Wenn Vollpfosten voll pfosten oder: wahrgewordene Klischees

Unser alter Hausmeister ist nach langen Jahren in Rente gegangen. Ihm folgte der Neue. Er kommt, wie man hier sagt, von drüben, aus Halberstadt also und ich freute mich einfach. Ich liebe sächsisch, auch wenn er es nicht spricht, Der Neue hängte Zettel in den Flur, wann er denn da zu sein gedenke. Montags von eins bis drei und donnerstags noch mal um dieselbe Zeit. Dann macht er Sprechstunde im Vorderhaus. Blöd nur, wenn die Frühschicht erst um eine Ankunft hier um 17 Uhr mit sich bringt und die Spätschicht eine Abfahrt um 12.56 Uhr, aber naja. Was soll`s.

Als ich letzten Mittwoch um 23.30 Uhr von der Spätschicht kam, fand ich ihn hier mitten in meiner endlosen Auffahrt zum Haus:DSC_0773 Ich darf vorstellen: Das ist Pfosten. Keine Vorwarnung, nix. Pfosten war buchstäblich über nacht da, weil Feuerwehrzufahrt und wir dürfen da oben nicht mehr parken, weil sonst nämlich der Mann, der einmal im Jahr den sauberen Sand auf die Matsche aus Sand, Katzenpisse und Glaschscherben in den Sandkisten schüttet ggf. um die Autos rum muss. Und damit man eine Ahnung bekommt, wie weit das Haus mit meiner Wohnung von der Strasse entfernt liegt, folgt dem Anfang des Weges auf dem obigen Bild eine kleine Serie. Allerdings musste ich drei machen, weil der Architekt den Weg so schön geschwungen geplant hat.

DSC_0774Das hier ist kurz nach Pfosten. Man kann mein Haus leider noch nicht sehen.

DSC_0776 Das hier ist etwa in der Mitte des Weges.

Und hier sieht man hinten rechts am Bild hinter den Müllcontainern den Eingang zu meinem Haus.

DSC_0775

Mehr rechts, aber immerhin, man kann das Haus schon sehen. Ich rief den Vermieter an. Also die Gesellschaft, von der ich gemietet habe.

Nein, der Pfosten bleibe, weil wir würden ja da immer parken. Ein Schild am unteren Ende des kleinen Wanderweges weißt aus, dass die Mieter zum Be- und Endladen dort oben halten dürfen, längstens zwei Stunden. Man ließ dies als Argument nicht gelten. Ich wieß darauf hin, dass ich die einzige barrierefreie Wohnung, wie man das wohl neudeutsch nennt, gemietet habe und das ich durchaus in der Lage sei, einem Richter deutlich zu machen, dass ich niemals eine derart abgelegene Wohnung mieten würde. Da gäbe es schönere Wohnlagen.
 Ich fragte, wie man sich die sechs Sixpacks Mineralwasser mit Sprudel, die zwei mit stillem Wasser und die Kanister mit Babywasser hochzubringen vorstelle….Ich verwies auf ein Urteil des Landgerichtes Lüneburg, wonach der Vermieter die Zufahrt zur Wohnung möglich machen müsse, um die Versorgung mit alltäglichem dem Mieter zu ermöglichen…

Nix zog. Die Mieter müssten erzogen werden. Der Hausmeister gibt den Aufpasser, damit abgeschleppt werden kann.Ich sagte daraufhin, dass ich dann eben ausziehen müsse, weil solchen Kraftsport könne ich nicht leisten und ob ich mir wie die anderen Mieter auch einen solchen Schlüssel für den Pfosten besorgen solle.Man versprach mir, mich zurück zu rufen.

Als ich mir schon die ersten interessanten Angebote im Netz angeguckt hatte, rief man mich zurück und genehmigte mir eine Härtefallregel. Ich darf mir so einen Schlüssel für den Pfosten kaufen.

Tante Herbote-Nr. Zwei, meine kleine rundliche Nachbarin, die mit dem sterbenden Mann….Als er mir erklärte, das sei schon immer so, das sei schon dreißig Jahre so, da waren die Lebensgeister erwacht und ihm lief wirklich offensichtlich die Suppe am Bein runter, als er mir erklärte, der neue Hausmeister, Mr. Blockwart, der sein ein ganz scharfer Hund, nicht so ein Luschi wie der alte Hausmeister. Wenn jetzt Leute Teppiche über die Balkone hängten, dann würde er sie einfach runterreißen. Mir platzte ob soviel Dummheit auf einen Haufen die Hutschnur.  Ich sagte ihm: „Das darf der nicht. Der darf nicht einfach fremder Leute Eigentum von irgendwelchen Balkonen reißen. Er kann dem Vermieter Bescheid sagen, der kann das regeln….so ist das Gesetz. Wir sind hier nicht im dritten Reich und auch nicht im Ostblock. Dies hier ist kein rechtsfreier Raum.“

Am Donnerstag kam er dann, Mr. Blockwart. Im Keller liegt noch immer der Sperrmüll, der jeden Tag wächst. Die Spielgeräte sind kaputt, eine Wippe hat nicht mehr nicht nur noch einen Sitz, sondern dort, wor der zweite fehlt, da splittert das Holz, aber Mr. Blockwart hat nichts besseres zu tun, als alle Mieter daran zu hindern, ihre Einkäufe mit dem Auto ans Haus zu bringen.

Mr.Blockwart kontrollierte erstmal im Haus, ob alle Lampen der Flurbeleuchtung noch gehen würden (was sie eigentlich die ganze Zeit tun, seid ich hier wohne) und wollte dann bei Frau L., die eine neue Waschmaschine bekommen habe, diesselbe anschließen. Hernach wollte er zu Tante Herbote-Nr.-Zwei, die ihm erzählen wollte, das der Obermieter K. gesagt habe, er habe gesehen, wie einer der vor einigen Monaten ausgezogenen Mieter den Sperrmüll in den Keller gestellt habe.K. hat es nicht so mim Gedächtnis, denk ich, weil es ist ihm ja erst jetzt eingefallen.
Mich erinnert die Situtation nur an meine Kids. Wenn irgendwer Scheisse gebaut hat, dann frag die mal , wer das war. Ich garantiere dir, die sagen, daß es derjenige war, der grade nicht im Haus ist.Auf jeden Fall hat Tante Herbote-Zwei erst einmal allen anderen das mit dem K. erzählt. 

Der Blockwart hatte den Anlernling mitgebracht. Dem hatte ich gesagt, man solle sich doch endlich um die wichtigen Sachen kümmern. Der Blockwart ist ja nun der Held des Blockes, weil endlich die Klingelanlage repariert wird, wobei ich denke, das wäre sie jetzt um diese Zeit sowieso. Aber naja, Menschen brauchen Helden.

Als ich abfahrbereit mittags in meiner Küche noch ein Eis nahm, klingelte es. Der Blockwart samt Anlernling. Ich hatte moniert, dass ich seit November auf die Wasserabsteller warte. Nun wollte er gucken. Auch wegen dem Schimmel in der Dusche.
Ich sagte ihm: „Nicht jetzt.“
 Auf keinen Fall jetzt, wenn in zwanzig Minuten mein Zug geht und ich noch zum Bahnhof muss. Wir einigten uns auf einen Termin in meiner Spätschichtwoche, also nächste Woche. DAs widerlichste war einfach, dass der Blockwart so ein kleines Buch in der Hand hatte,, eins, desssen Seiten am Außenrand rot eingefärbt waren….und ich war die ganze Zeit versucht, ihm sein Büchlein aus der Hand zu reißen und es aufzuessen..

Ich habe ihn jetzt, sowohl den Brief mit der Sondergenehmigung als auch den Schlüssel. Und ich frage mich, ob ich nicht auch mal die Petze geben soll, wer denn da alles noch schlüsselt….aber irgendwie ist das Niveau einer solchen Aktion so tief, dass ich Angst habe, ich komme mit meinem Kreuz nicht wieder hoch.

 

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