Reha und MS

„Ich komme wieder.“

Das sagst Du mir.

„Ich komme wieder und dann trinken wir Kaffee.“

In den letzten drei Wochen warst du zwei mal im Krankenhaus und sie wussten nicht, was sie Dir sagen sollten, was es ist.

Beim zweiten Mal sagten sie Dir: „MS.“ Und du warst erleichtert, das das Kind einen Namen hat und voller Sorge, weil Du Deinem Sohn ein wichtiges Versprechen gegeben hast.

„Nimm nix, was das Immunsystem anschiebt. Nimm sowas bloß nich.“

Sie kriegen das Ding in deinem Kopf nicht in den Griff und auch das Taubheitsgefühl nicht. Es ist noch hier und da da und du bist froh, das es nicht mehr die ganzen Körperhälfte trifft.

Aber nächste Woche geht es in die Reha. Du hoffst, wieder zu kommen und es ist alles wieder wie früher.

Es wird nix wie früher, denke ich. Das ist immer so. Nix wird wie früher, aber das sage ich nicht.

Ich google. Höxter. Reha-Kliniken und Sterne-Bewertungen. Wie ist das Essen? Wie ist der Speisesaal? Wie ist das Personal? Sauberkeit?

Man muss ja wissen, was man schicken muss. Gibt es Wlan und wenn ja, funktioniert das auch?

Und nun weiß ich auch, was geschickt werden muß. Klopapier, Essen sowieso, das ist ja immer so, Desinfektionsmittel für das Bad und eigentlich muß jemand am Wochenende hin, um Kaffee zu bringen, weil niemand in seinem Zimmer einen Wasserkocher aufstellen darf. Und ganz klar die kleinen Danke-Schöns für die Putzfrauen und das Pflegepersonal. So für zwischendrin. Putzfrauen muss man immer bestechen, die können in der Regel super mit dem Hausmeister und der Küche.

Okay, und die Kritik mit dem Wasserhahn sind Peanuts.

Dann hin da und komm bloß zurück.

Reha

Ich soll zur Reha. Am besten eine Gute.

Ich will aber von zuhause nicht weg. Also bitte ambulant.

Doro ist dagegen. Die sollen alle mal sehen, wie sie zurecht kommen, meint sie.

Ja, so denke ich manchmal auch, gerade dann, wenn ich einen schlechten Tag habe und die Arbeit mich überrennt. Dann denke ich auch: „Ich mach bald Kur! Seht ihr mal, wie ihr klar kommt!“

Aber ich weiß auch einfach:

Wenn wir an Meer fahren, dann freue ich mich richtig drauf. Und wir kommen Samstag gaaaaaaaaaaaanz früh morgens an und es ist wunderschön und wir suchen einen Zeltplatz und bauen auf und abends bin ich froh, daß wir am nächsten Tag nach Hause fahren.

Und Sonntagsmorgens, wenn die Sonne gerade aufgeht, dann geh ich mit Olaf an den Strand und denke: „Boah, was schön! “ Das Meer, der Wind, der Olaf und ich. Und vielleicht noch ein Fliegevieh am Himmel, aber sonst keiner. So, genauso könnte das bleiben. Bleibt es aber nicht, weil dann kommt der erste Bader….und dann bin ich wieder froh, daß wir nach Hause fahren. Heute Nachmittag.

Ich will in keine Klinik. Die ganzen Leute, das Essen. Ich habe ein Bett und da will ich schlafen. Gesund werden kann man eh nur zuhause.

„Du mußt aber mal in eine Klinik.“ sagt Doros Mann zu mir.

„Nein, muß ich nicht.“

Er guckt ernst.“Du mußt mal an Dich denken….“

„Ich denke mein Leben lang an mich.“

„Du bist zu viel Mutter, du mußt mal alles vergessen…“ Ein absoluter Widerspruch in sich.

„Ich muß mich einfach von den Menschen erholen können. Zuhause ist mein sicherer Ort.“

„Du hast doch ein Einzelzimmer…“ Doro sucht nach neuen Argumenten.

Mädels. Man! Reha an sich ist in Ordnung. Ohne Menschen, ohne da schlafen und ohne da Essen.