikamentierten Vater von Patty und Selma in der Klinik an, der so tief schlief, das er nicht zu wecken war. Dann M., der mich nur an A. verwies.

Den holte ich aus seinem Zimmer und während er nur sagte, dass er nichts wisse, telefonierte ich mit D. in Harzburg. Ist doch eh alles eine Mischpoke. D. nannte mir nicht nur einen Namen, sondern konnte  mir kurz nach dem Telefonat auch noch eine Adresse schicken.

Weiter gegeben. Die Polizisten gingen.

Ich hatte das Gefühl, A. mauerte und ging noch einmal zu ihm. Er war dabei, das Ganze irgendwie zu klären und erzählte mir, das er Kim gegen 17 Uhr des gleichen Tages am Bahnhof  gesehen habe in Begleitung von zwei Männern. Und sie sei mit denen nach Seesen gefahren.

„Dem einen hab ich fast ins Maul gehauen!“

„Warum?“

„Der wollte mich beklauen.“

„Was wollte der dir denn klauen?“

Schweigen.

Aha. Ich weiß Bescheid. Nudelsuppe-am-Stiel.

Er bekam jedenfalls den Namen samt Bild von FB zusammen, ich schickte es der Mutter, die nur sagte, das könne nicht sein und drohte, wenn ihrer Tochter was passiert, würde sie töten.

Ich stellte den Schriftwechsel über What’s-App mit ihr ein und gabdie Informationen an die Polizei weiter.

Auf das Rumgedrohe und Gewüte habe ich keinen Nerv.

Ich ging schlafen. Drei Tage später wird Kim in Seesen in einer Wohnung mit vier Männern gefunden, die polizeibekannt sind und „DA ganz tief drin stecken“. Aha.

Sie machet sich Sorgen wegen des Führungszeugnisses, weil doch bald die Ausbildung beginne, weil Kim „vollgekifft“ aufgefunden worden sei.

Ich schrieb ihr, daß sie sich bei einmal vollgekifft keine Sorgen machen müsse, sowas kommt nicht gleich ins Führungszeugnis, wenn sonst nichts war.

Und damit ist es rum. Für mich jedenfalls. Fertig.

Irgendwann bekomme ich eine Sprachnachricht in der sie erklärt, wir müssten zusammen arbeiten, wir müssten ja keine Freundinnen werden, aber zusammen arbeiten. Sie würde mir auch sagen, wenn sie A. kiffen sehen würde. Wir müssten den Kindern immer einen Schritt vorraus sein. Aber wir müssten zusammen arbeiten, um das alles zu verhindern.

Ich denke drüber nach und denke:

„Nö.“ Ich bin doch kein Co-Alkoholiker. Ich habe denen immer wieder gepredigt, die Finger von Drogen zu lassen, habe die Konsequenzen aufgezeigt. Und? Haben Sie drauf gehört? Nö. Warum also sollte sie genau jetzt darauf hören, wenn ich sage: „Hör damit auf?“

D. als Beispiel, der jetzt vier Wochen Beuge-Arrest absitzt, weil er der gerichtlichen Auflage, in die Schule zu geben und Drogentests zu machen, nicht nachgekommen ist.

Erst habe ich gewettert, gezweifelt an mir und C., geweint, mich gesorgt, gebettelt.

Einmal habe ich ihm gesagt, wie es mir damit geht, wenn er wochenlang wegbleibt.

Und dann hatte ich das Gleichnis vom verlorenen Sohn im Kopf und dachte auf dem Weg zur Tür, weil es geklingelt hatte,  darüber nach, warum ich mich nicht einfach freuen darf, wenn er nach Hause kommt. Und machte die Tür auf und D. stand mit gesenktem Kopf davor. Und ich ließ ihn in den Flur, freute mich, umarmte ihn, küßte ihn auf die Wange.

„Schön, das Du da bist. DAS ist soooooooooooooooo schön!“ , weil es das auch ist.

Und ich fragte ihn, ob er was essen wolle? Was trinken? Und dann schlachtete ich die Ziege zur Feier seiner Rückkehr und wandte mich ab von dem Erziehungsding „Wenn Du keine Leistung bringst, dann kriegst du auch kein Gutzele.“, kaufte den Bildschirm, weil der an seinem Laptop kaputt ist ( hat Julz gemacht und nie ersetzt) und das Handy, weil seins den Geist endgültig aufgegeben hat. Er bekam eine neue Handy-Karte und wir sprachen sehr viel. Über seine Freunde. seine Sorgen.

Morgens guckte ich in sein Zimmer. Einmal wachte er gerade in dem Moment auf und fragte:

„Was is‘?“

„Nichts. Ich wollte nur gucken, ob Du da bist. Es ist so schön, dass Du da bist.“

Seine Freunde haben am 4.7.17 Interview bei der Ausländerbehörde und er geht davon aus, dass sie abgeschoben werden. Eigentlich wir alle.

Es tut ihm weh. Und er sprach davon, dass er sich einen Hund wie Lupus, also meinen Althund,wünsche. Und ich habe C. gesagt, dass er einen Freund braucht und gern draußen ist im Wald. Und da braucht man eben einfach einen Hund.

Und als Zwischen-Edit: Heute rief die Haftanstalt an, in der gestern D. seine vier Wochen angetreten hat. Er hat um meinen Besuch gebeten und darum gebeten A., von dem er sagt, dieser müsse doch nicht die Fehler machen, die er gemacht habe, mit bringe.

Nunja, jedenfalls habe ich Kim’s Mutter über Facebook geschrieben, weil das auf der Tastatur schneller geht. Allerdings habe ich nicht ihr Profil erwischt, sondern das ihrer Mutter. War doof.

Ich habe ihr all das geschrieben, was ich denke, und ihr gesagt, dass man sich Informationen holen muss. Aus Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und dem Internet. Damit man einfach weiß, womit man es zu tun hat.

Und das ich niemanden brauche, der mir mitteilt, wann mein Sohn was nimmt. Das sehe ich an seinem Hautbild, seinen Augen und, wenn es ganz dicke kommt, sogar an seinem Verhalten.

Und meinem Unmut musste ich auch Luft machen.  Wie jemand mir nachts die Polizei schicken kann, wenn doch nachmittags schon jemand da war. So asselig sind wir nicht, daß wir mit einem gehäßigen Haha einer Mutter ihr Kind vorenthalten.

Da hatte ich aber einen Sturm losgetreten. Nachts um halbzwei ging mein Handy. Wie ich ihrer Mutter so einen Text schreiben könne, die sei dauermedikamentiert.

„Entschuldige bitte, der Text sollte an Dich gehen.“ war meine Antwort.

Und dann ging ich ins Bett. Das Telefon meldete wieder eine Nachricht und ich habe es stumm gestellt.

Morgens fand ich fünf Nachrichten vor mit viel Text. So Endlos-Dinger lese ich eh nicht.

Und ich habe ihr nochmal geschrieben, das wir in Ruhe gelassen werden wollen. Es ist furchtbar, wenn man so wiederlich direkt werden muss, wenn es einem Menschen schon so schlecht geht.

 

 

Leben ordnen

Heute bin ich zum Vater von Patty und Selma, der in Göttingen ist, gefahren. Er braucht eine Meldeadresse und einen Ausweis.

Für Menschen ohne festen Wohnsitz gibt es Stellen, bei denen man sich anmelden kann. Manche bieten auch Zimmer an, meistens geht es hauptsächlich darum, eine Adresse für die Ämter-Post, die Bank und was auch immer zu haben, denn ohne Adresse gibt es vieles nicht.

Der Ausweis ist nötig, um Hartz4 zu beantragen und die Krankenversicherung zu behalten. Die Krankenversicherung ist wichtig für die Therapie. Ohne das erste gibt es das zweite nicht.

Also waren wir in Göttingen auf der Meldebehörde. Ich bin mitgefahren, weil ich die Mutter bin, mich ausweisen kann und bezeugen kann, das derjenige, der da auf der Geburtsurkunde steht, das eben jener auch der ist, der vor dem Schreibtisch steht.

Die Geburtsurkunde habe ich schon letzte Woche besorgt, weil es nichts mehr gibt außer den paar Klamotten, die er noch am Leibe hatte und denen, die wir zusammen getragen haben.

Wir also dort am Schreibtisch vor der jungen Mitarbeiterin, die feststellt, das der Vater von Patty und Selma 2001 nach anderswo gezogen war, aber da war die gesamte Familie ja schon 2011 weggezogen.

Sie stellte fest, das der Vater von Patty und Selma immer noch in der Wohnung gemeldet war, in der ihm die Vermieterin derselben die Schlüssel abgenommen hatte. Sie hatte das gemacht, weil die erste Miete und die Kaution, die das Amt überweisen sollte, nicht kamen.

Am 27.04.2017 erhielt der Vater von Patty und Selma vom hiesigen Jobcenter einen Brief, aus dem hervorging, das man die Kosten für die Wohnung, die er gern mieten wollte, übernehmen würde.

Mit diesem Schreiben ging er zu der Vermieterin  schloß den Mietvertrag zum 01.05.2017, suchte die hiesige Anlaufstelle für Obdachlose auf, die der Vermieterin faxten und noch einmal per Post mitteilten, dass man sich von da aus um die Übernahme der Kaution kümmern werde. Weiterhin legte er dem Jobcenter noch den Mietvertrag vor und dann ging es fröhlich in den ersten Mai. Er freute sich über die neue Wohnung.

Das dauerte jedoch nicht lange. Am 19. Mai erfuhr ich von ihm, das er keine eigene Namensschilder draußen anbringen dürfe und seine Post vom Jobcenter an dasselbe zurück gelaufen sei und deshalb noch nicht die Kaution und die Miete überwiesen worden waren, was aber auch bei Ankommen der Post für das Jobcenter nicht ungewöhnlich ist. Aber, die Vermieterin forderte den Schlüssel zurück. Er durfte seine Sachen nicht ausräumen, sie warf sie weg.

Aber zurück zu heute:

Wir hatten eine Bescheingung von der Anlaufstelle für Wohnungslose, die auch als Meldeadresse dient.

Es gibt keinen Ausweis, weil er immer noch hier in der Wohnung, die er seit Mai schon nicht mehr hat, angemeldet ist und jetzt dort abgemeldet wird. Wenn die Abmeldung vorliegt, gibt es einen Ausweis.

Aber:

Die von der jungen Sachbearbeiterin geholte Team-Chefin erklärte, dass sie nicht glaube, das er wohnungslos sei.

„Ich glaube Ihnen nicht, das Sie obdachlos sind. Sie sehen nicht so aus.“

Freitag werden wir wieder dort sein, meine Schwiegertochter, mein Sohn und ich und einen Ausweis beantragen und mitnehmen.

Und dann klären wir mal, wie Obdachlose aussehen.

Die Dame war sehr hilfreich und verwies uns an eine Stelle, die Obdachlose in Sammelunterkünften unterbringt. Da wollte er aber nicht. Kann ich verstehen, wenn man grad entgiftet hat. Da ist es irgendwie schwierig, zwischen Alkohol trinkenden Menschen zu sitzen oder aber zwischen welchen, die vielleicht sogar Drogen konsumieren und dann immer noch standhaft nein zusagen.

Der Vater von Patty und Selma wohnt sich quer durch den Bekannten und Freundeskreis meines Sohnes. So das er möglichst niemandem zur Last fällt.

Keine festen Wohnsitz zu haben, das ist, wenn ich mich recht erinnere, per Definition wohnungslos.