Damit was bleibt…

eigentlich sollte ich lernen, aber heulend kann man das nicht.
Meine Mutter rief mich heute abend an. Und es dauerte eine Stunde voller Belanglosigkeiten bis es zum Punkt kam. Mein Stiefvater liegt im Sterben. Wir waren beide schockiert und völlig stark, immerhin ist die Beziehung der beiden schon zehn Jahre rum…..
Sie sagte, es täte ihr leid. Wir sind so wunderschön sachlich in solchen Momenten……
Dann haben wir sachlich das Gespräch beendet und ich rief C. zurück und erzählte ihm, was war und mir wurde bewußt, daß die beiden seit zehn Jahren nicht mehr gesprochen hatten und nie mehr die Chance haben würden, …..

Ich bin mir sicher, sie haben sich sehr geliebt, dieser schweigsame dicke, mutige Mann und meine Mutter, aber ich weiß auch, daß sie von Anfang an keine wirkliche Chance hatten. Er war LKW-Fahrer und fuhr einen 3er BMW, arbeitete bei einer großen Baufirma im Nachbar und war mutig genug, seinem Chef seine Meinung zusagen. Er nannte ihn Pausenclown. Und wurde natürlich prompt entlassen. Zwanzig Jahre später war der Chef immer noch in der Firma und mein Sohn hat dort gelernt und als auch er von einem Pausenclown sprach, da wußte ich Bescheid.

Sie waren beide verwitwet, meine Mutter und er, hatten jeweils eine Tochter,  in der Pubertät. Nicht gerade gute Vorraussetzungen , aus zwei Einzelkindern Geschwister machen zu wollen…. Wir sind trotzdem groß geworden, ich zum Leidwesen meiner Mutter nicht wirklich einfach.
Vor zehn Jahren ist sie ausgezogen, meine Mutter. Sie wollte, daß er mitgeht, sie wollte das die ganzen Jahre, raus aus seinem Elternhaus, endlich mit ihm alleine leben, aber er ging nicht mit. Und sie haben nie wieder ein Wort gesprochen.

Nach zwanzig Jahren hoch unt tief. Das einzige, was er zum Begehren meiner Mutter sagen konnte, war, daß wenn sie bliebe, alles in Ordnung sei. Sie blieb nicht.

Er hat Jahre gebraucht, bis er eine neue Frau an seiner Seite hatte, zog mit ihr aber nicht mehr zusammen, meine Mutter lebt lieber allein.

In der Kindheit meiner Kinder ist er der nette Opa, der nur böse wurde, als F. sein Luftgewehr gefunden hatte und versuchte, seinen älteren Bruder zu treffen….Sie sprechen noch heute von ihm und lachen ganz viel, weil er ihnen viel zum Lachen gegeben hat. Ich glaube, daß ist mit dem Ewig Leben gemeint, wer in unseren Herzen bleibt, der ist nicht tot.

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