Heute

Die Kinder kamen im März aus der Schule und natürlich hat keines irgendwelche Aufgaben markiert und notiert. Irgendwie ja klar. In den Büchern der ersten Klasse waren Klebchen in den Mathebüchern und die haben mir schon weiter geholfen.

Und wer nix aufschreibt, muß die Aufgaben von mir nehmen.

So. Nun gab es heute Material. 40 Seiten Mathe hat die Erstklässlerin in den nächsten zwei Wochen vor sich. Gott sei Dank habe ich diese Fucking-Trainingsheft mir ihr durch. Und dann sollen wir Mathematik-Bastelkärtchen basteln und das mit ihr spielen. Und ne Tulpe ausschneiden und zusammen kleben….Und das Ei. Das hatten wir schon.

Die Drittklässlerin soll mit mir(!),  MIT MIR(!), englische Vokabeln lernen. Ja, nee, ist klar. Im letzten Jahrhundert habe ich in Jahrgangsstufe 13 Englisch mit vier Punkten abgeschlossen. Ich habe diese Vokabellernscheiße gehaßt. Und jetzt soll ich mich mit dem Kind, das immer noch mit der deutschen Sprache kämpft hinsetzen, und Penzill, Socks und Rett auswendig lernen. Ja, nee ist klar. Natürlich gehört zur Informatik auch Englisch,  aber Englisch von Indern ist wieder irgendwie ein bischen anders als Englisch von Chinesen und schon ganz anders als meine Rudimente.

„The Ruf, the ruf, the ruf is on feier. The ruf, the ruf, the ruf is on feier, wie dohnt niet no wata, lett the maßerfacka börn…“

Und sie soll eine Karte schreiben! Und diverse Deutsch- und Matheaufgaben nutzen und eine Schullektüre lesen und dazu am Ende der 14 Tage noch in Antolino Fragen zu dem Ding beantworten.

Ja, nee ist klar!

Und Sachkunde: Wußtet ihr, das die Benutzung einer Klobürste Wasser spart?

Steht auf dem Zettel. Und ich frage mich nur: ERNSTHAFT?! Eine Klobürste ist was ganz besonderes? Und sie sollen nicht so lange duschen. ERNSTHAFT????? Hey, Wasser kostet Geld und ist immer weniger vorhanden, bei uns haben sie mit Duschen und Zähne  acht Minuten! So einen Scheiß,  das man nicht baden soll, das lernt man doch zuhause!

Aaaaaber: Der Hammer kommt noch. Die Kinder sollen nicht mehr als zwei Stunden täglich arbeiten. Aha. Ab wann gehen denn die zwei Stunden los? Wenn die am Tisch sitzen? Oder erst nach den sechs Stunden „Ich mach nix!“?

Und dann werden noch Aufgaben in Antolin gefordert. Damit die Lehrer sehen können, wie weit die Kinder sind. Wollt ihr mich verarschen? Meine Tochter macht eine Aufgabe so lange, bis sie diese verkackte Krone bekommt, weil sie das will. Und ihr wollt daran sehen, wie Mathe oder Deutsch läuft? Und was zur Hölle sind Wortfamilien?? HÄ? Und jetzt soll auch noch der Aufbau des Löwenszahn gelernt werden, GENAU! Damit man bei Waldspaziergängen was sammeln kann…..welche Spaziergänge?? Selbst in der hinterletzten Ecke sind Menschmassen.

Und bei Anton sind wir schon bei der nächsten. Wir haben in der Elternvertretung eine superkluge, hyperengagierte Frau. Die ist so klug, aber mal sowas von klug.

Die eine Klasse in der Schule hatte schon vor der Schließung im Computerraum mit Anton gearbeitet. Schön.

Die Klasse meiner Tochter wäre in der Woche dran gewesen, als die Schulen zu machten. Doof. Okay. Gibt ja auch nur einen Computerraum. Und diese einzigartige wunderbare Elternvertreterin versorgte uns zur Beschwerde wegen der Vorenthaltung nicht nur mit der Privat-Email-Adresse der Lehrerin, sondern erklärte auch das Anton für die Eltern wichtig sei, die Home-Office machen müssen oder arbeiten.

Boah, die hat ein hochbegabtes Kind! Und das bei der Mutter. Gen-Sprung, ernsthaft. Wenn die jemals dieses Kack-Programm benutzt hätte, dann wüßte sie, das es genaus arbeitsintensiv ist wie die Aufgaben auf Papier. Nur Papier macht nicht immer ping und erklärt, wie toll die Aufgabe gelöst wird.  Wenn drei Kinder an diesem Programm  auf drei Rechnern arbeiten, dann  NERVT es nur noch!

Nach vier Stunden morgens bin ich durch. Zwei Grundschulkinder, das Pubertier und das Kita-Kind, das ja auch nicht mehr los kann. Dann mag ich nicht mehr und eins der Grundschulkinder hat noch nicht mal angefangen, weil „NÖ!! Ich mach das nicht!“

Und diese Elternvertreterin wettert immer nur gegen die Schule! Gegen einzelne Lehrer. Meine Fresse, es tut mir so leid, das sie überfordert ist. Tut mir wirklich leid, aber daran sind nicht die anderen Schuld.

Wenn dieser Mist durch ist, dann fahre ich eine Woche weg und ich definiere die Woche auf der Zeitleiste des Lebens, nur das ihr Bescheid wißt.

Bleibt gesund!

 

„Nein“, sagte ich.

Heute morgen war kein guter Sonntag morgen. Kurz nach sechs wurde ich wach, der Strom war ausgefallen und weil der FI immer wieder rausflog, hatte ich Sorge, irgendeines der kleinen Mädchen hätte…..hatte aber nicht.

Und dann rief mich Angus an. Morgens, kurz um neun. Er ist in Hamburg. Dort war er erst bei Amazon, dann in der Leiharbeit.

Ich solle ihm die Telefonnummer seines großen Bruders in  Braunschweig geben. Er wolle bei ihm wohnen. Die anderen hätten ihn aus der WG geworfen, weil er immer rausgehe.

„Dein Bruder wohnt in einer Ein-Zimmer-Wohnung mit seiner Freundin!“

„Ja, ich weiß!“

„Die können Dich jetzt nicht rauswerfen, es gibt jetzt keine Wohnungen, es gibt jetzt gar nichts.“

„Wo sind Deine Sachen?“

„Unten.“ Damit meinte er eine andere Wohnung.

„Okay, ich versuche, Deinen Bruder zu erreichen, aber der wird noch schlafen.“

Irgendwann rief ich in der WG bei Angus an.

Am Vorabend hatte ich dort schon angerufen, weil Angus mich immer wieder und wieder versuchte, zu erreichen. Sei Mitbewohner hatte mir erklärt, er säße in Quarantäne, er habe einen Test gemacht und sei positiv.

Bähm!

Heute rief ich noch mal an, als ich Angus auf seinem Telefon nicht erreichte, noch einmal an.  Nach einem längeren Gesprächsversuch, ich spreche keine Sprache aus Afghanistan und mein Gegenüber sagte immer nur : „Mein Deutsch ist nicht so gut.“, hatte ich den zweiten Mitbewohner auch von anderswo am Telefon. Er erklärte mir, bei ihm sei es nicht so schlimm, er habe nur Muskelschmerzen und werde Montag getestet, aber Angus, der gehe immer raus und das koste 20 000 Euro und man dürfe das nicht.

Also habe ich meinem Sohn, der telefonisch nicht erreichbar war, eine Sprachnachricht geschickt, das er weder zu mir noch zu seinem Bruder könne. Und ich kann das Gefühl nicht beschreiben, meinem Sohn, der mich morgens verschnupft oder heulend, ich weiß es nicht, die Nase lief, angerufen hat und um Hilfe bat, das ich genau diesem diese jetzt verweigere.

Die Gründe wie die anderen Kinder, unser Omma, all das tröstet nicht. Und klar war auch, das wenn man viele ist, es einen aus der Familie erwischt, oder zwei oder drei oder alle, aber Scheisse ist das trotzdem.

 

Woche 5 – Die Wirkung von Käfighaltung

Diesen Artikel habe ich gestern begonnen und heute gelöscht.

Zwei Tage saß ich plötzlich in völliger Antriebslosigkeit hier im Haus. Da immer irgendeiner von uns großen die Sachen aus der Küche in den Geschirrspüler räumt, fiel es erst auf, als Groß-E. staubsaugte.

Dann telefonierte ich mit der Mutter von Minis Schulfreundin. Ja, wir haben uns über die Öffnungen der Grundschulen aufgeregt, weil wir verdonnert sind, die Kinder zu beschulen.

ICH BIN NICHT AUSGEBILDET! Ich habe keine Ahnung von Dingen wie Didaktik und so. Und das alles nicht bewertet wird, ist schön, aber hinterher wird das neu erworbene Wissen mit Tests, Lernzielkontrollen und mündlich abgefragt. Ja vielen Dank auch! Und Mini geht erst nach 9 Wochen Isolation wieder zeitweilig in die Schule, wenn überhaupt. Und ob Groß E, dieses Jahr noch eine Schule von innen sieht und Selma, das steht noch in den Sternen, weil Klasse 8 und Klasse 1.  Und Patty kommt gar nicht mehr in den Kindergarten.

Wir sind stark. Die Mama und ich. Ganz klar. *Ironie aus*. Haben wir mit den Kindern genug für die Schule getan? Oder hängen sie hoffnungslos hinterher, weil wir ihnen die Luft gelassen haben, um irgendwie mit dieser Situation umzugehen? Für viel Bewegung, Sonne und frische Luft zu sorgen? War es falsch, sie nicht durch sämtliche Bücher zu jagen, sondern das Pensum auf Mathe und Deutsch in kleinen Schritten zu reduzieren? Und sie hinterher nicht noch drei Stunden an Anton zu setzen?

Und dann sprachen wir über uns. Diese Schlaflosigkeit, dieser Verlust der Wochentage, weil jeder gleich ist, die Versuche, die Schlaflosigkeit in den Griff zu bekommen. Wir haben es tatsächlich zeitgleich mit Homöopathie versucht, sie mit Baldrian und ich mit Avena Sativa, sie mit Wodka und ich mit Sherry  und  dennoch sind wir beide, die jeden Tag Kopfschmerzen und Rücken haben, zu dem Schluß gekommen: Ist psychiosomatisch, wir nehmen das jetzt so. Wir machen uns keine Vorwürfe mehr wegen dieser Antriebslosikgkeit, die uns einfach nur noch vor den Fernseher wirft, vor das schlechte Fernsehprogramm.

Gut ist doch einfach, das wir nicht verrückt sind, sondern wir zwei von vielen sind, die auf die Situation reagieren. Und während wir sprachen, rastete meine Mini aus. Sie rastete tatsächlich so aus, das mein großer Sohn kam und um Hilfe bat und letztlich C. aus dem Home Office, sich erklärend, er müsse telefonieren und was denn los sei.

Mini hatte derweil Patty und Selma geschlagen und geschubst und weigerte sich, mit der hysterischen Schreierei aufzuhören, knallte wiederholt ihre Zimmertür.

Als Mini es zulassen konnte, habe ich mich zu ihr gekuschelt und sie einfach nur gehalten und gestreichelt. Bis zum Einzug von Patty und Selma wußte ich nicht, das Kinder genauso tiefe psychische Krisen haben können, wie Erwachsene. So dumm bin ich.  Aber einen Erwachsenen würde man auch nicht falten: Hör jetzt sofort damit auf! Laß die Schreierei! Es gibt keinen Grund!

Okay, man würde wahrscheinlich einen Krankenwagen rufen und diesen Menschen einweisen lassen, aber ich mache das nicht. Ich bin so nah, wie es geht bei dem Krisen-Kind, so nah, wie es es zulassen kann und halte es, wenn es es zulassen kann. Weil manchmal muß der Druck auch wortlos raus. Und hinterher sind sie genauso dünnhäutig wie viele dieser Menschen in psychiatrischen Einrichtungen, genau so klein und verletztlich innen drin.

Diese Kontaktsperre geht an niemandem vorbei. Auch nicht an den Kindern und ich finde, sie haben Beifall verdient. Ich finde, sie haben ein ganz großes Lob verdient.

Abends konnte ich mich aufraffen und über soziale Isolation lesen. Ganz isoliert sind wir ja nicht, aber irgendwie doch schon.

Und da fand ich sie dann, viele Anzeichen, vom Zwang zu essen, und die Mama und ich haben zugenommen  bis hin zu …..ja, und wir haben auch immer wiederkehrende Corona-Anzeichen. Das Kratzen im Hals. Das Gefühl, Fieber zu bekommen und kriegen aber keins. Und seit dem kann ich irgendwie besser mit dem seltsamen Gefühl umgehen.

Eine Note am Rande:

Ich musste Donnerstag zum Orthopäden. Und dorte mußte ich ins Wartezimmer, in dem nur noch sechs Stühle von unendlich vielen standen.

Dann kam ein älteres Pärchen mit rutschenden Masken.

Und dann schlug sie zu, meine gegen-irgendwas-Allergie und ich mußte husten.

Die Blicke! UNBEZAHLBAR!

In diesem Sinne: Bleibt gesund!

Kriegsgewinnler oder DAS macht man nicht!

Die Amerikaner reden in jedem Interview von einem Krieg, den sie gegen diese Krankeheit führen. Und deshalb sind es keine Krisengewinnler.

Wie ich schon geschrieben habe, fuckere ich auch an Gesichtslappen mit Ohrengummi.

Die sechs FFP3, die ich noch hatte, habe ich an eine Arztpraxis verschenkt. Ich konnte es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, diese Dinger im Schrank zu haben und Ärzte haben keine mehr. Das ging nicht.

Für uns reichen Sternchen und Punkte. Waschbar.

Jedenfalls stübere ich gestern bei Amazon in Handmade und finde: Jawoll. Gesichtslappen mit Ohrenbummi. Und ich muß hier mal anmerken, das ich diverse Schnitte ausprobiert habe und sie für unsere Köppe zurechtfummeln musste.

Ich nehme dazu Stoffreste, wie wohl die anderen auch. Und Molton für die Innenseite und schaffe mit zwei Moltontücher 20 Stück  und habe noch Molton über.

Gummiband, 7,5 m, kosteten 2 Euro, als es das noch gab, aber ich habe ein Video aus Amerika gesehen, da haben sie das auch einfach vorsichtig geteilt und ich habe noch 15 Meter Unterhosenband.

Also: Materialkosten inklusive Garn aus dem Lidl, die große bunte Box, recht gering. Ja, stimmt, wenn man die Falttechnik kann, sind es 15 Minuten pro Maske. Aber dafür über 10 Euro???

DAS macht man nicht, Freunde bei Amzon. Ja, ist wiederverwendbar. Aber: Sind Reste, die da verarbeitet werden. Ich baue Draht über der Nase ein für uns Brillegesichter.  250 Stück kosten davon grad mal 8 Euro, von diesen Plastikheftedingern.

Also bitte: Sogar bei 5 Euro pro Stück und 34 cm Gummiband für die Ohren bleibt noch eine Gewinnspanne, aber über 10 Euro ist nicht gerechtfertigt, zumal die Gummibanddinger personalisiert angepaßt werden, sonst klappen nämlich die Ohren nach vorn und das will man nicht lange tragen.

Und auch 5 Euro sind für viele Kurzarbeiter und Hatz4-Empfänger ein harter Preis. Also bitte, es gibt Dinge, die macht man nicht und eines davon ist, man macht keinen Gewinn aus so einer Pandemie.

Und täglich grüßt das Murmeldings…

Karlfreitag ist durch. Ostergedöns für die Kinder ist in den Schränken versteckt; hauptsache, ich finde auch alles.

Und im Fernseh‘ läuft wieder  „Fackeln im Sturm“. Lief gestern schon. Eine Folge nach der anderen und war in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts schon schlecht. Weil ich vermeiden wollte, das es morgen wieder läuft, habe ich das den ganzen Tag laufen lassen und tatsächlich eine ganze Folge geguckt…..An irgendwas muß man sich ja festhalten.

Wie andere nähe ich brav für meine Familie diese Masken, damit wir bei Maskenpflicht noch raus dürfen. Arbeitsaufwendig, ohne Ende.

Und übrigens: Frohe Ostern, gelle?

Gestern das  Geschreibsel hier angefangen und heute muß es nun weiter gehen….Also erstmal muß ich feststellen:

ES HAT GEKLAPPT! Keine Wiederholung von den Fackeln…ha. Kommt! An irgendwas muß ich mich schon fest halten.

Gestern habe ich mit den großen Kindern hier zwei Zeitungstouren gemacht und musste dann erfahren, das A. nicht aus Hamburg kommt. Das hat mich getroffen. Auch Groß E. konnte ich nicht besuchen. Nur noch Reisen aus triftigem Grund und zu erzählen haben wir auch nichts mehr. Wir haben über den von Groß E. bestellten Kartoffelauflauf gesprochen und das sie auf Beilagen verzichtet hat. Sie hat Prüfungen, eigentlich und weiß nicht, wann die geschrieben werden sollen.

Ob nächste Woche die Schule tatsächlich beginnt, bezweifeln wir Eltern mittlerweile. Aber wir treffen uns am 20. auf dem Schulhof, um die Aufgaben unserer Kinder abzuholen.

Also: Ostern heute. Gestern schon vorgekocht das Hühnerfrikassee und ich suche mein Milchbrötchenrezept….aber finde nur welche, die irgendwie Stein sind, so das ich den diejährigen Osterzopf einfach aufheben kann und nächstes Jahr wieder als Dekoration verwenden kann, so fest ist der….

Omma hat heute morgen im Fernsehen Kirche gehabt. Sie hat sich beschwert, das der Gottesdienst, der evangelische, nicht aus der Kirche kam, die in der Zeitung steht. Und dann hat sie umgeschaltet auf den Pabst, aber der kam erst um elf, also hat sie vorher noch die Sendung mit der Maus mitgenommen. Von dem Inhalt ist nichts hängengeblieben, nur das der Pabst alleine da war für seinen Segen, das blieb ihr im Gedächtnis.

Das Leben ist so anders geworden. Ich habe mir eine Flasche Sherry gekauft und das einzige Sherry-Glas, das ich besitze, aus dem Keller geholt. Es hat einen grünen Fuß und einen roten Stiel, oben ist es weiß, ein bischen angeschlagen, stammt aus irgendeiner Haushaltsauflösung.

Es ist so ein bischen, wie wenn man dem Weltuntergang zuguckt. Man sitzt auf der Terasse und trinkt über Stunden , eine guten Zigarillo rauchend, den Sherry. Nur einen, sonst ist es kein Genuß. Und sieht zu, wie alles irgendwie langsam aber sicher total anders wird, wie wenn das Schiff, auf dem wir sitzen, einfach absäuft. Gute Musik wäre noch schön, aber da würden mir die Nachbarn aufs Dach steigen. Die versuchen es mit seltsamer Normalität aus Gartenarbeit und Kaffee trinken.

Am Anfang dieser Geschichte habe ich gedacht, wir müssten nur lernen, es als normal anzusehen. Die medialen Ratschläge des geregelten Tagesablaufes waren für uns überflüssig, den haben wir sowieso. Und dann kam auch noch wohlwollende Post vom Jugendamt und auch vom Kindergarten mit Bastelvorschlägen, Google-Vorschlägen und weiß der Geier noch was. Was wir so alles mit den Kindern basteln sollten, was wir mit ihnen im Wald sammeln sollten und dann zuhause googeln…und ich machte morgens mit den Kindern Schule und  versprach ihnen, nicht an der Krankheit zu sterben.  Und C. machte Home Office und fuhr mit den Kindern nach der Arbeit in den Wald, so lange wir das noch durften, machte Geo-Caching und ließ sie einfach laufen, sich einfach bewegen, die Sonne, den Schnee und später die Pfützen genießen. Aber die Freunde ersetzt das nicht. Eine Woche lang haben sich Mini und ihre Freundin jeden Tag angerufen, aber wie bei den Erwachsenen verläuft es sich……Vielleicht auch, weil es nichts zu erzählen gibt. Wir sind ja alle zuhause, mit demselben schlechten Fernsehprogramm und denselben schlechte Nachrichten….. Und Kinder werden sich kaum darüber unterhalten, wo man grad Klopapier und wo Mehl her bekommt.

Und dann die Diskussion über die aufkeimende häusliche Gewalt in der Presse. Wem bitte ist denn nicht klar, das in dieser Käfighaltung von Menschen, bei gutem Wetter ist es Freilandhaltung, wenn der Garten benutzbar ist, sämtliche Konflikte aufkeimen, die man sonst eher mal so abgetan hat. Wem bitte ist es denn nicht klar, das manche Tür auch mal fliegt, ein Kind auch mal stundenlang einfach doch nicht Mathe macht oder Partner, die sich über Jahre, so wie C. und ich, nur am Wochenende gesehen haben, weil wir versetzt gearbeitet haben, sich neu kennen lernen müssen? Sich vielleicht auch mal einfach auf die Nerven gehen.

Und was hat hier geholfen? Sich einfach selbst nicht so wichtig nehmen. Und wie sagte meine Mutter immer, wenn ich ihr als Kind gesagt habe, das ich mich langweile?

„Entweder spielst du was oder du hälst es aus. Das muß man nämlich auch mal.“

In diesem Sinne: Bleibt gesund.

 

 

 

Corona-Käfighaltung

Freilandhaltung ist im Moment nicht. Es schneit. Also sind wir jetzt wieder in Käfighaltung. Alles findet im Haus statt.

C. kam gestern mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Da darf man ihn nicht besuchen. Er hatte Rücken und am Ende einen derartigen Medikamenten-Cocktail, das er doch von der Station bis zum Haupteingang kommen konnte. Er torkelte zwar ebbes und hatte vergessen, das er mir erzählt hatte, das er geröngt worden war und unterstellte mir hellseherische Fähigkeiten, aber…

Heute konnte ich ihn wieder abholen. Das Argument des Arztes, wer samstags kommt, muß damit rechnen, bis Montag zu bleiben, sonntags werden keine Arztberichte geschrieben und warum er denn überhaupt am Samstag gekommen war, wenn er doch schon wieder gehen wollte.

Er war ja nun nicht freiwillig ins Krankenhaus gefahren. Es war ja der Notarzt und der Rettungswagen…

Die Käfighaltung verschlimmert mein Gedankentourette. Der Freund von klein E., mittlerweile ist sie 15, hat keinen Zugang zu unserem Haus. Er wollte im Januar einfach zu ziehen und war der festen Überzeugung, ich würde ihn mit durchfüttern.

Jedenfalls ist dieser Freund gestern mit den kleinen Mädchen und groß E. zu unserer Omma. Groß E. putzt dort.

Ich habe mich maßlos aufgeregt. Immerhin gibt es Kontaktsperre und habe ihm per Voice-Mail mitgeteilt, das er bei meiner Mutter nichts zu suchen habe.

Er schrieb mir, das käme nicht mehr vor.

Am Liebsten hätte ich ihm geantwortet: „Schleppst Du meiner Mutter Corona ein, dann kommst Du nicht mehr vor!“ Aber das macht man ja nicht.

Er heißt bei uns nur noch „das Schweinchen“, weil er hier im Haus in E.s Zimmer eine Müllsammlung sonder gleichen veranstaltet hat. Er war jeden Tag und jede Nacht hier. Die Beziehung mit ihm hat unserer Familie sieben Anzeigen eingehandelt…passiert jetzt aber nichts mehr, weil Corona.

Ansonsten? Die Kinder beschulen. Nicht einfach.

Ich habe einen Pizza-Stein gekauft. Der verbessert die Qualität vom Brot.

Und eine Overlock-Maschine, die verbessert die Nähte von Stretchstoffen.

Aber: Ich würde gern mal wieder mit Doro oder Astrid….oder auch Omma…

Am Freitag war ich bei uns im Real. Ich laufe wieder an Gehstützen. Also mußte Mella mit, einer mußte ja den Wagen schieben. Ich wollte Wasser kaufen und wußte von den Nachbarn, das Real welches hatte.

Im Eingang stand Security.  Ich solle mir doch auch einen Wagen nehmen, damit würde ich doch besser laufen können.

„Woher wollen Sie das wissen?“ Und noch bevor er antworten konnte, setzte ich fort: „Sie schicken mich weg und ich schreibe das der Zeitung.“

Und zack, durfte ich rein. Mal irgendwie halblang bitte.

In diesem Sinne…

Corona, Hausarrest, Schule und Hüttenkoller

Tag 12. Tag 12 ist wie Tag 11 nicht mehr einfach.

Zunächst dachte ich, es ist wichtig, über die Länge der Zeit die ganze Geschichte als Normalität zu sehen. Das ist durchaus nicht einfach.

Alle sind zuhause. C. musste gleich am 16. März ins Home-Office. Wegen der Kinder. Nicht, das es Probleme mit deren Betreuung gäbe.

Mein Arbeitslosenantrag steckt in der Bearbeitung fest, nachdem die Frau im Büro meiner ehemaligen Firma das Ding so ausgefüllt hatte, das es zur erneuten Bearbeitung in die Firma zurück geschickt werden musste.

Beispiel: Die Frage war, wer das Arbeitsverhältnis gekündigt habe.

Dann stand da: „Durch:…“. Sie hat eingetragen bei „Durch:“ „Ohne Angabe von Gründen“. Außerdem hatte sie im Formblatt angegeben, das mein Arbeitsverhältnis dort erst am 01.01.2018 begonnen hätte und ich in dieser Zeit nicht halbtags, sondern nur auf 450 Euro dort gearbeitet hätte.

Und nun kommt Corona. Und nichts geht mehr….Gestern kam mit der Post die Ablehnung meines Arbeitslosenantrages vom Mai letzten Jahres. Wenn sowas normales schon so lange dauert, dann hoffe ich, das ich mein jetziges Arbeitslosengeld noch vor meiner Rente in 14 Jahren bekomme.

Jedenfalls bin ich derzeit aus dem Krankenversicherungsschutz raus und es hat mich einen ganzen Vormittag und eine Rechtsberatung durch die Rechtsschutz gekostet, den Antrag auf freiwillige Familienversicherung bei der Krankenkasse zu bekommen.

Aber: Geschafft. Finanzielle gesehen bin ich jetzt am Arsch, weil 1000 Euronen pro Monat fehlen, aber….was soll ich machen. Hartz4 beantragen? Geht nicht, weil ist dauerbesetzt die Leitung dort.

Seit mehr als einer Woche bin ich bemüht, die Schulkinder zu unterrichten. Boah. Schulkinder, Haushalt, Bettruhe, Einkaufen….und normalerweise auch noch Bewerbungen schreiben für das Arbeitsamt.

Da mache ich mich am Wochenende dran. Vielleicht sind ja nach Corona noch Firmen über….

„Gehen Sie doch mit den Kindern in den Wald!“ war die Ansage der Pflegestellenunterstützung.

Guter Witz. Zig Wege im Harz sind für die Öffentlichkeit gesperrt. Und laufen kann ich auch nicht ohne Gehstützen und schon gar nicht lange.

Wir sind also zuhause und im Garten. Zwei Gärten weiter spielen die Nachbarskinder. Diese und die meinen haben eins System entwickelt, wie sie gemeinsam, durch den Garten von Herrn Doktor und sin Fruwe getrennt in zwei Gärten verstecken spielen können. Sie sind einsam. Alle. Sie vermissen ihre Freunde.

Hanni hatte Mini täglich angerufen, obwohl sie bei ihrem Vater in anderswo ist. Und gestern rief sie an, sie könne jetzt 7 Tage nicht anrufen, weil sie in die andere Wohnung fahren…..Aber sie werde sich dann wieder melden.  Mini hat bitterlich geweint.

Hin und wieder telefonieren wir Mütter. Aber es ist nicht dasselbe. Überhaupt nicht. Da hilft es auch nicht, das jeder  seinen eigenen Kaffee trinkt.

Abendessen bei uns ist ganz leise. Es gibt ja auch nichts mehr zu erzählen. Wir erleben ja alle dasselbe. Von morgens bis abends.

Manchmal habe ich mich gefragt, ob C. auch daran denkt, das die in China zur Scheidung Schlange stehen……Ob wir das als Paar überstehen? Schon letzte Woche kam von seinem Arbeitgeber der Bogen zur Kurzarbeit.

Am Arsch. Wir sind alle am Arsch.

 

Tag fünf mit einem neuen Knie

Es ist ein bischen wie Zahnarzt, nur irgendwie größer und die Stelle ist auch blöder, weil es da nicht reicht, den Mund zu halten.

Montag war ich fällig. Zwei Titan-Kronen zieren Ober-und Unterschenkel, wenn die Narbe gut wird, lasse ich mir einen Reisverschluß drauf und rum tatowieren, denn ich habe jetzt ein gerades Bein . Länger zwar als das andere, aaaaaber gerade.

Freunde, das ist nicht mal eben einfach so und toll und los. Mittwoch durfte ich aufstehen und versuche laufen zu lernen, weil das Scheißding gar nicht so funktioniert wie ich denke.

Das ist nicht einfach…..Nächste Woche geht es in die Reha und dann sehen wir weiter, das lange Bein und ich.

In diesem Sinne…

Frei!

Ich bin gekündigt worden. Ein schwerer Mantel ist mir von den Schultern gefallen. Ich kann wieder atmen.

Aber von vorn:

An meinem Geburtstag , zehn vor zwei, rief die Chefetage an und erklärte mir, das ich nicht mehr in meinem Objekt arbeiten dürfe, am nächsten Tag nicht mehr auf die Schulung dürfe und sofort den Schlüssel für das Objekt abzugeben habe.

Auf meine Frage, was denn passiert sei, antwortete mir die Dame aus der Chefetage, man sei nicht berechtigt mir auf  diese Frage antworten…Ich solle am nächsten Tag um neun im Büro sein.

Ich habe den Schlüssel abgegeben und  bin an meinem Geburtstag um acht ins Bett.

Am nächsten Morgen hatte ich Fieber und Mandeln. DAS hat mich geärgert. Scheiß-Körper. Und weil man in der Regel immer nur so gekündigt wird, wenn wirklich wirklich was Schlimmes passiert ist, naja.

 

Am nächsten Morgen war ich um neun im Büro. Eine Minute vor neun, weil ich keinen Spießrutenlauf durch die anderen Vorarbeiter machen wollte. Ich war ja in meiner Putzfirma nur noch Aufsichtskraft in der Reinigung, so in meinem Vertrag, und was auch immer das ist. Anfangs bekam ich den Vorarbeiterzettel, aber im Laufe der wenigen Wochen wurden mir mehr und mehr Rechte abgesprochen.

Nunja.

Aber noch mal einen Sprung zurück. Durch meine lange Krankheitszeit habe ich jede Menge Urlaub angesammelt, den ich eigentlich nicht wollte. Ich war froh, wieder arbeiten zu dürfen.

Dann gab es ein Gespräch im Büro und die Chefin wies mich an, diesen Urlaub zu nehmen, immerhin habe man ihn schon um 17 Tage gekürzt, weil ich ja in 2018 drei Montage gearbeitet habe und da hätte Urlaub nehmen können. Was ein Witz, aber egal.

Also bin ich nach Hause, habe 50 Tage im Kalender abgezählt und in den Urlaubsantrag eingetragen.

Dann hatte ich einen Termin beim Orthopäden. Und worunter ich wirklich leide ist nicht nur diese  blöde Orthese, sondern auch die Tatsache, das ich den Kindern das Radfahren nicht beibringen kann.

Und wir haben abgesprochen, meinen Urlaub dazu zu nutzen, mir ein neues Gelenk einzusetzen. Dafür würden sich 50 Tage Urlaub gut eignen. Eine Krankmeldung wollte ich nicht abgeben. Weil dann wieder so eine dumme Diskussion kommen würde.

Aber nun wurde es wichtig, ob ich den Urlaub bekommen würde.

Auch das wurde mir im Gespräch vorgeworfen, das ich den doch auf einmal haben wollte.

In dem um neun Uhr. Und eigentlich bin ich nur unfähig, unreflektiert, tanze da durch mein Objekt, alle Nachfragen wurden mir vorgeworfen, eigentlich ich selbst. Ich sollte zu den genannten Einzelfällen Stellung beziehen, aber keinen Einzelfall beantworten, nur allgemein.  Wurde immer wieder unterbrochen…

Dann war Ruhe.

Wie es nun weiter gehen solle, fragte der oberste Chef.

„Ich weiß nicht, ich denke, Sie werden da schon was vorbereitet haben.“

Er nannte mich frech.

Ich wurde gefragt, was mein Objekt denn für einen Vorarbeiter brauche. Und da hatten wir es wieder. Ich war ja nur Aufsichtskraft, was auch immer das ist.

Ich antwortet, das dort auf jeden Fall jemand hin müsse, dem die Kollegen vertrauen könnten.

Dann wurde ich gefragt,  wo ich meine Position in der Firma sehe.

Nach kurzem Nachdenken, denn Reinigen kann ich körperlich nicht mehr, und die Aufsichtskraft kann ich aus mir heraus nicht, wie man mir kurz vorher erklärt hatte,antwortete ich:

„Nun, das eine kann ich nicht mehr und das andere kann ich auch nicht. Ich habe keinen Nutzen für die Firma mehr.“

Ich solle sofort rausgehen und fünf Minuten über das gesagte nachdenken. Wieder waren sie sauer. Und ich verstehe das immer noch nicht. Sie hatte mir das doch eben gerade gesagt, daß ich nicht als Aufsichtkraft in der Reinigung tauge.

Als ich zurück kam, wurde ich erneut gefragt, ob ich über meine Aussage nachgedacht hätte.

Auch das habe ich nicht verstanden. Da brauchte ich nicht drüber nachdenken. Wenn das eine nicht geht und das andere nicht, hat man einfach keinen Nutzen für eine Putzfirma.

„Ich möchte endlich wieder mal genügen und das wollen Sie doch sicher auch.“  Das war meine Antwort.

Und um ehrlich zu sein, mir war am Vortag aufgefallen, das wenn ich die Orthese los werde, ich einfach wieder beruflich Chancen habe.

Also bin ich gekündigt worden. Meine Kündigungsfrist ist nur für mich verlängert worden um drei Monate mit sofortiger Freistellung.Das ist eigentlich was, das will ich gar nicht. Da ist immer noch ein Rest Mantel. Der Antwalt hat mir gesagt, ich soll ihn anrufen, fallls sie mich noch mal in der Zeit ins Büro bestellen.

So. Ich bin froh, das ich da raus bin. Einfach nur froh.