Prüfung

an meine erste Prüfung kann ich mich noch gut erinnern. Es hat mich alle Kraft gekostet, dort überhaupt hin zu fahren und nicht einfach wegzulaufen.
Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, mich auf meine Hände zu setzen, damit nicht alle denken, ich wäre ein Trinker auf Entzug, zumal die Schweißausbrüche und das käsige Gesicht reichen.
Morgen ist Prüfung.
Ich bin schon ganz gut geworden, ich bin nicht mehr zwei Wochen vorher panisch.
Und heute lasse ich sie einfach hier, meine Angst. Ich weiß nicht, ob das klappt, aber ich lasse die Schweißausbrüche hier, die Übelkeit, die Rückenschmerzen, die Fressattacken, den Weglaufreflex und die ekeligen schweißigen Hände, die Kopfschmerzen mit den Sehstörungen.
Ich werde dem Kind in mir nicht den ganzen Tag erzählen, dass die Welt sich auch morgen mittag noch weiter dreht, mich keine qualvollen Tode erwarten…, wenn das kleine Ding in mir weglaufen will, ja Schnittchen,m dann lauf doch. Pferde laufen auch nur 100 Meter.
Ich will nicht wie eine fette Fliege den ganzen Tag immer wieder tief ausatmen, meine Hände kneten und um einen Weltuntergang beten. Ich lasse meine 839 Rituale weg, ich will die nicht mehr.
Ich werde nicht darum beten, dass mich heute der Schlag trifft, damit ich da morgen nicht hin muss.
Gut, kochen kann ich heute sowieso nicht; ich habe Spätschicht. Aber das habe ich vor Jahren schon an Tagen vor Prüfungen eingestellt: gefrorene Erbesen-Möhren fliegen einfach zu weit, wenn man sie unbedacht panisch aufreißt, diese Tüten, und verbrannte Fischstäbchen sind nicht nur eine Schande für die Hausfrau, sondern schmecken auch einfach nicht.
Ich werde nicht den ganzen Tag Rescue Tropfen in mich reinwürgen. Ich weiß bei denen eh nicht, ob es der Brandy ist, mit dem die angesetzt sind oder die Blüten. Wenn ich Alkohol will, dann hol ich mir nen guten Wein, und wenn´s was medizinisches sein soll, dann nehm ich Klosterfrau Melissengeist, den haben sie mir als Kind schon löffelweise vor der Autofahrt gegeben, sollte helfen, aber ich konnte danach noch besser während der Fahrt kotzen.
So. Und jetzt mach ich Wäsche. Am Arsch die Räuber, ehrlich…