Heribert…

Da kommst Du von der Arbeit. Es ist schweine-heiß. Du bist froh, im Zug zu sitzen, die Klima-Anlage läuft nicht und Du sitzt auf einem dieser Notsitze zwischen fremden Menschen, die genauso stinken wie Du selbst, weil sie genau wie Du von der Arbeit kommen. Und die, die aus meiner Firma kommen, die da irgendwo sitzen, die haben genauso viel Lust auf small-talk wie ich, nämlich gar keinen, weil den ganzen Tag Rhabarbar-rhabarber-rhabarber…..Da ist nach Feierabend erstmal eins angesagt: Fresse halten.
Der Zug hat Verspätung, mal wieder. Der zweite Teil des Zuges kommt zu spät. Durch den Zug läuft die ganze Zeit ein junger Mann im Cord-Sacko mit Klemmbrett, der die Reisenden zählt….Zähl man, aber quatsch mich nicht an. Ich will nicht reden und ich habe nicht mal Bock Dir zu sagen, warum ich jetzt genau in diesem Zug sitze.
Das hatte ich nämlich auch schon, eine verbale statistische Erhebung der Bahn. Und auch als der lecka-Schnitte mit der Mega-Erotik-Stimme gesagt hab, das da vorne noch andere sitzen, die man befragen könnte, weil ich echt keine Lust habe….sie ließ nicht locker.
Der fragt jedenfalls nicht.
Es ist heiß. Wir sitzen, die nächste Verspätung wird angesagt…..wir sitzen….da geht die Tür des Zuges auf und da kommt er:
Er, in Bermuda-Shorts aus braunem Jeansstoff, mit grauen Tennissocken, wilden Nike-Turnschuhen mit rasantem grünsilbernem Streifen auf weißem Grund, mit braven zart hellgrün-braun-weiß längs gestreiftem Hemd, akkorat gebügelt, versteht sich und kleiner Nickerlbrille, passend zu braven Schnitt der grauen Haare – Heribert. Und er kommt nicht allein. Er hat sein Fahrrad dabei, ein dicker Klumpen von Rad, Touring-Rad mit breitem Lenker, breiten Reifen, fettem Rahmen und Echleder-Sattel. Am Lenker prangt die kleine Tasche, auf deren Oberseite die Karte eingeklemmt werden kann, und ein fadenscheiniger Fahrradhelm in ebenso rasanten Farben wie Heribert sie sonst auch überall mit sich trägt.
In seiner Fahrradtasche, die am Gepäckträger hängt, kleppert es, als wäre sie voller Flaschen und Heribert hat richtig vorgesorgt, er hat gut eineinhalb Liter Wasser, verteilt auf zwei Flaschen in die Halterungen des Rahmens geklemmt.
Und als alle Arbeitenden gerade im Zug sind, stehend die Flächen vor den Türen blockieren, da kommt Heribert, bewaffnet mit zwei Fahrkarten, eine für ihn und eine für sein Fahrrad und ich frage mich während der ganzen Fahrt:
Erstens: Wenn man Fahrrad fahren will, warum zur Hölle macht man das mit einem Zug?
und zweitens:
Wenn der schon Zeit hat, warum zur Hölle muss der mit seinem blöden Drahtesel, der sogar Markierungen für die Umdrehungszählerei an seinem Vorderrad hat, also warum muss der, wenn wir von der Schicht kommen und nicht mal mehr alle Sitzplätze bekommen, warum muss der also ausgerechnet JETZT fahren und alles noch enger machen , als es eh schon ist?

Ich werde es nie verstehen….zu meiner Zeit machten wir auch Fahrradtouren, aber irgendwie ging das damals noch ohne Zug. Wir sind die Strecke einfach gefahren mit dem Rad.

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