Sehr geehrtes Schulaufsichtsamt,

vor geraumer Zeit habe ich eine Einladungs zur Klassenkonferenz für meinen Sohn A. von der Oberschule in Vienenburg erhalten. Ich las den Termin, rechnete meine Schicht aus und bar um Terminverschiebung.

Zu diesem Punkt habe ich von der Schule nichts mehr gehört.

Weiterhin hörte ich mir an, was die Direktorin bewog, diese Klassenkonferenz anzusetzen. Sie hatte meinen Sohn aus der Schule abholen lassen wollen, hatte jedoch nicht zuhause angerufen oder aber Herrn R. (C.), sondern hatte (mal wieder!) auf meinem Handy angerufen. Ich gehe davon aus, daß das Absicht ist, denn auch in der Schule ist bekannt, das ich in Schichten arbeite und während der Arbeitszeit nicht an mein Handy gehen kann, es also lautlos im Spind habe, denn Handys sind auf dem Firmengelände verboten. Deshalb gibt es ja die Telefonnummer von Herrn R..

Nun erreichte die Direktorin nach ihren Angaben niemanden und schickte meinen Sohn zu uns nach Hause mit der von ihm eingeforderten Zusage, in der Schule anzurufen, sobald er Zuhause sei. Was an sich schon nicht möglich ist, denn woher soll mein Sohn die Telefonnummer der Schule bekommen, zumal die Internetnutzung, wie der Schule ebenfalls bekannt, für u.a. diesen Jungen nicht möglich war.

A. kehrte zum Schulschluß an die Schule zurück, um seine Freundin von dort abzuholen.

Die Direktorin stellte ihn zur Rede, weil das nach ihrem Schulverbot unzulässig sei, wogegen die an der Schule übliche Praxis, Schüler, die vom Unterricht suspendiert worden sind, ´regelmässig zu Klassenarbeiten und Test während der Supendierung in die Schule einzubestellen, steht.

A. reagierte pubertätstypisch, benutzte leider Worte wie „Ey“ und „Alter“, was die Direktorin dazu brachte, diese Klassenkonferenz anzuberaumen, weil sie sich ein solches Verhalten, das altergerecht , wenn auch respektlos ist, nicht bieten lassen könne, immerhin wäre dieser  Vorfall in einer ganzen Gruppe von Schülern passiert und sie verliere ja ihr Gesicht. Das hat sie schon längst.

A. hat jeden Respekt vor ihr schon verloren. Als A. von dem Mädel auf dem Klettergerüst geschubst wurde und sich Elle und Speiche brach und zweimal operiert werden musste, bekam das Mädchen keine Klassenkonferenz, weil sie ja “ so eine kleine süsse Blonde“ ist.

Auch im Zeugnis war nichts von den sechs Wochen Gips zu lesen, da die rechte Hand, seine Schreibhand, betroffen war.

A. , der sich altergerecht mit anderen Jungen seiner Alterklasse, rangelt, boxt und schubst, hat dafür schon einen Klassenkonferenz bekommen, weil er einen Jungen, der ihn am Bus wiederholt geschubst hat, boxte. Der Junge musste nicht operiert werden, er musste nicht mal zum Arzt.

A. musste dafür sechs Wochen neben dem Lehrerklo sitzen und kann ihnen nun genau sagen, welche Lehrerin wie pinkelt, durfte nicht an den Pausen teilnehmen und musste ein Buch lesen. Seine Freunde sind dann einfach in den Pausen rumgekommen. Weiterhin musste er bis drei Minuten vor Abfahrt des Busses vor dem Sekretariat warten. Ein Lehrer hat ihm wiederum mit der Polizei gedroht, wenn er nach dem Unterricht das Schulgelände nicht verlasse. Ja, was soll er denn nun? Warten oder gehen?

Abgesprochen war zwischen Elternhaus und Schulleitung jedoch  was ganz anderes als das, was aus der dieser  Klassenkonferenz heraus kam. Wir haben klar dargestellt, wie wichtig die Bewegung in den Pausen für A. ist. Und so machte die Direktorin den Vorschlag, A. solle doch mit der Pausenaufsicht über die Gänge laufen und Stühle zurecht rücken, Müll aufsammeln. Also Verantwortung übernehmen. Fanden wir eine gute Idee, zu mal es Lehrer  gibt, die ihn permanent vor die Tür stellen, weil er sie nervt. Der Vorteil bei der Begleitung der Pausenaufsicht wäre klar gewesen, das sowohl Lehrer als auch A. gezwungen gewesen wären, über einen Zeitraum von gut sechs Wochen Zeit miteinander zu verbringen.und somit eine ganz andere Beziehungsebene hätten erreichen können, und zwar über dieses  „Der nervt .“ hinaus. Damit wäre auch ein Schritt in die Richtung getan worden,  ihn nicht zum Schulschwänzer verkommen zu lassen, weil er ganz klar in dieser , wenn auch kurzen Zeit, immerhin sollte es sich nur um die Pausen handeln, eine ganz andere Beziehung zum Beispiel zu Frau V., die Biologie unterrichtet, bekommen hätte.

Ich habe die Schule auch angeschrieben, als mir A. erklärte, ihm sein von der Lehrerin, welcher auch immer, ein vom ihm geschriebener Test nach einem mündlichen Disput mit derselben zerissen worden sei und  jetzt als sechs gewertet werde, habe aber von der Schule keine Antwort bekommen.

Vor einigen Wochen sollen sich sämtliche seiner Lehrer samt Direktorin und Schulpädagogin mit A. in einen Stuhlkreis gesetzt und ihm erklärt haben, sie wären am Ende ihrer Möglichkeiten und wüßten nicht mehr, was sie mit ihm noch machen sollten. Das wußte A. durch die ewige Rausschmeisserei jedoch schon lange vorher. Im Übrigen habe ich davon erst hinterher erfahren und kann mir nicht vorstellen, das dies tatsächlich der Wahrheit entspricht. Aber seit wann muss mein Sohn ALLEIN einer so großen Gruppe Erwachsener gegenüber stehen?

Wie soll ich also meinem Sohn vermitteln, das er Respekt leben soll, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird? Vor allen Dingen, weshalb soll er Respekt haben vor Menschen haben, die erwachsen sind, und dennoch respektlos handeln, in dem sie die Situation nicht verändern? Nur der Erwachsene ist in der Lage, festgefahrene Beziehungen zu einem Minderjährigen nachhaltig zu verändern, denn nur ihm obliegt das Wissen und die Handlungsfreiheit.

Sollte diese Klassenkonferenz stattfinden ohne uns , bringe ich das Ganze vor Gericht.

Mit freundlichen Grüßen,

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2 Gedanken zu “Sehr geehrtes Schulaufsichtsamt,

  1. Die machen Euch das Leben ganz schön schwer. Du machst das alles aber schon ganz richtig, finde ich. Es ist schon ein Unding, wie wenig Rücksicht die Schule auf die Situation eurer Familie nimmt. Und mir geht geradezu der Hut hoch, wenn ich schon wieder mal lesen muss, wie sehr Jungs heutzutage an der Schule benachteiligt werden. Sie brauchen nun mal Bewegung und die Rangkämpfe in ihrem Rudel, und sie reden mehr als Mädchen eben so wie ihnen der Mund gewachsen ist. Das erscheint zwar manchmal respektlos, ist aber sicher ehrlicher. Meistens haben es aber die niedlichen blondgelockten Mädchen mit den großen Kulleraugen leichter, auch wenn sie fies und zickig sind. Es fordert eine bewusste Entscheidung von den Pädagogen, sich ihre Vorurteile und Präferenzen klar zu machen. Die hat nämlich jeder, darum muss man drauf achten, nicht ungerecht zu werden. Wenn ein Lehrer das nicht kann oder eine Rektorin das nicht will, hat sie ihren Beruf verfehlt. Lasst euch das nicht gefallen.

    Liebe Grüße und viel Geduld für Dich und Deine Jungs.

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    • Geduld brauche ich bei denen nicht. Sie haben mir Einiges beigebracht, diese Kinder. Pubertät ist interessant, weil sie da im Schnelldurchlauf noch einmal ihre gesamte Entwicklung durchmachen. Und Pubertät ist wie Trotzphase oder Regen oder Schnee. Das sind Dinge, die sind einfach so. Da kann ich machen, was ich will, es hört nicht schneller auf, es wird nicht anders irgendwann, es ist einfach so. Irgendwann wird es anders. Und man muss sich ganz eindeutig bewußt machen, was man an diesem kleinen oder großen wütenden Menschen eigentlich so sehr liebt. Beim ersten Kind muss man das dauernd, später braucht man das nicht mehr. Als Nummer 5 in die Pubertät kam, ist es mir rausgerutscht. „Mella, ich liebe Dich. Ganz doll, aber bitte,bitte lass Dir für deine Pubertät eine andere Art der Revolution gegen das Establishment einfallen. Alle Sprüche, die Du gerade bringst, habe ich schon viermal gehört. Ich mag das nicht mehr diskutieren.“ Hat er gemacht. Guter Junge, oder? Ganz liebe Grüße zurück.

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